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Ökogerste: Gute Erträge bei mittelguten Qualitäten

23.07.2026
LSV Öko-Wintergerste 2026
Der Landessortenversuch 2026 zur Öko-Wintergerste stand auf einem sandigen Lehm mit einer Ackerzahl von 80 BP in Kerpen mit schönen Beständen. Die Erträge lagen bei mittelguten 61,0 dt/ha. 

Die Landwirtschaftskammer NRW führt seit 2011 einen Sortenversuch zur Wintergerste auf ökologischen Flächen durch. Hierin ist eine Öko-Wertprüfung zur Sortenzulassung von beim Bundessortenamt angemeldeten Stämmen aus ökologischer Züchtung integriert. Wintergerste lässt sich auch im Ökolandbau gut anbauen. 

Wenn eine gute Saatbettbereitung erfolgt, geeignete Vorfrüchte, wie Körnerleguminosen, gewählt werden, zum richtigen Zeitpunkt gestriegelt wird und geeignete blattgesunde, langstrohige und standfeste Sorten mit schneller Jugendendwicklung angebaut werden, ist Wintergerste für den Öko-Anbau bestens geeignet. Durch die frühere Ernte bietet die Wintergerste außerdem ausreichend Zeit zur Unkrautbekämpfung von Wurzelunkräutern und für den Anbau von Zwischenfrüchten. Zudem können Arbeitsspitzen entzerrt werden. 

Die Erträge in NRW

Die Erträge der Wintergerste lagen 2026 am Standort Kerpen mit im Mittel aller Sorten in Höhe von 61,0 dt/ha auf einem guten Niveau. Es waren allerdings 19,6 dt/ha weniger als im Top-Jahr 2025, wie aus Tabelle 1 ersichtlich. Die Werte der Standorte aus Niedersachsen und Hessen liegen noch nicht vor. 

Über die Jahre zeigten sich die Sorten Julia mit 104 %, RGT Mela mit 104 %, und die zweizeilige Sorte Goldmarie mit 111 % relativen Ertrags überdurchschnittlich. KWS Flemming sowie SU Majella liegen mit je 99 % im Mittelfeld. Von den neueren Sorten waren die Sorten SY Zoomba (Hybrid) mit 102 % sowie KWS Chilis 100 % ertraglich gut. 

Qualitäten der Wintergerstensorten

Die Proteingehalte lagen 2026 mit im Mittel 8,6 % in etwa genauso hoch wie im Jahr davor. Höhere Proteingehalte weisen die Sorten KWS Flemming (9,6 %), Julia (9,8 %) und RGT Mela (9,3 %) auf, siehe Tabelle 2. Das Hektolitergewicht als Maß für die Kornqualität sollte bei Wintergerste bei mehr als 62 kg/100 l liegen. Hohe Feuchtegehalt und große Schalenanteile reduzieren das Hektolitergewicht, Trockenheit und hohe Stärkegehalte hingegen erhöhen das Hektolitergewicht. 2026 fiel das Hektolitergewicht insgesamt mit im Mittel 66,8 kg/100 l gut aus, alle Sorten erreichten den geforderten Wert. Die Tausendkornmassen waren 2026 mit im Mittel 40,6 g mittelgut im Vergleich zu den anderen Jahren. Die Sorte Goldmarie hatte als zweizeilige Wintergerste die höchste TKM mit 49,5 g im Mittel über die Jahre. Über dem Mittel lagen auch die Sorten RGT Mela (44,8 g), SU Majella (47,3 g), Thimea (46,5 g) und Valena (44,5 g).

Im Folgenden werden die Sorten anhand der letzten drei Jahre im Öko-LSV des ABG 3 dargestellt. 

