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Klimawandel: Alterungsprozess bei erstem Aufwuchs bisher kaum beeinflusst

27.04.2020
  • In Kürze:

    • Aufwuchs im Frühjahr startet früher
    • Bei gleichem Schnitttermin - vergleichbare Futterqualität
    • Gezieltes Zufüttern braucht Futteranalysen
    • Große Schwankungsbreite bei Inhaltsstoffen
    • Für Projektbetriebe: jährlich drei kostenlose Probenanalysen (Silage oder Heu) bei der LUFA NRW

Der Aufwuchs im Frühjahr startet zwar früher, der Vergleich von Futterproben der letzten 21 Jahre zeigt aber, dass im Öko-Landbau bei gleichem Schnitttermin weiterhin eine vergleichbare Futterqualität erzielt wird. Wer bedarfsgerecht zufüttern will, der braucht Futteranalysen. Denn von Jahr zu Jahr gibt es bei den Inhaltsstoffen große Schwankungen. Projektbetriebe (beteiligt an Jahres-, Weideerhebungen oder Mischungsvergleichen) können jährlich drei Proben an Silage oder Heu kostenlos (gilt nicht für Maissilage oder GPS) bei der LUFA NRW untersuchen lassen.

Erste Nachfragen kamen vergangene Woche, da sich am Niederrhein Kleegrasbestände, insbesondere Landsberger Gemenge, schon stark entwickelt haben. Muss da nicht bald geschnitten werden? Altert das Futter nicht doch zu schnell? Meine Empfehlung lautet, nicht nur den Ertrag sondern auch das Entwicklungsstadium richtig einschätzen.
 

21 Jahre Vergleich von Schnitttermin und Inhaltsstoffen

Im Rahmen des Projektes "Öko-Leitbetriebe in NRW" liegen seit 21 Jahren jährlich etwa 150 Futteranalysen alleine von Grünland, Kleegras und Luzernegras vor. Zwischenzeitlich sind das vom  ersten Schnitt 1.402 Proben. Festgehalten werden Grundnährstoffe, Verdaulichkeit, Mineralstoffe und Schwefel. Der Rohfasergehalt wird durchgehend als Maßstab für die Alterung verwendet und gibt gleichzeitig einen Hinweis auf den Energiegehalt, zumindest bei vergleichbarer Artenzusammensetzung.

Allen vielen Dank, die nicht nur ihre Werte zur Verfügung stellten, sondern auch die Schnitttermine übermittelten.
 

Alterungsprozesse haben sich in letzten 21 Jahren nicht beschleunigt

Tab. 1 zeigt, dass es in Niederungslagen bei Grünlandsilagen in den letzten Jahren kaum Veränderungen gegeben hat: Schnitttermin, Rohfasergehalt und Rohproteingehalt lassen keinerlei Trend erkennen.

Tab 1: Grünlandsilagen aus Öko-Betrieben 1999 – 2019 in Niederungen
 1999 - 20052006 - 20122013 - 2019
Schnitt19. Mai20. Mai17. Mai
Rohfasergehalt (% in T)26,025,925,9
Rohproteingehalt (% in T)13,813,613,9

In Mittelgebirgslagen (Tab. 2) fällt der Rohfasergehalt zwischenzeitlich um 1,9 % niedriger aus als in den ersten Jahren. Mittlerweile wurde der Schnitttermin aber auch um eine Woche vorverlegt und erfolgt genauso früh wie in Niederungslagen.

Tab 2: Grünlandsilagen aus Öko-Betrieben 1999 – 2019 in Mittelgebirgslagen
 2001 - 20062007 - 20122013 - 2019
Schnitt25. Mai21. Mai18. Mai
Rohfasergehalt (% in T)25,525,423,6
Rohproteingehalt (% in T)14,014,014,2

 


Rohfasergehalt sehr unterschiedlich

Die Abbildung zeigt, dass der Rohfasergehalt im Laufe des Mai ansteigt (im Mittel innerhalb von sieben Tagen um 1 %). Er fällt aber je nach Jahr sehr unterschiedlich aus. So lagen nach vorhergehender kühler Witterung die Rohfasergehalte Anfang Juni 2013 niedriger als nach schneller Entwicklung Mitte Mai 2009.

Deutlich erkennbar ist auch, 2019 lagen die Rohfasergehalte sehr niedrig. Bei einzelnen Proben wurden noch nicht einmal 20 % Rohfaser gemessen. Besonders langsam war die Alterung aufgrund kühler Temperaturen an der Küste.

Bei Kleegras hat sich der Schnitttermin kaum geändert. Die Veränderungen beim Rohfasergehalt vor 14 Jahren erklären sich durch den Wechsel zu vorwiegend Mischungen ohne Welsches Weidelgras (nach Empfehlung aufgrund mehrjähriger Versuche auf Öko-Betrieben: anders als im konventionellen Landbau keine Mehrerträge durch Welsches Weidelgras). Nach dem Mischungswechsel blieben die Rohfasergehalte im Mittel der Jahre konstant. Die Rohproteingehalte sind dagegen gesunken. Verminderte Schwefelversorgung könnte eine der Gründe hierfür sein.

Tab 3: Kleegrassilagen aus Öko-Betrieben 1999 – 2019 in Niederungen
 1999 - 20052006 - 20122013 - 2019
Schnitt17. Mai17. Mai16. Mai
Rohfasergehalt (% in T)25,924,824,7
Rohproteingehalt (% in T)14,314,413,5


Niedrige Rohproteingehalte im Kleegras sind auch einer der Gründe für Veränderungen bei den Milchinhaltsstoffen. Niedrige Harnstoffgehalte in der Milch deuten auf eine knappe Proteinversorgung hin. So wurden 2018/19 durchschnittlich an 131 Tagen im Jahr in der Tankmilch Harnstoffgehalte von unter 150 mg/l Milch gemessen, vor 10 Jahren gab es dies nur an 39 Tagen. Langjährige Untersuchungen zeigen aber auch: Negative Folgen für die Gesundheit sind nicht zu erwarten

Quelle und Ansprechpartner: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster, 19. April 2020

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Edmund Leisen
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 0251 – 2376 594
Mobil: 0173 – 9317 440
E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de

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