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Im Überblick - Öko-Milchviehtagung 2017

06.12.2017

Ende November trafen sich 76 Landwirte und Berater zur 8. Öko-Milchviehtagung im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse. Veranstalter waren die Landwirtschaftskammern NRW und Niedersachsen und die Öko-Verbände. Viel Beachtung fanden die Diskussionsrunden, in denen die Landwirte Ihre Erfahungen vorstellten.

Schwerpunkte erster Tag: Mais und Kleegras

Flächenproduktivität und Betriebswirtschaft (Auswertung 2015/16 von 91 Öko-Milchviehbetrieben, etwa zur Hälfte mit Silomaisanbau, Volling und Drerup) zeigte, dass Betriebe mit Silomais eine um 495 kg ECM/Kuh höhere Jahresmilchleistung erzielten, aber auch die Vollkosten waren mit 400 €/Kuh höher. Die Betriebe benötigen, trotz größerer Kuhbestände (106 gegenüber 89 Kühen) einen etwas höheren Milchpreis, um rentabel zu arbeiten.

Silomais bringt deutlich höhere Erträge als Kleegras und Grünland. Mais gibt besonders auf leichten Standorten eine höhere Ertragssicherheit und lockert die Fruchtfolge auf. Misslingt der Maisanbau allerdings, z.B. durch Verunkrautung oder/und Vogelfraß, wird die Fütterung deutlich teurer.

Zu berücksichtigen ist auch, dass vor allem bei höheren Anteilen von Silomais Körnerleguminosen zugefüttert werden müssen. Dadurch steigen die Kraftfutterkosten relativ schnell an, oder der Betrieb benötigt zusätzliche Flächen für deren Anbau. Um eine Bodenverdichtung bei der Silomaisernte zu vermeiden, ist besondere Vorsicht geboten.

Sortenempfehlung

Die Abreife ist für Qualität und Ertrag von Silomais entscheidend. In NRW werden für den Öko-Landbau nur frühe, qualitätsbetonte Sorten empfohlen, die in den Landessortenversuchen überdurchschnittlich abgeschnitten haben. Populationssorten sollten momentan nur von Pionieren angebaut werden, Landsorten wegen schwachem Ertrag und Spätreife sind nicht empfehlenswert.

Unkrautregulierung und Vogelabwehr

Für die notwendige Beikrautregulierung ist ein ebenes, gut rückverfestigtes Saatbeet essentiell. Je nach Gegebenheiten des Betriebes und des Bodens werden Striegel, Hacken, Schleppketten und Häufler eingesetzt. Gegen den Vogelfraß durch Krähen hilft Schwefelbeize einsetzen, da sie den Vögeln nicht schmeckt. Man darf das Saatgut aber nur kurz vor der Aussaat damit mischen, da sonst die Keimfähigkeit leidet, so die mehrjährige Erfahrung zweier Praktiker.

Unterfußdüngung

Durch Unterfußdüngung entstehen höhere Kosten. Man benötigt schwere Maschinen und mit nur 6,7 % Mehrertrag (3-jährig) gegenüber Schleppschlauchausbringung ist das Verfahren für Lehm- und Tonböden bisher ungeeignet. Diese Erfahrung nahmen die Teilnehmer ernüchtert zur Kenntnis. Weitere Pionierarbeit ist in diesem Bereich erforderlich.

Bei Kleegras haben Arten- und Sortenwahl einen entscheidenden Einfluss auf Ertrag und Qualität. Die Praxis bestätigt, da wo die Mischung nicht stimmt, kann es schwerwiegende Ertragseinbußen geben. Hilfreich ist es, sich an den Sammelbestellungen des Vereins ÖkoFuWi zu orientieren, die an den Standort angepasste Mischungen bereit anbietet.

Anfragen und Infos dazukönnen Sie an bioland-vollmer@gmx.de richten.
Fachliche Beratung des Vereins: Dr. Edmund Leisen, LWK NRW.