Mehrjährig geprüfte Sorten

  • KWS Flemming (KWS LOCHOW GMBH, 2019) ist seit 2020 in der Prüfung und steht im Mittel der letzten drei Jahre mit guten 99 % Relativertrag im Sortiment. Sie scheint ertragsstabil zu sein. Die Proteingehalte liegen über dem Durchschnitt bei 9,6 %. Im Frühjahr ist die Bodenbedeckung nicht ganz so hoch, die Massebildung liegt im guten Mittelfeld. Diese Sorte ist sehr blattgesund, etwas Netzflecken waren 2026 zu verzeichnen. Bei mittlerer bis längerer Pflanzenlänge ist sie dennoch nur mittel lageranfällig, etwas Ährenknicken und auch stärkeres Halmknicken wurden beobachtet. Sie ist für die Normalsaat und etwas Spätsaat geeignet. Diese Sorte ist sicherlich anbauwürdig, aufgrund des starken Halmknickens aber nicht erste Wahl.
  • Esprit (Deutsche Saatveredelung AG, 2020) steht in NRW seit fünf Jahren in der Prüfung. Sie erreicht in NRW 95 % Relativertrag, da sie in 2024 und 2025 vergleichsweise schlechter abschnitt. In anderen Bundesländern stand sie in den Vorjahren gut. Die Proteingehalte liegen bei geringeren 8,8 %, ebenso die Tausendkornmasse (39,4 g). Die Bodenbedeckung ist mittelgut, die Massebildung etwas geringer als bei anderen Sorten. Etwas Zwergrost und undefinierbare Blattflecken waren 2026 zu verzeichnen. Esprit ist mittellang bis lang, mittelstandfest, etwas Ähren- und Halmknicken können vorkommen. Im Mittel der Daten aus den Öko-LSVs der Länderdienststellen aus NRW, Niedersachsen und Hessen scheint Esprit im stabilen Mittelfeld zu liegen und kann angebaut werden.
  • Julia (Deutsche Saatveredelung AG, 2022) ist seit vier Jahren im Prüfsortiment. Sie erzielt sehr gute 104 % relativen Kornertrag. Die Proteingehalte liegen etwas besser bei 9,8 %. Das Hektolitergewicht mit 62,0 kg/100 l und die TKM mit 42,3 g sind etwas unter dem Durchschnitt. Der Bodenbedeckungsgrad lag vergleichsweise schlechter, die Massebildung war mittelgut. Ramularia, Zwergrost und Netzflecken wurden mit geringer bis teilweise mittlerer Befallsstärke aufgezeichnet. Deutlich stärkeres Halmknicken war in allen vier Prüfjahren zu verzeichnen und 2026 sehr stark in den Versuchen zu beobachten. Diese mittellange Sorte ist sicherlich anbauwürdig, aufgrund des starken Halmknickens jedoch nicht erste Wahl. 
  • RGT Mela (W. von Borries-Eckendorf GmbH, 2022) ist ebenfalls im vierten Jahr in der Prüfung. Sie kommt auf sehr gute 104 % Relativertrag. Die Proteinwerte liegen bei mittleren 9,3 % in NRW. Das Hektolitergewicht (64,1 kg/100 l) und die Tausendkornmasse (44,8 g) sind höher als das Mittel der Sorten. Im Frühjahr zeigte RGT Mela eine sehr gute Bodenbedeckung sowie eine mittlere bis hohe Massebildung. RGT Mela ist vergleichsweise blattgesund, etwas Zwergrost wurde gefunden. Diese längere Sorte hat eine gute Standfestigkeit ohne Ähren- oder Halmknicken. Insgesamt ist diese Sorte anbauwürdig. 

Neue Sorten, zweijährig geprüft

Wintergerste Majella
SU Majella ist eine neuere ausgewogene, standfeste Sorte mit gutem Ertrag und kann ausprobiert werden. 
  • SU Majella (Nordsaat Saatzucht GmbH, 2024) ist relativ neu im Sortiment. Sie startete mit mittleren 99 %

     Relativertrag im Mittel von zwei Jahren. Der Proteinwert lag bei geringeren 8,6 %, auch das Hektolitergewicht war mit 61,5 kg/100 l geringer, während die TKM bei sehr guten 47,3 g lag. Der Bodenbedeckungsgrad und die Massebildung waren mittelgut. Am Blatt wurden etwas mehr Zwergrost und Netzflecken (2025) sowie undefinierbare Blattflecken 2026 gesichtet, wobei sie insgesamt recht blattgesund ist. Diese lange Sorte war standfest und zeigte kaum Ähren- oder Halmknicken. Diese Sorte kann ausprobiert werden.

