Aktueller Inhalt:

Bio-Schweine: Marktentwicklung und Haltungsmanagement

16.11.2016

Über 80 Landwirte, Berater und Vermarkter aus ganz Deutschland sowie den Niederlanden und Österreich diskutierten am 10. und 11. November 2016 auf einer Tagung in Bayern aktuelle Entwicklungen am Bio-Schweinemarkt. Die Tagung wurde gemeinsam vom Aktionsbündnis der Bioschweinehalter Deutschland (ABD) sowie der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ) in Bayern organisiert organisiert. Christian Wucherpfennig von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen fasst das Wichtigste für Sie zusammen.

Zunächst begrüßte Michael Dreyer, Landwirt aus Göhrde und Vorsitzender des Aktionsbündnis der Bioschweinehalter Deutschland, die zahlreichen Gäste. Er betonte dabei die Notwendigkeit eines Aktionsbündnis der Bioschweinehalter Deutschland. "Unsere Aufgaben gehen heute deutlich über das Ziel 'Höhere Erzeugerpreise' hinaus", so Dreyer und ergänzte: "Wir sind heute ein gefragter Gesprächspartner für alle Fragen zu Haltung und Management." Besonders beim Thema Ferkelkastration bringe man sich intensiv ein.

Im Namen der LVÖ Bayern begrüßte Hubert Heigl, Bio-Ferkelerzeuger aus dem bayerischen Kallmünz, die Anwesendern und betonte dabei nachdrücklich wie wichtig es ist, sich "selbstbewusst für bessere Konzepte einzusetzen". Heigl bemerkte anerkennend, dass die Landwirtschaftspolitik des bayerischen Landwirtschaftsministers Brunner sich auszahle und der Ökoanteil an der landwirtschaftlichen Produktion in Bayern mittlerweile acht Prozent und in machen Landkreises bis zu einem Drittel betrage. Besonders positiv bewertete Heigl die "modellhaften Wertschöpfungsketten", in die auch die Vermarkung einbezogen sei.

Birgit Graßl, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, betonte in ihrem Grußwort die Dringlichkeit den Ökologischen Landbau in allen Bereichen einschließlich Bildung und Vermarktung zu fördern. "Wir sehen eine positive Entwicklung im Biomarkt", freute sich Graßl und wies zugleich darauf hin, dass es sich um einen labilen Markt handele. "Langfristige Lieferbeziehungen sind daher notwendig und werden von den Abnehmern auch angeboten", ergänzte daher Graßl. Die Bevölkerung entwickele ein wachsendes Bewusstsein für in Bayern produzierte Lebensmittel. "Wir werben daher intensiv mit dem Bayerischen Bio-Siegel, mit dem erste Erzeugnisse seit dem Frühjahr gekennzeichnet sind", berichtete Graßl weiter.

Marktentwicklung

Den bewährten Überblick über das aktuelle Marktgeschehen gab Diana Schaack von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Mit etwa 230.000 geschlachteten Bio-Schweinen gab es im Vergleich zu den Vorjahren einen Rückgang. "Er ist aber nicht Folge geringerer Nachfrage, sondern dem Mangel an Bio-Ferkeln geschuldet", betonte Schaack. "Wir erwarten in 2016 einen Zuwachs von etwa 25 Prozent." Übrigens wird ein Großteil der in Deutschland gehaltenen Bio-Schweine pauschal bezahlt, wenngleich deren Anteil rückläufig ist. Einige Vermarkter sind aufgrund der Knappheit im Teilstückmarkt auf den Zukauf ganzer Schweine umgestiegen und bieten ihren Lieferanten mehrjährige Lieferverträge an. Um das ganze Schwein auch sinnvoll verwerten zu können, entwickelten die Verarbeiter neue Produkte, wie beispielsweise Kochschinken und Bratenaufschnitt für Discounter.

