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Jeden Tag fünf neue Biobetriebe – Die Biowelt trifft sich auf der Biofach

22.02.2018

Die Biofach in Nürnberg ist, gemeinsam mit der Vivanes, die Weltleitmesse des Biolandbaus. Hier trifft sich die Bioszene aus der ganzen Welt. Und so wie Biolandbau weltweit seit Jahren stetig wächst, so wächst auch die Biofach. In diesem Jahr waren es erstmals über 3.200 Aussteller aus fast 100 Ländern. Auch die rund 50.000 Besucher aus 134 Ländern stellten einen neuen Rekord dar.

Parallel zur Biofach fand traditionell ein umfangreicher Fachkongress mit insgesamt über 150 Einzelveranstaltungen sowie zum vierten Mal der Kongress StadtLandBio statt. Im Wesentlichen ist die Biofach ein weltweiter Marktplatz für Bioprodukte und -dienstleistungen und es werden umfangreiche Geschäfte abgeschlossen. Aber natürlich ist die Biofach auch Treffpunkt der Politik, denn wesentliche Themen für die Entwicklung des Biolandbaus werden in Nürnberg besprochen.

Bei der Eröffnungsfeier ist der Oberbürgermeister von Nürnberg, Ulrich Maly, seit Jahren ein gern gesehener Redner, steht er doch wie kaum ein anderer Bürgermeister für die Entwicklung des Ökolandbaus auf der einen (Nürnberg ist Mitglied im Verbund der deutschen und europäischen Bio-Städte) und der Verknüpfung von Stadt und Land auf der anderen Seite. So hat es die Stadt Nürnberg mittlerweile geschafft, weit über 30 % Bioanteil in den Kantinen der Schulen und Kindergärten zu etablieren und selbstverständlich werden die Produkte, soweit möglich, aus der Region bezogen. Maly untertrieb sicher nicht, in dem er betonte, dass es um nichts geringeres als um die Zukunft der Welt gehe und dass der weltweite Ökolandbau dazu einen wichtigen Beitrag leisten kann.


Next Generation

Die diesjährige Biofach stand unter dem Motto "Next Generation" und das aus gutem Grund: Einerseits steht in vielen Betrieben und Unternehmen der Biobranche der Generationswechsel an. Die Gründer des Ökolandbaus in Deutschland stehen vor dem verdienten Ruhestand und übergeben in diesen Jahren ihre Betriebe an die nächste Generation. Und die überlegt natürlich, wie sie das Unternehmen weiterführen und den Ökolandbau weiterentwickeln möchte. Andererseits gilt der Ökolandbau als eine besonders umweltfreundliche, klimaschonende und energieeffiziente Produktions- und Verarbeitungsweise und trägt in Zeiten dramatischer Veränderungen u. a. zum Klima- und Artenschutz bei. Und so forderten denn auch zahlreiche Vertreter der sogenannten Generation Y (Geburtenjahrgänge 1980-2000, auch Millennials genannt) von Politik und Wirtschaft mehr Anstrengungen zum Schutz des Planeten.


NRW stark vertreten

Das Land NRW war in diesem Jahr in Nürnberg so stark vertreten, wie noch nie: 42 Aussteller auf einer Gesamtfläche von knapp 1.200 Quadratmeter stellten ihre Sortimente von Saatgut über Obst und Gemüse, Molkerei- und Mühlenprodukte, Back- und Süßwaren, Fleisch- und Wurstwaren, Gewürzen und Getränken bis hin zu Verpackungsmaterialien aus.

NRW Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking war eigens nach Nürnberg gereist, um sich ein Bild vom Biomarkt zu machen. In zahlreichen Gesprächen mit Ökoverbänden, Unternehmen des Biomarktes und Landwirten unterstrich sie immer wieder, dass die Landesregierung die Entwicklung des Ökolandbaus und des Biomarktes in NRW auch weiterhin unterstützen werde (s.grauer Kasten).

 

 

Der Biomarkt insgesamt, aber besonders in NRW biete heimischen Landwirten und Gärtnern hervorragende Perspektiven. Derzeit noch hohe Importmengen auch von in NRW zu erzeugenden Produkten und der immer stärker werdende Ruf nach regionalen Produkten zeigten auf, dass es noch viel Potential für die heimische Erzeugung gäbe.

