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Öko-Wintergerstensortenversuch 2020 – Öko-Erträge stabil und gut!

19.08.2020

Durch vermehrte Ökoschweinehaltung steigt die Nachfrage nach ökologisch erzeugter Wintergerste. Seit 2011 führt die Landwirtschaftskammer NRW einen Sortenversuch (inkl. einer Öko-Wertprüfung zur Sortenzulassung von beim BSA angemeldeten Stämmen aus ökologischer Züchtung) zur Wintergerste auf ökologischen Flächen durch.

Wintergerste lässt sich auch im Ökolandbau gut anbauen, wenn eine gute Saatbettbereitung erfolgt, geeignete Vorfrüchte wie z.B. Körnerleguminosen gewählt werden, zum richtigen Zeitpunkt gestriegelt wird und geeignete blattgesunde, lang-strohige und standfeste Sorten mit schneller Jugendendwicklung angebaut werden. Durch die frühere Ernte bietet die Wintergerste ausreichend Zeit zur Unkrautbekämpfung von Wurzelunkräutern und für den Anbau von Zwischenfrüchten. Zudem können Arbeitsspitzen entzerrt werden.

In der Zusammenarbeit mit den Versuchsanstellern der Ländereinrichtungen aus Niedersachsen und Hessen können im für NRW relevanten Anbaugebiet (AGB 3 "Lehmige Standorte West") grundsätzlich drei Standorte gemeinsam verrechnet werden.

Ertragsleistungen der Standorte und Sorten

Die Erträge der Wintergerste lagen in 2020 am Standort Kerpen mit im Mittel 75,3 dt/ha auch wieder sehr hoch, wobei sie in 2019 um 7 dt/ha höher waren (Tab. 3). Damit liegt das Mittel über alle Standorte im Jahr 2020 mit 64,3 dt/ha etwas unter dem Mittel der Jahre 2018 bis 2020 mit 65,4 dt/ha. Denn auch an den anderen Standorten wurden in 2020 geringere Erträge als im Vorjahr erzielt. Gerade in Hessen sank das Ertragsniveau wieder auf 40,6 dt/ha stark ab, dort scheint 2019 ein Ausnahmejahr gewesen zu sein. Niedersachsen lag mit 57,9 dt/ha etwas unter den Erträgen der Vorjahre.

Über die Jahre und Standorte zeigten sich die Sorten Hedwig mit 105 % und KWS Higgens mit 104 % relativen Ertrags überdurchschnittlich (Tab. 4). Langjährig geprüft liegt vor allem die Sorte Quadriga bei 101 % gut auf. Von den neueren Sorten zeigten sich die Sorte KWS Flemming (109 %) ertraglich sehr gut, auch Rubino (101 %) und Yvonne (100 %) waren gut. Die Sorte Mizze hatte an einem Standort einen Abfall und kommt daher im Mittel auf 94 % Relativertrag.