Preisentwicklung vom konventionellen Markt abgekoppelt

Die Preisentwicklung ist seit einigen Jahren vollständig vom konventionellen Markt abgekoppelt. Dabei seien die Preise für Mastschweine und Ferkel in Bio-Qualität seit längerem konstant. "Wir schätzen den Importanteil bei Bio-Schweinen auf 25 Prozent", berichtete Schaack weiter, wobei die Schweine fast ausschließlich aus Dänemark und den Niederladen eingeführt würden.

100 % Bio-Fütterung: bei Mastschweinen unproblematisch - nicht so bei Ferkeln

Eine Einschätzung zum Bio-Futtermittelmarkt aus Sicht einer Futtermühle gab Maria Kaiser von der Kaisermühle aus Gänheim. Im Gegensatz zu manchen anderen Futtermühlen bezieht die Kaisermühle ihr Getreide ausschließlich aus Deutschland und dabei vor allem regional. "Die 100-Prozent-Bio-Fütterung ist bei Bio-Mastschweinen unproblematisch und wird auch vielfach schon praktiziert", erklärte Kaiser. Durch eine Mehrphasenfütterung könne man mit dem Protein sparsam umgehen, so dass beispielsweise die Ölkuchen kombiniert mit Körnerleguminosen ausreichen würden, den Bedarf zu decken. Diese kommen jedoch vielfach aus dem Ausland. Beim Bio-Ferkelfutter sei es hingegen weniger einfach ein bedarfsgerechtes Futter nur mit Bio-Komponenten zusammenzustellen.

Qualität - Maß der eigenen Wertschätzung

Karl Schweisfurth von den Hermannsdorfer Landwerkstätten sprach zum Thema "Essen als Gradmesser für die eigene Wertschätzung". "Der Titel drückt schon aus, dass wir uns viel um Qualität kümmern", sagte Schweisfurth. Als das Unternehmen vor rund 30 Jahren in die Schlachtung von Bio-Schweinen einsteigen wollte, konnte man noch keine Tiere kaufen. Bis heute hält das Unternehmen noch immer 30 bis 35 Muttersauen selbst. Darüber hinaus arbeitet man mit einigen Betrieben zusammen, die man sich nach und nach aufgebaut hat. "Durch Rassen wie Duroc und mit einem höheren Schlachtgewicht erzielen wir die gewünschte Marmorierung", betonte Schweisfurth. Vor der Schlachtung kommen die Schweine einige Wochen auf die Weide, um durch Aufnahme von frischem Gras die Qualität weiter zu steigern. Die Schlachtung erfolgt schonend mit sehr viel Ruhe und Geduld.

Symbiotische Landwirtschaft und maßvolles Wachstum

Und die Entwicklung geht weiter. Vor einigen Jahren hat man zusammen mit den Landwirten ein Sojanetzwerk initiiert, um Soja aus regionalem Anbau zu bekommen. Der eigene Betrieb wird in Richtung "Symbiotische Landwirtschaft" entwickelt, bei der verschiedenen Tierarten gemeinsam auf den Flächen gehalten werden. "Da können alle Tiere voneinander profitieren. Rinder beispielsweise halten den Habicht fern, erklärte Schweisfurth. Da die Kunden bei Bio immer intensiver nachfragen, müsse man die Ökologische Landwirtschaft weiterentwickeln. "Wir wollen daher auch nicht zu stark wachsen, denn dann verlässt man das Handwerk", so Schweisfurth weiter. Außerdem könne man dann keine Warmfleischverarbeitung ohne Zusatzstoffe in der Fleischverarbeitung mehr durchführen und die sei wichtiger Bestandteil des Konzeptes.

