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Wenn Hitze und Trockenheit den Kartoffelbestand belasten

24.07.2026

Auf eine wechselhafte und kühle erste Junihälfte folgte in der zweiten Junihälfte die erste ausgeprägte großräumige Hitze- und Trockenperiode des Jahres. Welche Auswirkungen haben solche Wetterphasen auf Kartoffelbestände und worauf ist in der Praxis besonders zu achten?

Boden mit Kartoffelpflanzen
Kartoffeln gelten als Flachwurzler und der Großteil der Wurzelmasse befindet sich in der Krume bis 30 cm Tiefe, auch wenn sich Wurzeln unter günstigen Bedingungen noch weitaus tiefer finden lassen. Im Vergleich zu z.B. Weizen, Mais und Zuckerrüben hat sie ein deutlich geringer ausgeprägtes Wurzelsystem. Das beeinflusst die Hitze- und Trockentoleranz der Pflanze.

Die Kartoffel gilt aufgrund ihres vergleichsweise flachen Wurzelsystems als empfindliche Kultur. Sie reagiert sensibel auf Trockenheit, hohe Luft- und Bodentemperaturen sowie intensive Sonneneinstrahlung. Die Folgen können deutliche Ertrags- und Qualitätsverluste sein. Moderne Sorten und geeignete pflanzenbauliche Maßnahmen können den Stress zwar abmildern, vollständig vermeiden lassen sich Schäden nach ausgeprägten Hitze- und Trockenperioden jedoch nicht. 

Für den vermarktungsfähigen Ertrag sind vor allem verschiedene Hitze- und Trockenschäden an den Knollen relevant, siehe die Tabelle. Wie stark diese ausgeprägt sind, hängt vom Zusammenspiel aus Sortengenetik, Bestandesentwicklung und Umweltbedingungen ab. Grundsätzlich sind gleichmäßig entwickelte Bestände im Vorteil, die ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt sind. Der Grundstein dafür wird bereits zu Saisonbeginn gelegt: durch einwandfreies Pflanzgut, eine bedarfsgerechte Düngung, geeignete Bodenbearbeitung sowie eine Pflanzung in gut abgetrocknete und ausreichend erwärmte Böden. Unter solchen Bedingungen können sich die Pflanzen ungestört entwickeln, ein leistungsfähiges Wurzelsystem ausbilden und rasch zum Bestandesschluss kommen.

Gute Bestände sind resistenter

Ein gut entwickelter, geschlossener Bestand kann sich über Verdunstung (Transpiration) selbst abkühlen.

Thermometer Bodentemperatur
Die Bodenoberfäche heizt sich unbeschattet an heißen Sommertagen sehr stark auf. Temperaturen von bis zu 60°C sind dann nicht unüblich (hier: 51°C gemessen um 16 Uhr bei einer Lufttemperatur von 31°C).

 Auf einer unbedeckten Dammkrone kann sich die Bodenoberfläche in der Mittagssonne bei 30°C Lufttemperatur durchaus auf 60°C aufheizen. Der Boden erwärmt sich zwar langsamer, dennoch wurden am heißesten Junitag in 20 cm Dammtiefe Bodentemperaturen von rund 30°C gemessen. Für die Knollenbildung ist das bereits deutlich zu warm. Ab etwa 25°C im Knollennest muss mit Ertragseinbußen gerechnet werden. 

Ist die Dammoberfläche dagegen durch ein dichtes Blätterdach geschützt, liegt ihre Temperatur meist nur etwa im Bereich der Lufttemperatur. Im Dammtal ist es häufig noch einige Grad kühler. Ein früher Bestandesschluss ist daher gerade in Hitzeperioden besonders vorteilhaft: Er reduziert die unproduktive Verdunstung über den Boden (Evaporation) und verhindert, dass sich unbedeckte Dammoberflächen stark aufheizen und Wärme in den Bestand zurückstrahlen. 

Bei ausreichender Wasserversorgung liegen die Blatttemperaturen einer intakten, transpirierenden Pflanze in der Regel etwa ein bis drei Grad unter der Lufttemperatur. Diese aktive Kühlung funktioniert jedoch nur, wenn die Pflanze über ein gut entwickeltes Wurzelsystem verfügt und auf genügend Wasser- und Nährstoffreserven zurückgreifen kann. Zwar ist die Wurzelbildung auch sortenbedingt, doch selbst robuste Sorten können ihr Potential nur ausschöpfen, wenn die Bodenstruktur stimmt. Eine schlechte Bodenstruktur begrenzt die Durchwurzelung und verschärft Trockenstress.

