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20 Jahre Innovationen für eine enkeltaugliche Landwirtschaft

06.02.2020

BÖLW diskutiert, wie Land- und Lebensmittelwirtschaft mit Bio zukunftsfähig werden

"Öko-Betriebe sind Lösungsfinder für die Zeitenwende", sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf dem 20. Jubiläum des Tags des Ökologischen Landbaus und ergänzt: "Mit Innovation, Vielfalt und viel Kraft treten die Bio-Höfe schon seit Dekaden erfolgreich den Pfad aus, der für die Landwirtschaft insgesamt zum Weg in die Zukunft werden kann. Die Bio-Höfe, die in den letzten 20 Jahren mit dem Öko-Bundespreis ausgezeichnet wurden, sind Mutmacher für den gesamten Berufsstand."

Festrednerin Alexandra Wandel, World Future Council, betonte dass sich überall auf der Welt hervorragende Politik-Beispiele fänden, die den Umbau der Landwirtschaft längst engagiert anpackten – vom indischen Bundesstaat Sikkim, der sich 100 % Ökolandbau auf die Fahne geschrieben hat über den Senegal, wo 23 % des Budgets in Agrarökologie investiert werde bis hin zu Dänemark und seinem ambitionierten Öko-Aktionsplan, der unter anderem für 60 % Bio-Anteil in den öffentlichen Kantinen sorge und Kopenhagen sogar schon 90 % erreicht hätte. Wandel betonte, dass Deutschland im Mittelfeld liege, was seine Öko-Ambitionen angehe. Notwendig sei, dass Bio eine wichtige Aufgabe der gesamten Bundesregierung sei. Mit der EU-Agrarpolitik, dem neuen Bio-Recht, der Außer-Hausverpflegung und der Handelspolitik nannte Wandel nur einige Baustellen auf dem Weg zu 20 % Bio.

Jürgen Heß, Universität Kassel, blickte auf 20 Jahre Bundeswettbewerbs Ökolandbau zurück und würdigte die Leistungen der Preisträgerinnen und Preisträger. Alle ausgezeichneten Höfe, egal ob klein oder groß, alte Hasen oder Neueinsteiger, hätten Herausragendes geleistet. Heß nannte als einige Errungenschaften unter vielen anderen die Züchtung pilzwiderstandsfähiger Wein- und resistenter Weizensorten, die Entwicklung von Mobilställen für die Hühnerhaltung, den Aufbau einer Genbank für alte und neue Kartoffelsorten oder die Habitatsicherung von tausenden Hektaren Naturschutz- und Moorflächen durch extensive, ganzjährige Beweidung. Heß‘ Fazit: Die strengen Bio-Regeln schränken auf den ersten Blick ein, auf den zweiten Blick fördern sie jedoch Innovation. Etwa wenn es darum, Pflanzen ohne chemisch-synthetische Pestizide gesund zu erhalten. Jeder Bio-Preisträger sei damit auf seine Art und Weise inspirierend und wichtig.

Walter Dübner vom Bundeslandwirtschaftsministerium sieht im Ökolandbau viele Ansätze, die die gesamte Landwirtschaft nachhaltiger machen kann. Bio stehe für gerechtes Wirtschaften und Tierwohl und habe dadurch ein gutes Image, was Öko-Produkten eine hohe Wertschätzung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern einbringe. Wichtig sei laut Dübner, auf dem Weg in eine ökologischere Landwirtschaft alle Betriebe mitzunehmen.

Auf den drei Panels der Jubiläumstagung zu den Themen 'Wunderwaffe Humus', 'Pflanzen schützen auf ökologische Weise' und 'Besonderes richtig vermarkten' kamen Praxis, Forschung, Naturschutz und Politik ins Gespräch.

Für Sabine Kabath steht der Boden im Zentrum des Erfolges in ihrer Bio-Gärtnerei Watzkendorf. Besonders die Gründüngung sei der Dreh- und Angelpunkt der Produktion auf den ärmeren Böden des Öko-Gemüsebetriebes. Heute mache etwa jeweils ein Drittel der Flächen ein Jahr Urlaub – so würde Humus aufgebaut, der Boden vitalisiert und die Kulturen stünden gut da. Kabath wünschte sich von Bundesministerin Julia Klöckner eine starke Schulter, wenn es darum geht Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass den Betrieben Boden- und Klimaschutz vergütet werden.