100 % - Bio und regional

"Bio und regional sind erste Wahl." Dafür steht das Unternehmen Feneberg, das in 76 Filialen ausschließlich in Bayern mit dem im Jahr 1998 gestarteten "Von Hier"-Programm 400 Bio-Produkte aus der Region anbietet. "Kein anderer Lebensmittelhändler ist in Sachen Regionalität so konsequent wie wir", stellte Sven Euen, zuständig im Unternehmen für das Rohstoffmanagement, zu Beginn seiner Ausführungen fest. Regional heißt bei Feneberg, dass die Produkte im Umkreis von 100 km um den Unternehmenssitz herum produziert und – und das ist fast schon einzigartig – auch verkauft werden. Nicht umsonst ist Feneberg nördlich von München kaum bekannt. Sven Euen sieht in dem Regionalitätsgedanken viele Vorteile für alle Beteiligten. Beispielsweise fühlten sich die Erzeuger mit dem Unternehmen verbunden und freuen sich ihre selbst erzeugten Produkte in den Theken wiederfinden zu können. "Das ist vielen Landwirten wichtig", betonte Euen. Durch das einzigartige Programm erreiche der Handel eine enge Kundenbindung.

100 % Naturland

"Wir sind ein mittelständisches inhabergeführtes im Jahr 2001 gegründetes Unternehmen", so Gabriele Maier von Altdorfer Biofleisch. Das komplette Fleisch- und Wurstsortiment stammt ausschließlich von Naturland-Betrieben, wobei bayerische Erzeuger bevorzugt würden. Da man das ganze Tier vermarkte und keinen Teilstückhandel betreibe, müsse das Sortiment gut aufeinander abgestimmt sein. Mittlerweile werden wöchentlich 250 bis 300 Bio-Mastschweine pro Woche verarbeitet. Eine Warmfleischverarbeitung sei auch aufgrund der großen Stückzahlen nicht durchführbar und entsprechend den Naturland-Richtlinien wird auch im reduzierten Umfang Nitritpökelsalz eingesetzt. "Wir stehen in vielen Läden im direkten Vergleich zu konventioneller Ware und benötigen daher eine gewisse Rotfärbung der Wurst", begründete dies Maier. Leider könne man beim Bio-Schweinefleisch mit dem bayerischen Bio-Siegel bisher nicht werben, da die Bio-Ferkel häufig nicht aus Bayern stammen würden.

Diskussion - Wachstum nicht oberstes Ziel

Bei der sich anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass alle Beteiligten vom Landwirt über die Verarbeiter bis hin zum Händler sich ein ruhiges bzw. ruhig wachsendes Marktgeschehen wünschen. Wolfgang Krämer, Demeter-Landwirt aus dem Bayerischen Ippesheim setzt dabei bewusst nicht auf Wachstum. "Die Schweinehaltung hat sich den Gegebenheiten anzupassen. Dazu gehört auch die eigene Futtergrundlage", erklärte Krämer. Eine 100-Prozent-Biofütterung ist dabei für ihn selbstverständlich. "Bei den aktuellen Preisen macht es aber auch Spaß", ergänzte er. Man war sich einig, dass es unbedingt erforderlich sei, den Umfang der ökologischen Tierbestände zu kennen, gerade weil auch Ware aus dem Ausland, insbesondere aus Dänemark, auf den Markt dränge und schnell für ein Ungleichgewicht sorgen könne. Schließlich werden in Deutschland nur 0,6 Prozent und in ganz Europa gerade mal 0,3 Prozent aller Schweine ökologisch gehalten.

Tagwerk Bio-Metzgerei: Bäuerlich, handwerklich und tiergerecht

Im Juli 2015 eröffneten der Metzgereimeister Bernhard Renner und der Landwirt Lorenz Kratzer die Tagwerk Bio-Metzgerei. Darüber hinaus ist die Tagwerk Verbraucher- und Erzeugergenossenschaft (s. Kasten) an der Metzgerei beteiligt. Die Metzgerei schlachtet und verarbeitet überwiegend Tiere von an der Tagwerk-Genossenschaft beteiligten Höfen.

