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Das A und O der Herbstweideführung

06.10.2016

Arbeitswirtschaftlich ist die Herbstweide ein recht kostengünstiges Verfahren. Gleichzeitig kann mit ihr die angestrebte Wuchshöhe von etwa 5 cm für die optimale "Einwinterung" geregelt werden. Der herbstliche Weidegang fördert darüber hinaus auch die Bewegung der Tiere und ihre Gesundheit. Damit die Weidetiere gesund bleiben und die Herbstweideflächen im darauf folgenden Jahr gute Erträge und Qualitäten liefern, sind einige Regeln zu beachten. Welche das sind, erläutert Anne Verhoeven, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Im Herbst nehmen tendenziell sowohl die Qualität des Weidefutteraufwuchses als auch die Trittfestigkeit der Weidenarbe durch die zunehmende Bodenfeuchte ab. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, mit einer großflächigen Beweidung oder Weidezeitreduktion verbunden mit einer angepassten Übergangsfütterung im Stall zu beginnen. Auch im Herbst kommt es darauf an, die Aufwüchse auf der Weide verlustarm zu nutzen. Ideal für die Zeit der Herbstweide sind natürlich trockene Witterungsbedingungen. Die Herde pflegt dann eine dichte Weidenarbe und verursacht keinen Schaden. Das hilft teure Futterkonserven zu sparen. Und nicht nur das: Die intensive Herbstbeweidung unterstützt die Erhaltung einer dichten und trittsicheren Weidenarbe bereits für das Folgejahr. Besonders leistungsstarke Weidenarben im Herbst sind jene, die bereits während der gesamten Weideperiode intensiv beweidet wurden.

Weidedruck senken

Das A und O einer professionellen, verlustarmen Weideführung, auch im Herbst, ist die angepasste Weidetierbesatzstärke. Wenn die Weidenarbe im Herbst durch Taubildung und feuchte Witterung deutlich tritt- und verdichtungsempfindlicher ist, sollten sich die Weidetiere möglichst gleichmäßig auf größerer Weidefläche verteilen, also mit geringerer Weidetierbesatzstärke. Idealerweise arbeitet man unter Kurzrasenweidebedingungen mit abnehmenden Besatzstärken je Hektar während der Vegetations- oder Weideperiode. Das sind im Frühjahr vier bis fünf Kühe/ha, im Herbst ein bis zwei Kühe/ha. Die Kurzrasenweide beziehungsweise Intensiv- oder Dauerstandweide eignet sich hier besser als die Umtriebs- oder Portionsweide, deren System mit hohen Tierbesatzstärken arbeitet.

Auf der Kurzrasenweide verteilen sich die Weidetiere großflächiger und verhalten sich ruhiger; die Gefahr der Narbenschädigung ist dann erheblich geringer. Bei der Umtriebsweidenutzung ist darauf zu achten, dass die Weidenarbe nicht zu kurz in den Winter geht, weil die Grünlandpflanzen dann nicht über ausreichende Reserven verfügen. Vor allem Horstgräser leiden, wenn sie tief genutzt werden, da sie oberirdisch Reservestoffe einlagern. Aber auch bei Weißklee und ausläufertreibenden Gräsern besteht ein Zusammenhang zwischen Herbstblattfläche und Frühjahrsentwicklung. Intensive Kurzrasenweiden sind jedoch ähnlich wie stets kurz gemähte Sportrasenflächen wenig auswinterungsgefährdet und verfügen über ausreichende Reserven, um den Winter und zeitigen Frühjahrsaustrieb im Folgejahr zu überstehen.

Schlägt die Witterung im Laufe der Herbstwochen um und es wird nass und ungemütlich auf den Weiden, gehen die Weidefutteraufnahmen bei den Weidetieren schlagartig zurück. Kühe und Rinder suchen dann Schutz unter Hecken und Bäumen und nehmen nicht mehr die für eine gute Leistung nötigen Weidegrasmengen auf. Zusätzlich verursachen sie auf der Weide Trittschäden. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, Kühe und Rinder aufzustallen.

Bei Blähgefahr: Struktur-Angebot

Herbstgras ist strukturarm, eiweißreich und oft feucht und mit Erde behaftet. Große Herbstweidefuttermengen können zu Durchfall führen und die hohen Harnstoffgehalte im Blut wirken sich negativ auf den Stoffwechsel und die Fruchtbarkeit aus. Strukturarmer und taufrischer Weideaufwuchs mit häufig höheren Weißkleeanteilen auf intensiv beweideten Flächen im Herbst birgt nicht selten eine Gefahr für Blähungen. Somit erfordern hohe Anteile Herbstweide in der Ration unbedingt einen Strukturausgleich über Heu, Struktur-Silagen oder Futterstroh, erst recht dann, wenn auch ein höherer Kraftfuttereinsatz erfolgt.

Ebenso wie im Frühjahr bei Weidegewöhnung sollte auch im Herbst die Weideentwöhnung, der Weideabtrieb moderat erfolgen. Solange ausreichende Weidefuttermengen zur Verfügung stehen, kann bis weit in den Herbst hinein geweidet werden; mit rückläufigem Weidefutterangebot muss die Weidezeit reduziert und die Zufütterung im Stall erweitert werden.

