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Eiweißversorgung sichern

01.07.2016

Die Versorgung mit hochwertigem Eiweiß stellt Bio-Schweine- und Bio-Geflügelhalter vor große Herausforderungen. Gegenwärtig werden viele Bio-Eiweißfuttermittel zum Beispiel in Form von Körnerleguminosen aus den baltischen Staaten oder Soja aus Südosteuropa importiert. Die Fachgruppe Schwein Nord-West nahm dies zum Anlass, zu einem Praktikertag nach Tecklenburg auf den Betrieb von Raimund Bäumer einzuladen. Christian Wucherpfennig, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, hat die wichtigsten Erkenntnisse dieses Tages zusammengefasst.

Raimund Bäumer stellte seinen im münsterländischen Tecklenburg gelegenen Betrieb 1989 nach Bioland-Richtlinien um und hält heute rund 520 Mastschweine in verschiedenen Stallsystemen. Neben Getreide und Mais (CCM) baut Bäumer mit 26 ha Ackerbohnen und 16 ha Sojabohnen auch Eiweißfuttermittel im beträchtlichen Umfang selbst an. Ergänzt wird die eigene Futtergrundlage durch Altbrot von einer Bio-Bäckerei und Bio-Sojapülpe. "Damit können wir erheblich preiswerter produzieren, als wenn wir nur auf Bio-Eiweißergänzer zurückgreifen würden", erklärte Bäumer. Martin Kötter-Jürß von der Bioland-Fachberatung Schwein ergänzte: "Die Nutzung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelverarbeitung entspricht auch dem Leitbild des Biolandverbandes." Um die genannten Komponenten nutzen zu können, hat sich Bäumer bei seinem Neubau 2010 bewusst für eine Flüssigfütterung entschieden.

Füttern gemäß Mastabschnitten

Der Einsatz der Sojapülpe erfolgt gestaffelt. In der Vormast bekommen die Tiere nur geringe Anteile zur Gewöhnung. Ab der Mittelmast werden die Anteile dann gesteigert. In der Endmast wird schließlich auch der Roggenanteil erhöht. Dennoch sind dem Einsatz von Sojapülpe aufgrund des hohen Restfettgehaltes Grenzen gesetzt, damit die Speckqualität nicht leidet. Bei einem ausreichenden Vorschub am Silo bleibt die Frische erhalten und es entstehen keine nennenswerten Verluste.

Im Auslauf erhalten die Schweine bei Raimund Bäumer immer auch Raufutter. Da Bäumer auch Rinder mästet, kann er im Winter die Schweine hauptsächlich mit Grassilage füttern, während im Sommer auch Gemüsereste gegeben werden. Das Grundfutter dient vor allem der Beschäftigung und Sättigung, wobei die Tiere in der Endmast durchaus beträchtliche Mengen aufnehmen.

Wie viel Einweiß in Biobetrieben?

Einen Einblick in die aktuelle Entwicklung zur Eiweißversorgung von Bio-Betrieben gab Dr. Friedhelm Deerberg von der Bioland-Fachberatung Geflügel. "Die Erträge verschiedener Kulturen variieren und man sollte daher standortangepasst die richtige Auswahl treffen", empfahl Deerberg. So lieferten 35 dt Ackerbohnen genauso viel verdauliches Lysin wie 25 dt Sojabohnen. Gemenge von Leguminosen und Nicht-Leguminosen wirken ertragsstabilisierend und können von manchen Futtermittelfirmen auch voneinander getrennt werden.

Die Konzentration an Aminosäuren kann durch eine Aufbereitung erhöht werden. "Beispielsweise kann durch Siebung der Rohprotein- und Aminosäurengehalt bei Luzernecobs um mehr als 10 % gesteigert werden", berichtete Deerberg. "Dabei kann Luzerne in unseren Breiten höhere Proteinerträge liefern als Ackerbohnen oder Soja. Um die Konzentration an Rohprotein von Luzerne und Klee zu erhöhen, kann man Stängel und Blattmasse voneinander trennen und nur die proteinreicheren Blätter nutzen. Hohe Gesamtproteingehalte in der ganzen Pflanze sorgen auch für höhere Konzentrationen in den Blättern", so der Referent weiter. Deerberg stellte Ergebnisse vor, nach denen die Verdaulichkeit einzelner Futtermittel vom Alter der Tiere abhängt, so dass es langfristig durchaus Sinn machen kann, die Rationen mehr auf den Entwicklungsstand der Tiere abzustimmen.