Mittlerweile werden 25 bis 30 Mastschweine sowie fünf bis zehn Rinder wöchentlich geschlachtet. Die Anlieferung der Tiere erfolgt von Freitag bis Sonntag. In den geräumigen und gut eingestreuten Stallungen der Metzgerei können sich die Tiere akklimatisieren und werden auch hier noch gefüttert. Die Schlachtung erfolgt am darauffolgenden Montag. Erst unmittelbar vor der Schlachtung gelangt das zu schlachtende Schwein in eine Einzelbox und wird mittels Elektrozange betäubt. Die Schweine werden direkt im Anschluss verarbeitet. Durch die "Warmzerlegung" der Schweine kann auf Zusatzstoffe in der Wurstherstellung fast vollständig verzichtet werden. "Nur bei Geflügelwurst benötigen wir mit Citrat die einzige E-Nummer", berichtete Christian Held, zuständig für die Wurstproduktion, nicht ohne Stolz. Der Verzicht auf Nitritpökelsalz ist dabei schon fast selbstverständlich. Die Erzeugnisse werden regional über die eigenen Tagwerk-Läden sowie Bio-Supermärkte, Wochenmärkte und Abokisten-Betriebe vermarktet.

Haltungsmanagement
Enge Beziehung zwischen Fütterung und Wasseraufnahme

"Wasser ist zunächst eine Frage der Quantität", stellte Dr. Theodor Schulze-Horsel vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen eingangs fest. Neben den regelmäßig zu erfassenden Mindestflussraten sollte auch beachtet werden, dass zwischen Fütterung und Wasseraufnahme eine enge Beziehung besteht. "Bei rationierter Fütterung nehmen die Schweine das Wasser direkt in größeren Mengen nach dem Fressen auf, während bei ad-libitum-Fütterung die Aufnahme auf den ganzen Tag verteilt ist", wusste Dr. Schulze-Horsel zu berichten. "Und wenn Schweine zu wenig Wasser aufnehmen, ist die erste Schutzreaktion die Futteraufnahme zu senken." Für Keimbelastungen gebe es viele Ursachen, wie beispielsweise eindringendes Oberflächenwasser oder mineralische Ablagerungen in den Leitungen. "Werden Medikamente über das Tränkewasser gegeben, muss anschließend gereinigt und desinfiziert werden, entweder mit Säuren oder bei verzinkten Leitungen mit Peroxid."

Hygiene und Tränkewasser

Kai Aumann, Inhaber von Aumann Hygienetechnik, zeigte anhand vieler Beispiele den aktuellen Wissensstand rund ums Wasser auf. "Wasserleitungsbau ist Anlagentechnik", klärte Aumann auf und sieht vor allem Stichleitungen kritisch und plädierte konsequent für Durchlauftränken. Auch sei geeignetes Material zu verwenden. "Gartenschläuche aus dem Baumarkt sind ungeeignet, weil sie Kohlenstoff abgeben, von dem sich die Mikroben ernähren", warnte Aumann.

Eine Tränkewasserprobe sei nur aussagekräftig, wenn sie richtig gezogen wird. "Es macht keinen Sinn, das Wasser erst zwei Minuten laufen zu lassen. Das macht kein Schwein", so Aumann. Die Probe müsse schon problemorientiert gezogen werden. Dabei befinde sich 95 Prozent der Mikrobiologie im Biofilm, so dass Wasserproben oft verfälscht würden, weil der Biofilm mal mehr, mal weniger ins Wasser abgebe. Aumann empfiehlt daher Tupferproben, wobei es hierfür jedoch kein standardisiertes Verfahren gebe. Die aus Sicht artgerechter Tierhaltung bevorzugten offenen Tränken sieht Aumann kritisch: "Sie sind gegenüber Nippeltränken um den Faktor 200 mehr verkeimt."

Österreich: Tierwohlleitfaden nicht Bestandteil der Kontrollen

Den österreichischen Tierwohlleitfaden für Bio-Schweine stellte Manuel Böhm von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich vor. In Österreich ist der Leitfaden nicht Bestandteil von Kontrollen, sondern dient ausschließlich der Eigeneinschätzung der Landwirte. Bei der Kontrolle wird nur abgefragt, ob der Tierwohlleitfaden genutzt wurde und die erhobenen Daten werden anonymisiert erfasst. Basis des Leitfadens sind tierbezogene Indikatoren auf Basis wissenschaftlich geprüfter Messgrößen für das Tierwohl. Für verschiedene Bereiche wurden Bewertungsschlüssel entwickelt und die Einstufung erfolgt nach dem Ampelschema. Beispielsweise wird der Ernährungszustand der Sauen geprüft und der Zustand von Ohren und Schwänzen bewertet. "Viele österreichische Landwirte nutzen stable schools, um gemeinsam die Tierhaltung weiter zu optimieren."

