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Öko-Erzeuger weiterhin gesucht

13.01.2015

Der Naturkosteinzelhandel setzte erneut Zeichen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2014 wuchs der Umsatz gegenüber 2013 um 8,4 %. Da die Umsatzentwicklung in den letzten Jahren ebenfalls positiv verlief und sich jeweils im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von knapp unter 10 % ergab, kann man von einer beachtlichen kontinuierlichen jährlichen Steigerung sprechen.

Zusätzlich war festzustellen, dass der Norden Deutschlands und NRW im Regionalvergleich überproportional wuchsen. Da auch gleichzeitig die realisierte Handelsspanne des Naturkosthandels gesteigert wurde, kann von einer gesunden Wirtschaftlichkeit der Naturkostbranche ausgegangen werden. Damit fungiert der Naturkosthandel als Taktgeber für den gesamten Bio-Lebensmittelhandel, denn auch die Vollsortimenter im Lebensmitteleinzelhandel legten bei Mengenabsatz und Umsatz mit Biowaren in diesem Jahr zu, wenn auch nicht so deutlich wie die Naturkostbranche. Insgesamt konnte in den ersten neun Monaten des Jahres eine Umsatzsteigerung von 3 % im gesamten Lebensmittelhandel gemessen werden. Es bestätigt sich insgesamt damit der schon seit mehreren Jahren bestehende Verbrauchertrend, der eine kontinuierliche Nachfragesteigerung nach Biolebensmitteln aufweist.

Umstellungsbereitschaft gering

Die Nachfrage ist dort besonders groß, wo Bioprodukte mit regionalem Bezug angeboten werden können. Die Herkunft und die damit gleichgesetzte Produkttransparenz scheinen den Verbrauchern besonders am Herzen zu liegen. Erzeuger von sicheren Bioprodukten aus regionaler Herkunft können zudem im Handel die höchsten Preise realisieren. Angesichts dieser starken Nachfragesituation bietet der Biomarkt herausragende Möglichkeiten für Landwirte und Gärtner aus NRW. Umso erstaunlicher, dass die Umstellungsnachfrage im Vergleich dazu eher gering war. 2014 war keine nennenswerte Umstellungsbereitschaft erkennbar. Zwar sind die teilweise sehr hohen konventionellen Erzeugerpreise und der Druck auf den Pachtmarkt Gründe dafür, dennoch reichen sie alleine nicht aus. Insbesondere Betriebe, die den Weg der extremen Intensivierung und Bestandsausweitungen, verbunden mit hohen Investitionen, nicht gehen wollen, bietet der Ökolandbau langfristige Perspektiven. Nicht wenige Betriebe, die in den vergangenen Jahren umgestellt haben, konstatieren heute: "Hätte ich nicht umgestellt, wäre der Betrieb nicht mehr existent!".

Entspannung am Öko-Schweinemarkt

Nachdem sich die Schlachtschweinepreise zum Jahresbeginn und bis in den Frühsommer hinein unter 3,25 € je kg/Schlachtgewicht für E-Schweine eingependelt hatten, kommt nun wieder etwas Bewegung in den Markt. Aktuell können Preise von deutlich über 3,25 €, teilweise bis 3,30 €/kg SG realisiert werden. Da sich die Futtermittelkosten im gleichen Zeitraum zumindest bei den Getreide-Ausgangskomponenten leicht rückläufig entwickelt hatten, ist etwas Entspannung in die Marktsituation der Bio-Schweinmäster gekommen. Die Schwankungen bei den Ferkelpreisen haben im Jahresverlauf nachgelassen und es können derzeit durchschnittliche Preise über alle Gewichtsklassen von etwa 108 € erzielt werden. Im letzten Quartal 2014 war ein deutlicher Nachfrageüberhang bei Öko-Ferkel festzustellen, der sich auch für 2015 fortsetzen wird.

Umstellertag im März in Düsse

Umsteller können mit einer erheblich höheren Förderung für den Ökolandbau rechnen. Nordrhein-Westfalen hat bei der EU die Erhöhung der Prämiensätze für Umstellung und Beibehaltung zwischen plus 31 % und 44 % für Acker-, Gemüse und Grünlandflächen gegenüber der bisherigen Ökoförderung beantragt. Bei Unterglasflächen sind es immerhin noch plus 9 %. Insofern sind auch seitens der politischen Rahmenbedingungen die Wege zur Umstellung auf die ökologische Bewirtschaftung geebnet. Ob und inwieweit betriebsindividuelle Risiken bei der Umstellung bestehen und wie diesen gegebenenfalls begegnet werden kann, muss im Einzelfall entschieden werden. Die Landwirtschaftskammer bietet hierzu eine umfassende Beratung an. Mit einem kostenlosen Betriebs-Check im Rahmen der Bio-Offensive kann jeder Betrieb Hinwiese erhalten, ob grundsätzlich eine Umstellung im jeweils individuellen Fall möglich ist.