Bakterieneiweiße in die Mast

Eine weitere Alternative könnte die Nutzung von Bakterieneiweiß sein. Dabei besteht das Ziel, mit EU-Bio-konformen Futtermitteln von den Bakterien Eiweiß produzieren zu lassen und dabei vor allem hohe Methioningehalte zu erzielen. Bot man dem Bakterium Corynebacterium glutamicum Glucose, Zuckerrübenmelasse, Mineralstoffe und Spurenelemente an, konnte das Bakterium mittels Fermentation 25 Mal so viel Methionin anreichern wie Lupine und fünfmal so viel wie Kartoffeleiweiß. "Um 5 % bisher konventionelles, Kartoffeleiweiß zu ersetzen, bedarf es somit nur 1 % Bakterieneiweiß", sagte Deerberg. Die Erzeugung von 100 kg Bakterieneiweiß kostet nach derzeitigem Stand etwa 1 000 €. Umgerechnet entspricht das 20 €/kg Rohprotein oder 100 €/kg Methionin. Damit läge der Preis unter dem von beispielsweise Bio-Soja oder Bio-Magermilchpulver. Die Fermentation von Eiweiß und wertvollen Aminosäuren ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Produktion isolierter Aminosäuren, deren Einsatz bei Bioland nicht zulässig ist.

Aktuelles vom Markt für Bio-Schweine

Die Zusammenarbeit von Bioland mit Edeka Rhein-Ruhr stellte Martin Kötter-Jürß, Fachberatung Bio-Schweinehaltung, vor. Um nicht marktstörend zu wirken, also in Konkurrenz zu bestehenden Lieferbeziehungen zu treten, wurde das Programm zunächst nur Betrieben angeboten, die neu hinzukamen. Mittlerweile steht es aber auch anderen Betrieben offen. "Neu an der Zusammenarbeit ist, dass wir die Preise konsequent nach den Erzeugungskosten ausgerichtet haben", betonte Kötter-Jürß. Dabei haben die Verträge eine Laufzeit bis zu fünf Jahren, um vor allem Betrieben mit hohen Investitionen eine längerfristige Perspektive zu bieten. In das Programm können ausschließlich Bioland-Betriebe liefern, wobei nicht nur das Mastschwein, sondern auch das Ferkel von Bioland-Betrieben stammen muss.

Dr. Uwe Balliet, der ein Bio-Schweine-Vermarktungsprojekt in Niedersachsen betreut und für die Bioland Markt arbeitet, erklärte, dass Bio-Schweine am Markt nach wie vor knapp seien. "Langfristig brauchen wir eine vollständige Abkopplung vom konventionellen Markt", ergänzte Balliet. Umsteller sehen vor allem den Ackerbau ohne Pflanzenschutzmittel als Hürde und bei Umstellertagen kämen mehr Mäster als Ferkelerzeuger, so dass Bio-Ferkel weiter knapp seien.

"Zurzeit fehlen Bio-Schweine." Das konnte auch Christoph Dahlmann, Geschäftsführer Biofleisch NRW, bestätigen. "Seit 2006 haben wir stetig zweistellige Umsatzzuwächse", freute er sich und berichtete zudem von geplanten Erweiterungen der Verarbeitungsräume. "Es gibt Mitbewerber, die gegenwärtig mehr zahlen, aber wir setzen auf kontinuierliche Auszahlung", betonte Dahlmann. Über die Jahre gesehen, liege man im oberen Drittel und bei 3,70 € je kg Schlachtgewicht bei 55 % Magerfleischanteil sei man auch gut positioniert. "Trotz zeitweise höherer Preise bei anderen Unternehmen halten uns die Genossen die Treue", sieht Dahlmann das Geschäftskonzept bestätigt.

Quelle: Christian Wucherpfennig, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02821-996-177, E-Mail: christian.wucherpfennig@lwk.nrw.de, LZ 26/2016

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