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Neue Weideflächen frühzeitig intensiv beweiden

28.08.2017

Neu angelegte Weideflächen sollten so früh wie möglich intensiv beweidet werden, auch sollte auf Neuansaat nicht organisch gedüngt werden. Wird das System "Kurzrasenweide" eingesetzt, darf keine Schnittnutzung vorweg erfolgen.

Mehrfach habe ich dieses Jahr neu angelegte Weideflächen mit geringer Flächenproduktivität angetroffen. Die Narbendichte ließ zu wünschen übrig, der Kleeanteil war nur gering, der Zuwachs war mäßig oder, nach Gülle- oder Stallmistgaben, verblieben viele Weidereste.

Betroffen sind unterschiedliche Standorte: So in Mittelgebirgslage, auf der Marsch, auf Lehmboden und auf Sandboden. Demgegenüber gibt es positive Beispiele, wo sich schon im ersten Jahr dichte Bestände entwickelten auf denen nur wenig Weiderest verblieb. Wie erklären sich diese Unterschiede?

 

Dichte Pflanzenbestände bei intensiver Beweidung

Positive Beispiele verdeutlichen, welches Potenzial auch in neu angelegten Weideflächen steckt. Von 112 Betrieben liegen zwischenzeitlich Produktivitätsdaten von 13 Jahren vor. Der langjährige Vergleich ermöglicht, die einzelbetrieblichen Auswirkungen von Veränderungen abzuschätzen.

So auch auf einem Öko-Milchviehbetrieb am Niederrhein auf Lehmboden, der vor 8 Jahren 60 % seiner heutigen Weidefläche von Acker in Dauergrünland umgewandelt hat. Das ermöglicht ihm, hofnah arrondiert Vollweide in Form von Kurzrasenweide zu betreiben. Auf dem Acker standen in den Vorjahren 67 % Kleegras, 28 % Silomais und 5 % Getreide. Ab dem 3. Jahr nach der Umwandlung fiel die Flächenproduktivität ab und lag zwischen dem 4. und 6. Jahr bei nur 73 % der vorherigen Leistung. 2015 und 2016 lag das Niveau bei 101 % und für 2017 zeichnet sich ab, dass es ein weit überdurchschnittliches Jahr wird.

Wie erklärt sich diese Entwicklung?

Bei Umwandlung von Kleegras in Dauergrünland setzt sich, wegen fehlender Bodenbearbeitung, der Boden ab. Durchlüftung und Umsetzungen im Boden gehen zurück. Damit sinken über Jahre die Nährstoffnachlieferung aus dem Boden und der Humusgehalt steigt. Es treten die in der Fachwelt bekannten typischen "Hungerjahre" auf. Beginn und Dauer der Hungerjahre sind standort-, witterungs- und nutzungsabhängig und nur schwer vorhersehbar. Typisch ist, dass die Hungerjahre erst nach 2 bis 3 Jahren auftreten. Denn zu Beginn ist der Boden noch locker und das Kleegras bringt hohe Erträge.

Entscheidend ist vor allem die Nutzung. So auch auf dem Betrieb am Niederrhein: Auf der Fläche mit Kurzrasenweide, wo nach Umwandlung direkt intensiv beweidet wurde (durchgehend unter 5 cm Wuchshöhe, Weidereste nur auf 1 bis 2 % der Fläche), bildete sich eine dichte Grasnarbe bestehend vor allem aus Deutschem Weidelgras und Weißklee.

Auf der Mähweidefläche, die zum 1. und teilweise auch 2. Aufwuchs geschnitten wurde, lag der Weißkleeanteil in den ersten Jahren dagegen niedrig, Weißklee war auch sehr ungleich verteilt. Diese Beobachtung ist nicht außergewöhnlich. Denn die Bestandesentwicklung von Neuansaaten der letzten Jahre zeigt, dass dies typisch ist vor allem für Betriebe mit hohem Kleegrasanteil in der Fruchtfolge. Die anfangs hohe Stickstoffnachlieferung aus dem Boden fördert die Gräser und bei Schnittnutzung kann Weißklee aufgrund des anfangs starken Graswachstums im Extrem sogar ausfallen. In der Folge gibt es zwar beim 1. Schnitt einen hohen Trockenmasseertrag, der meist jedoch sehr proteinarm ist. Die Folgeaufwüchse fallen, solange es an ausreichend Weißklee fehlt, aber schwach aus, und das über Jahre. Nachsaaten helfen hier nur, wenn anschließend nicht geschnitten, sondern intensiv beweidet wird.

Eine vergleichbare Beobachtung wurde im Ötztal in Österreich gemacht. Von der Ansaat aber auch von der Witterung her (kalte Winter, zeitweise trockene Sommer) hat hier Wiesenrispe in Neuansaaten hohe Ertragsanteile, einzelne Parzellen enthalten 80 % Wiesenrispe. Eine dichte, ertragreiche Narbe wurde erst erzielt, nachdem mit Kurzrasenweide intensiv beweidet wurde.

 

Bei Kurzrasenweide möglichst keine Schnittnutzung vorweg

In den Niederlanden aber auch in einigen anderen Regionen herrscht verbreitet die Meinung vor: Beweidet wird erst nach dem 1. Schnitt. Dann ist „das Winterfutter schon mal gesichert“. Für Betriebe mit Umtriebsweide mag dies vielleicht gelten. Nach dem Schnitt wird 4 Wochen gewartet, bis die Fläche das erste Mal zugeteilt wird. Der Bestand hat damit Zeit, sich von der Schnittnutzung zu erholen.

Bei Kurzrasenweide sieht dies allerdings ganz anders aus. Hier sollte der Aufwuchs möglichst nie länger als 5 cm sein. So vermeidet man Filzbildung und der Zuwachs erfolgt laufend aus tiefer gelegenen, grünen Pflanzenteilen, die vom Verbiss der Tiere kaum betroffen sind. Erfolgt als Erstes eine Schnittnutzung, verbleibt eine Stoppel. Bis zur Stoppelhöhe verbleiben alte und tote Pflanzenteile. Das hemmt die Futteraufnahme. Aber auch der Zuwachs ist gehemmt. Denn die älteren Pflanzenteile können selbst nur begrenzt Photosynthese betreiben. Der Neuzuwachs muss sich, anders als bei der Kurzrasenweide, nach Schnittnutzung vor allem aus den verbleibenden Reserven bilden. Wird der Neuzuwachs laufend verbissen, wird der Pflanzenbestand geschwächt und die Flächenproduktivität ist gering. Hieraus erklärt sich auch, warum nach Zuteilung von Schnittflächen diese über Wochen kaum zur Milchproduktion beitragen. Im Frühjahr vor der Schnittnutzung vorgeweidete Flächen lassen sich dagegen schneller in produktive Weideflächen überführen.

Quelle: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Münster, den 14. August 2017 

Weitere Informationen

Dr. Edmund Leisen, Versuchsleitung Milchvieh und Futterbau im Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW

Kontakt

Dr. Edmund Leisen
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 0251 – 2376 594
E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de

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