Zum 1. Juli 2026 tritt die Revision des QM-Milch-Standards in Kraft. Ziel der Neuerungen ist eine weitere Verbesserung von Tierwohl, Betriebsmanagement und Hygiene, begleitet von mehr Transparenz und digitaler Nachvollziehbarkeit für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette. Die überarbeiteten Anforderungen sind detailliert in der Revisionsübersicht des QM-Handbuchs dargestellt und geben Milcherzeugern eine klare Orientierung.
Mit der Revision werden künftig alle Milcherzeuger zentral in der QM-Milch-Datenbank erfasst – unabhängig davon, ob sie den Stufen QM, QM+, QM++ oder QM+++ angehören. Die Verwaltung erfolgt über sogenannte Programmkoordinatoren, beispielsweise Molkereien oder Erzeugergemeinschaften.
Diese neue Struktur dient nicht nur der Vereinheitlichung, sondern auch dem systematischen Aufbau interner Kontrollsysteme und der frühzeitigen Vorbereitung auf die Empowering Consumers for the Green Transition“ (Richtlinie (EU) 2024/825) (EmpCo) - Richtlinie, die ab dem 27. September 2026 greift und die Anforderungen an umwelt- und nachhaltigkeitsbezogene Aussagen im B2C‑Bereich deutlich stärker reglementiert, indem solche Aussagen künftig klar, überprüfbar und belegbar sein müssen. Dabei bleibt die Datensouveränität gewahrt: Landwirte behalten jederzeit vollen Einblick in ihre Daten und können transparent nachvollziehen, wer auf diese zugreift.
Anpassungen bei Regularien und Auditverfahren
Die Revision bringt auch spürbare Änderungen im Auditablauf mit sich:
- Kürzere Vorankündigung: Die Ankündigungsfrist für Audits wird von drei Wochen auf eine Woche verkürzt. Ziel ist es, dass die QM-Standards im Betriebsalltag kontinuierlich umgesetzt und „gelebt“ werden.
- Begrenzung auf ein Nachaudit: Unabhängig davon, ob ein K.o.-Kriterium oder eine zu geringe Punktzahl ausschlaggebend war, ist nur noch ein Nachaudit möglich.
- Sperrfristen bei Zertifikatentzug: Nach einem nicht bestandenen Nachaudit kann ein erneutes Audit frühestens drei Wochen später erfolgen. Eine frühere Rezertifizierung ist nur bei begründetem Antrag des Programmkoordinators möglich.
- Betriebe müssen künftig eine höhere Mindestpunktzahl im Bereich Tierschutz erreichen, um zertifiziert zu bleiben.
- Verpflichtende Teilnahme am QS-Schlachtbefunddatenmonitoring
Neue und verschärfte Anforderungen in der Praxis
Auch auf produktionstechnischer Ebene setzt der neue QM-Standard stärkere Akzente:
- Neues K.o.-Kriterium Liegeplatz: Jeder Liegeplatz muss im 1:1-Verhältnis vorhanden sowie sauber und trocken sein. Im Außenbereich ist ein adäquater Witterungsschutz sicherzustellen – entweder natürlich, zum Beispiel Bäume oder Hecken, oder künstlich, zum Beispiel Überdachungen oder Windschutz.
- Verschärfung des Hygiene-Scores: Maximal 30 % der Kühe (zuvor 50 %) dürfen in allen drei Körperpartien der Sauberkeitsstufe 4 zugeordnet sein.
- Verstärkter Fokus auf das Handling kranker Tiere
- Kadaverlagerung: Bis zur Abholung müssen Kadaver auf befestigter, ausreichend großer Fläche, außerhalb des Stallbereichs und abgedeckt gelagert werden.
- Kälberhaltung: Die Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung werden in den QM-Standards übernommen.
- Biosicherheitsmanagement: Milcherzeuger müssen seit diesem Jahr einen Biosicherheitsmanagementplan nachweisen. Als geeigneter Nachweis gelten die digitale Risikoampel der Uni Vechta, oder behördlich anerkannte Biosicherheitskonzepte wie die Checkliste der Tierseuchenkasse Niedersachsen.
Die Tierseuchenkasse NRW finanziert eine Beihilfe zur Beratung zur Verbesserung der Biosicherheit durch qualifizierte Tierärzte (siehe Listen im Online-Antragsportal der Tierseuchenkasse NRW), den Rindergesundheitsdienst oder auch damit zusammenhängende bauliche Beratungen der Landwirtschaftskammer seit Mai 2026. Die detaillierten Beihilfebedingungen sind der Homepage der Tierseuchenkasse NRW zu entnehmen.
Betriebe, die bereits heute sauber, ordentlich und tiergerecht wirtschaften, sind gut aufgestellt und können die neuen Anforderungen für QM Milch ohne erheblichen Mehraufwand erfüllen.
Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie unter: Revision QM Milch.
QM Milch e.V.