  • Thimea (Probsdorfer Saatzucht/Natursaaten, 2023) wird ebenso zum zweiten Mal geprüft. Diese Sorte erreichte zunächst 95 % relativen Kornertrag. Der Proteinwert lag bei geringeren 8,6 %. Hektolitergewicht (65,4 kg/100 l) sowie TKM (46,5 g) waren überdurchschnittlich. Der Bodenbedeckungsgrad war gering bis mittel, die Massenbildung mittel gut. Etwas Zwergrost in beiden Jahren und Netzflecken waren am Blatt zu verzeichnen. Zudem wurde 2025 etwas Gerstenflugbrand ermittelt. Dies muss im Auge behalten werden. Diese lange Sorte war in den Versuchen standfest ohne Ähren- oder Halmknicken. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.
  • Valena (Dottenfelderhof, 2024) ist eine ganz neu zugelassene Sorte aus der Ökolandbau Züchtung und ersetz in den LSV die Sorte Lioba im Prüfsortiment. Sie soll eine Zwergrostresistenz besitzen. Im Mittel zweier Jahre erreicht Valena nur 86 % relativen Kornertrag in NRW, in anderen Bundesländern war sie etwas besser (90 %). Der Proteinwert lag bei geringeren 8,9 %. Das Hektolitergewicht war deutlich höher (67,0 kg/100 l) und auch die TKM war etwas höher (44,5 g). Im Frühjahr war der Bodenbedeckungsgrad sehr gut und die Massebildung ebenso sehr hoch. Diese Sorte erschien recht blattgesund mit nur etwas Netzflecken. Als längere Sorte war sie dennoch standfest mit etwas Halmknicken. Sie kann ausprobiert werden. 

Neue Sorten, einjährig geprüft 

  • SY Zoomba (Syngenta Crop Protection AG, 2025) ist eine ganz neue Sorte aus 2025. Hierbei handelt es sich um eine Hybridsorte, die Ertragssicherheit und Vitalität versprechen soll. Sie soll mittlere bis gute Erträge erbringen. In den LSV startete sie im ersten Jahr mit guten 102 % Relativertrag. Der erste Proteinwert lag mit 9,0 % unter dem Mittel, wie auch die TKM mit 39,5 g, während das HLG besser war (68,7 kg/100 l). Die Bodenbedeckung war etwas geringer als bei anderen Sorten, die Massebildung war gut. Die Sorte soll recht blattgesund sein. Etwas undefinierte Blattflecken traten 2026 auf. Laut Einstufung des Bundessortenamtes kann bei mittlerer bis langer Pflanzenhöhe etwas stärker Lager auftreten, was bisher in den LSV nicht der Fall war. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.
  • Charmant (Ackermann Saatzucht, 2025) ist ebenfalls eine ganz neue Sorte, sie soll sehr hohe Erträge erbringen. In NRW ist sie mit mittleren 99 % Relativertrag gestartet. Der erste Proteinwert lag bei geringeren 8,8 %, während das HLG besser ist (66,7 kg/100 l) und die TKM mit 42,7 g im Durchschnitt liegt. Die Bodenbedeckung und Massebildung waren gut. Bezüglich der Blattgesundheit ist Charmant bei Netzflecken und Zwergrost als mittel eingestuft, was in NRW 2026 auch beides an ihr etwas zu finden war. Beim Halmknicken kann sie auch stärker betroffen sein und lag 2026 im Mittelfeld in NRW. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten. 
  • KWS Chilis (KWS Lochow GMBH, 2025) ist eine weitere Neuzulassung mit Gelbmosaikvirusresistenzen und soll gute Erträge erbringen bei sehr geringem Eiweißgehalt. Diese Sorte wird für den Ökolandbau als besonders gesund beworben. Allerdings hat sie beim Zwergrost eine Einstufung vom BSA mit Note 8 = sehr hohe Anfälligkeit. In den Versuchen erreichte sie im ersten Jahr gute 100 % Relativertrag. Der erste Proteinwert lag sehr niedrig bei 8,3 %, das HLG war besser (66,7 kg/100 l), die TKM geringer (41,4 g). Bodenbedeckungsgrad und Massebildung waren etwas schlechter als bei den anderen Sorten. Zwergrost trat 2026 an dieser Sorte stärker auf, ansonsten war sie recht blattgesund. Sie ist etwas länger, aber dennoch standfest. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.
  • Stella (Saatzucht Streng-Engelen, 2025) ist eine weitere ganz neue Sorte mit hoher Ertragseinstufung. In NRW erreichte sie im ersten Jahr nur mäßige 89 % Relativertrag mit einem mittleren Proteinwert (9,1 %), besseren HLG (66,3 kg/100 l) und geringerem TKG (40,0 g). Bodenbedeckung und Massebildung waren mittelgut. Stella ist als sehr blattgesund eingestuft, etwas Netzflecken waren 2026 zu finden. Sie soll bei mittlerer Pflanzenlänge standfest sein. In den Versuchen erschien sie vergleichsweise kürzer. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.
  • SU Yette (Nordsaat Saatzuchtgesellschaft, 2025) steht ebenso ganz neu im Sortiment. Sie ist in Kornertragsstufe 1 (extensiv) besser eingestuft und kommt in den LSV zunächst auf mittlere 96 % Relativertrag. Der erste Proteinwert lag bei mittleren 9,2 %, wie auch die TKM mit 42,1 g durchschnittlich ist, während das HLG (66,8 kg/100 l) etwas besser ausfiel. Bodenbedeckung und Massebildung waren mittelgut. Bei der Blattgesundheit fällt eine höhere Anfälligkeit für Ramularia auf. Bei etwas höherer Pflanzenlänge soll diese Sorte etwas Lager anfälliger sein. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten. 
Wintergerste Goldmarie
Zweizeilige Sorten können auch für den Ökolandbau interessant sein. Die neuere Sorte Goldmarie erzielte in NRW in diesem Jahr 111 % Relativertrag.