Verhaltensmerkmale als Entscheidungsbasis für Eigenremontierung

Dr. Antje Schubbert von der LfL Bayern beschäftigt sich in einem Forschungsprojekt mit der Nutzung von Verhaltensmerkmalen von Muttersauen für die Eigenremontierung im Ökobetrieb. Als wesentliche Verhaltensmerkmale werden beispielsweise Nestbau- und Geburtsverhalten einschließlich biologischer Leistungen sowie Beschaffenheit des Wurfs (Vitalität, Ausgeglichenheit) erfasst. Beim im Ökologischen Landbau praktizierten Verfahren des Freien Abferkeln gewinnt die Umgänglichkeit von Sauen an Bedeutung. Leider haben umgängliche Sauen häufig schlechtere Aufzuchtleistungen. "Wir suchen die Champion League, also Sauen, die beide Eigenschaften aufeinander vereinen, und die gibt es durchaus" zeigte sich Dr. Schubbert hoffnungsvoll.

Tierärztin beurteilt Haltung und Gesundheit in Bio-Betrieben

Wie bewertet eine Tierärztin Haltung und Tiergesundheit in Bio-Betrieben? Darauf wusste Dr. Ulrike Mittermeier vom Tiergesundheitsdienst Bayern eine Antwort. Sie achtet beispielsweise auf das Schlafverhalten, wo möglichst alle Tiere auf der Seite liegend ruhen. "Kranke Tiere entfernen sich von der Rotte. Krankenbuchten sind daher selbstverständlich", betonte Dr. Mittermeier. Trotz der längeren Säugezeit würden auch Bio-Ferkel aus physiologischer Sicht zu früh abgesetzt. "Daher ist auf die Verdaulichkeit der Futtermittel unbedingt zu achten", so Mittermeier. Weizen sei durch seinen Gluteinanteil schwerer verdaulich und man sollte daher mehr auf Gerste setzen.

Stallbaumäßig hat Dr. Mittermeier Verständnis dafür, dass Tränken möglichst im Auslauf eingerichtet würden. Im Stall ist aber gerade für Ferkel die Wasseraufnahme leichter. Gegenüber homöopathischer Behandlung ist Dr. Mittermeier absolut aufgeschlossen, wies aber auf den nicht unbeträchtlichen Zeitaufwand bei Diagnose und Wahl des richtigen Mittels hin. Die Phytotherapie eigne sich vor allem im Anfangsstadium. "Und die Schulmedizin besteht nicht nur aus Antibiotika", erklärte Dr. Mittermeier. "Mit beispielsweise Entzündungshemmern, Vitaminen und Stoffwechselmedikamenten haben wir noch viele andere Möglichkeiten."

Praktiker berichten

Aus Sicht der Praxis berichteten Niko Raupach aus dem oberbayerischen Haag und Reinhard Brunner aus Weiden. Niko Raupach hält 60 Zuchtsauen, darunter 15 Tiere der Rasse Duroc und verfügt über 300 Mastplätze. Die Vermarktungspartner Tagwerk Biometzgerei und die Hermannsdorfer Landwerkstätten honorierten dabei die höheren Intramuskulären Fettanteile des Fleisches. Über die Jahre hat Raupach die Ferkelerzeugung immer weiterentwickelt. Die längere Säugezeit erleichtere zwar das Absetzen, führe aber zu einer schwächeren Rausche nach dem Absetzen. Durch den Einbau eines Sattfutterautomaten konnte die Futteraufnahme der säugenden Sauen beim Gruppensäugen deutlich gesteigert werden. "Nun bin ich aber selbst wieder mehr gefordert, denn so ist die Futteraufnahme des Einzeltiers nicht mehr so gut zu festzustellen", so Raupach.

