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Öko-Winterweizen Erträge 2020 – trotz Frühjahrstrockenheit gut

07.09.2020

In 2020 wurde fast kein Gelbrost mehr in den Öko-Landessortenversuchen beobachtet. Viele anfällige Sorten haben wir aus den Versuchen herausgenommen. Dennoch dürfte das Thema nicht vom Tisch sein. Vermutet werden neue Gelbrostrassen, die Resistenzgene in den Sorten durchbrechen können. Expertenmeinungen zufolge wird sich dieser "Gelbrosttrend" fortsetzen, daher wird auch in den folgenden Jahren mit Gelbrost zu rechnen sein. Wichtigste Gegenmaßnahmen sind die Beseitigung des Ausfallgetreides, eine intensive Stoppelbearbeitung und die richtige Sortenwahl, inklusive des Anbaus von mindestens zwei als gelbrostgesund eingestufte Sorten zur Risikostreuung im Betrieb.

Ertragsleistungen der Standorte und Sorten

In NRW erzielte der Weizen am Standort Warstein-Belecke in 2020 im Mittel aller Sorten mit 55,2 dt/ha einen wieder sehr viel besseren Weizenertrag (Tabelle Erträge) als man es durch die Frühjahrstrockenheit hätte erwarten können. In Wendlinghausen lag der Weizenertrag mit im Mittel 49,4 dt/ha deutlich höher als im Vorjahr. In Lichtenau wurden mittlere 37,0 dt/ha erzielt im Mittel aller Sorten.

Auf den guten Ertragsstandorten in Hessen und Niedersachsen (bisherige Ergebnisse, einige Standorte stehen noch aus) wurden zwischen 40,4 dt/ha (Alsfeld) und 75,9 dt/ha (Wiebrechtshausen) im Mittel aller Sorten ebenso mittlere bis gute Weizenerträge geerntet. Im Mittel aller Standorte (50,1 dt/ha) war das Jahr 2020 etwas besser als die Jahre davor (dreijähriges Mittel 49,4 dt/ha).

Bei den Sorten überzeugten in diesem Jahr hinsichtlich des Ertrages: die E-Weizensorten Wendelin (106 %) und Purino (102 %), die A-Weizensorten Julius (104 %) und Senaturo (105 %), alle B-Weizensorten KWS Livius (111 %), KWS Talent (116 %), RGT Sacramento (109 %), Rubisko (108 %), Argument (108 %), Campesino (114 %), Chevingnon (112 %) und Informer (115 %) sowie alle C-Weizensorten Elixer (114 %) und Safari (130 %, nur ein Standort!).


► Öko-Landessortenversuch NRW 2020 - Wintergersten – Jetzt digital

Die Versuchsleitern Dr. Claudia Hof-Kautz führt Sie in diesem Jahr digital durch die Landessortenversuche des Winterweizens.


Auf allen drei Standorten in NRW (Wendlinghausen, Lichtenau und Belecke) standen die Öko-Winterweizen LSVs nach anfänglicher Trockenheit doch noch sehr gut im Bestand (hier 17.06.2020). Fotos: Claudia Hof-Kautz, LWK NRW


Mehrjährig geprüfte E-Weizen-Sorten

Trebelir E: Trebelier steht seit vier Jahren bei uns in der Prüfung, kommt aber aus der Öko-WP. Diese Sorte ist als bundesweite Verrechnungssorte hierfür aufgestiegen. Im Mittel kommt sie auf 94 % Relativertrag mit guten 11,6 % Proteingehalt und guten 22,4 % Feuchtgluten. Auf die Fallzahl (283 s) muss geachtet werden. Im Bestand ist diese Sorte mittellang, teilweise länger, mit mittlerer bis dichter Bestandesdichte. Überdies mit planophiler Blatthaltung schafft sie eine mittlere bis gute Unkrautunterdrückung. Sie ist recht blattgesund, etwas Blattseptoria und Braunrost war zu beobachten. Diese Sorte ist in der Anbauempfehlung.

Aristaro E: Aristaro steht ebenfalls im vierten Jahr bei uns im Sortiment, stand die Jahre davor auf den bundesweiten Standorten in der WP aus Ökozüchtung. Diese Sorte ist laut Züchterangabe Steinbrand- und Zwergsteinbrand-resistent, hat eine geringe Flugbrand-Anfälligkeit und ist winterhart. Aristaro erreichte 96 % Relativertrag. Die Proteingehalte lagen bei guten 11,4 % und auch die Feuchtglutengehalte sind mit 23,3 % sehr hoch. Aristaro ist begrannt und daher auch zur Wildabwehr (Wildschweine) interessant. Im Bestand zeigte sie sich lang bis sehr lang bei mittlerer bis dichter Bestandesdichte und planophiler Blatthaltung. Daher war die Unkrautunterdrückung gut, teilweise kam aber Unkraut durch. 2019 stand sie auf allen Standorten in NRW ganz ausgezeichnet. Sie wird bundesweit geschätzt und als Vergleichsorte geführt, daher ist sie für einen Anbau im Ökolandbau zu empfehlen.

