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Erste Erfahrungen mit alten Sorten

05.08.2021

Endlich Regenwetter! Die Landwirte waren gut drauf beim Besuch von Landrat Ingo Brohl Ende Juni im Kreis Wesel am Niederrhein, auch wenn Wind und Niederschläge einen Teil des Projekt-Getreides auf den Feldern in Wesel-Blumenkamp gelegt hatten. Ein gutes Jahr nach dem offiziellen Start des EU-Förderprojekts „Nachhaltige Fruchtfolgeerweiterung durch Sommergetreide in wassersensiblen Gebieten am Beispiel alter Getreidesorten für das Back- und Brauhandwerk“, kurz „korn B“, berichteten die Beteiligten von ersten Erfahrungen mit den alten Sorten.

Gut fürs Backen und Brauen

Das Projektteam aus drei Landwirten, zwei Bäckern, zwei Brauern, Beratern und Wissenschaftlern möchte in der dreijährigen Projektlaufzeit die Getreidesorten identifizieren, die am Niederrhein für den Anbau sowie das Backen und Brauen am besten geeignet sind. Dafür haben sich die Stadt Hamminkeln und der Kreis Wesel zu einer Kooperationsgemeinschaft zusammengefunden und bringen ihre Kompetenzen in Sachen Wasserschutz, Regionalplanung und Förderung von Vermarktungsalternativen für landwirtschaftliche Betriebe mit. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Hochschule Geisenheim, die das Getreide auf seine Back-, Malz- und Braueigenschaften untersucht.

„Wir brauchen neue Ideen, um Landwirtschaft nach vorne zu führen, und dabei ist es manchmal gut, in die Vergangenheit zu schauen. Können wir mit alten Sommergetreide-Sorten mehr erreichen im Grundwasserschutz, in der Vermarktung und im gemeinsamen Miteinander?“, so umriss Landrat Ingo Brohl kurzgefasst die Fragen, die das mit 500 000 € ausgestattete Projekt klären soll. Das Sommergetreide biete eine Bereicherung in der Fruchtfolge mit seinen Vorteilen in punkto Stickstoffnutzung und damit Gewässerschutz, was besonders in wassersensiblen Gebieten interessant sei.

Erste Erkenntnisse

Während im vergangenen Jahr die Frühjahrstrockenheit dem Projektgetreide zusetzte und starke Ertragseinbußen verursachte, konnte Walter Buchmann, Hamminkeln, als einer der drei beteiligten Landwirte für dieses Jahr von einem guten Start berichten, zumindest was die Witterung betraf. Allerdings machten ihm trotz Vogelscheuchen Krähen Probleme, für die das aufgekeimte Getreide im März/April eine willkommene Kost war. „Gegenüber dem Anbau von konventionellem Getreide ist bei den alten Sorten die mangelnde Standfestigkeit zu berücksichtigen und durch entsprechend reduzierte N-Düngung sowie eventuell angepasste Wachstumsregulierung zu verbessern.“

Verarbeitungsstrukturen fehlen noch

Landwirt Christian Dorsemagen, Wesel, betonte in seinem Erfahrungsbericht aus dem letzten Jahr, dass der Anbau schon ganz gut gelungen sei, das Problem sei aber, dass es in der Region keine Mühlen und keine Mälzereien gebe, die solch kleine Getreidemengen verarbeiten könnten. Es gebe im Projektteam Ideen, eine eigene kleine Verarbeitung aufzubauen, die bisher an genehmigungsrechtlichen Fragen gescheitert seien. Den Wunsch nach Unterstützung in diesem Punkt äußerte der Landwirt direkt an den Landrat. „Für den Erfolg des Projekts ist es ganz wichtig, dass alle Schritte der Wertschöpfungskette am Niederrhein stattfinden können!“ In diesem Punkt sind sich alle Beteiligten einig.

Top Qualitäten

Die Bäckermeister Matthias Winkelmann, Hamminkeln, und Stefan Steeg, Tönisvorst, zeigten sich begeistert von der Backqualität des angebauten Binkelweizens, Sommerdinkels und Sommerroggens. Auch die Braumeister Wilhelm Kloppert, Hamminkeln, und Walter Hüsges, Wesel, sind von der Brauqualität der alten Gerstensorten überzeugt. Erste Versuche im kleinen Stil waren vielversprechend, allerdings gab es im letzten Jahr Probleme mit der Mälzerei. Diese sollen mit Unterstützung der Hochschule Geisenheim künftig ausgeräumt werden.

Wenn der Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung alter Sommergetreidesorten am Niederrhein über das Projekt hinaus weiterlaufen sollen, müsse das allen Beteiligten Spaß machen, sprich, es müsse auch wirtschaftlich sein, betonte Projektleiter Thomas Michaelis von der Stadt Hamminkeln. „Deshalb ist es sehr wichtig, dem Verbraucher den Mehrwert dieser regionalen Produkte entsprechend zu kommunizieren.“

Sabine Aldenhoff, LZ Rheinland 25/2021

 

 

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