Reinhard Brunner zeigte anhand konkreter Beispiele auf, wie er das Management optimiert. Ebenso wie Raupach schätzt er den jährlichen Tiergesundheitscheck durch Frau Dr. Mittermeier. "An einem regelmäßigen Entwurmungsmanagement führt kein Weg vorbei", betonte Brunner. Daher werden alle Schweine unter Berücksichtigung der im Ökologischen Landbau vorgegebenen doppelten Wartezeit alle 35 bis 40 Tage entwurmt. Zusammen mit einer konsequenten Reinigung nach jedem Durchgang liegen die Leberbeanstandungen bei beachtlich niedrigen 1 bis 3 Prozent. Auch Futterhygiene ist Reinhard Brunner wichtig: "Wir vermahlen das Futter täglich frisch und die Silos werden wöchentlich einmal komplett entleert." Außerdem werden regelmäßig die Leistungsdaten durch den LKV überprüft. "Das kostet schon Geld, ist es mir wert", schloss Brunner.

FiBL Deutschland - Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte

Mit einem ganz persönlichen Blick auf die letzten 50 Jahre zeigte Dr. Robert Hermanowski vom FiBL Deutschland auf, wie eng wir "evolutionstechnisch" mit dem Schwein verbunden sind. Nachdem bis in die 60er Jahre die Ernährungssicherung im Vordergrund stand, politisierten sich Lebensmittel in den 70er Jahren beispielsweise mit der Boykottierung von Lebensmitteln aus Südafrika. "Das eigene Ernährungsverhalten stellte ich damit aber nicht in Frage", erklärte Hermanowski. Der in den 80er Jahren sich etablierende Ökolandbau war noch vegan bzw. vegetarisch ausgerichtet. "Die erste Messe zur Bio-Lebensmitteln 1983 war noch eine reine Müslimesse", berichtete Hermanowski weiter. Als in den 90er Jahren staatliche Regelungen zur Ökologischen Landwirtschaft erlassen wurden, setzte eine gewisse Regelungswut ein und die "Haltung definierte sich nun über cm". Damit sei der Blick aufs Ganze oftmals verloren gegangen. Die Branche reagierte, indem sie versuchte sich über den gesetzlichen Standard hinaus zu positionieren. "Besser als der gesetzliche Standard interessiert den Verbraucher aber nicht", warnte Hermanowski und empfahl der Branche dringend sich in die Diskussion um Tierwohl und Tierwohllabel einzumischen.

Die Tagung belegt, dass auch Bio-Schweinehalter die Haltung ihrer Tiere laufend optimieren müssen. Sie stellen sich dieser Verantwortung und nutzen konsequent neueste Forschungsergebnisse und Beratungsempfehlungen, um den Wünschen der Gesellschaft an eine artgerechte Tierhaltung weitestgehend zu entsprechen.

Bio-Schweine im Offenfrontstall

Seit 1992 bewirtschaftet die Familie Hörl den im bayerischen Gerzen gelegenen "Oama Hof" ökologisch und hat sich im Jahr 2000 dem Naturland-Verband angeschlossen. Der Nebenerwerbsbetrieb bewirtschaftet insgesamt 33 ha Eigenfläche, bei denen sich 23 ha auf den Ackerbau und 10 ha auf den Forst aufteilen.

Neben einem umfangreichen und vielseitigen Ackerbau (u.a. Sojabohnen) hält Hörl 130 Mastschweine in einem Offenfrontstall mit sechs Buchten. Gemästet wird das reinrassige Schweizer Edelschwein, die Ferkel stammen dafür vom Naturland Betrieb Huber Heigl aus Eichkreith. "Wir vermarkten die Schweine an die Herrmannsdorfer Landwerkstätten und halten die Tiere daher länger, um ein höheres Schlachtgewicht und damit eine bessere Schmackhaftigkeit des Fleisches zu erreichen", erklärt Hörl das Konzept. Gefüttert werden die Tiere ausschließlich mit ökologischen Komponenten (100 % Bio-Fütterung), wobei fasst alles von den eigenen Feldern stammt. Zugekauft werden lediglich das Mineralfutter und der Sojakuchen, wobei der Sojakuchen vom Herrmannsdorfer Sojanetzwerk stammt, das ausschließlich bayrische und verbandsangehörige Biobauern beliefern.

