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Jetzt umstellen auf Ökolandbau

10.03.2016

Volles Haus beim Umstellertag auf Haus Düsse

Am Mittwoch, dem 9. März, konnten die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und die Bio-Anbauverbände in NRW so viele Besucher wie nie zuvor zum Umstellertag auf Haus Düsse begrüßen. Rund 200 Landwirte, Verarbeiter und Händler von Bioprodukten waren nach Ostinghausen gekommen, um gemeinsam das Für und Wider einer Betriebsumstellung auf den Ökolandbau zu diskutieren.

"Mit Bio kann man Geld verdienen" - diese Devise war Programm auf der Veranstaltung "Jetzt umstellen auf Biolandbau - Eine Chance für meinen Betrieb?". Die Kammer zeigte in Zusammenarbeit mit den Bioanbauverbänden Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter Chancen, die sich für konventionell wirtschaftende Betriebe aus einer Umstellung ergeben können. Dazu hatten die Veranstalter nicht nur Berater und erfahrene Biolandwirte als Referenten engagiert, sondern es waren auch 18 Marktpartner aus dem Biomarkt NRW in der Halle des Landwirtschaftszentrums präsent, die den umstellungsinteressierten Landwirten als Gesprächs- und potenzielle Marktpartner zur Verfügung standen.

Das lobte auch Dr. Karl Kempkens, der die Gäste als Vertreter der Landwirtschaftskammer willkommen hieß. "Als Biolandwirt und Vermarkter kennt man sich noch und begegnet sich auf Augenhöhe. Das ist eine der der Besonderheiten und Vorteile des Ökolandbaus."

Impressionen vom Umstellertag am 9. März 2016 auf Haus Düsse. Rund 200 Besucher wurden gezählt - ein Rekord!
Fotos: H. Schmid, LWK NRW

Umstellungsinteresse steigt

Auch Heinz-Josef Thuneke, Vorsitzender der Landesvereinigung Ökologischer Landbau NRW e.V., zeigte sich erfreut über die große Resonanz auf den Umstellertag. "In den vergangenen Jahren ist das Umstellungsinteresse stark zurückgegangen. Das lag vor allem an den konstant hohen Preisen für konventionell erzeugte Produkte. Die komfortable Situation der konventionellen Landwirtschaft hat dazu geführt, dass das Umstellungsinteresse stark gehakt hat", blickte Thuneke auf die letzten acht Jahre zurück. Trotz dieser Entwicklung habe der Biomarkt stets zweistellige Wachstumsraten aufweisen können, die Nachfrage übersteige nach wie vor das heimische Angebot.

2014 sei die Situation dramatisch gekippt, die Preise für Milch, Schweine, Getreide stark gesunken. "Bislang konnte man von einem "push and pull" bei den Preisen auf den Biomärkten sprechen: Die Preise auf den konventionellen Märkten hatten Sogwirkung entweder nach oben - oder nach unten. In der aktuellen Preismisere halten sich die Preise für Ökoprodukte aber auf einem konstant hohen Niveau, trotz sinkender Preise für konventionelle Erzeugnisse. Vermutlich ist vor allem aus diesem Grund das Umstellungsinteresse wieder gestiegen", meinte der LVÖ-Vorsitzende. Die Vermarktungsperspektiven von Bioware made in Germany seien super. "Und in NRW haben wir außerdem einen klaren Standortvorteil: Die Erzeuger und Verarbeiter liegen auf engstem Raum beieinander!", betonte er.

Die Signale aus der Agrarpolitik seien ebenfalls positiv: So sei die Umstellungsprämie in der Zweiten Säule noch einmal gestiegen und biete Planungssicherheit für die Betriebe bis 2020. Trotzdem wolle eine Umstellung sehr gut überlegt werden: "Diese Entscheidung ist langfristig und man legt sich über viele Jahre fest", so Heinz-Josef Thuneke. Er lud die Landwirte dazu ein, den Erfahrungsaustausch auf dem Umstellertag zur individuellen Meinungsbildung zu nutzen. 

