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Trocken-TMR für Kälber auch im ökologischen Landbau

03.11.2016

In den letzten Jahren hat die Kälberfütterung, das ist die Phase von der Geburt bis zum 6. Lebensmonat, viele neue Impulse erhalten. Eine wesentliche Neuerung der letzten Jahre ist die Trockenfütterung bei der Kälberaufzucht als erstes Beifutter zur Milchtränke. Diese Fütterung hat neben einer guten Entwicklung des Vormagensystems bei den Kälbern arbeitswirtschaftliche und hygienische Vorteile. Da die Fütterung nur aus Trockenkomponenten besteht, kann die komplette Futterration für mehrere Tage bzw. Wochen vorgemischt werden, ohne, dass das Risiko für pilzliche Belastungen steigt.

Konkret sieht die Fütterung wie folgt aus:
  • Als erstes Futter zur Milchtränke werden Kraftfutter und gehäckseltes Stroh manuell in einer Schubkarre oder im Betonmischer gemischt. Das Verhältnis beträgt etwa 87 Gewichtsanteile Kraftfutter und 13 Gewichtsanteile Stroh.
  • Für die Futteraufnahme ist es förderlich, wenn täglich diese Mischung am Futtertisch nachgelegt wird.
  • Die Trocken-TMR (TMR: Totalmischration) wird als erstes Futter zur Milchtränke angeboten. Diese Fütterung wird solange beibehalten, bis die Kälber 1,5 bis 2 kg Kraftfutter täglich aufnehmen (zuzüglich die anteilige Menge Stroh). Anschließend wird aus Kostengründen sukzessive auf die Teil-Mischration für die Milchkühe umgeschwenkt, soweit auch hier eine Aufwertung mit Kraftfutterkomponenten erfolgt. Erfahrungsgemäß erfolgt die Futterumstellung auf die Kuhration etwa um den 100. Lebenstag.
Was auf den ersten Blick so einfach erscheint, ist an einige Voraussetzungen gebunden:
  • Verwenden Sie nur hygienisch einwandfreies Stroh in Bio-Qualität. Die Strohart spielt keine Rolle. Wo spät abreifendes Getreidestroh ein hygienisches Risiko darstellt, sollte auf früh geerntetes Gerstenstroh zurückgegriffen werden. In der konventionellen Kälberfütterung ist es Standard, auf zugekauftes, entstaubtes und in Folie verpacktes Stroh zurück zu greifen. Dies betont die Bedeutung der Strohqualität und stellt für Bio-Betriebe wahrscheinlich das größte Risiko dar.
  • Der Häckselqualität beim Stroh kommt eine besondere Bedeutung zu. Bei der Futteraufnahme soll das Stroh dem Kalb am Flotzmaul kleben bleiben und anschließend durch Lecken aufgenommen werden. Unterbleibt dieses Lecken, wird der positive Effekt auf die Vormagenentwicklung nicht erreicht. Ein Kleinschneiden des Strohs im Futtermischwagen genügt erfahrungsgemäß nicht, eine Strohmühle eignet sich hier eher.
  • Zumindest in der ersten Phase der Zufütterung zur Milchtränke sollte auf ein gutes Kälberkraftfutter oder Kälberkorn geachtet werden. Ein Kuhkraftfutter wird nicht die gleiche Wirkung haben, da sowohl die Eiweiß- als auch die Energiekomponenten - obwohl natürlich preiswerter - nicht für Kälber konzipiert sind. Vollmilch enthält tierisches Eiweiß mit einer hohen Verdaulichkeit und Wertigkeit. Ackerbohnen, Sonnenblumenkuchen oder Hafer sind kein entsprechender Ersatz für tierisches Eiweiß. Leinkuchen oder Haferflocken mit Körnermais sind erforderlich, was sich sicherlich auch im Preis niederschlägt.

Erfolgsfaktor für eine optimale Kälberaufzucht ist die tägliche Zunahme in der Zeit bis etwa zum 9. Lebensmonat. Dieser Gewichtsentwicklung sollte auf den Betrieben mit Wiegen bzw. mit Anlegen des Maßbandes regelmäßige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bisher ist in Bio-Betrieben die Trocken-TMR in der Kälberaufzucht noch wenig verbreitet.

Quelle: Milch- und Rinderproduktion - MIR, Nr. 44 vom 03. November 2016

 

Weitere Informationen

Christoph Drerup, Milchviehberater im Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW

Kontakt

Christoph Drerup
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 02945 – 989 560
E-Mail: christoph.drerup@lwk.nrw.de

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