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BÖLW zum Zustandsbericht des UN-Weltbiodiversitätsrat

08.05.2019

"Jetzt investieren in artenfreundliche Landwirtschaft"

Der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen stellte heute seinen Bericht zum Zustand der weltweiten Artenvielfalt vor. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), kommentiert:

"Einmal mehr belegt die internationale Wissenschaft die globale Artenzerstörung. Einmal mehr sollten die alarmierenden Fakten jetzt rasches und wirksames politisches Handeln auslösen, besonders auch in der Landwirtschaftspolitik.

Artenvielfalt ist das Immunsystem unseres Planeten. Beeinflusst wird Biodiversität durch viele Faktoren. Landwirtschaft hat einen großen Einfluss, schließlich sind mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands landwirtschaftlich genutzt. Auf zu vielen Flächen kommen chemisch-synthetische Pestizide zum Einsatz. Das schadet nicht nur Biene oder Schmetterling sondern auch der Landwirtschaft selbst. Denn Bauern sind auf intakte Ökosysteme angewiesen. Und Vielfalt macht Anbausysteme widerstandsfähiger und ertragreicher.

Zehntausende Bio-Bauern in Deutschland, Millionen Öko-Landwirte weltweit zeigen heute schon, dass Landwirtschaft und Artenschutz zusammen möglich sind.

Doch Unternehmen brauchen Rahmenbedingungen, mit denen sich Artenschutz im Betrieb lohnt. Die gesamte Bundesregierung muss handeln! Besonders wichtig: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner muss sich für eine Agrarpolitik einsetzen, die artenfreundliches Wirtschaften sehr viel stärker unterstützt. Die Investition in Artenschutz ist eine Investition in die Zukunft und dringend notwendig für enkeltaugliche Landwirtschaft und Ernährung!

Bio-Unternehmen tun mehr für Bienen, Gartenrotschwanz und Feldhase. Keine chemisch-synthetischen Pestizide wie Glyphosat, Rückzugsgebiete für Wildtiere und eigene Initiativen zum Artenschutz - damit stärken Öko-Betriebe die Biodiversität. Es sind vor allem Bio-Höfe, die alte Kultursorten und Nutztierrassen erhalten."


Hintergrund

132 Staaten haben den IPBES-Bericht (Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services) des Weltbiodiversitätsrats (Intergovernemental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) unterzeichnet. Tausende von Studien wurden dafür ausgewertet. Laut der Forscher sind 1.000.000 Arten vom Aussterben bedroht. Das Aussterben und die Reduzierung von Bestäuber-Insekten wie etwa Bienen bedroht die weltweite Nahrungsmittelproduktion im Wert von 235 bis 577 Milliarden Dollar pro Jahr.

Welche dramatischen Auswirkungen Pestizide, Monokulturen und fehlende Rückzugsräume auf die Artenvielfalt in Deutschland haben, zeigten bereits die Ergebnisse des BfN-Artenschutz-Reports 2015: Seit 1990 ging etwa der Bestand von Rebhühnern in der Agrarlandschaft um 90 % zurück; weitere prominente Opfer der Intensivlandwirtschaft sind Bienen und Feldhamster.

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Öko-Flächen deutlich artenreicher sind.

Wildkräuter, Insekten und Feldvögel profitieren von einer vielfältigen Fruchtfolge und der Bewirtschaftung ohne Herbizide und sonstige chemisch-synthetische Pestizide und synthetische Mineraldünger. Viele Bio-Landwirte schaffen bereits Landschaftselemente wie etwa Hecken, vielfältige Wegraine, Blühstreifen, Feuchtbiotope oder Streuobstwiesen, die Pflanzen und Tieren als Rückzugsort dienen. Hier muss in allen Produktionsformen noch mehr geschehen.

Zuletzt zeigte eine umfangreiche Studie des staatlichen Thünen-Institutes: Im Mittel lagen die Artenzahlen der Ackerflora bei Öko-Bewirtschaftung um 95 %, bei den Feldvögeln um 35 % höher.

Quelle: Pressemitteilung Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V., Berlin, 06. Mai 2019

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