Moschus E: Eine weitere vierjährig geprüfte Sorte in unserem Sortiment ist Moschus. Sie kommt auf gute 99 % Relativertrag, mittlere Proteingehalte (11,1 %) und mittlere Kleberwerte (20,8 %). Moschus erscheint im Bestand zunächst etwas dünner und ist auch kleiner im Wuchs, daher kommt sie auf Problemstandorten mit starkem Unkrautbesatz (z.B. Fuchsschwanz) nicht so zurecht. Die Blattstellung ist auch aufrecht. Auf anderen Standorten kann sie mit mittlerer bis dichter Bestandesdichte gut aussehen. Auffällig war, dass das Blatt lange grün und gesund war wie bei Pionier. Auch in 2018 bis 2020 zeigte sie ein ähnliches Bild: geringe bis mittlere Länge und Bestandesdichte mit teilweise mehr Unkraut und konnte daher noch nicht überzeugen. Bundesweit ist sie als kürzere Sorte gar nicht so schlecht und kann bei genug Stickstoff und wenig Unkrautdruck angebaut werden.

Alessio E: Allessio steht im dritten Prüfjahr und ist eine neuere begrannte Sorte. Sie startet ertraglich etwas unterdurchschnittlich mit 94 % Relativertrag (in NRW nur 89 %). Die Qualitäten sind gut: der Proteingehalt liegt bei 11,7 % und der Feuchtglutengehalt bei 23,1 %. Im Bestand stand sie in 2018 in Belecke sehr gut: etwas länger, gute Bestandesdichte, kein Unkraut, noch etwas grün Ende Juni. In Wendlinghausen und Lichtenau präsentierte sie sich eher mäßig mit mehr Unkraut, ungleich und dünn im Bestand und eher blattkrank. In 2019 stand sie auf allen Standorten in NRW nicht so überzeugend: viel Unkraut, mittlere Bestandesdichte und Pflanzenlänge. Sie wird nicht weiterverfolgt.


Während die Öko-Züchtungen, wie hier die neue Sorte Wendelin am 15.04., 19.05. und 17.06.2020 in Belecke, sehr schön im Feld steht: dicht, gleichmäßig mit wenig Unkraut, kommen diese dennoch auf nur geringere Erträge, dafür mit deutlich besseren Qualitäten.


Neuere ein- bis zweijährig geprüfte E-Weizen-Sorte

Wendelin E: Eine neue Sorte aus der Öko-WP ist Wendelin. Sie kommt in zwei Jahren auf 94 % Relativertrag. Erste Proteingehalte sind mit 12,6 % vielversprechend. Im Bestand sah Wendelin sehr schön aus: dicht und gleichmäßig mit geringem Unkrautbesatz, länger im Bestand, lange grün, also blattgesund und planophile Blattstellung. Bundesweit macht sie einen guten Eindruck und kann ausprobiert werden.

Thomaro E: Thomaro ist ebenfalls neu im Sortiment und stammt aus der Öko-Züchtung und hat die Wertprüfung im Ökolandbau durchlaufen. Sie startet bei uns mit 95 % Relativertrag im zweijährigen MIttel. Der erste Proteingehaltswert liegt bei guten 11,4 %. Im Bestand überzeugte Thomaro noch nicht so: eher etwas kürzer bis mittellang bei mittlerer Bestandesdichte und mittlerem Unkrautaufkommen und dünner sowie etwas ungleich im Bestand. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Purino E: Noch eine neue Sorte aus der Öko-WP ist Purino. Diese Sorte startet mit 98 % Relativertrag im zweijährigen Mittel bei stärkeren Schwankungen an den Standorten und in den Jahren. Die ersten Proteingehalte sind mit 12,5 % sehr gut. Im Bestand präsentiert sich Purino kürzer, gleichmäßig und aufrecht bei mittlerer bis dünnerer Bestandesdichte und relativ viel Unkraut. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Adamus E: Diese Sorte ist ganz neu bei uns im Sortiment. Sie startet mit 91% Relativertrag. Qualitäten liegen noch nicht vor. Im Bestand sah Adamus schön aus: mittlere bis höhere Pflanzenlänge, mittlere bis höhere Bestandesdichte, geringer bis mittlerer Unkrautbesatz. Diese Sorte macht scheinbar schön dicht und steht gleichmäßig. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Curier E: Diese Sorte ist ebenfalls neu im Sortiment und stammt aus der Ökozüchtung, so dass sie bereits die Öko-WP bei uns durchlaufen hat. Als neue Sorte kommt sie im ersten Jahr auf gute 99 % Relativertrag. Qualitäten liegen in diesem Jahr noch nicht vor. Im Bestand zeigt Curier sich sehr schön dicht und gleichmäßig mit mittlerer bis hoher Pflanzenlänge und geringem Unkrautaufkommen. Weitere Ergebnisse folgen.