Mittwoch, 4. März 2015 findet zusätzlich in Haus Düsse ein Umstellertag unter dem Motto: "Umstellen auf Ökolandbau – Eine Chance für meinem Betrieb?" statt, bei dem die wichtigsten Aspekte des Einstiegs in den Ökolandbau für interessierte Betriebe beleuchtet werden.

Nähere Informationen: Georg Pohl, LWK NRW, E-Mail: georg.pohl@lwk.nrw.de, Telefon: 0221 / 5340-272

Bio-Milch: Nachfrage steigt weiter

Die Bio-Milchanlieferung in Deutschland lag für das erste Dreivierteljahr 2014 um rund 3,6 % über der des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Damit scheint die in 2013 sich abzeichnende Stagnation beendet zu sein. Allerdings dürfte die Bio-Erzeugerquote nach wie vor zu gering sein, um die weiterhin hohe und in 2014 nach Auskunft der AMI nochmals um etwa 2,3 % gestiegenen Nachfrage der privaten Haushalte nach Biomilch zu befriedigen. Weiterhin werden deshalb nennenswerte Mengen an Biomilch importiert, obwohl sie hierzulande erzeugt und abgesetzt werden könnten.

In Nordrhein-Westfalen sammelnde Biomolkereien zahlten in den ersten drei Quartalen des Jahres im Mittel einen Milchpreis von knapp 47,6 Cent/kg bei 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß aus. Das liegt deutlich über den mittleren Auszahlungspreisen der Vergleichszeiträume der drei Vorjahre und etwa 10 Cent/kg über dem mittleren Auszahlungspreis für konventionell erzeugte Milch in NRW.

Dinkel ist gefragt

Das Jahr 2014 war in NRW aber auch in anderen Regionen durch starken Gelbrostbefall bei Wintertriticale, Winterweizen, Dinkel und Sommerweizen gekennzeichnet, der je nach Sorte erhebliche Ertragseinbußen forderte. Deutschlandweit scheint die Getreideernte insgesamt zwar etwas größer ausgefallen zu sein als im Jahr 2013, was jedoch vor allem auf befriedigende Erträge bei Dinkel und Gerste zurückzuführen sein dürfte. Probleme zeichnen sich hingegen bei der Backqualität von Konsumweizen ab. Ausreichend große Partien mit befriedigenden oder guten Eiweißgehalten sind nach den bisherigen Erkenntnissen knapp. Mit Preisen von um die 40 €/dt für Backweizen werden die Werte im Vergleich zum Herbst 2013 nur leicht überschritten. Dinkelanbauer können sich derweil an Preisen von bis zu 70 €/dt und darüber für Rohware und einer steigenden Tendenz erfreuen. Damit ist ein Allzeithoch für die letzten drei Anbaujahre erreicht.

Mehr Gemüse verkauft

Von je her stellt die Handelsentwicklung mit Bio-Frischprodukten den wichtigsten Gradmesser für den Biohandel insgesamt dar. In diesem Marktsegment spielen vor allem Obst und Gemüse eine herausragende Rolle. Frisches Obst und Gemüse werden am ehesten mit der Erzeugung von Öko-Lebensmitteln assoziiert. Die Bewertung einzelner Obst- und Gemüsearten fällt allerdings höchst unterschiedlich aus, hier gibt es auch einzelne Verlierer. Insgesamt kauften aber die Verbraucher nach Angaben der AMI mit einem Plus von über 3 % bei Absatz und Umsatz mehr Biogemüse ein. Der Absatz von Obst blieb immerhin stabil. In den genannten Marktbereichen zeichnen sich zum Teil sehr gute Chancen für Neueinsteiger in der Bioproduktion ab. Wer Interesse an einer Umstellung seines Betriebes hat, sollte sich den 4. März vormerken, siehe Kasten.

Quelle: Dr. Karl Kempkens, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0228-703-1456, E-Mail: karl.kempkens@lwk.nrw.de

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