Schwerpunkte zweiter Tag: Tiergesundheit und Mineralstoffversorgung

Krankheiten wird es immer geben. Entscheidend ist jedoch, so früh wie möglich Gesundheitsstörungen zu erkennen und einzugreifen! Das erleichtert die Therapie, vermindert Folgeschäden und reduziert das Tierleid.

Die Beurteilung des Gesundheitsstatus startet mit der Allgemeinuntersuchung des Tieres:

  • Haltung
  • Verhalten
  • Ernährungszustand
    Bei laktierenden Kühen sollte zwei Drittel des Pansens festen Inhalt vorweisen, bei Trockenstehern zumindest 50 %. Hier sollte der Tierhalter sich durch Tasten überzeugen und sich nicht nur auf sein Auge verlassen.
  • ATP (Atmung, Temperatur, Puls)

Der Gesamteindruck (Habitus) entscheidet, ob der Haustierarzt einzuschalten ist. Der Tierarzt muss bei mittelgradig und hochgradig kranken sowie bei geringgradig erkrankten Tieren, deren Zustand sich über längere Zeit nicht bessert, auf jeden Fall hinzugezogen werden. Das Ziel ist, Therapieversagen und Folgeschäden zu vermeiden.

Cows and More ist ein digitales Beratungsinstrument zur Verbesserung des Tierwohls. Dabei wird das Verhalten der Tiere in ihrer Stallumgebung genau unter die Lupe genommen. Parameter wie Aufstehen, Hinlegen, Liegeposition, Sauberkeit, Verletzungen zeigen, ob sich Tiere im Stall wohlfühlen. Eindrucksvoll wurde die Vorgehensweise vorgestellt. Nach 2 - 3 Stunden kann der Fachmann die Stallsituation beurteilen und Empfehlungen aussprechen. Die Landwirtschaftskammer NRW bietet Einsteigerschulungen hierzu an: z.B. den Workshop: "CowHow - Gewusst wie" - Schwachstellen in Haltung und Management gezielt erkennen! am 07. Februar 2018 im Versuchs- und Bildungszentrum Haus Riswick.  Weiterbildungsangebote für die Landwirtschaft 2017/2018 

"Verdeckter Hunger" ist ein Phänomen, von dem weltweit sowohl Tiere als auch Menschen betroffen sind. "Verdeckt" deshalb genannt, weil mengenmäßig die Ernährung ausreichend sein kann. Hauptursache des Mangels ist in den meisten Fällen aber nicht fehlende Energie, sondern Spurenelement- und Vitaminmangel. Rund 2 Milliarden Menschen sind weltweit von Eisen-, Zink-, Selen- und Jodmangel betroffen. Hauptursache hierfür ist neben geringer Bodenversorgung auch einseitige Ernährung.

Bei Hochertragssorten oder schnell wachsenden Tieren kommt es zum Verdünnungseffekt. Das bedeutet, dass Mangelsituationen heute auch dort auftreten, wo es früher keine gab. Aufgrund großer Schwankungen wird in NRW empfohlen, den Bedarf an Spurenelementen zu 75 % übers Mineralfutter zu decken. Bei Weidetieren sind Boli (sichert gleichmaßige Abgabe über längeren Zeitraum) sicherer als Leckschalen. Natürlicher wäre es, wenn die Spurenelemente direkt mit den Pflanzen aufgenommen würden. Dazu müssten entsprechende Dünger aber für den Öko-Landbau zugelassen werden. Inwieweit auch Kräuter hilfreich sind, wird in den nächsten Jahren im Projekt "Öko-Leitbetriebe in NRW" geprüft.

Quelle: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW

Weitere Informationen

Dr. Edmund Leisen, Versuchsleitung Milchvieh und Futterbau im Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW

Kontakt

Dr. Edmund Leisen
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 0251 – 2376 594
E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de

Susanne Goering, Beraterin Ökologische Milchviehhaltung

Kontakt

Susanne Göring
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 02945 – 989 553
Handy: 0160 9444 6072
E-Mail: susanne.goering@lwk.nrw.de 

Christoph Drerup, Milchviehberater im Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW

Kontakt

Christoph Drerup
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 02945 – 989 560
E-Mail: christoph.drerup@lwk.nrw.de

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