Seit 2022 mischt die Moers Frischeprodukte GmbH & Co. KG signifikant im nordrhein-westfälischen Biomilchmarkt mit. Vor vier Jahren hat das Unternehmen, das ein Joint Venture der Dr. August Oetker AG und der Molkerei Gropper GmbH & Co. KG ist, mit der Übernahme der Bio-Milcherzeugergemeinschaft der Mittelgebirgsbauern w.V. auf einen Schlag 40 Mio. kg Biomilch übernommen. Das perspektivische Ziel für das Werk in Moers lautet: Mehr Wachstum in den Biomilchmarkt bringen.
Am Standort der Molkerei in Moers werden 300 Mio. kg Milch pro Jahr verarbeitet. „Damit hat sich die Menge in den vergangenen acht Jahren beinahe vervierfacht, beim Start der Zusammenarbeit von Dr. Oetker und Gropper lag die Verarbeitungsmenge hier noch bei 80 Mio. kg. Analog zur Produktionsmenge ist auch die Mitarbeiterzahl auf 850 und damit das Dreifache angewachsen.“ Diese Zahlen kennt Matthias Fried, Bereichsleiter Milcheinkauf, ganz genau, denn: „Perspektivisch ist das Unternehmen von Wachstum geprägt.“
Dabei produziert die Molkerei mit drei verschiedenen Milchströmen: 220 Mio. kg sind so genannte VLOG-Milch, gekennzeichnet vom Verband Lebensmittel ohne Gentechnik, weitere 40 Mio. kg werden als Tierschutzlabel-Milch der Haltungsstufe 4 der Initiative Tierwohl zugeordnet. 40 Mio. kg Biomilch vervollständigen die Gesamtmenge am Standort Moers. Die Grundauslastung der Molkerei werde also durch drei verschiedene Verwertungen generiert, was für ein besonderes Maß an Stabilität sorgt, so Fried. (Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Bestehen in dynamischen (Bio)Milchmärkten“)
Biomilchexpertise aus Süddeutschland
Biomilch wird nicht für die Dr. Oetker-Gruppe, sondern allein für Gropper aufgenommen und verarbeitet. „Die Molkerei Gropper ist in Süddeutschland einer der größten Biomilchverarbeiter und bringt die entsprechende Expertise mit“, so Matthias Fried. Die Gesamtproduktionsmenge an beiden Standorten der Molkerei Gropper liegt bei knapp 800 Mio. kg, davon sind 150 Mio. kg 100 % deutsche Bio-Verbandsware. „Damit sind wir hinter Andechser die zweitgrößte Biomolkerei in Deutschland.“
Hergestellt werden Biotrinkmilch der verschiedenen Fettstufen, Milchbasisartikel, wie Joghurt und Sahne, sowie Bio-Milchkaffee. Dabei hat die Molkerei keine eigene Biomarke. „Wir sind vielmehr der Handelsmarkenspezialist für Bio“, betont der leitende Milcheinkäufer. Und das in großem Stil: Moers Frischeprodukte beliefert alle relevanten Lebensmittelunternehmen des LEH und der Discounter in Deutschland mit deren Bio-Eigenmarken. „Bei den Discountern können wir erfolgreich Mengen absetzen, Aldi und Lidl haben Bio discountfähig gemacht, ohne sie funktioniert der Biomarkt nicht mehr“, weiß Matthias Fried aus seiner täglichen Berufserfahrung und ergänzt: „Die Biomärkte laufen gut, sie sind stabil, auch wenn die Milch-Anlieferungsmengen in den letzten Monaten ungewöhnlich stark waren.“
In eine Lücke gestoßen
Stabilität ist da, die Verbrauchernachfrage hoch. Das macht den Biomilchmarkt aber nicht weniger hart umkämpft als den konventionellen Milchmarkt. „Wir sind als Biomolkerei in eine Marktlücke in NRW hineingegangen. Hier gibt es nicht so viele Biomilchverarbeiter und es ist eine Herausforderung für die Biobetriebe - selbst bei der geringen Auswahl an Biomolkereien und -Verarbeitern -, den passenden Partner zu finden. Dennoch halte ich es für gut, dass es Konkurrenz um Rohstoffe gibt, denn das belebt den Markt. Und auch die Biolandwirte sind froh um Alternativen bei den Molkereien“, gibt Matthias Fried seine Einschätzung der Situation.
