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Herbstweide nach Sommersteppe

13.09.2019

...oder Mai im August

Nach den dringend notwendigen Niederschlägen von 70 Liter/m² in Kleve im Monat August, sprießt es wieder auf den Riswicker Weideflächen. Es fühlt sich an wie im Mai. Blattreiche Zuwächse müssen jetzt unbedingt verlustarm genutzt werden - entweder über Weide- oder Schnittnutzung.

Infolge der Sommertrockenheit der letzten Wochen und Monate befinden sich, aufgrund der geringen Nährstoffentzüge und der unzureichenden Nitrifikation, erhebliche N-Reserven in den Grünland-, Ackerfutter- und Weideböden. Bei einsetzenden Niederschlägen und warmen, spätsommerlichen Bodentemperaturen ist eine ausreichende natürliche N-Nachlieferung aus den Bodenvorräten zu erwarten. Entsprechend wüchsig und saftig grün präsentieren sich die Weideflächen.

Die intensive Kurzrasenweide mit Kühen, Jungrindern oder Kälbern eignet sich aktuell besonders gut. In diesem System verteilen sich die Weidetiere großflächig und weiden ruhig, wenn die Zufuttermengen im Stall auf das Futterangebot auf der Weide abgestimmt ist. Es kommt selten zu Narbenschäden.

Folgendes sollte allerdings beachtet werden:

1. Zufütterung auf Weide abstimmen

Sind Weidedauer und Zufütterung mit Grob- und Kraftfutter, bestehend aus energiereichen, pansenstabilen Komponenten, optimal aufeinander abgestimmt, können durchschnittliche Tagesmilchleistungen von 25 bis 26 kg Energie-korrigierter Milch (ECM) je Tier gemolken werden. Im Pansen der Weidetiere entsteht aus dem Rohprotein des Spätsommer-Herbstweideaufwuchses zügig Ammoniak, das den Leberstoffwechsel belastet und zu hohen Harnstoffwerten in der Milch führt.

Dann ist der Einsatz eines Milchleistungsfutters mit einer geringen oder negativen ruminalen Stickstoffbilanz (RNB) sowie einem hohen Gehalt an nutzbarem Protein im Darm (nXP) erforderlich.

2. Auf Struktur achten

Hohe Anteile Spätsommerweide in der Ration erfordern einen Strukturausgleich über Heu, Struktur-Silagen oder Futterstroh, vor allem bei höherem Kraftfuttereinsatz. Solange ausreichende Weidefuttermengen zur Verfügung stehen, kann bis weit in den Herbst hinein geweidet werden. Mit rückläufigem Weidefutterangebot sollte die Weidezeit reduziert und die Zufütterung im Stall entsprechend ausgedehnt werden.

3. Hochleistungstiere, Frischmelker und Färsen im Fokus

Natürlich ist gerade im Spätsommer- und Herbstzeitraum den Frischmelkern und Hochleistungstieren mit einer Tagesmilchmenge über 30 kg ECM und Färsen über 25 kg ECM besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Tiere befinden sich häufig ohnehin in einem Energiedefizit und können ihren Energie- und Nährstoffbedarf mit dem Weidefutterangebot nicht decken. Hier bietet sich die Teilung der Herde in zwei Leistungsgruppen: Die Hochleistungsgruppe erhält nur einige Stunden am Tag Weidegang (Siesta-Weide) und bekommt eine abgestimmte Mischration im Stall. Die Niedrigleistungsgruppe erhält Weidegang bis zum Vegetationsende in Abhängigkeit vom Spätsommer-Herbstweidefutterangebot - mit abnehmenden Weidezeiten und ansteigenden Zufuttermengen im Stall.

4. Satte Kühe schaden der Weidenarbe

Natürlich sollten die Kühe auch im Spätsommer und Herbst nicht vollkommen gesättigt auf die Weide gehen, da dann die Gefahr besteht, dass die Weide nur als Auslauf und Ruheraum dient, Exkremente dort verbleiben, der Weideaufwuchs verschmutzt und die Weidenarbe zu stark belastet wird. Hungrige Kühe weiden erfahrungsgemäß emsig, verschmutzen das Weidefutter kaum und verursachen erheblich weniger Trittschäden infolge unruhigen Warteverhaltens.

5. Spätsommer-Herbstweide günstiger als Schnitt

Der Spätsommer-Herbstschnitt ist in der Regel die ungünstigere Alternative, da häufig Feldtrocknungszeiten, optimale Silierbedingungen und entsprechende Futterqualitäten fehlen. Die Spätsommer-Herbstweidenutzung bietet zudem den Vorteil der ausreichend kurzen Bestandeshöhe im Winter, die bei etwa 5 cm Wuchshöhe liegt. Ein sehr guter, dichter Bestand verträgt aber auch eine etwas kürzere oder längere Wuchshöhe. Erhöhte Weidereste begünstigen Auswinterungsschäden und sind somit nicht anzustreben. Hier hilft im Herbst die Nachweide mit tragenden Rindern oder Schafen, die am Niederrhein oft bis November/Dezember noch gute Weidebedingungen finden.

Bei flächenknappen Betrieben besteht generell die Gefahr der Überweidung. Der Weideaufwuchs ist dann nicht mehr schmackhaft und wird von den Weidetieren gemieden. In solchen Fällen eignet sich nur die Schnittnutzung.

Es wird derzeit eine Mischration bestehend aus etwa 90 % Kleegrassilage und 10 % Weizen und Ackerbohnen (80 % Weizen, 20 % Ackerbohnen) ergänzend zur Weide für 44 laktierende Kühe gefüttert. Zurzeit fressen die Kühe davon täglich etwa 12 bis 14 kg TM je Tier. Die Milchleistung (inkl. anteiligem Erhaltungsbedarf) von der Weide beträgt aktuell 50 kg je Hektar.

Weideeffizienz Ökobetrieb Haus Riswick 2019 - aktuelle Ergebnisse
    1. April 6. Mai 11. Juni 8. Juli 1. August 18. August 26. August
    Beginn HTW* HTW* HTW* HTW* HTW* HTW* HTW*
Wuchshöhe nach Herbometermessung cm 5,0 6,8 6,8 5,6 5,2 5,5 5,8
Tägliche Milchleistung aus Weidegang je ha kg/ha und Tag 15 58 68 25 8 25 50
Weidebesatz Kühe je ha Weide 5,5 5,6 5,4 2,9 3,0 5,5 5,5
Weidedauer ca. Std./Tag 8 8 12 12 10 8 8
    Tagweide Tagweide Nachtweide Nachtweide Nachtweide Tagweide Tagweide
Stallfütterung (Frischmasse gerundet) im Herdenmittel kg FM/Kuh und Tag 49 29 27 34 45 40 32
davon Silomais % FM 32% 35% 0% 0% 0% 0% 0%
davon KF % FM 9% 14% 15% 12% 8% 9% 11%
Kraftfuttereffizienz im Herdenmittel g KF/kg Milch 138 131 137 150 135 126 127
Kraftfutterzuteilung KF ab kg Milch TMR TMR TMR TMR TMR TMR TMR
  je kg KF...kk Milch 3 3 3 3 3 3 3
* HTW= Halbtagsweide                

Quelle: Anne Verhoeven, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, VBZL Haus Riswick, Ökobetrieb, E-Mail: anne.verhoeven@lwk.nrw.de

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Anne Verhoeven
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 02821 – 996 128
E-Mail: anne.verhoeven@lwk.nrw.de

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