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Öko-Milchviehtagung 2017 - Mit Mais leichter Öko-Milch erzeugen

27.12.2017

Wie kann Öko-Mais so ertragsstabil angebaut werden, dass es im Öko-Milchviehbetrieb rund läuft? Darum ging es im ersten Abschnitt der zweitägigen Öko-Milchviehtagung am 29. November in Haus Düsse. Zu der Veranstaltung hatten die Landwirtschaftskammern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und die Anbauverbände Bioland, Biokreis, Demeter und Naturland eingeladen. Annegret Keulen berichtet.

Die ökologische Landwirtschaft in NRW legt ordentlich zu. Rund 300 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Gesamtfläche von etwa 14 000 ha haben in den vergangenen beiden Jahren in unserem Bundesland auf eine ökologische Wirtschaftsweise umgestellt, zitierte Johannes Frizen, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW vorläufige Ergebnisse. Anders als in den Jahren zuvor verteilt sich die umgestellte Fläche zur Hälfte auf Ackerland und zur Hälfte auf Grünland. „Der Trend, dass die meisten Umsteller Grünlandbetriebe bewirtschaften, konnte umgekehrt werden. Durch die Zunahme an Öko-Ackerflächen wird die Futtergrundlage für Biobetriebe weiter gefestigt“, betonte der Kammerpräsident.

Das Wachstum der Ökobranche zeigt sich auch im Bereich der Milcherzeugung, die 2017 um 16 % zugelegt hat. Rund die Hälfte dieses Zuwachses an Ökomilch resultiert aus der Erweiterung bestehender Betriebe. Bis 2020 werden diese Bestandsbetriebe nochmals 20 % mehr Milch liefern, so die Prognosen. „Die Molkereien sind deshalb momentan nicht bereit, neue Betriebe aufzunehmen“, so die Erfahrung von Jan Leifert, Vorsitzender der Landesvereinigung Ökologischer Landbau Nordrhein-Westfalen (LVÖ). Diese konsequente Abstimmung der Produktion in der Wertschöpfungskette auf den Markt habe dazu beigetragen, den Preis für Ökomilch stabil zu halten, betonte der Referent. Derzeit werde das Wachstum des Biomilchabsatzes allerdings durch Konkurrenzprodukte, wie Weidemilch oder gentechnikfrei erzeugter Milch, leicht gebremst.

Geht’s beim Maisanbau schief, wird’s teuer

Welche Vorteile der Maisanbau für die Fütterung von Öko-Milchviehherden bringt und wie die Ertragssicherheit dieser Kultur verbessert werden kann, erläuterte Christoph Drerup von der Landwirtschaftskammer NRW. Folgende Punkte sprechen seiner Meinung nach für den Maisanbau im Öko-Milchviehbetrieb: Maissilage liefert  weit mehr Energie pro Hektar als Acker-Kleegras, Grassilage oder Weide. Den Anbau von Silomais empfiehlt der Berater deshalb umso mehr, je knapper sich die Flächenausstattung eines Betriebes darstellt. Maissilage in der Futterration steigert die Futteraufnahme, erhöht die Einsatzleistung und die Ausdauer der Kühe. Daher produzieren Maissilagebetriebe mehr Milch pro Kuh und Jahr. Silomaisanbau könne daher den Investitionsbedarf eines Milchviehbetriebes senken, weil weniger Stallplätze notwendig seien, so die Begründung des Referenten.

Weil Maissilage in der Ration darüber hinaus die Kotkonsistenz der Wiederkäuer verbessert, sinken die Managementansprüche im Stall. Außerdem lockert Mais die Fruchtfolge in Öko-Milchviehbetrieben auf. Der Landwirt stehe beim Mais allerdings vor einer großen Herausforderung, betonte der Ökoberater: „Der Anbau muss gelingen, sonst wird die Fütterung teuer“. Krähenfraß, eine witterungsbedingte schlechte Jugendentwicklung  und eine mögliche Spätverunkrautung machen den Anbau unsicher.

Was bringt Unterfußdüngung?

