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Mit Kleegras Stickstoff düngen

04.03.2021

Mit Kleegras Stickstoff düngen

Das Netzwerk für den Anbau kleinkörniger Leguminosen, Demonet-KleeLuzPlus, zeigte in einem Online-Seminar am 24. Februar neue Möglichkeiten für den Einsatz von Kleegras im Ackerbau auf. 

„Klee- und Luzernegras bilden das Kernstück einer ökologischen Fruchtfolge und spielen insbesondere für die Stickstoffversorgung der gesamten Fruchtfolge eine herausragende Rolle“, führte Dr. Sabine Zikeli, Zentrum Ökologischer Landbau Universität Hohenheim, in ihren Vortrag ein. Auch unter den Biobetrieben gebe es im Zuge einer Spezialisierung immer mehr reine Ackerbaubetriebe, die vor der Aufgabe stehen, den betriebsinternen Stickstoffkreislauf stabil zu halten. „Über den N-Haushalt hinaus kann mit Kleegrasmischungen die Bodenfruchtbarkeit aufgebaut werden. Insbesondere die starke Humusanreicherung spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Darüber hinaus werden Regenwurmpopulationen und die biologische Aktivität der Böden allgemein gefördert“, betonte die Referentin.  Weitere positive Effekte von Kleegrasmischungen seien im Rahmen der Beikrautregulierung und dem Erosionsschutz zu erzielen.

Stickstoffquelle im Ackerbaubetrieb

Klee-, oder Luzernegras kommt als Stickstoffquelle gleich eine Doppelrolle zu: Sie erhöhen die Vorfruchtwirkung durch N-Fixierung im Bestand auf dem sogenannten Geberfeld. Gleichzeitig wird auf einem Nehmerfeld durch das dort ausgebrachte Erntematerial und den damit einhergehenden Stickstofftransfer eine entsprechende Düngewirkung erzielt. Dr. Zikeli führte Untersuchungsergebnisse zusammen, und zeigte neue Einsatzmöglichkeiten von kleebetonten Gemengen auf, die auf einen hohen Kleeanteil von bis zu 80 % ausgelegt sind.

„Die außerordentlich hohe Stickstoffwirkung von Kleegrasgemengen, ihr hohes N-Fixierungspotenzial, machen sie zu einer zuverlässigen Quelle für pflanzenverfügbaren Stickstoff“, so die Wissenschaftlerin. Dabei machte Dr. Zikeli anhand von Versuchsergebnissen klar, dass die Stickstofffixierung auf beernteten Kleegrasflächen mit über 200 kg N/ha dem Stickstoffeintrag auf gemulchten Flächen deutlich überlegen ist. „Die Knöllchenbakterien werden faul, und zwar infolge des engen C:N-Verhältnisses des Mulchmaterials und des damit einher gehenden relativ hohen Stickstoffgehaltes des Bodens der Kleegrasflächen. Stickstoff wird recycelt, anstatt neu gebildet“, so die Wissenschaftlerin aus Hohenheim. Außerdem drohten beim Mulchen auf den Geberflächen zusätzliche N-Verluste durch Nitratauswaschung und Lachgasemissionen. Entsprechend folgerte sie, dass sich Ernte und Einsatz des Erntematerials als Transferdünger als Alternative anbieten.

Transferdünger: Cut & Carry und Co.

Neue Düngemittel aus Kleegras standen deshalb auch im Fokus von Feldversuchen der Universität Hohenheim. Die kleegrasbasierten Düngemittel, Kleegras-Silagen sowie Kleegraspellets sind in ihrer N-Düngewirkung vergleichbar mit kompostiertem Rindermist. „Langfristig müssen allerdings mögliche P- und K-Lücken ausgeglichen werden!“  Im Frühjahr könne die ausgebrachte Biomasse als sogenanntes Cut & Carry-Material oder auch als Kleegrassilage zu einer Immobilisierung und damit zu einer späten Freisetzung von N führen, so die Referentin. Dafür zeigten sich auch in Folgekulturen noch sichtbare Düngewirkungen. Um N-Fixierung im Frühjahr möglichst zu umgehen, brachte sie die Herbstausbringung ins Gespräch, die allerdings aufgrund der aktuellen Vorgaben der DüV jedenfalls in Baden-Württemberg nicht zulässig sei. „Das sofortige Ausbringen von Frischmasse, Cut & Carry, ist mit dem geringsten Arbeits- und Kostenaufwand verbunden und lässt sich an Lohnunternehmen abgeben. In der Praxis kommt es jedoch darauf an, Schnittzeitpunkte, Düngebedarf und Ausbringungsmöglichkeiten passend aufeinander abzustimmen“, fasste Zikeli zusammen. Kleegraspellets setzten ihren Stickstoff bei einer Frühjahrsdüngung dagegen sehr schnell frei. Sofern kostengünstige Pelletiermöglichkeiten vorhanden sind, könne sich ihr Einsatz für Sonderkulturen anbieten.