Tabellen der Wintergerstensortenversuche 2020

Erträge % Nordrhein-Westfalen Hessen     Niedersachsen     Mittel      2020 Mittel      2018-2020   Anzahl Versuche 2018-2020
Nr. Sorte Kerpen     Alsfeld-Liederbach Wiebrechtshausen      
    2018 2019 2020 2018 2019 2020 2018 2019 2020 dt/ha
1 Semper* 105 100 93 94 100 92 102 104 103 96 99 63,0 9
2 Quadriga* 100 100 106 100 100 109 95 100 99 105 101 63,7 9
3 Titus 100 96 98 101 - - 97 - - 98 98 64,1 5
4 Hedwig* 111 103 103 107 104 102 108 106 99 101 105 66,1 9
5 KWS Higgins* 103 106 96 100 107 112 93 107 113 107 104 65,6 9
6 Lucienne 106 99 97 94 98 - 101 95 - 97 99 66,3 7
7 Mirabelle* - 102 96 - 98 97 - 104 89 94 98 65,2 6
8 SU Jule* - 98 101 - 103 89 - 105 90 93 98 65,6 6
9 Yvonne - 98 110 - 99 - - 93 - 110 100 75,0 4
10 KWS Flemming* - - 103 - - 116 - - 107 109 109 62,7 3
11 Mizzi* - - 105 - - 76 - - 101 94 94 56,4 3
12 Rubino* - - 97 - - 106 - - 99 101 101 58,3 3
  Mittel der Standardsorten* (dt/ha) 66,7 82,6 75,6 36,9 78,2 41,2 65,4 63,5 58,3 58,4      
  Versuchsmittel (dt/ha) 63,9 82,3 75,3 36,9 78,4 40,6 64,7 63,4 57,9 100 100 65,4 6
  GD 5 % (relativ) 12,2 7,3 11,6 6,9 7,0 11,1 7,4 6,0 6,5        
*Sorten des Standardmittels 2018: Lomerit, Semper, Quadriga, Kaylin, KWS Infinity, Hedwig, KWS Higgins, Lucienne
*2019: Semper, Quadriga, KWS Infinity, Hedwig, KWS Higgens, Lucienne, Cayu (3566), Mirabelle, SU Jule, Yvonne
*2020: Semper, Quadriga, Hedwig, KWS Higgins, Mirabelle, SU Jule, KWS Flemming, Mizzi, Rubino
Wahl Sorte Ähren-form Züchter /Vertreter Zulassung Jahr (Land) Erträge dt/ha Erträge % Protein % HLG kg/100 l TKG g Bemerkungen
1. Quadriga M Secobra/BayWa 2014 (D) 63,7 101 10,1 66,1 45,6 ausgewogeneWinterfestigkeit, ist blattgesund, frohwüchsig, langstrohig und halmstabil
2. Semper M KWS Lochow 2009 (D) 63,0 99 10,5 67,1 46,5 winterfest, sehr wüchsig, Unkraut konkurrenzstark, geringe Lagerneigung, blattgesund, eher für leichtere Standorte
3. Hedwig M W. von Borries-Eckendorf GmbH & Co. Kommanditgesellschaft / Deutsche Saatveredlung AG (DSV) 2017 (D) 66,1 105 9,9 66,3 43,6 ertragsstark, ertragsstabil, mittlere Proteingehalte, blattgesund,Resistenz gegen Gelbmosaikvirustyp 2, langstrohig, etwas Ährenknicken
4. KWS Higgins M KWS-Lochow 2017 (D) 65,6 104 9,9 65,9 45 ertragsstark, ertragsstabil, mittlere Proteingehalte, langstroig, mittlere Halmstabilität, blattgesund, etwas Zwergrost
zum Ausprobieren                
NEU KWS Flemming M KWS-Lochow 2019 (D) 62,7 109 9,6 68,4 45,3 ertragsstark, blattgesund, mittellang, lagerstabil, etwas Ährenknicken, auch Spätsaatverträglich
    M = mehrzeilig, Z = zweizeilig              

► Öko-Landessortenversuch NRW 2020 - Wintergersten – Jetzt auch digital

Die Versuchsleitern Dr. Claudia Hof-Kautz führt Sie in diesem Jahr digital durch die Landessortenversuche der Wintergerste.


Auch in 2020 stand der Landessortenversuch zur Öko-Wintergerste wieder sehr gut und fuhr hervorragende Erträge ein. Ackerzahlen bis zu 80 BP in Kerpen, erfahrene & exakte Versuchsanlage sowie günstige Witterungsbedingungen machten dies möglich. Neu bei uns im Sortiment 2020 ist die Sorte KWS Flemming (rechtes Bild). Diese Sorte ist ertragsstark (109 % Relativertrag im ersten Jahr) bei geringere Proteingehalten. Sie soll sehr blattgesund sein. Trotz mittlerer Pflanzenlänge ist sie lagerstabil mit etwas Ährenknicken. Auch für eine Spätsaat ist sie geeignet.


Qualitätsleistungen der Standorte und Sorten (Proteingehalte, Hektolitergewicht)

Die Proteinwerte lagen im Versuchsmittel an den drei Standorten des AGB 3 im Jahr 2020 in NRW mit 8,3 % niedriger (vermutlich aufgrund des hohen Ertrags) und in Niedersachsen bei guten 10,4 % und damit unter dem Schnitt der Jahre. In Hessen lag das Mittel in 2020 mit 11,4 % sehr gut. Die höchsten Proteingehalte erreichten im Mittel der Jahre die Sorten Mizzi (10,8 %) gefolgt von Semper (10,5 %), Lucienne (10,4 %), SU Jule (10,3 %) und Rubino (10,3 %).