Schwach entwickelte oder kranke Pflanzen oder Sorten mit geringer Laubmasse zeigen entsprechend höhere Temperaturen an der Blattoberfläche sowie im Damm. Dadurch geraten sie schneller unter Stress. Aber auch gut entwickelte Bestände stoßen an ihre Grenzen, wenn die Wasserreserven im Boden erschöpft sind. Dann hilft im Grundsatz nur noch eine Beregnung - sofern diese verfügbar ist. 

Hitze oder Trockenheit?

Hitze kleine Kartoffelpflanzen
Kleine Pflanzen können sich nicht so gut abkühlen wie große Pflanzen: ihr Wurzelsystem ist noch nicht stark ausgeprägt und die Dammoberfläche heizt sich aufgrund der geringen Beschattung stärker auf. Stresssymptome sind dann schnell sichtbar.

Dabei ist zwischen den Reaktionen der Pflanze auf Hitze einerseits und Trockenheit andererseits zu unterscheiden. Bei Hitze besteht ein Temperaturproblem, bei Trockenheit ein Wasserverfügbarkeitsproblem. Bei Hitze versucht die Pflanze, sich aktiv über Transpiration abzukühlen - vergleichbar mit dem Schwitzen beim Menschen. Diese Kühlung setzt jedoch voraus, dass ausreichend Bodenfeuchte vorhanden ist. Besteht eine Beregnungsmöglichkeit, kann der Bestand indirekt kühler gehalten werden.

Bei fortschreitender Trockenheit entsteht hingegen ein Zielkonflikt: Um sich vor Austrocknung zu schützen, schließt die Pflanze ihre Spaltöffnungen, die Stomata. Dadurch reduziert sie den Wasserverlust, kann sich aber gleichzeitig nicht mehr wirksam über Transpiration abkühlen. Zudem sinkt mit geschlossenen Stomata die Photosyntheseleistung, und das Wachstum kommt zum Erliegen. Unter heißen Bedingungen benötigt die Pflanze daher ausreichend Wasser, um Photosynthese und Transpiration aufrechterhalten zu können. Eine Blattdüngung ist ohne ausreichende Wasserversorgung nur begrenzt wirksam, da die Pflanze Nährstoffe dann nicht mehr ausreichend aufnehmen und transportieren kann. Entscheidend ist daher immer die Kombination aus Wasser- und Nährstoffversorgung.

Tolerantere Sorten zeichnen sich in solchen Situationen häufig durch eine höhere Wasser-Nutzungseffizienz aus. Aber auch diese Sorten sind nicht unbegrenzt belastbar. Da kein Jahr dem anderen gleicht und Sorten im Feld unterschiedlichen Stressfaktoren ausgesetzt sind, sollte ihre Leistung immer über mehrere Jahre hinweg betrachtet werden. Als robust können Sorten gelten, die unter wechselnden Stressbedingungen wiederholt stabile Erträge und Qualitäten liefern. Sortenrobustheit lässt sich nicht über Einzeljahre bewerten.

Sonnenbrand an Kartoffeln
Extrem von Sonnenbrand betroffene Blätter. Sonnenbrand ist nicht mit Krautfäule zu verwechseln. Um die Pflanzen nicht weiter zu stressen, sollten Tankmischungen nicht mit Fungiziden und Blattdüngern überladen werden. Das kann die Symptome, gerade bei jungem Laub, zusätzlich verstärken.

Deutliche Stresssymptome

Stresssymptome zeigen sich zunächst häufig am Blattapparat. Typisch sind eingerollte, verdrehte oder zusammengezogene Blätter. Teilweise hellen die Blätter auf, wenn das Wachstum eingestellt wird und infolge nachlassender Transpiration weniger Nährstoffe in die Blätter transportiert werden. Im Extremfall vertrocknen die Pflanzen und reifen vorzeitig ab.

Von diesen Trockenstresssymptomen zu unterscheiden ist Sonnenbrand am Laub. Er entsteht vor allem durch intensive Sonneneinstrahlung, wenn junges, stark wachsendes oder taunasses Laub mit noch geringer Wachsschicht betroffen ist. Werden in solchen Phasen Pflanzenschutzmittel eingesetzt, kann dies Verbrennungen zusätzlich verstärken. Tankmischungen sollten daher auf das notwendige Minimum reduziert werden. Das gilt auch für Blattdünger. Das Risiko für Krautfäule gerät unter solchen Bedingungen in den Hintergrund, das für Alternaria in den Vordergrund: Abgestorbenes oder geschädigtes Gewebe kann unter förderlichen Witterungsbedingungen leichter von Alternaria besiedelt werden. 


Angela Schumacher, Landwirtschaftskammer NRW