Bei allen Ausstellern herrschte aufgrund der Marktentwicklung durchweg gute Stimmung. Dennoch sei der Biomarkt kein Selbstläufer. Neue Märkte müssen erschlossen und auf hohem Qualitäts- und Preisniveau gehalten werden. Das, so sagten es einige der Marktpartner, erfordere ein hohes Maß an verantwortungsbewusstem und weitsichtigem Handeln. Im Kern geht es häufig darum, dem Handel immer wieder deutlich zu machen, dass die Erfolgsgeschichte Bio auf der Einhaltung und Weiterentwicklung der Prinzipien und Regeln des ökologischen Landbaus in Erzeugung, Verarbeitung und Handel beruhe.


Schwerpunkt Züchtung

Unter dem Motto "Bio von Anfang an" gab es in Nürnberg eine Sonderausstellung und zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Züchtung. Zahlreiche Züchtungsinitiativen stellten ihre Arbeit vor. Im Kern geht es den Initiativen darum, dass eine ökologische Wirtschaftsweise auch dafür geeignete Sorten, Rassen und Linien braucht. So geht es u.a. darum, krankheitsresistente Sorten z. B. für den Apfel- Wein- oder auch den Ackerbau zu entwickeln oder aber ein Zweinutzungshuhn zu züchten, dass es erlaubt, sowohl eine Legehenne mit auskömmlicher Legeleistung als auch ein männliches Hähnchen mit gutem Fleischansatzvermögen zu haben.

Nicht nur die Züchtungsinitiativen sind davon überzeugt, dass sich die Bio-Branche nur mit einer eigenständigen Bio-Züchtung qualitativ und nachhaltig weiterentwickeln kann. Darüber hinaus geht es aber auch darum, im Ökolandbau langfristig ausschließlich Ökosaatgut zu verwenden. In diesem Zusammenhang haben es Saatgutfirmen aber oft schwer, ökologisches Saatgut im Markt unterzubringen, wenn es für die Erzeuger keine Verpflichtung gibt, es zu verwenden. Erzeuger andererseits sind auf qualitativ hochwertiges und in der Menge ausreichend zur Verfügung stehendes Saatgut angewiesen. Ein Bereich, in dem noch viel Entwicklungspotential, aber auch -bedarf steckt.


Revision der EU-Öko-Verordnung

Natürlich ging es in Nürnberg auch um die Revision der EU-Öko-Verordnung. Zum zweiten Mal seit ihrem Bestehen 1992 wird die EU-Öko-Verordnung komplett reformiert. Nach über dreieinhalb Jahren Verhandlungen haben sich die Verhandlungsführer am 28. Juni 2017 auf einen gemeinsamen Vorschlag geeinigt. Dieser wurde im November 2017 vom Sonderausschuss Landwirtschaft im Rat und vom Agrarausschuss des EU-Parlaments unterstützt. Obwohl eine formelle Zustimmung von EU-Parlament und Rat noch ausstehen und für April bzw. Mai avisiert sind, gilt eine Zustimmung in beiden Kammern als sehr wahrscheinlich. Danach kann die neue Verordnung durch sogenannte nachgelagerte Rechtsakte komplettiert werden. Dafür sind in der neuen Verordnung über 50 Ermächtigungen vorgesehen, die bis Mitte 2020 in Rechtsakte umgesetzt werden müssen.

Das neue Bio-Recht gilt dann ab Januar 2021 für alle, die ökologisch wirtschaften. Aber genau die Formulierung der sog. Ermächtigungen und Rechtsakte sind es, die der Branche noch Sorgen machen. In ihnen werden die Details für Erzeugung, Verarbeitung und Handel geregelt. Einige besonders kritische Punkte sind derzeit noch strittig, u.a. der Umgang mit Kontaminationen von Bioprodukten mit Wirkstoffen aus der Umwelt, die Kontrolle und Umsetzung der Vorsorgemaßnahmen und die Umsetzung der Kontrolle.

Nicolas Verlet von der EU-Kommission erklärte, dass die Kommission bei der weiteren Ausgestaltung der Verordnung eng mit den EU-Mitgliedsstaaten und dem Bio-Sektor zusammenarbeiten werde. Elisabeth Bünder (BMEL) sicherte zu, dass Bio-Bauern bei den neu verankerten Vorsorgepflichten nur für die Dinge verantwortlich sein werden, die in ihrem Einflussbereich liegen. Mit Blick auf die neue Regelung zum Umgang mit Kontaminationen mahnte Jan Plagge, Bioland Präsident, an, bereits jetzt ein EU-weites Monitoring-Programm für Pestizide auf den Weg zu bringen und die Zulassung von Pestiziden so zu verbessern, dass Kontaminationen verhindert werden, damit die Koexistenz von Bio und konventioneller Landwirtschaft gesichert wird.