Das Hektolitergewicht als Maß für die Kornqualität sollte bei Wintergerste > 62 kg/100 l liegen. Hohe Feuchtegehalt und große Schalenanteile reduzieren das Hektolitergewicht, Trockenheit und hohe Stärkegehalte hingegen erhöhen das Hektolitergewicht. In der Regel konnten alle Sorten auf allen Standorten und Jahren das gewünschte Niveau erzielen, nur am Standort Kerpen in 2018 und am Standort Wiebrechshausen in 2020 fielen die Werte geringer aus.

Darstellung der Sorten anhand der letzten drei Jahre im Öko-LSV des ABG 3

Drei- bis mehrjährig geprüfte Sorten:
  • Semper (KWS Lochow) ist eine Sorte mit langjährig durchschnittlichen Erträgen (99 %), aber ertragsstabil, hohem Hektolitergewicht und mittleren Proteingehalten (10,5 %). Die Winterüberlebensfähigkeit ist hoch. Im Frühjahr ist die Sorte sehr wüchsig und konkurrenzstark und besitzt daher ähnlich wie die Sorte Lomerit eine für den Ökolandbau wichtige hohe Unkrautunterdrückungseignung. Die Neigung zu Lager und Halmknicken ist gering, zu Ährenknicken mittel eingestuft. Die Sorte ist relativ blattgesund. Diese Sorte ist für den Anbau aber eher auf leichteren Standorten zu empfehlen.
  • Quadriga (Secobra) kommt im Mittel dreier Versuchsjahre auf gute 101 % Relativertrag und etwas niedrigere Proteingehalte (10,1 %). Quadriga scheint auch ertragsstabil zu sein. Diese Sorte ist mittellang im Wuchs, halmstabil mit guter Massebildung und mittelschneller Jugendentwicklung. Winterfestigkeit und Blattgesundheit sind gut. Diese Sorte kann angebaut werden.
  • Titus (B. Eckendorf) weist gute Erträge (98 %), eine gute Ertragsstabilität und mittlere Proteingehalte (10,1 %) auf. Weitere positive Eigenschaften dieser Sorte sind: Winterfestigkeit, eine ausgeprägt Langstrohigkeit, guter Standfestigkeit, Frohwüchsigkeit und gute Pflanzengesundheit. Das hoch eingestufte Ährenknicken konnte bisher noch nicht beobachtet werden. Leider scheint Titus eine abnehmende Bedeutung zu haben, wohl auch aufgrund einer höheren Anfälligkeit gegenüber Flugbrand.
  • Hedwig (DSV) steht seit drei Jahren bei uns in der Prüfung. Sie erreicht hervorragende 105 % Relativertrag und scheint ertragsstabil zu sein. Der Proteingehalt liegt bei mittleren 9,9 %. Hektolitergewicht und Tausendkornmasse sind gut. Weitere Vorzüge sind eine gute Blattgesundheit und eine zusätzliche Resistenz gegenüber dem Gelbmosaikvirustyp 2 (BaYMV-2). Diese Sorte ist langstrohig und grundsätzlich standfest, hat aber Schwächen beim Ährenknicken, was in Wiebrechtshausen auch bereits beobachtet wurde. Sie kann angebaut werden.
  • KWS Higgins (KWS Lochow) steht ebenfalls im dritten Jahr im Sortiment und erreichte gute Erträge (104 %) mit mittleren Proteinwerten (9,9 %). In anderen Anbaugebieten (leichtere Standorte) war sie ertraglich oft sogar noch etwas besser, scheint sich aber auch im ABG 3 auf schwereren Böden zu stabilisieren. Sie zeigte sich bisher langstrohig bei mittlerer Halmstabilität und guter Blattgesundheit. Für Zwergrost ist sie anfälliger. Sie ist für den Anbau zu empfehlen.
  • Lucienne (B. Eckendorf) steht ebenfalls seit drei Jahren in der Prüfung. Sie sortierte sich bei 99 % Relativertrag ein mit guten 10,4 % Rohproteingehalten. Hektolitergewicht und TKG waren höher als der Durchschnitt. In anderen Anbaugebieten konnte sie in den ersten Jahren ertraglich nicht überzeugen und wurde dort auch schon aus der Prüfung rausgenommen. Sie ist halmstabil und blattgesund, allerdings nicht unbedingt in die engere Wahl zu nehmen.
Neue Sorten, ein- bis zweijährig geprüft (ohne Anbauempfehlung):
  • Mirabelle (B. Eckendorf) steht im zweiten Jahr bei uns in der Prüfung. Sie startet mit durchschnittlichen 98 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen bei 10,0 %. Das Hektolitergewicht ist gut, die TKM etwas geringer bei uns, obwohl sie als großkörnig angepriesen wird. Sie soll eine gute Strohstabilität, eine ausgesprochene Winterhärte und eine hervorragende Blattgesundheit aufweisen. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.
  • SU Jule (B. Eckendorf) steht auch im zweiten Jahr bei uns in der Prüfung. Auch sie startet mit durchschnittlichen 98 % Relativertrag und guten Proteingehalten (10,3 %). Hektolitergewicht und TKM sind gut. Sie soll ebenfalls strohstabil sein und sehr ertragsstabil dank ihrer Winterhärte, Stand- und Knickfestigkeit sowie eine vergleichsweise geringer Ramulariaanfälligkeit aufweisen. Weiter Ergebnisse bleiben abzuwarten.
  • Yvonne (Nordsaat Saatzucht) als einzige zweizeilige Sorte derzeit im Sortiment soll ebenso neu geprüft werden. Yvonne startet bei uns ebenso mit durchschnittlichen 100 % Relativertrag bei geringeren 9,4 % Rohproteingehalt. Das Hektolitergewicht und die TKM sind gut. Sie soll ertragsstark, sehr standfest und knickstabil und sehr blattgesund, v.a. gegen Zwergrost sein. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.
  • KWS Flemming (KWS-Lochow) ist 2020 neu in der Prüfung und steigt mit hervorragenden 109 % Relativertrag ein. Die Proteingehalte liegen etwas unter dem Durchschnitt bei 9,6 %. Diese Sorte soll sehr blattgesund sein. Bei mittlerer bis längerer Pflanzenlänge soll sie dennoch nur mittel lageranfällig sein, etwas Ährenknicken wurde beobachtet. Sie ist für die Normalsaat und etwas Spätsaat geeignet und kann ausprobiert werden.
  • Mizzi   (Saatzucht Josef Breun) ist ebenfall ganz neu im Sortiment und kommt im ersten Jahr nur auf 94 % Relativertrag. Dafür liegen die Proteingehalte estwas höher bei 10,8 %. Hektolitergewicht und Tausendkornmasse sind gut. Diese Sorte soll etwas früher reif sein, länger im Wuchstyp, eine gute Blattgesundheit haben, eine hohe Kornqualität aufweisen und auch für den Ökolandbau geeignet sein. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.
  • Rubino (B. Eckendorf) steht ebenfalls im ersten Jahr bei uns im Sortiment und steigt mit guten 101 % Relativertrag ein. Die Proteingehalte sind mit 10,3 % ebenfalls gut. Das Hektolitergewicht ist gut und der erste Wert zur TKM sogar sehr hoch und ist laut Züchterangaben aufgrund der hohen Kernausbeute v.a. auch zur Herstellung von Graupen, Grützen und Gersten-Großblattflocken geeignet. Rubino soll lang wachsen und eine gute Bodenbedeckung haben. Zudem ist diese Sorte recht blattgesund und auch mittel bis gut winterhart. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Fazit