Transfer-Mulchen und seine Effekte

Wird Kleegras- oder Luzernemulch auf Nehmerflächen ausgebracht, wird Biomasse mit einem engem C:N-Verhälntis zugeführt. „In der Regel hat dies eine schnelle Mineralisierung und Verfügbarkeit von Stickstoff aus dem Mulchmaterial zur Folge“, so Sabine Zikeli. Daneben können mechanische Effekte für den Erosionsschutz auf gefährdeten Flächen genutzt werden, wie Ulf Jäckel, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, anhand von Ergebnissen aus Feldversuchen erläuterte. Zur Verschlämmung neigende Parabraunerden auf Löss seien besonders in Zeiten fehlender Bedeckung gefährdet. In unterschiedlichen Versuchen und Kulturen zeigten sich positive Effekte durch Kleegras- oder Luzernemulchauflagen. So hätten Samenunkräuter unterdrückt und der Bodenwassergehalt ertragswirksam erhöht werden können. Die Infiltration werde länger und gleichmäßiger aufrechterhalten, erklärte der Referent anhand der Versuchsergebnisse. „Es kommt nicht zu einem plötzlichen und starken Abbruch der Wasseraufnahme.“ Dabei baue sich Kleegrasmulch während der Vegetation schnell ab.

Die Ergebnisse aus verschiedenen Feldversuchen wurden durch Gefäßversuche untermauert, die für Kleegrasmulch die beste Wassernutzungseffizienz ergaben. „Die Kombination aus Bodenwasserrückhalt und Niederschlagsversorgung fördert das Pflanzenwachstum bei Kleegrasmulch am besten.“ Ulf Jäckel empfahl, die Kleegrasausbringung an die Witterung, die Kultur und den Zweck der Maßnahme anzupassen. So sorgten Auflagen von 10 bis 15 cm für ausreichende Beschattung und Unkrautunterdrückung in Mais und Kartoffeln. Mulchschichten von 4 bis 8 cm ließen dagegen Pflegearbeiten weiter zu. „In Kartoffeln hat sich ein Pflegegang vorab gut gemacht.“

Was sagt die Praxis?

Aus seinen Erfahrungen zur Düngung mit Kleegras berichtete Tobias Heiß, Landwirt aus dem Kreis Heilbronn. Auf dem Ökobetrieb wirtschaftet er seit 2012 viehlos und nutzt den Kleegrasanbau zu Düngung. „Die Nähstoffbilanz sieht sehr gut aus!“ Neben den bereits aufgeführten Vorzügen berichtete er positive Effekte in Bezug auf Krankheiten. Er habe mit dem Anbau als Zwischenfrucht insgesamt sehr gute Erfahrungen gemacht. Befahrbarkeit der Böden und Entwicklung der aufnehmenden Getreidebestände entscheiden über den passenden Zeitpunkt. „Ab dem Schossen gibt es Schäden.“ 

Um eine schnelle Abtrocknung des ersten Schnitts zu gewährleisten, werden auf dem Betrieb die gemähte Pflanzenmasse gekreiselt. Für eine schnelle Stickstoffwirkung sollte das Kleegras möglichst jung sein, machte er deutlich. Seine ausgeklügelte Anbauplanung sorgt dafür, dass Transportwege zwischen Geber- und Nehmerschlägen und damit auch Maschineneinsatz und Arbeitszeit möglichst gering sind. „Wir häckseln kurz, das erleichtert die Handhabung.“ Der zweite Schnitt geht in die Silierung, wodurch die Kosten steigen. In jedem Fall ist die Qualität der Silage im Auge zu behalten. Die Qualität des Kleegrasgemenges nimmt auf dem Betrieb Heiß Einfluss auf die Einarbeitung. „Wenn das Material holziger ist, arbeiten wir ein. Um eine Mulchschicht aufzustreuen, muss es jung sein!“

Christiane Aumüller-Gruber

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