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Reifeprüfung 2026: Erster Grünlandschnitt abgeschlossen

28.05.2026

Der erste Schnitt des intensiv genutzten Grünlandes konnte in Teilen der Mittelgebirgsregionen NRWs nach der niederschlagsreichen Phase der 20. und 21. Kalenderwoche inzwischen geerntet werden. 

Übersicht Reifeprüfung KW 22

 

TM = Trockenmasse dt/ha, RF = Prozent Rohfaser in der TM, NEL = Nettoenergie Laktation MJ NEL/kg TM, 
RP = Prozent Rohprotein in der TM, RZ = Prozent Rohzucker in der TM


Grassilage nah
Die Aufwüchse des späteren Schnitttermins in den Mittelgebirgslagen haben einen guten Strukturwert, aber noch passable Energiegehalte. Das Häckseln des Schnittgutes ist optimale Voraussetzung für guter Verdichtungsarbeit.

Seit Ende vergangene Woche bestimmt eine stabile Hochdruckzone das Wetter in NRW. Sie leitete eine frühsommerliche bis hochsommerliche Wetterphase ein, die mit viel Sonnenschein und deutlich steigenden Temperaturen bis zu 30°C einherging. Die Nächte blieben in den höheren Mittelgebirgslagen aber zunächst noch kühl mit maximal 10°C. Die Fortsetzung der Grünlandernte seit dem vergangenen Wochenende war auch erforderlich, da die zuletzt noch stehenden Grünlandaufwüchse mit den steigenden Temperaturen und dem zunehmenden Drang der Gräser, auch des Deutschen Weidelgrases, den Blütenstand zu schieben, physiologisch schnell altern. Der physiologische Alterungsprozess, der sich anhand der Entwicklung des Rohfasergehaltes gut ableiten lässt, war aufgrund der niedrigen Temperaturen in den vorhergehenden zwei Wochen zwar verlangsamt und betrug nur plus 0,15 Prozentpunkte pro Tag. Das hat sich seit Mitte vergangener Woche mit den gestiegenen Temperaturen drastisch geändert. 

Mehr Rohfaser, weniger Energie

Sobald die Anteile des Blütenstandes oder Stängels am Ertrag zunehmen, steigt der Rohfasergehalt deutlich an, während der Energiegehalt kontinuierlich abnimmt. Bei hohen Anteilen an Deutschem Weidelgras waren die Bestände zuletzt aber noch nicht überständig, auch wenn sehr hohe Energiekonzentrationen von 6,6 bis 6,8 MJ NEL/kg TM im Frischgras zuletzt nicht mehr realisiert werden konnten. Bei dominierenden Anteilen tendenziell früher Gräser dürften die Rohfasergehalte zum Erntetermin bei über 24 % in der TM gelegen haben. 

Viel Zucker

Bemerkenswert waren die nach wie vor hohen Zuckergehalte der Aufwüchse der Reifeprüfung vom vorletzten Montag von über 23 %. Aufgrund der zuvor regnerischen und bewölkten Tage wäre ein etwas niedrigerer Zuckergehalt zu erwarten gewesen. Aber die Temperaturen waren relativ niedrig, sodass die Zuckerveratmung und der Umbau in Gerüstsubstanzen Zellulose, Hemizellulose und Lignin nur langsam stattfand. 

Gute Flächenbefahrbarkeit

Trotz der hohen Niederschlagsmengen der Vorwochen - an manchen Standorten hat es im bisherigen Mai bis zu 100 mm Niederschlag gegeben - zeigten sich die Grünlandflächen relativ gut befahrbar. Es konnten insbesondere auf den etwas feuchteren Standorten und auf schweren Böden mitunter Fahrspuren und Narbenschäden entstehen. In solchen Fällen ist tendenziell höher zu schneiden. Dies war angesichts des relativ späten Schnittes auch im Hinblick auf die Futterqualität zu empfehlen. Das geschnittene Material trocknet dann besser ab. 

Zwei Ernteetappen

Für die diesjährige Grünlandernte des ersten Aufwuchses in den Mittelgebirgsregionen bleibt festzuhalten, dass diese in zwei Etappen durchgeführt wurde: Der frühe Erntetermin lag am Wochenende 8. bis 10. Mai, der spätere zwei Wochen später. Der frühe Schnitt war physiologisch noch relativ jung und energiereich. Deutsches Weidelgras dominierende Grasbestände wiesen mitunter sehr hohe Zuckergehalte bis zu 30 % auf. Solche Werte können im Hinblick sowohl auf den Silierprozess (Nacherwärmung, starke pH-Absenkung) sowie auf die Fütterung zu Problemen, wie Pansenacidose, führen. Die Futterrationen müssen dann entsprechend angepasst werden. 

Beim späteren Schnitttermin waren die Grünlandbestände, insbesondere bei hohen Anteilen mittlerer und später Sorten den Deutschen Weidelgrases, noch nicht überständig. Durch höhere Schnitthöhen konnte der Energiegehalt in absolut akzeptablen Bereich gehalten werden. 

Zweiter Schnitt steht bevor

Betriebe, insbesondere in den Niederungs- und Übergangslagen, werden in dieser Woche vielerorts bereits den zweiten Schnitt ernten. Die guten Niederschlagsmengen im Mai waren eine optimale Voraussetzung für ein hohes Ertragsniveau. Das noch anhaltende sehr warme Hochdruckwetter ist auch prädestiniert für den ersten Heuschnitt in diesem Jahr. 


Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke, Landwirtschaftskammer NRW