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Öko-Wintergerstensortenversuch 2019 – Erträge erneut überragend!

26.08.2019

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage aus der Praxis vor allem durch vermehrte Ökoschweinehaltung führt die Landwirtschaftskammer NRW seit 2011 Sortenversuche (inkl. einer Öko-Wertprüfung zur Sortenzulassung von beim Bundessortenamt (BSA) angemeldeten Stämmen aus ökologischer Züchtung) zur Wintergerste auf ökologischen Flächen durch.

Wintergerste lässt sich auch im Ökolandbau erfolgreich anbauen, wenn eine gute Saatbettbereitung erfolgt, geeignete Vorfrüchte wie z.B. Körnerleguminosen gewählt werden, zum richtigen Zeitpunkt gestriegelt wird und geeignete blattgesunde, langstrohige und standfeste Sorten mit schneller Jugendendwicklung angebaut werden. Durch die frühere Ernte bietet die Wintergerste ausreichend Zeit zur Unkrautbekämpfung von Wurzelunkräutern und für den Anbau von Zwischenfrüchten. Zudem können Arbeitsspitzen entzerrt werden.

In der Zusammenarbeit mit den Versuchsanstellern der Ländereinrichtungen aus Niedersachsen und Hessen können im für Nordrhein-Westfalen (NRW) relevanten Anbaugebiet (AGB 3 "Lehmige Standorte West") grundsätzlich drei Standorte gemeinsam verrechnet werden.

Auf einem Standort in NRW (Kerpen, sandiger Lehm, Ackerzahl 80) wurden 2019 in einem Landessortenversuch zwölf verschiedene Wintergerstensorten auf ihre Eignung für den Anbau im ökologischen Landbau geprüft. Es wurde auch eine zweizeilige Sorte geprüft. Im AGB 3 stehen darüber hinaus zwei weitere Standorte in Niedersachsen (Wiebrechtshausen, schluffiger Lehm, Ackerzahl 75) sowie in Hessen (Alsfeld, sandiger Lehm, Ackerzahl 53) zur Verfügung.

Ertragsleistungen der Standorte und Sorten

Die Erträge der Wintergerste lagen in 2019 am Standort Kerpen mit im Mittel 82,3 dt/ha so hoch wie noch nie (siehe Tabelle Ertrag). Damit liegt das Mittel über alle Standorte im Jahr 2019 mit 75,2 dt/ha über dem Mittel der Jahre 2017-2019 mit 68,1 dt/ha. Denn auch an den anderen Standorten wurden in 2019 gute Erträge eingefahren. In Niedersachsen betrug der mittlere Ertrag der Sorten in diesem Jahr 63,4 dt/ha, während in Hessen das Ertragsniveau auf 78,2 dt/ha stark anstieg.

Über die Jahre und Standorte zeigte sich die Sorte Quadriga mit 102 % relativen Ertrags überdurchschnittlich. Langjährig geprüft liegt vor allem die Sorte Semper bei 100 % gut auf. Von den neueren Sorten zeigten sich die Sorten Hedwig (106 %) und KWS Higgens (102 %) ertraglich sehr gut, auch Mirabelle (101 %) und SU Jule (102 %) waren gut. Die Öko-Sorte Cayu konnte mit 85 % relativem Ertrag nicht mithalten.

Tabellen der Wintergerstensortenversuche 2019

Erträge %Nordrhein-Westfalen
Kerpen
Hessen
Alsfeld-Liederbach
Niedersachsen
Wiebrechtshausen
MittelMittelAnzahl
Versuche
Nr.Sorte20172018201920172018201920172018201920192017-2019dt/ha2017-2019
1Semper*98105100949410010110210410210065,39
2Titus*1051009685101-10197-969861,97
3Quadriga*1081001001111001001089510010010266,89
4KWS Infinity*11083100931059910310695989964,49
5Hedwig*-111103-107104-10810610410669,66
6KWS Higgins*-103106-100107-9310710710367,56
7Lucienne*-10699-9498-10195979965,16
8Cayu*-6395--93--90938562,74
9Sonnengold-90100--102-99991009870,05
10Mirabelle*-102--98--10410110175,73
11SU Jule*-98--103--10510210276,13
12Yvonne*-98--99--93979772,33
Mittel Standardsorten* (dt/ha)56,766,782,671,436,978,265,365,463,574,8
Versuchsmittel (dt/ha)56,263,982,669,436,978,465,064,763,41009968,16
GD 5 % (Relativ)11,212,27,311,76,97,06,97,46,0
*Sorten des Standardmittels 2017: Highlight, Lomerit, Semper, Tamina, Kaylin; 2018: Lomerit, Semper, Quadriga, Kaylin, KWS Infinity, Hedwig, KWS Higgins, Lucienne
2019: Semper, Quadriga, KWS Infinity, Hedwig, KWS Higgens, Lucienne, Cayu (3566), Mirabelle, SU Jule, Yvonne
WahlSorteÄhrenformZüchter/VertreterZulassung
Jahr (Land)
Erträge
%
Protein
%
HLG
kg/100l
TKM
G
Bemerkungen
1.TitusMW. von Borries-Eckendorf GmbH & Co. Kommanditgesellschaft2012 (D)61,910,568,347,1winterfest, langstrohig, standfest, frohwüchsig, gute Pflanzengesundheit, aber teilweise Ährenknicken
2.QuadrigaMSecobra/BayWa2014 (D)66,810,365,444,2ausgewogene Winterfestigkeit, blattgesund, frohwüchsig, langstrohig und halmstabil
3.SemperMKWS Lochow2009 (D)65,310,567,546,2winterfest, sehr wüchsig, Unkraut konkurrenzstark, geringe Lagerneigung, blattgesund, eher für leichtere Standorte
Zum Ausprobieren
NEUHedwigMW. von Borries-Eckendorf GmbH & Co. Kommanditgesellschaft / Deutsche Saatveredlung AG (DSV)2017 (D)69,610,365,144,0ertragsstark, ertragsstabil, mittlere Proteingehalte, blattgesund,Resistenz gegen Gelbmosaikvirustyp 2, langstrohig, etwas Ährenknicken
NEUKWS HigginsMKWS-Lochow2017 (D)67,510,163,843,9ertragsstark, ertragsstabil, mittlere Proteingehalte, langstrohig, mittlere Halmstabilität, blattgesund, etwas Zwergrost
M: mehrzeilig
Z: zweizeilig

