„Weniger Bürokratie“, „einen besseren Überblick über Förder- und Rückerstattungsmöglichkeiten“, „Bezahlung der sozialen Leistungen des Betriebes“, „die Macht des Handels gegenüber landwirtschaftlichen Betrieben reduzieren“ und „eine bessere soziale Absicherung der Frauen in der Landwirtschaft“ – dies sind die Wünsche der rund zehn Bäuerinnen, die sich anlässlich des Weltfrauentags und des UN-Jahres der Landwirtin auf dem Biobetrieb Stautenhof bei Willich-Anrath trafen.
Zu dem Termin hatten die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und die Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau eingeladen. „Frauen sind tragende Säulen der Landwirtschaft – sie leisten weltweit einen zentralen Beitrag zur Ernährungssicherung“, eröffnete Dr. Margareta Büning-Fesel, Präsidentin der BLE, den Hoftermin am Niederrhein. „Doch die vielschichtigen Leistungen der Frauen sind häufig weniger sichtbar und strukturelle Hürden bestehen fort. Lassen Sie uns deshalb das ‚Jahr der Frauen in der Landwirtschaft‘ als Auftakt verstehen: für mehr Chancengerechtigkeit, Sichtbarkeit und Repräsentanz der Frauen in der Agrar-Branche.“
Anne Panzer vom Rheinischen LandFrauenverband bekräftigte ebenfalls, dass der Verband das UN-Jahr 2026 nicht als einmaliges „Blitzlicht“ verstehe, sondern als starken Auftakt, um die Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft zu erhöhen, den gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen nachhaltig zu fördern, Altersarmut und strukturelle Benachteiligung abzubauen sowie weiterhin Netzwerke und Weiterbildung zu stärken.
Verlässliche Rahmenbedingungen
An Theresa Coßmann, die den Stautenhof, einen Demonstrationsbetrieb im Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL), zusammen mit ihrem Ehemann Christoph Coßmann und ihren Eltern Beate und Christoph Leiders, leitet, richtete sich die Frage, was ihre Erfahrung als Frau in der Landwirtschaft gerade auch im Hinblick auf die derzeitige Hofübergabe der Eltern an die junge Familie seien. „Meine Eltern haben zur Geburt meiner jüngeren Schwester zu hören bekommen: Keine Sorge, der Junge kann ja noch kommen“, berichtet Theresa Coßmann. „Meine Eltern haben mir jedoch nie das Gefühl gegeben, dass sie noch auf einen Jungen warten." In ihrer Familie seien Zuversicht, Geduld, Kompromissbereitschaft und Vertrauen wichtiger gewesen.
Den Schritt der Hofübergabe gehe Coßmann mit realistischem Blick auf die Herausforderungen. „Aber ich gehe ihn auch mit Überzeugung. Ökolandbau hat Zukunft“, sagt die 33-Jährige und ergänzt: „Was wir brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen. Ich wünsche mir, dass wir als kleine, verantwortungsvoll wirtschaftende Höfe nicht als nostalgische Ausnahme betrachtet werden, sondern als tragende Säule einer resilienten Landwirtschaft. Denn wir sind Lebensräume, Arbeitgeber, Landschaftspfleger und wichtige Anker im ländlichen Raum.“
BLE