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Geschichte und Richtungen des ökologischen Landbaus

08.09.2015

Der ökologische Landbau hat sich in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg als Antwort auf die gesellschaftliche Entwicklung und die ökologische und ökonomische Krise der Landwirtschaft und Landbauwissenschaften entwickelt. Probleme wie Bodenverdichtung, Bodenmüdigkeit, Saatgutabbau und Zunahme von Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall führten zu sinkenden Ertragsniveaus und abnehmender Nahrungsmittelqualität.

In den 20er und 30er Jahren deutete sich - aus damaliger Sicht - ein Ende der über einige Jahrzehnte betriebenen chemisch-technischen Intensivierung an. Gleichzeitig entstand ein neues Verständnis von Bodenfruchtbarkeit durch die Entwicklung der Boden-Mikrobiologie.

Natürlicher Landbau (20er und 30er Jahre)

Die ersten ökologischen Landbauaktivitäten entstanden mit der Lebensreform-Bewegung, die sich gegen Urbanisierung und Industrialisierung in der "modernen Welt" wandte. Ziel war die Rückkehr zu einer naturgemäßen Lebensweise: Man wollte in der ländlichen Natur siedeln und sich dort eine gärtnerische Existenz aufbauen.

Die darauf aufbauenden Landbaumaßnahmen waren:

  • Düngung mit gerotteten organischen Abfällen
  • vererdende Kompostierung (auch Komposttoiletten) und Edelmistbereitung
  • Gründüngung und Bodenbedeckung
  • schonende, nicht wendende Bodenbearbeitung
  • Nährstoffersatz durch die Rückführung kompostierter städtischer organischer Abfälle und Fäkalien sowie durch schwerlösliche Mineraldünger und Gesteinsmehle

Aufgrund ihrer vegetarischen Grundsätze strebte die Lebensreform außerdem an, die Haltung von Vieh einzuschränken oder ganz auf sie zu verzichten. Gleichzeitig entstanden erste Ansätze artgerechter Tierhaltung.

Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise (seit 1924)

Die biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise wurde auf der Basis der Vorträge von Rudolf Steiner über die "Geistswissenschaftlichen Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft" im Jahre 1924 entwickelt.

Den Ausgangspunkt der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise bildet das anthroposophische Natur- und Menschenbild. Dieses umfasst neben der stofflich-physikalischen Ebene drei weitere, "übersinnliche" Ebenen: eine lebendig-ätherische, eine seelisch-astrale und eine Ich-haft-geistige Ebene. In diesem Sinne kann Natur nicht nur in der stofflichen Dimension, sondern auch in den "übersinnlichen" Dimensionen - beispielsweise über die biologisch-dynamischen Präparate - beeinflusst werden. Das biologisch-dynamische Konzept fasst einen landwirtschaftlichen Betrieb als eine eigenständige, lebendige Wesenheit auf, als "Betriebsorganismus" bzw. "Hofindividualität". Die Grundlage landwirtschaftlicher Tätigkeiten im biologisch-dynamischen Betrieb ist ein "persönliches Verhältnis" zum Naturgeschehen, das Arbeiten und Erkennen miteinander verbindet.

Die 50er und 60er Jahre waren durch zwei Entwicklungen geprägt: Im Mittelpunkt standen nun bäuerliche Familienbetriebe und die Vermarktung derer Erzeugnisse über Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften zu "gerechten" Preisen. Mit der Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse näherten sich die biologisch-dynamischen Konzepte denjenigen des naturwissenschaftlich orientierten organisch-biologischen Landbaus an.

In den 80er und 90er Jahren rückten Ökologie, Umweltschutz und Nachhaltigkeit in den Vordergrund. Die Züchtung an ökologische Landbauverhältnisse angepasster Kulturpflanzensorten, "wesensgemäße" Tierhaltung und die Gestaltung der Kulturlandschaften wurden Schwerpunkte biologisch-dynamischen Arbeit.

Organisch-biologischer Landbau (ab 50er Jahre)

Der organisch-biologische Landbau wurde mit der von dem Agrarpolitiker Hans Müller geleiteten Schweizerischen Bauernheimatbewegung begründet. In der ökologischen Landbewirtschaftung sahen die Bauern die Möglichkeit, eine bäuerliche, auf einem christlichen Glaubensverständnis beruhende Lebensweise in der "modernen" Welt zu erhalten und weiter zu entwickeln. Die bisherigen Grundsätze - Erhalt von Familie und Hof sowie Bewahrung von Heimat und Tradition - wurden ergänzt durch die Verantwortung für Natur (mittels einer nachhaltigen Landbewirtschaftung) und Verbraucher (mit hochwertigen Nahrungsmittel).

Das Naturhaushaltskonzept — der "Kreislauf der lebendigen Substanz" — des Frankfurter Arztes und Mikrobiologen Hans Peter Rusch bildete den theoretischen Hintergrund des organisch-biologischen Landbaus. Ruschs mikrobiologischer Bodentest diente als Leitschnur und Kontrolle der Landbewirtschaftung.

Die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel und deren Absatz zu "gerechten" Preisen an eine gesundheitsbewusste Verbraucherschaft sollte die wirtschaftliche Grundlage bäuerlicher Familienbetriebe sichern. Außerdem wollten die Landwirte ihre Unabhängigkeit — ein zentrales Element bäuerlichen Selbstverständnisses — gegenüber der Landwirtschafts- und Ernährungsindustrie bewahren.

Davon ausgehend entwickelten organisch-biologisch wirtschaftende Bauernfamilien — aufbauend auf traditionellem Wissen und Erfahrungen des Arbeitsalltags — die organisch-biologische Landbaupraxis: eine nicht bzw. flach wendende Bodenbearbeitung, Flächenkompostierung und Fruchtfolgen mit mehrjährigem Futterbau.

In den vergangenen Jahren rückten die Themen umweltschonende Bodenbewirtschaftung und artgerechte Tierhaltung in den Vordergrund und es entstanden professionelle Organisationsstrukturen.

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