Darstellung der Sorten anhand der letzten drei Jahre im Öko-LSV des ABG 3

Drei- bis mehrjährig geprüfte Sorten:

Semperist eine Sorte mit langjährig durchschnittlichen Erträgen (100 %), aber ertragsstabil, hohem Hektolitergewicht und mittleren Proteingehalten (10,5 %). Die Winterüberlebensfähigkeit ist hoch. Im Frühjahr ist die Sorte sehr wüchsig und konkurrenzstark. Sie besitzt daher ähnlich wie die Sorte Lomerit eine für den Ökolandbau wichtige hohe Unkrautunterdrückungseignung. Die Neigung zu Lager und Halmknicken ist gering, zu Ährenknicken mittel eingestuft. Die Sorte ist relativ blattgesund. Diese Sorte ist eher für den Anbau auf leichteren Standorten zu empfehlen.

Titusweist gute Erträge (98 %), eine gute Ertragsstabilität und mittlere Proteingehalte (10,5 %) auf. Weitere positive Eigenschaften dieser Sorte sind: Winterfestigkeit, eine ausgeprägte Langstrohigkeit, gute Standfestigkeit, Frohwüchsigkeit und gute Pflanzengesundheit. Das hoch eingestufte Ährenknicken konnte bisher noch nicht beobachtet werden. Daher steht Titus bei der Auswahl mit ganz oben.

Quadriga kommt im Mittel dreier Versuchsjahre auf gute 102 % Ertrag und etwas niedrigere Proteingehalte (10,3 %). Bis auf einen Ausreißer in Kerpen 2016 scheint diese Sorte auch ertragsstabil zu sein. Diese Sorte ist mittellang im Wuchs, halmstabil mit guter Massebildung und mittelschneller Jugendentwicklung. Winterfestigkeit und Blattgesundheit ist mit gut zu bewerten. Diese Sorte kann angebaut werden.

KWS Infinity steht im dritten Jahr bei uns in der Prüfung. Dies ist die erste zweizeilige Wintergerste, die wir prüfen. Bisher waren diese ertraglich unterlegen. Die Sorte schwankt sehr stark im Ertrag, kann überragend im Ertrag sein (106 % in 2018 in Niedersachsen) bis eher niedriger (83 % in 2018 in NRW). In 2019 lag sie mit 98 % etwas unter dem Durchschnitt. Die Proteingehalte liegen mit 10,4 % im Mittel. Das Hektolitergewicht ist gut, die Tausenkornmasse (TKM) sehr hoch. Sie soll eine gute Standfestigkeit und Winterhärte aufweisen. Die schwankenden Erträge machen sie leider nicht zur ersten Wahl.

Neue Sorten, ein- bis zweijährig geprüft (ohne Anbauempfehlung):

Hedwigsteht zum zweiten Mal bei uns in der Prüfung. Sie startet mir hervorragenden 106 % Relativertrag und scheint ertragsstabil zu sein. Der Proteingehalt liegt bei mittleren 10,3 %. Hektolitergewicht und Tausendkornmasse (TKM) sind gut. Weitere Vorzüge sind eine gute Blattgesundheit und eine zusätzliche Resistenz gegenüber dem Gelbmosaikvirustyp 2 (BaYMV-2). Diese Sorte ist langstrohig und hat Schwächen beim Ährenknicken, was in Wiebrechtshausen auch bereits beobachtet wurde. Sie kann ausprobiert werden.