Peter Schneider, links, und Wolfgang Zillig bewirtschaften gemeinsam einen 75 ha großen Ackerbaubetrieb in Goch mit Kartoffeln, Zuckerrüben, Erbsen, Getreide und Mais. Über den Anbau von Biobohnen beschäftigen sich die beiden Landwirte schon mehrere Jahre mit dem Thema ökologischer Landbau. Für einen Biokartoffel- Anbauer legen und roden sie im Lohn. „Wir halten den Bioanbau grundsätzlich auch für unseren Betrieb für interessant und haben uns schon viele Bio-Betriebe angesehen. Unser Problem ist das Unkraut. Insofern war die Arbeitsgruppe zum Thema Bio-Acker- und -Gemüsebau für uns sehr spannend und lohnenswert, da uns einige Sorgen in Sachen Unkrautbekämpfung genommen worden sind und wir nun wissen, wie es gehen könnte.“ Schneider und Zillig würden im Falle einer Umstellung ihres Ackerbaubetriebes auf Geduld, Erfahrung und die richtigen Sorten setzen.

Foto: Meike Siebel

Tobias Steffens und Verena Dickhut sind Nebenerwerbslandwirte in Lippstadt. Sie halten Mutterschafe und Bentheimer Schweine und haben die Umstellung vor knapp zwei Jahren vollzogen. „Ab August sind wir aus der Umstellungsphase raus. Jetzt interessiert uns die Vermarktung unserer Bio-Schweine und vor allem der Lämmer ganz besonders. Darüber haben wir in der Arbeitsgruppe Bio-Schweine sehr engagiert diskutiert und wir konnten spezielle und ganz gezielte Fragen stellen“, lobten die beiden die offene Atmosphäre unter den Beratern und Berufskollegen. „Wenn wir noch vor der Entscheidung, den Betrieb auf Bio umzustellen, gestanden hätten, hätte uns die Veranstaltung ganz sicher viele Fragen beantwortet und bei der Entscheidungsfindung geholfen.“

Foto: Meike Siebel

Ökolandbau – wie geht das?

Um den Landwirten die Umstände einer Betriebsumstellung ganz individuell darzustellen, gab es sechs verschiedene Arbeitsgruppen, in denen die speziellen Anforderungen des Marktes, der Produktion sowie der Betriebswirtschaft beleuchtet wurden. Für die Bio-Milchviehhaltung, -Schweinehaltung, -Rindfleischerzeugung und Gemischtbetriebe, -Acker- und Gemüsebau, Bio-Obstbau sowie die Biogeflügelhaltung erhielten die Landwirte aus Sicht der Erzeugung, also über die Berichte von Praktikern, als auch aus Sicht der Beratung, die von Kammerberatern und Vertretern der Bioverbände dargestellt wurde, umfangreiche Einblicke in die Wirtschaftsweise des Ökolandbaus. Zwei Sektoren seien im Folgenden beispielhaft herausgepickt: Die Bioschweinehaltung und der Bio-Acker- und Gemüsebau.

Erfolgreich mit Bioschweinen

Wilhelm Schulte Remmert ist zusammen mit seinem Sohn und einem Kompagnon Betriebsleiter der "LebensWert GbR" in Lippstadt. Vor vier Jahren haben er und seine Familie den Ferkelerzeugungsbetrieb mit 450 Sauen auf die ökologische Haltung von nun noch 160 Sauen umgestellt. "Damals haben wir vor der Entscheidung gestanden: Aussiedeln, 65 ha Kooperationsfläche dazupachten und auf 800 Sauen aufstocken, um den Betrieb zukunftsfähig zu machen. Dafür hatten wir 1,2 Mio. € Investitionskosten veranschlagt. Dieser Schritt hätte aber eine große Abhängigkeit vom Kooperationspartner gebracht sowie ganz gewiss eine schlechte Verbraucherakzeptanz", erinnert sich der Landwirt. "Wir wären das letzte Glied in der Kette gewesen und hätten nur noch reagieren, nicht aber eigenständig agieren können", waren die großen Bedenken. Stattdessen haben Schulte Remmert und seine Familie die Alternative durchgespielt: 160 Ökosauen auf den schon vorhandenen 31 ha Eigentum. "Die Investitionskosten lagen auf demselben Niveau, da wir viel in Stallumbauten stecken mussten. Aber: Wir würden autonom auf der eigenen Fläche wirtschaften können. Außerdem sitzen alle in einem Boot: Wir als Ferkelerzeuger auf Augenhöhe mit dem Mäster, den Verarbeitern und auch den Verbrauchern. Wir sind nicht mehr austauschbar", betont der Schweinehalter einen wesentlichen Punkt. Insofern sei die Entscheidung zwar nicht leicht, aber mit 100prozentiger Überzeugung gefallen.