Zweizeilige Sorten

Immer wieder kommt auch die Frage nach zweizeiliger Wintergerste für den Ökolandbau auf. Früher waren diese ertraglich geringer, da die Kornzahl/Ähre als ein Ertragsparameter geringer ist. Aktuell scheint es, dass sie besser werden, da sie mit höherem TKG und HLG ausgleichen können. Häufig sind die derzeit verfügbaren zweizeiligen Sorten kürzer und standfester und weisen teilweise höhere Proteingehalte auf. In der Wertprüfung sind neue Stämme von möglicherweise neuen zweizeiligen Sorten angemeldet, daher steht Goldmarie im Vergleich mit dabei.

  • Goldmarie (Berthold Bauer / IG Pflanzenzucht, 2022) steht im zweiten Jahr in der Prüfung. Diese Sorte ist mit hervorragenden 111 % Relativertrag gestartet. Der Proteinwert liegt dagegen nur bei sehr geringen 8,4 %, das Hektolitergewicht mit 63,4 kg/100 l im guten Mittelfeld, während die TKM mit 49,5 g deutlich über dem Durchschnitt lag. Goldmarie weist einen mittleren bis hohen Bodenbedeckungsgrad sowie eine mittlere bis hohe Massebildung auf. Sie scheint recht blattgesund zu sein, 2026 waren etwas Netzflecken sowie Blattflecken zu erkennen. Kurz bis mittellang ist sie in den Versuchen standfest, obwohl höher gefährdet eingestuft, mit etwas Halmknicken 2025, in diesem Jahr etwas weniger. Als zweizeilige Sorte durchaus anbauwürdig, kann sie in die Planung mit aufgenommen werden.

Empfehlung

Als ertragsstarke Sorten sind RGT Mela sowie die zweizeilige Sorte Goldmarie zu empfehlen. Die ertragsstärkeren Sorten KWS Flemming und Julia wiesen in den LSV zu starkes Halmknicken auf und sind daher heruntergestuft worden. In vielen Parametern mittelgut ist Esprit. Von den zweijährig geprüften Sorten könnten die Sorten SU Majella und Valena interessant sein und ausprobiert werden. Die Sortenempfehlung zur Öko-Wintergerste 2026/27 ist Tabelle 3 zu entnehmen. 


Claudia Hof-Kautz, Landwirtschaftskammer NRW