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Öko-Kartoffeltag: Markt und Anbau unter Druck

13.01.2026

Rekorderträge, aber unzureichende Erzeugerpreise waren die zentralen Themen beim 27. Öko-Kartoffeltag, der am 7. Januar als Online-Veranstaltung durchgeführt wurde. Dr. Claudia Hof-Kautz, Landwirtschaftskammer NRW, hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst. 

Zum 27. Öko-Kartoffeltag trafen sich rund 63 Landwirte, Züchter, Berater und Firmenvertreter im Online-Chat, um miteinander die aktuellen Themen zum Kartoffelanbau zu besprechen. 19 Teilnehmer beteiligten sich bei den Einstiegsfragen und waren zu 74 % unzufrieden mit den Erzeugerpreisen für Biokartoffeln in der begonnen Vermarktungssaison 2025/26.

Kartoffeltag Einstoegsfrage
Das Ergebnis der Blitzumfrage zu den Erzeugerpreisen.

Rückblick auf die Saison

Franz-Theo Lintzen, Öko-Ackerbauberater der Landwirtschaftskammer NRW, führte durchs Programm und gab zunächst einen Überblick zur Saison 2025. Er verdeutlichte anhand seiner Berechnungen zur Direkt- und Arbeitskostenfreien Leistungen, dass die Branche zurzeit bei einem Preis von etwa 40 €/dt auf dem Niveau von 2020/21 liegen würden und sich der Biokartoffelanbau kaum noch rechnete. „Übers Jahr habe ich auf den Betrieben in NRW 20 bis 25 % weniger Ansätze trotz guter Pflanzbedingungen von März bis Mai gefunden. Das liegt meiner Einschätzung nach an den zu trockenen und kalten Bedingungen“, so der Berater. Weiterhin seien im Erntegut vor allem deformierte Knollen sowie Erwinia-Nassfäule die Herausforderungen des Jahres gewesen.

Vortrag zum Saisonrückblick

Umfangreiche Landessortenversuche

Im Anschluss stellte Dr. Claudia Hof-Kautz, Landwirtschaftskammer NRW, zusammen mit Herrn Christian Landzettel vom Bioland Erzeugerring Bayern e.V. die verschiedenen Kartoffelsorten aus den umfangreichen Sortenversuchen der Landwirtschaftskammer NRW vor. Alle einzelnen detaillierten Sortenbeschreibungen finden Sie im Fachbeitrag auf dieser Seite. Insgesamt waren auch in den Sortenversuchen hohe Erträge mit im Mittel bis zu 600 dt/ha - allerdings mit mehr Übergrößen von durchschnittlich 25 % - zu verzeichnen.

Vortrag zu den Landessortenversuchen

Problem Schilf-Glasflügelzikade

Die zu Recht gefürchtete Schilf-Glasflügelzikade ist in NRW mit 109 in Leimfallen gefangenen Tieren im Jahr 2025 noch wenig zu finden. Dennoch warnte Jan Kremer-Kreutzer vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer davor, dass dies potenziell die „Ruhe vor dem Sturm“ sei. „Die Hotspots sind an der Grenze zu Rheinland-Pfalz zu finden!“, veranschaulichte der Referent. Aktuelle mögliche Maßnahmen, wie Fruchtfolgegestaltung, Schwarzbrache, Sortenwahl, Pflanztermine und auch der Pflanzenschutz, würden neben großen Zielkonflikten bloß zu einer Eindämmung, jedoch weniger zu einer richtigen Bekämpfung führen. „Sie sind nur in einem gesamten Maßnahmenpaket zielführend“, mahnte der Experte.  

Flächenbegrünung sinnvoll

Ölrettich
Ölrettich aus Direktsaat, Anfang August gesät, und Mulchsaat, Anfang September gesät, im Vergleich.

Ein weiteres spannendes Thema beim diesjährigen Kartoffeltag war das Begrünungsmanagement vor und nach Kartoffeln. Hierzu führte Pascal Gerbaulet, Berater im Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW mit Schwerpunkt Wasserschutz innerhalb der WRRL, zunächst anhand umfangreicher Flächendaten aus, wie sich die Nmin-Verläufe unter den Kulturen verhalten. „Gerade nach intensiverem Gemüse, aber auch nach Kartoffeln sind höhere Nmin-Werte zu finden. Phacelia mit Sandhafer als früh gesäte Zwischenfrucht kann beispielsweise 122 kg N in oberirdischer Sprossmasse festhalten, während unter einer Brache höhere Nmin-Werte bis 60 cm entstehen, die auswaschungsgefährdet sind“, erläuterte Gerbaulet. 

Im zweiten Teil ging es um Zwischenfrüchte vor Kartoffeln: Hier sei insbesondere auf die Übertragung von Krankheiten und Schädlingen, wie Sklerotinia, Rhizoctonia und Nematoden, Überträger des TRV zur Eisenfleckigkeit, in der Fruchtfolge zu achten. 

Gerbaulet empfahl multiresistenten, aber mindestens TRV-resistenten Ölrettich mit Partner, wie Sandhafer, Öllein, Sommerwicke und/oder Bitterlupine, vor Kartoffeln anzubauen. „Resistenter Ölrettich vor Kartoffeln kann nicht nur für Nematodenreduktion sorgen und die Weitergabe von TRV unterbrechen, wodurch die Gefahr von Eisenfleckigkeit reduziert wird. Ölrettich schafft es auch, nach Kartoffeln überschüssigen Stickstoff in Pflanzenmasse einzulagern und vor Auswaschung zu schützen“, so Gerbaulet. Neben einer hohen Aussaatstärke sei hierbei auch die frühe Saat wichtig, um möglichst dichte Bestände mit vielen Einzelpflanzen zu erzeugen.

Vortrag zu Zwischenfrüchten

Schwankender Markt

Josephine Hardt vom Biokartoffel Erzeuger e.V. (BKE) konnte durch ihren Überblick zum Marktgeschehen Erläuterungen zur aktuellen Situation im Biokartoffelbereich geben: „Der Markt ist durch den Anstieg der Anbauflächen in den letzten zwei Jahren - sowohl konventionell und ökologisch - bei gleichzeitiger Rekordernte 2025 in allen Regionen Deutschlands im Ungleichgewicht.“ Demgegenüber stehe aber eine seit 2019/20 insgesamt um 23 % fallende Nachfrage nach Biospeiseware privater Haushalte in Deutschland. Die Herausforderungen sah die Referentin vor allem in der Frage nach der Regionalität, die von einigen größeren Playern an den Bundeslandgrenzen enden würden. Hierzu stellte Josephine Hardt die Frage, ob ein Fokus auf heimische Ware nicht die bessere Regionalität sei, bevor ausländische Ware zum Zuge käme. „Denn gerade Bundeländer wie Niedersachsen haben eine hohe Biokartoffelanbaufläche, aber nur wenige Einwohner“, gab sie zu bedenken.


Dr. Claudia Hof-Kautz,
Landwirtschaftskammer NRW