Dabei sind die Biobetriebe, die nach Moers liefern, deutlich weiter verteilt als die Milchviehbetriebe für VLOG- und Tierschutzlabel-Milch, die, bis auf wenige Ausreißer, am Niederrhein etwa 100 km rund um den Molkereistandort verortet sind. Der überwiegende Teil der Biomilchbetriebe liegt in NRW und Hessen, einige wenige in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. „Die weiten Strecken bedeuten unter anderem höhere Erfassungskosten, was aber im Hinblick auf die Strukturen der Biomilcherzeugung durchaus üblich ist.“ Dessen ungeachtet wird auch die Biomilch in einem zweitägigen Rhythmus abgeholt und das Werk in Moers rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, beliefert. „Wir haben drei Rohstoffströme täglich, angeliefert wird nachts ebenso wie am Wochenende. Das bedeutet ein dreischichtiges Arbeitssystem“, erläutert der Einkaufsleiter und betont, dass die Auslastung des Werks an oberer Stelle stehe. „Wenn wir die Kapazitäten erhöhen, und das haben wir vor, müssen wir entsprechend mehr Rohmilch sourcen.“
Guter Milchpreis
Die Perspektive „Wachstum“ vor Augen, schaut sich der Leitende Einkäufer danach um, wo beständig weitere Mengen aufgenommen werden können. „Es gibt zurzeit keine neuen Biomilchviehbetriebe. Allerdings werden die bestehenden Betriebe größer, die Anlieferungsmenge unserer Lieferanten lag zuletzt deutlich über dem Vorjahresniveau, was auch auf größere Bestände und höhere Milchleistungen zurückzuführen ist“, erläutert Matthias Fried die Situation.
Dass Gropper und damit die Moers Frischeprodukte zweitgrößter Biomilchverarbeiter in Deutschland sind, sei dabei ein strategischer Vorteil für das Unternehmen - und letztlich auch für die Biomilcherzeuger. „Wir müssen preisoptimal Biomilch einkaufen. Genauso wollen wir den Landwirten über den Vertragszeitraum wettbewerbsfähige Preise auszahlen. Und das können wir.“ Lägen diese unterjährig immer mal wieder unter denen der anderen Biomolkereien in NRW, so kämen die Betriebe am Ende des Jahres wegen der Nachzahlung von durchschnittlich deutlich über 2 Cent pro kg Biomilch auf einen Durchschnittspreis oberhalb der Mitbewerber. „Diese hohen Auszahlungspreise muss sich eine Molkerei leisten können. Das kann Moers Frischeprodukte, da eben nicht nur auf Biomilch gesetzt wird.“
Langfristiges Interesse
Matthias Fried geht offen damit um, bei den nordrhein-westfälischen Biomilchviehhaltern für seine Molkerei zu werben. So seien er und seine Kolleginnen und Kollegen viel auf Veranstaltungen unterwegs, die teilweise gemeinsam mit der MEG der Mittelgebirgsbauern organisiert werden. Auch Besuche auf den Biobetrieben gehörten dazu, um die MEG und die Biomolkerei in Moers besser bekannt zu machen. „Dabei stellen wir klar: Das können wir bieten, das können wir nicht bieten. Es wird aber kein Betriebsleiter und keine Betriebsleiterin dazu überredet, zu uns zu wechseln“, betont der Milcheinkäufer. „Bisher läuft das ganz gut so.“
Für bestehende Partnerbetriebe würden Molkereiführungen und weitere Gemeinschafts-Events organisiert. Außerdem gebe es im Unternehmen Erzeugerberater, jeder Biolandwirt habe einen grundsätzlichen Anspruch, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Molkerei schnell und unproblematisch zu erreichen. „Wir möchten präsent sein, das ist uns wichtig“, verspricht Fried.
Blick in die Zukunft
„Bio wird stabil bleiben!“ - dessen zeigt sich Matthias Fried gewiss. Daher freut er sich über interessierte Betriebe. „Wenn die Lage passt, besuchen wir gemeinsam mit der MEG den Betrieb vor Ort und lernen gerne den oder die handelnden Personen dahinter kennen.“
Zur Kontaktaufnahme steht Katharina Hackstein per E-Mail an Katharina.Hackstein[at]moers-frischeprodukte.de (Katharina[dot]Hackstein[at]moers-frischeprodukte[dot]de) zur Verfügung.
Meike Siebel,
Landwirtschaftskammer NRW