Um eine rasche Jugendendwicklung zu fördern, sollte Öko-Mais in einer anhaltend warmen Witterungsperiode und bei Bodentemperaturen von 8 bis 10°Celsius gesät werden, lautete die Empfehlung von Markus Mücke, Öko-Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Häufig seien diese Bedingungen erst Anfang bis Mitte Mai gegeben. Um die Jugendentwicklung der Maispflanze durch eine optimale Nährstoffanlieferung zu fördern, hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen von 2014 bis 2017 in einem Exaktversuch an einem Standort nord-westlich von Oldenburg das Potenzial einer Unterfußdüngung mit Gülle und mit Düngepellets untersucht. Wie der Referent berichtete, wurde von den Versuchsparzellen mit vollständiger Güllegabe in Form einer Unterfußdüngung zwischen 3 und 9 % mehr geerntet als von den Standardparzellen, auf denen die komplette Güllemenge mit Schleppschlauchtechnik ausgebracht worden war.  Ertragsvorteile im Vergleich zur Standardvariante zeigten auch die Varianten, die eine Kombination aus Gülle im Schleppschlauchverfahren und eine Unterfußdüngung mit Haarmehl-Pellets oder mit Phyto-Pellets Gold erhalten haben. Da die Untersuchung lediglich an einem einzigen Standort vorgenommen wurde, könnten diese Ergebnisse einer Unterfußdüngung allerdings nur als positiver Trend gesehen werden, und als Motivation dafür, weitere Untersuchungen vorzunehmen, schränkte der Berater aus Niedersachsen ein.

Auch in den ökologischen Modellbetrieben NRW im Rahmen der Wasserahmenrichtlinie wird unter anderem intensiv zur Düngung im Maisanbau geforscht. Erste Ergebnisse von den Demonstrationsanlagen aus dem Zeitraum 2015 bis 2017 stellte Pascal Gerbaulet von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vor. Auch dort hat die Unterfußdüngung von Mais Vorteile gezeigt. Allerdings sei für  dieses Verfahren Spezialtechnik erforderlich, die nicht immer just in time verfügbar wäre. Außerdem sei nicht jedes Jahr auf allen Böden eine pfluglose Bestellung als günstige Voraussetzung für die Unterfußdüngung möglich, zählte der Referent einige Hindernisse bei dem Verfahren auf.

Populationen statt Hybride

Als ein weiterer Ansatzpunkt zur Ertragssicherheit von Mais im Ökolandbau gilt die standortangepasste Sortenwahl. Mit Blick auf den Klimawandel haben Wissenschaftler am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) überprüft, welches Ertragspotenzial sogenannte Populationen bringen können. Im Gegensatz zu den gängigen Hybriden sind Populationen Mischungen aus verschiedenen Genotypen. Sie weisen aufgrund ihrer hohen genetischen und phänotypischen Heterogenität eine höhere Diversität als Hybridsorten auf. Dadurch verfügen sie über ein hohes Anpassungspotenzial an sich ändernde Umweltbedingungen. Damit eignen sie sich nachbaubare stabile Populationen besonders für den ökologischen Anbau.

LfL-Mitarbeiterin Dr. Barbara Eder fasste die Ergebnisse einer Untersuchung zusammen, bei der die Ertragsleistung zweier am Institut entwickelter Populationen (Weihenstephaner 1 und Weihenstephaner 2) und verschiedener Landsorten mit dem Ertrag der Hybridsorte Torres verglichen wurde. Die Populationen erzielten 80 % des Ertrages der Sorte Torres. Die Landsorten erreichen dagegen nur 65 %. Darüber hinaus war zu beobachten, dass die Populationen ungünstige Wetterlagen offenbar besser kompensieren konnten als die Hybriden. Bisher erfolgten die Anbauversuche konventionell.

Offen sei deshalb die Frage, wie sich die Populationen unter Öko- und Low-Input Bedingungen verhalten. Die bisher gezüchteten Populationen Weihenstephan 1 und 2 haben eine Reifezahl von 240 bis 250. Dr. Barbara Eder geht allerdings davon aus, dass Werte von 220 bis 230 erreicht werden können, die sich dann auch für den Anbau in NRW und Niedersachsen eignen. An die anwesenden Öko-Landwirte appellierte die Wissenschaftlerin, für den Ökolandbau speziell gezüchtetes Saatgut verstärkt einzufordern, damit die entsprechenden Forschungsansätze auch weiter verfolgt und gefördert würden.

Quelle: Annegret Keulen, LZ Rheinland Ausgabe 49 / 2017

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