Allen umstellungsinteressierten Kollegen riet Wilhelm Schulte Remmert: "Die grundsätzlichen Fragen müssen unbedingt vorher geklärt werden. Dazu gehört: Was wollen wir als Menschen, die in diesem Beruf arbeiten? Die Familie muss mitgenommen werden bei einer solchen Entscheidung. Wie sieht es mit der Ökologie aus, den Tieren und ihrer Umwelt? So haben wir den Stall gemäß den Verhaltensweisen der Sauen und Ferkel gebaut – und alles ist trotzdem arbeitswirtschaftlich ausgereift!", betont der Landwirt, der in den vier Jahren ökologischer Sauenhaltung mehr über die Verhaltensweisen seiner Tiere gelernt habe als in den 20 Jahren zuvor. Außerdem riet er den Kollegen, die Richtlinien der Verbände mehr als genau einzuhalten. "Die sind die Lebensversicherung eines Biobetriebs", mahnte er.

Und nicht zuletzt müsse man die Ökonomie im Griff haben. "Ohne eine passende Ökonomie kann man sich weder Ökologie, noch soziales Engagement leisten", meinte Schulte Remmert. Im Abferkelstall werde bei ihm das Geld verdient. "Da muss alles stimmen!" Seine Tiere seien in einer aus der Schweiz stammenden Abferkelbox tiefenentspannt – und er gleich mit.

Dazu gehöre auch, dass ein Betriebsleiter vor der Umstellung die Vermarktung sichert und sich bestenfalls einem der Ökoverbände anschließt, da innerhalb der Verbände ein reger Austausch zwischen den Marktpartnern herrsche. "Sehr hilfreich ist es, vorher eine genaue Rentabilitätsrechnung oder auch Liquiditätsvorschau auf Grundlage der Buchführungsergebnisse durchzuführen. Dazu gibt es praktische Hilfsmittel, wie Exceldateien, die die Beratung zur Verfügung stellt", riet Schulte Remmert. "Mensch, Ökonomie und Ökologie - wenn diese drei Faktoren im Einklang sind, dann läuft es", zeigte sich der Ökosauenhalter zuversichtlich.

Mit Bio kann man Geld verdienen

Wollen Sie wissen wie? Dann nutzen Sie die bio-offensive. Sie erhalten einen kostenlosen Betriebs-Check durch einen Berater Ihrer Wahl.
Kontakt: georg.pohl@lwk.nrw.de oder oekoteam@lwk.nrw.de, 0221 - 5340 272
Weitere Infos gibt es unter www.bio-offensive.de

Über Fruchfolge Fruchtbarkeit erhalten

Weniger Spezialisierung, höherer Flächenbedarf - das kennzeichnet wohl den ökologischen Acker- und Gemüsebau. "Wir haben im Ökolandbau vielgestaltige Fruchtfolgen mit mindestens fünf Pflanzenarten und einem festen Anteil an Leguminosen. Da sind die Spezialisierungsmöglichkeiten begrenzt", meinte Markus Puffert, Anbauberater der Landwirtschaftskammer NRW. Ein Flächentausch mit dem Nachbarn "mal eben so" sei nicht mehr möglich. "Also muss man über die Fruchtfolge die Fruchtbarkeit des Bodens erhalten", betonte Puffert.

Ein Problem, das viele konventionelle Acker- und Gemüsebauern mit Sorge betrachten, sei die Unkrautbekämpfung. Da konnte Puffert beruhigen: "Parallel mit den wachsenden Ökobetrieben sind auch innovative Ideen zu technischen Lösungen entstanden, die praktikabel sind." Es werde zwar nicht unbedingt einfacher im ökologischen Ackerbau – "aber ich als Landwirt spiele wieder eine entscheidendere Rolle, habe mehr Einfluss und überlasse nicht alles den Pflanzenschutzmitteln", betonte der Berater. Die Berufskollegen seien in den Regionalgruppen der Anbauverbände sehr eng vernetzt und würden sich offen und bereitwillig austauschen über Unkrautbekämpfung, Düngung und auch Sortenwahl.

