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Grünland - Saatgut sehr knapp

19.07.2018

Trockenschäden auf Grünland reparieren

Die Trockenheit hat sich je nach Region aber auch je nach Boden und Pflanzenart sehr unterschiedlich ausgewirkt. Das zeigen sie Rückmeldungen aus der Praxis aber auch die Flächenbegehung auf 10 Betrieben in der ersten Juliwoche.

Trockenschäden im Norden

Nördlich der Mittelgebirge war es im Mai und Juni sehr trocken. Glücklicherweise hat es in den letzten Tagen etwas geregnet. Das hat manche Bestände noch retten können. Auf einigen Grünlandflächen war allerdings der gesamte Bestand schon abgestorben, auf anderen Flächen gab es zwischen den vertrockneten Pflanzen noch lebende. Äußerlich braune, aber noch lebende Gräser und Kleearten ergrünen nach Niederschlägen in wenigen Tagen.

Nach- und Übersaat rechtzeitig einplanen

Lassen sich Pflanzen leicht herausziehen und sind die Wurzeln braun, so ist das ein Hinweis darauf, dass diese abgestorben sind. Hier sind rechtzeitig Nach- bzw. Übersaaten auf dem Grünland einzuplanen. Zwar wird die Narbe früher oder später wieder grün, es besteht aber die Gefahr einer starken Verunkrautung und Verungrasung. Ist die alte Grünlandnarbe großflächig abgestorben oder extrem lückig geworden, ist eine umbruchlose Schlitzsaat mit geeigneten Techniken (z.B. von Vredo, Köckerling) zu empfehlen.

Für die Nach- bzw. Übersaat sollten Qualitätsstandardmischungen gewählt werden, die ausschließlich regional empfohlene Sorten enthalten. Auf reinen Weideflächen sollte die QSM G V (ausschließlich Deutsches Weidelgras) nachgesät werden. Für reine Schnittflächen sowie für Mähweideflächen eignet sich, je nach Standort und Nutzungsintensität, eine der anderen QSM (z.B. G II).

Über die QSM für Mittelgebirgs- und Niederungslagen für den nordwestdeutschen Raum können Sie sich in unseren Faltblättern oder online informieren unter:
http://www.riswick.de/versuche/pflanzenbau/gruenland/veroeffentlichungen/qsm-mittelgebirge.htm
http://www.riswick.de/versuche/pflanzenbau/gruenland/veroeffentlichungen/qsm-gruenland.htm

Ziel ist es, durch Nachsaat die Grünlandnarbe geschädigter Bestände bis zum Herbst noch zu schließen und damit die Basis für die Ernte 2019 zu legen. Luzerne sollte bis Anfang August gesät werden.

Je nach Schädigungs- bzw. Lückigkeitsgrad der Grünlandnarbe empfiehlt es sich, für Durchsaaten eine Saatmenge zwischen 20 und 30 kg/ha auszubringen.

Saatgut ist knapp – bei Dauergrünland nur empfohlene Sorten einsetzen

Saatgut für Nachsaaten ist derzeit sehr knapp. Nach Auskunft des Handels sind Lieferfristen von vier Wochen einzukalkulieren. Das gilt sowohl für ökologisch als auch für konventionell vermehrtes Saatgut. Deshalb sollten sie schnellstmöglich bestellen.

Für eine Sammelbestellung durch die AG ÖkoFuWi ist der verfügbare Zeitraum zu knapp. Wird in Öko-Betrieben konventionelles Saatgut eingesetzt, muss eine Einzelgenehmigung beantragt werden. Denn Dauergrünland braucht einen langjährig stabilen Pflanzenbestand. Hier sollten sie kein Risiko eingehen.

Luzerne nicht zu spät säen

In den nächsten Wochen werden die Ackerfuttermischungen für mehrjährigen Anbau gesät. Damit sich die Fehler des Vorjahres nicht wiederholen, sind nachfolgende Erfahrungen und Empfehlungen zu beachten:

Erfahrungen mit Luzerne 2017/2018

Luzerne hat sich nach Ansaat in 2017 in Norddeutschland oft nur schwach entwickelt. Wo bei Ansaaten der Vorjahre 70 bis 80 Prozent Luzerne stand, da waren es in diesem Jahr häufig weniger als 10 Prozent. Die Startbedingungen waren für diese wärmeliebende Pflanze im letzten Herbst nicht gerade ideal. Denn bei kühl nasser Witterung im Herbst entwickelten sich vor allem die Gräser, die Luzerne konnte nicht mithalten.

Empfehlungen für Luzerne und Luzerne-Grasanbau

Es ist ratsam, Luzerne und Luzernegras entweder bis Anfang August oder erst im kommenden Frühjahr zu säen. Ackerflächen mit hohem Unkrautdruck sollten für den Luzerneanbau gänzlich ausgeschlossen werden, da das Anbaurisiko hier zu groß ist. Zu schwach ist die Jugendentwicklung der Luzerne.

Als Mischungspartner sollten sie Wiesenschwingel und Lieschgras wählen (beispielsweise die A 9-Mischung), auf ausgesprochen trockenen Standorten Knaulgras. Werden höhere Luzerneanteile angestrebt, muss auf wüchsige Gräser verzichtet werden.

Quelle: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Münster, 13. Juli 2018

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