KWS Higgins steht ebenfalls im zweiten Jahr im Sortiment und erreichte gute Erträge (103 %) mit mittleren Proteinwerten (10,1 %). In anderen Anbaugebieten (leichtere Standorte) war sie ertraglich etwas besser, scheint sich aber auch im ABG 3 auf schwereren Böden zu stabilisieren. Sie zeigte sich bisher langstrohig bei mittlerer Halmstabilität und guter Blattgesundheit. Für Zwergrost ist sie anfälliger. Ein Probeanbau kann in Erwägung gezogen werden.

Lucienneist ein weiterer Neuzugang in unserer Öko-Prüfung. Sie sortierte sich bei 99 % Relativertrag ein mit guten 10,8 % Rohproteingehalt. Hektolitergewicht und TKM waren höher als der Durchschnitt. In anderen Anbaugebieten konnte sie im ersten Jahr ertraglich nicht überzeugen. Sie ist halmstabil und blattgesund. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Cayu stand als Stamm in der Öko-Wertprüfung und kommt aus der biologisch-dynamischen Züchtung. Sie ist nun als Sorte zugelassen und wird weiter bei uns geprüft. In den zwei Prüfjahren als Sorte kommt sie nur auf 85 % Relativertrag bei sehr hohen Proteinwerten (11,9 %). Auf einem leichteren Standort in Niedersachsen bei geringerem Ertragsniveau erreichte sie immerhin knapp durchschnittliche Erträge. Cayu ist langstrohig und daher gefährdet ins Lager zu gehen - trotz ihrer Halmstabilität. Außerdem waren das Hektolitergewicht und die TKM im Vergleich sehr gering, was auf unzureichende Kornfüllung oder wieder ausgewachsene Körner hindeutet (letzteres kommt bei Gerste eher nicht vor). Interessant ist bei Cayu, dass sie als Wechselgerste laut Züchterangaben auch im frühen Frühjahr angebaut werden kann. Überdies ist die Blattgesundheit gegeben vor allem bei der Streifenkrankheit. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Sonnengold ist ebenfalls zweijährig bei uns im Sortiment. Sie erzielte gute 98 % Relativertrag bei sehr guten 11,2 % Protein. Sonnengold scheint zudem blattgesund und halmstabil zu sein. Weiter Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Mirabelle ist neu in der Prüfung. Sie startet mit guten 101 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen bei 9,5 %, da in Kerpen aufgrund des sehr hohen Ertrages die Werte 2019 niedriger lagen. Das Hektolitergewicht ist gut, die TKM etwas geringer bei uns, obwohl sie als großkörnig angepriesen wird. Sie soll eine gute Strohstabilität, eine ausgesprochene Winterhärte und eine hervorragende Blattgesundheit aufweisen. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

SU Julesteht auch im ersten Jahr bei uns in der Prüfung. Auch sie startet mit guten 102 % Relativertrag, aber nur geringen Proteingehalten (9,3 %), aufgrund des Standortes Kerpen. Hektolitergewicht und TKM sind gut. Sie soll ebenfalls strohstabil sein und sehr ertragsstabil dank ihrer Winterhärte, Stand- und Knickfestigkeit sowie eine vergleichsweise geringe Ramularia-Anfälligkeit aufweisen. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Yvonneals weitere zweizeilige Sorte soll ebenso neu geprüft werden. Yvonne startet bei uns mit etwas unterdurchschnittlichen 97 % Relativertrag bei 9,7 % Rohproteingehalt. Das Hektolitergewicht ist gut, die TKM etwas unterdurchschnittlich. Sie soll ertragsstark, sehr standfest und knickstabil und sehr blattgesund, vor allem gegen Zwergrost sein. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Fazit

Von den untersuchten Sorten haben sich für den Ökolandbau die Sorten Titus, Quadriga und Semper und als geeignet gezeigt. Alle diese Sorten gehören in die engere Wahl. Semper ist auf den schwereren Standorten ertragsschwächer, wird für leichtere Standorte immer noch empfohlen. Vielversprechend scheinen die beiden neueren Sorten Hedwig und KWS Higgens zu sein, beide sehr ertragsstark und anscheinend relativ ertragsstabil. Sie können ausprobiert werden.

Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0221 5340 177, Mobil: 0171 5562 202, E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Claudia Hof-Kautz
Fachbereich 53 — Ökologischer Land- und Gartenbau
Versuchszentrum Gartenbau in Köln-Auweiler
Tel.: 0221 5340 177
Fax: 0221 5340 299
Mobil: 0171 55 62 202
E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

Saatgutbezug

Die Verwendung von ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut ist grundsätzlich gemäß EU-Bioverordnung vorgeschrieben. Der Saatgutbezug kann über die Ökosaatgutvermehrer aus NRW z.B. Bioland-Z-Saatgutliste erhältlich beim Bioland Landesverband NRW erfolgen. Die Verfügbarkeit einzelner Sorten finden Sie im Überblick unter: www.organicXseeds.de.

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