Unkrautbekämpfung auf dem Ökoacker

Familie Wieland hat diverse Verfahren der Unkrautbekämpfung ausprobiert. "Die Kartoffeln keimen wir in Kisten vor, damit sie einen Wachstumsvorteil haben. Vor beziehungsweise zum Kartoffellegen striegeln wir mit dem AVR Ecoridger durch die gezogenen Dämme. Ein Nachteil dabei ist: Das Striegeln trocknet die Dämme aus und die Kartoffeln werden grün." Langfristig möchte Niels Wieland weniger Striegeln und mehr Hacken, die modernen Hacken seien sehr präzise über Spindeln mit feiner Skalierung einstellbar. Daneben macht Niels Versuche mit Abflammgeräten im Vor- und Nachauflauf, sowohl in Kartoffeln als auch in den Zwiebeln. Andere Berufskollegen würden eine Fläche bewässern und das Unkraut keimen lassen, es dann heraushacken und die Fläche erst danach bearbeiten und das Saat- oder Pflanzbett bereiten. Es gibt also viele Wege der mechanischen Unkrautbekämpfung. Das A und O sei jedoch die die Unkrautprophylaxe. "Wenn man das Unkraut einmal durchgehen lässt, rächt sich das noch viele Jahre später", warnte der Biolandwirt.

Dass man viel von den Berufskollegen lernen kann, untermauerte Niels Wieland, der den Neusteiner Hof in Nörvenich ökologisch bewirtschaftet. Seine Eltern haben den Betrieb vor 20 Jahren umgestellt. Seitdem produziert die Familie hauptsächlich Kartoffeln und Zwiebeln. "Auf den 67 ha fahren wir eine sechsgliedrige Fruchtfolge mit Sommerweizen, Winterweizen, Zwiebeln, Körnerleguminosen, zurzeit Erbsen für die Frosterei, und Kartoffeln.

Das Kleegras lassen wir als Fruchtfolgeglied überjährig stehen, das steht grundsätzlich so lange wie möglich", nennt der Absolvent der Fachschule für Ökologischen Landbau in Kleve die Felderfolge. Grund sei, neben der Stickstofffixierung, der positive Einfluss des Kleegrases bei der Unkrautbekämpfung: Insbesondere Wurzelunkräuter, wie die Ackerdistel, könne das Kleegras in Schach halten.

Entscheidend sei beim ökologischen Ackerbau, dass man seine Produkte lagern könne. Früher habe man Zuckerrüben und Getreide direkt zur Genossenschaft oder in die Zuckerfabrik gefahren. "Wegen der Fruchtfolge ernten wir durchschnittlich 10 ha von jeder Frucht. Die Ernte müssen wir lagern können. Die Investitionen in Silos und Kisten beziehungsweise Hallen waren also ein große Kostenfaktor." Die Zwiebeln und Kartoffeln gehen an den Naturkostgroßhandel, zu dem traditionell enge Beziehungen bestehen. "Wir haben vor allem mit den Zwiebeln Plätze besetzt, die beim konventionellen Anbau schon besetzt waren", meint Niels Wieland. Eine Verbandszugehörigkeit sei zwar nicht zwingend, für die Vermarktung aber ein ganz klarer Vorteil. "Verbandsware erzielt einen höheren Erlös je Kilo als EU-Ökoware", bestätigt der junge Landwirt.

Quelle: Landwirtschaftliche Zeitung Rheinland, LZ 11/ 2016, Meike Siebel, 17. März 2016

Der Umstellertag 2016

Im Plenum wurde ein informatives Programm geboten, in Arbeitsgruppen wurden spezielle Bereiche beleuchtet, Kontakte zu Marktpartnern geknüpft, Einzel-Gespräche geführt und viele Fragen beantwortet.

Fotos: H. Schmid, LWK NRW

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