Gerold Rahmann, Thünen Institut, betonte, dass Ökolandbau die Bodenfruchtbarkeit durch seinen nachgewiesen stärkeren Humusaufbau verbessern könne. Aufgrund der beängstigen Bodendegradierung weltweit dränge es deshalb sehr, das Wissen, was Öko-Praxis und -Forschung für eine bodenschonende und humusaufbauende Landwirtschaft habe, zu verbreiten. Rahmann wies in diesem Zusammenhang auch auf die Unterfinanzierung der Öko-Forschung hin.

Bio-Winzerin Susanne Rummel berichtete von ihren pilzwiderstandsfähigen Rebsorten – kurz Piwis. Mit den Piwis gelänge es, den Pestizideinsatz im Weinbau um 80 % zu reduzieren; nur einer von vielen Vorteilen dieser Rebsorten für alle Winzer. Rummel betonte: „Neue Reben braucht das Land“. Mit den Piwis etwa käme mehr Artenvielfalt auf den Weinberg, der Boden erhole sich. Wichtig sei es aber vor allem jetzt, nicht nur zu reden, sondern auch zu machen.

Daniel Wehmeyer vom Biohof Düna berichtete, wie er mit seinem seltenen Harzer Höhenvieh Naturschutzflächen beweidet und eine erfolgreiche Vermarktung aufgebaut hat. Der vielfach ausgezeichnete Hof bewahrt nicht nur die robuste Dreinutzungsrinderrasse vor dem Aussterben, sondern baut auf seinem Gemischtbetrieb auch Emmer und Dinkel an. Immer mehr Menschen aus der Region und Touristen, die seinen Betrieb besuchen, bringt er Landwirtschaft mit großer Leidenschaft näher – und erklärt den Besucherinnen und Besuchern, warum beim Fleischessen nicht nur die Rosinen wie Filet oder Roastbeef rausgepickt werden sollten, sondern alles vom wertvollen Tier verwertet gehört. Von der Politik wünscht sich Wehmeyer bessere Unterstützung.

BÖLW-Vorstand Alexander Gerber verlangte von der Bundesregierung eine kohärente Politik. Wer sinnvollerweise 20 % Ökolandbau als Ziel setze, dürfe beispielsweise nicht nur 2 % der Forschungsgelder in Bio stecken. Die Züchtungsforschung im Öko-Bereich etwa sei zu fast 100 % durch Spenden finanziert. Dabei dienten resiliente Sorten und Rassen der gesamten Landwirtschaft und trügen wesentlich zu ökologisch stabilen System bei. Das brauche es generell, wenn es um die Frage geht, wo die Landwirtschaft künftig hinsteuern muss. Ein mächtiges Instrument sei die EU-Agrarpolitik – damit innovative Ansätze der Betriebe und der Wissenschaft unterstützt werden könnten und die Landwirtschaft insgesamt enkeltauglich werde. Mindestens 70 % der Agrarsubventionen müssten künftig dafür eingesetzt werden, Bauern für Klima- und Bodenschutz oder eine artgerechte Tierhaltung zu honorieren.

Florian Schöne vom Deutschen Naturschutzring forderte, dass kein Euro der EU-Agrargelder mehr in nicht-nachhaltige Systeme fließen dürften. Der Ökolandbau solle als Goldstandard verankert werden. Was nachhaltig sei auf den Betrieben, müsse politisch flankiert werden.

Im Anschluss an die Fachtagung am Tag des Ökolandbaus zeichnete Bundesministerin Klöckner die Preisträger des Bundeswettbewerbs Ökolandbau 2020 aus. Geehrt wurden der Hof Luna für das herausragende gesamtbetriebliche Konzept, das Schloss Gut Obbach, das die Jury besonders durch die Konsequenz und besondere Professionalität im Dreiklang von Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung überzeugte sowie die Schinkeler Höfe, eine solidarische Landwirtschaft, in der fünf Bio-Höfe gemeinschaftlich zusammenarbeiten.

Alle Siegerbetriebe lernen Sie am besten im Videoportrait kennen auf https://www.oekolandbau. de/landwirtschaft/betrieb/wettbewerbe/bundeswettbewerb-oekologischer-landbau/.

Quelle:Pressemitteilung Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), 24. Januar 2020

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