Weidefutterqualität im Herbst beachten

Wer das Weidemanagement mit optimalem Weidefutterangebot, angepasster Weidedauer und begrenztem Weiderest beherrscht und die Zufütterung im Stall auf das Herbstweidefutterangebot abstimmt,  kann durchschnittliche Tagesmilchleistungen von 25 kg ECM je Tier erzielen, sofern geeignetes Kraftfutter eingesetzt wird. Damit nicht zu viel Weidegras verdrängt wird und die Weideleistung sinkt, sollten die täglichen tierindividuellen Kraftfuttergaben auf 5 bis 6 kg begrenzt werden. Das Kraftfutter sollte aus energiereichen, pansenstabilen Futterkomponenten bestehen. Da das Rohprotein des Herbstweideaufwuchses im Pansen zügig zu Ammoniak, das den Leberstoffwechsel belastet und sich in relativ hohen Milchharnstoffwerten niederschlägt, abgebaut wird, sollte das Milchleistungsfutter eine geringe oder besser negative ruminale Stickstoffbilanz (RNB) sowie einen hohen Gehalt an nutzbarem Protein am Darm (nXP) aufweisen.

Hochleistungstiere, Frischmelker und Färsen im Blick halten

Natürlich ist gerade im Herbstzeitraum den Frischmelkern und Hochleistungstieren mit einer Tagesmilchmenge über 30 kg ECM und Färsen über 25 kg ECM besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Häufig befinden sich diese Tiere ohnehin in einem Energiedefizit und können ihren Energie- und Nährstoffbedarf mit dem Herbstweideangebot keinesfalls decken. Hier bietet sich die Teilung der Herde in zwei Leistungsgruppen: Die Hochleistungsgruppe erhält nur einige Stunden am Tag Weidegang (Siesta-Weide) und bekommt eine abgestimmte Mischration im Stall; weitgehend Weidegang für die Niedrigleistungsgruppe mit in Abhängigkeit vom Herbstweidefutterangebot bis zum Vegetationsende abnehmenden Weidezeiten und ansteigenden Zufuttermengen im Stall.

Weidetiere nicht gesättigt auf die Weide treiben

Der Weidegrasanteil in der Herbstration sollte möglichst hoch, den Herbstweideaufwüchsen angepasst sein. Wenn die Kühe aus dem Stall vollkommen gesättigt auf die Weide gehen, besteht die Gefahr, dass die Weide nur als Auslauf und Ruheraum genutzt wird, Exkremente dort verbleiben, der Weideaufwuchs verschmutzt und die Narbe sehr belastet wird. Hungrige Kühe weiden erfahrungsgemäß emsig, verschmutzen das Weidefutter deutlich weniger und verursachen erheblich weniger Trittschäden infolge unruhigen Warteverhaltens. Im Rahmen einer Halbtagsbeweidung tagsüber kann dann nach dem abendlichen Melken, während der Nacht, eine passende Zufütterung von etwa 8 bis 10 kg Trockenmasse Mischration oder Silage je Tier und Tag im Stall erfolgen, sodass nach dem morgendlichen Melkvorgang die Kühe auf der Weide täglich noch einmal 6 bis 8 kg Trockenmasse je Tier Herbstweide im Laufe des Tages aufnehmen können. Lassen die Zuwächse im fortgeschrittenen Herbst nach, sollte die Weidezeit reduziert und die Zufuttermengen im Stall entsprechend erhöht werden.

Vor Wintereinbruch Weideflächen sauber abfressen lassen

Die Herbstweidenutzung bietet den Vorteil der ausreichend kurzen Bestandshöhe vor Winterruhe, die bei etwa 5 cm Wuchshöhe liegt. Die Gräser können dann genügend Reservestoffe für den Frühjahrsaustrieb im Folgejahr einlagern; zu scharfes Abweiden im Herbst führt im Folgefrühjahr zu beachtlichen Ertragseinbußen. Intensive Weiden mit hohen Anteilen ausläufertreibender Gräser vertragen es, im Herbst etwas länger und intensiver genutzt zu werden. Generell verträgt ein sehr guter, dichter Bestand aber auch eine etwas kürzere oder längere Wuchshöhe. Ertrags- und Qualitätseinbußen beim energiereichen, hochverdaulichen Frühjahrsaufwuchs des Folgejahres durch häufige Über- oder Unternutzungen im Herbst sollten möglichst vermieden werden.

Bei zu hohen Grünlandbeständen besteht eine größere Gefahr der Auswinterung und der von Mäusen verursachten Schäden mit der Folge lückenhafter Bestände im Frühjahr. Auch erhöhte Weidereste begünstigen Auswinterungsschäden und sind somit nicht anzustreben. Hier hilft im Herbst die Nachweide mit tragenden Rindern, Trockenstehern oder Schafen, die am Niederrhein oft bis Jahresende noch gute Weidebedingungen finden.

Weide im Herbst ausmähen und abschleppen

Der Herbst bietet zudem die ideale Zeit, Unkräuter mechanisch zu bekämpfen. Auch das Abmähen von Geilstellen in Weiden im Herbst ist eine wichtige Pflegemaßnahme samt dem Verteilen der Kotfladen, die zu einer Abnahme des Weiderestes und Vergrößerung der Futterfläche führt. Kurze Bestände geben zudem den Mäusen über Winter weniger Schutz und die Kontrolle der Flächen auf Mäuseschäden ist leichter.

Keine Gülledüngung auf der Herbstweide

Die Weidetiere bringen besonders während der Herbstweidezeit durch ansteigende Zufuttermengen im Stall den Stickstoff über Kot und Harn auf die Weideflächen. Eine zusätzliche Güllegabe im Herbst ist nicht erforderlich, sondern führt zu unerwünschten Nitratbelastungen.


Quelle: Anne Verhoeven, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02821-996-128, E-Mail: anne.verhoeven@lwk.nrw.de, LZ 40, S.32-34

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Kontakt

Anne Verhoeven
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 02821-996-128
E-Mail: anne.verhoeven@lwk.nrw.de

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