Im Stall fühlen sich die Schweine sichtlich wohl. 2010 wurde der alte, geschlossene Stall mit Auslauf ins Freie zu einem modernen Auslaufkistenstall umgebaut. Der einseitig offene Freiluftstall bietet ein sehr gutes Stallklima, da die Außenluft ungehindert zirkulieren kann. Damit es den Schweinen nicht zu kalt wird, sind im Innenbereich der Buchten Liegeboxen, die im Winter mit Streifenvorhängen verhängt sind. Eine 44 m² große Bucht verfügt über zwei Trockenfutterautomaten im Innenbereich und zwei Tränkenippel am Auslauf des Stalls. "Eingestreut wird täglich mit frischem Stroh, damit die Tiere Beschäftigung haben", berichtet der Landwirt. Frisches Grünfutter - wenn die Vegetation es erlaubt - oder Heu im Winter fördern zusätzlich das Wohlbefinden der Schweine auf dem Hof. An heißen Sommertagen werden die Tiere mit Wasser aus dem Schlauch oder der Sprenkelanlage abgekühlt, was das Tierwohl fördert. Im Winter werden die Hütten zur Wärmeisolierung reichlich mit Stroh bedeckt und der Auslauf kann bei Bedarf mit einem Vorhangen versehen werden, um Schneeverwehungen im Innenbereich zu vermeiden.

Die Stallarbeit ist relativ extensiv und beschränkt sich auf das Füttern und Einstreuen der einzelnen Buchten. Das ältere, fein zerkleinerte Stroh wird ebenfalls täglich vom Innenbereich in den Auslauf abgeschoben, um den passenden Feststoff-Anteil des Mistes aufrecht zu erhalten. Zirka alle zwei Tage wird die Auslauffläche durch den Frontlader Schlepper entmistet.

Alles in Allem ein durchaus gelungenes Konzept, dass zu dem Betrieb passt. Bei dem Umgang mit Tieren sollte stets an das Sprichwort gedacht "wenn es den Tieren gut geht, dann geht es auch den Bauern gut" gedacht werden.

Für die Zukunft stehen derzeit keine großen Änderungen bei der Tierhaltung im Betrieb an. Die derzeitige Kastrationsdebatte bei den Ferkeln und das "Improvac Impfen" werden von der Familie skeptisch gesehen. Pflanzenbaulich ist dagegen eine Menge in den nächsten Jahren geplant, erzählt uns Hörl Junior, der den Betrieb bald weiterführen wird. Von dem Einstieg in den Zuckerrübenanbau bis hin zum Kartoffelanbau mit anschließender Direktvermarktung kann sich noch einiges ändern am Oamahof.

Quelle: Christian Wucherpfennig, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02821-996-177, E-Mail: christian.wucherpfennig@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

Abonnieren Sie den Ökolandbau NRW-Newsletter

Die obenstehende Einwilligungserklärung kann jederzeit formlos gegenüber dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Schwannstraße 3, 40476 Düsseldorf, (E-Mail: Poststelle@mulnv.nrw.de) widerrufen werden: Die von Ihnen auf dieser Seite angegebenen personenbezogenen Daten (zum Beispiel Name, E-Mail-Adresse, Anschrift usw.) werden vertraulich und nur zur Versendung der von Ihnen abonnierten Newsletter des Ministeriums per E-Mail verwendet. Ihre Daten werden ausschließlich auf dem Server des Landesbetriebs Information und Technik NRW gespeichert. Das Abonnement kann von Ihnen auf dieser Seite jederzeit mit sofortiger Wirkung beendet werden. Ihre Daten werden dann unverzüglich gelöscht.


Vom Newsletter abmelden...