Schulze Föcking will Ökolandbau in NRW fördern

NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking war, wie etliche ihrer Amtskollegen aus den anderen Bundesländern nach Nürnberg gekommen, einerseits um sich ein Bild von der Entwicklung des Ökolandbaus zu machen, andererseits um deutlich zu machen, dass sie den ökologischen Landbau in NRW fördern und ausbauen möchte. Der Biomarkt in Deutschland umfasst mittlerweile ein jährliches Umsatzvolumen von über 10 Milliarden €. NRW hat als bevölkerungsreichstes Bundesland naturgemäß einen großen Anteil daran. Schulze Föcking ist bewusst, dass der Markt stetig wächst und gleichwohl die Importanteile nach wie vor hoch sind. Das, so die Ministerin biete beste Marktchancen für heimische Betriebe. Damit diese genutzt werden und mehr Betriebe auf ökologische Wirtschaftsweise umstellen, will sie die Entwicklung auf verschiedenen Ebenen unterstützen. „Die Landesregierung ist ein verlässlicher Partner der Ökolandwirtschaft. Mein Ziel ist es, dem Ökolandbau in Nordrhein-Westfalen Planungssicherheit zu geben, ihn konsequent weiter zu entwickeln und dabei die regionale Wertschöpfung zu stärken“, so Schulze Föcking in Nürnberg. So soll die Förderung dieser besonders umweltgerechten Form der Landwirtschaft weiterhin durch die Umstellungs- und Beibehaltungsförderung unterstützt und Beratung, Forschung und Bildung ausgebaut werden. Für 2018 stelle NRW rund 19 Millionen € für die sog. Ökoprämie zur Verfügung und für 2019 stünden sogar 20 Mio € zur Verfügung, da mit einem weiteren Wachstum des Ökolandbaus in NRW gerechnet wird. Die Mittel stammen aus EU-, Bundes- und Landesmittel. Jan Leifert, Vorsitzender der Landesvereinigung Ökologischer Landbau begrüßte die von der Ministerin zugesagte Unterstützung des Ökolandbaus und bedankte sich für den bislang guten Dialog zwischen Ministerium und Vertretern des Ökolandbaus. Insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung gäbe es noch viel zu tun, denn der Ökolandbau würde bislang kaum unterrichtet. Das müsse sich ändern. Ministerin Schulze Föcking stimmte dem zu, auch vor dem Hintergrund, dass der ökologische Landbau einerseits eine Alternative für viele Betriebe darstelle und andererseits, weil er viele Ansätze beinhalte, von denen auch konventionelle Betriebe profitieren können. Dies gelte u.a. für die Tierhaltung und den Ackerbau. „Ich wäre froh, wenn wir mindestens 15 Tage Ökolandbau in allen Berufsschulen in NRW hätten“, so Schulze Föcking.

Hinweis

Umstellertag NRW am 1. März 2018

Die Landwirtschaftskammer und die Ökoverbände NRW laden alle interessierten Landwirte und Gärtner zum Umstellertag NRW am 01. März 2018 in Haus Düsse, Bad Sassendorf ein. Unter dem Motto: "Jetzt umstellen auf Ökolandbau - Eine Chance für meinen Betrieb?" werden alle wichtigen Aspekte zu dieser Wirtschaftsweise von erfahrenen Praktikern, Beratern und Experten vorgestellt. In produktionsspezifischen Arbeitsgruppen haben die Teilnehmer die Möglichkeit, alle Aspekte einer Umstellung mit gezieltem Blick auf ihre jeweilige betriebliche Situation zu erörtern. Zahlreiche Marktunternehmen stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. Erste Kontakte für eine zukünftige Ökovermarktung können hier geknüpft werden.

Ansprechpartner: Georg Pohl, E-Mail: georg.pohl@lwk.nrw.de, Tel.: 0221-5340-272

Der Veranstaltungsflyer als Pdf >>

 

Quelle und Fotos: Dr. Karl Kempkens, Landwirtschaftskammer NRW

 

 

Weitere Informationen

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