Von den untersuchten Sorten haben sich für den Ökolandbau die Sorten Quadriga und Semper und als geeignet gezeigt. Diese beiden Sorten gehören in die engere Wahl (siehe Tabelle). Semper ist auf den schwereren Standorten ertragsschwächer, wird für leichtere Standorte immer noch empfohlen. Vielversprechend scheinen die beiden neueren Sorten Hedwig und KWS Higgens zu sein, beide sehr ertragsstark und anscheinend relativ ertragsstabil, die angebaut werden können. Von den einjährigen Sorten ragt aufgrund des hohen Ertrags die Sorte KWS Flemming heraus und kann ausprobiert werden.

Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0221 5340 177, Mobil: 0171 5562 202, E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Claudia Hof-Kautz
Fachbereich 53 — Ökologischer Land- und Gartenbau
Versuchszentrum Gartenbau in Köln-Auweiler
Tel.: 0221 5340 177
Mobil: 0171 55 62 202
E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de


Saatgutbezug

Die Verwendung von ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut ist grundsätzlich gemäß EU-Bioverordnung vorgeschrieben. Der Saatgutbezug kann über die Ökosaatgutvermehrer aus NRW z.B. Bioland-Z-Saatgutliste erhältlich beim Bioland Landesverband NRW erfolgen. Die Verfügbarkeit einzelner Sorten finden Sie im Überblick unter: www.organicXseeds.de.

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