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Grünlandverbesserung auf Öko-Betrieben

21.02.2017

Artenreiches Grünland ist im Öko-Landbau am ehesten zu erwarten. Wo sich unerwünschte Arten zu stark ausbreiten, müssen als erstes die Ursachen ermittelt werden. Dann kann der Landwirt mit gezielten Maßnahmen gegensteuern.

Das Frühjahr naht und es stellt sich die Frage, welche Verbesserungsmaßnahmen sind in den nächsten Wochen auf dem Grünland notwendig? Teils sind es jährlich wiederkehrende Arbeiten, wie das Abschleppen der auch derzeit schon reichlich vorhandenen Maulwurfshügel, aber eben auch spezielle Arbeiten zur Verbesserung der einzelnen Grünlandflächen.

Einschätzung der Pflanzenbestände

Öko-Grünland ist unter sonst gleichen Bedingungen artenreicher als konventionelles Grünland. Deutsches Weidelgras, Weißklee, Wiesenschwingel, Lieschgras, Wiesenrispe, auf ausgesprochen trockenen Standorten (sind in NRW selten) auch Knaulgras gehören zu den sogenannten "erwünschten Arten". Dazu sollte aber auch ein gewisser Anteil von Kräutern gezählt werden, vor allem auf Weiden. Was die Tiere fressen, sollte nicht als "Unkraut" angesehen werden. Bei freier Wahl ist zu beobachten, dass die Weidetiere sehr verschiedene Pflanzenarten aufnehmen. Was die Tiere aber stehen lassen (beispielsweise Ampfer, Nester von Quecke, Disteln), ist weniger erwünscht.

Zurückdrängen unerwünschter Arten

Ein Zurückdrängen unerwünschter Arten ist nur möglich, wenn die Ursachen für das Auftreten sich abstellen lassen. Ansonsten sind die getroffenen Maßnahmen nutzlos. Ist der Anteil erwünschter Arten zu gering, sollte Folgendes geprüft werden:

  • Nährstoff- und Kalkversorgung des Bodens:
    Phosphor und Kalium sind im Öko-Milchviehbetrieb zwar meist ausreichend vorhanden, zur Sicherheit aber die Ergebnisse der Bodenproben ansehen. Ein Schwachpunkt ist auf manchen Grünlandstandorten der Boden-pH. Ist er unzureichend, breiten sich weniger wertvolle Pflanzen aus. Nachsaaten oder auch sonstige Bewirtschaftungsmaßnahmen haben hier nur wenig Erfolg. Nach Kalkung und intensiver Nutzung ist immer wieder auffallend, wie schnell sich die Bestände verbessern. Das zeigen die Weidetiere insbesondere dadurch, dass sie auf den Flächen jetzt länger verbleiben, die sie vorher nicht gerne beweidet haben.
  • Trag- und Trittfestigkeit des Bodens:
    Gerade auf feuchten Standorten ist eine intensive Bewirtschaftung nicht immer möglich. Bestimmte Arten, wie Wiesenfuchsschwanz und Hahnenfußarten können hier hohe Anteile einnehmen. In einem trockenen Frühjahr kann versucht werden, auf diesen Standorten etwas früher zu schneiden.
  • Auftreten von Giftpflanzen (auf das gesamte Öko-Grünland bezogen keine große Bedeutung):
    Im Randbereich von Gewässern tritt vor allem in Norddeutschland Sumpfschachtelhalm auf, auf extensiv genutzten Flächen stellenweise Jakobskreuzkraut. Beide Pflanzen dürfen nicht ins Futter und bei Beweidung darf das Futter nicht zu knapp werden. Sonst weiden die Tiere zu nah an den Giftpflanzen. Tödliche Vergiftungen sind nicht auszuschließen.
  • Umstellung der Bewirtschaftung:
    Werden bisherige reine Schnittflächen intensiv beweidet, vor allem bei Umstellung auf Kurzrasenweide, fallen weideempfindliche Pflanzen aus. Sind ausreichend weidefähige Pflanzen vorhanden, kann sich trotzdem innerhalb von wenigen Wochen ein sehr dichter Weidebestand entwickeln. Vor allem bei bisher eher extensiver Schnittnutzung mit fast ausschließlich Obergräsern entstehen aber Lücken, so dass ohne Nachsaat die Bestände schnell "entarten" können.

Nachsaaten zur Stabilisierung und Verbesserung von Grünland

Bei ausreichender Nährstoffversorgung und intensiver Nutzung gibt es auch im Öko-Landbau Bestände, die ohne jegliche Nachsaat eine sehr gute Zusammensetzung und eine hohe Flächenproduktivität haben. Das gilt für Niederungs- und auch Mittelgebirgslagen, für Schnitt- und auch Weideflächen. Sofern die Bestände bei Kurzrasenweide dicht sind, haben Nachsaaten keine Chance sich zu etablieren.

In lockeren Beständen (Umtriebsweide, intensiv genutzten Schnittflächen) können Nachsaaten dagegen zur Stabilisierung der Narbe beitragen. Damit die Nachsaat überhaupt eine Chance hat, sollte anschließend früh genutzt werden. Der beste Zeitpunkt hierfür ist das sehr zeitige Frühjahr (so früh wie möglich) oder der Herbst (Ende August, Anfang September), wenn das Wachstum und die Konkurrenz des Altbestandes nachlassen.

Ideal ist, wenn bei gleichmäßigen Beständen im Frühjahr und im Herbst jeweils 5 bis 7 kg/ha einer Nachsaatmischung ausgebracht werden. Dann gibt es zweimal die Chance zur Verbesserung. Entscheidend sind die Wachstumsbedingungen nach der Nachsaat. Bei größeren Lücken (zum Beispiel Mäuse- oder Wildschweinschäden) sind 20 kg/ha und mehr erforderlich.

Arten bei Nachsaat

Für eine Nachsaat eignen sich nur Deutsches Weidelgras und Weißklee, Wiesenrispe scheint - zumindest bei Kurzrasen - sich ebenfalls etablieren zu können, so die Untersuchungen in Österreich. Auch die eigenen Tests der letzten Jahre auf sieben Flächen bestätigen dies. Auf manchen Standorten lohnt sich bei Schnittnutzung ebenfalls die Ausbringung von Rotklee, so die Erfahrung auf einigen Betrieben im Mittelgebirge.

Weitere Informationen

Dr. Edmund Leisen, Versuchsleitung Milchvieh und Futterbau im Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW

Kontakt

Dr. Edmund Leisen
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 0251 – 2376 594
E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de

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