Effendi E: Effendi startet neu bei uns mit guten 98 % Relativertrag. Auch hier fehlen noch die Qualitäten. Effendi steht auch mittel bis lang im Wuchs und mittel bis dicht im Bestand bei geringem bis mittlerem Unkrautdruck, teilweise etwas ungleich im Bestand, überwiegend aber sehr schön. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.


Kurze Sorten, wie hier Elixer am 15.04., 19.05. und 17.06.2020 in Belecke, sehen im Bestand häufig nicht so gut aus: sehr dünn, ungleich mit relativ viel Unkraut, passen aber dennoch auf gut versorgte Standorte auch im Ökolandbau und machen dann einen hohen Ertrag.


Mehrjährig geprüfte A-/B- & C-Weizen-Sorten

Julius A: Die ältere Sorte Julius haben wir wieder mit aufgenommen, da sie im Anbau ist und als Verrechnungssorte mitgeführt wird. Diese ehemalige B-Sorte, weist mit im Mittel 100 % mittel gute Erträge aus und hat sich in 2019 wieder ganz gut präsentiert (104 %). Die Proteingehalte sind gering (10,2 %) mit mittleren Klebergehalten (20,6 %). Diese Sorte ist etwas später reif, mittellang, standfest und relativ blattgesund. Julius zeigte sich in den letzten Jahren, so auch in 2020, im Bestand immer schlechter: sehr dünn, kürzer bis mittellang mit mittelbreiten Blättern, ungleich und hatte teilweise sehr viel Unkraut. Da auch die Erträge weiter abfallen, wird sie nicht mehr empfohlen.

Senaturo A: Senaturo ist im dritten Jahr bei uns in der Prüfung. Diese Sorte startet mit hervorragende 111 % Relativertrag und liegt auf sieben Standorte jeweils über 100 %. Im Bestand war sie anfänglich durchwachsen, gerade in Lichtenau mit etwas mehr Unkraut. Aber später stand sie sehr gut v.a. in Belecke. Sie ist mittellang bis lang, bei mittlerer bis guter Bestandesdichte und wenig bis mittel viel Unkraut und bleibt offenbar länger grün im Bestand. In 2020 stand sie anfänglich eher nicht so gut im Bestand: kurz, dünn und ungleicher, später wieder sehr gut: gleichmäßig und dicht. Diese Sorte kann auf besseren Standorten angebaut werden  und scheint anfänglich mit Trockenheit eher weniger gut umgehen zu können.

Tiliko A: Tiliko ist eine neuere Öko-Weizensorte. Sie soll widerstandfähiger gegenüber Flugbrand, Stinkbrand und Zwergsteinbrand sein und hohe Backqualitäten aufweisen. Bei uns startet sie mit knapp unterdurchschnittlichem 93 % Relativertrag. Tiliko erreichte überdurchschnittliche 21,9 % Feuchtglutengehalte bei durchschnittichen Proteingehalten von 10,5 %. Im Bestand sah sie mittel bis gut aus. Sehr lang bei mittlerer bis guter Bestandesdichte, planophiler Blatthaltung und wenig bis mittlerem Unkrautaufkommen. Auch 2020 machte sie grundsätzlich ein gutes Bild insbesondere am Anfang der Saison. Später war sie dann in allen Prüfjahren allerdings teilweise ungleich und v.a. dünner im Bestand und blattkranker. Sie kann angebaut werden.

KWS Livius B: KWS Livuis kommt im Mittel von drei Prüfjahren auf gute 109 % Relativertrag und guter Ertragsstabilität bei geringeren Protein- (10,1 %) und Klebergehalten (18,5 %). Im Bestand präsentierte sich diese Sorte recht gut: mittellang, gleichmäßig, mitteldicht, wenig Unkraut, sehr blattgesund (Lichtenau) bis blattkrank (Belecke). In 2018 war sie allerdings an den verschiedenen Standorten eher durchwachsen mit teilweise mehr Unkraut, ungleich, dünnem und blattkrankem Bestand. In 2019 stand sie in NRW auf allen Standorten sehr gut. In 2020 wiederum stand sie am Anfang weniger gut mit geringerer Pflanzenlänge, mittlerer Bestandesdichte und höherem Unkrautaufkommen und später noch dünner und ungleichmäßiger im Bestand. Der hohe stabile Ertrag macht sie für den Anbau dennoch interessant. 

KWS Talent B: Diese Sorte steht im dritten Jahr bei uns im Sortiment. Sie erreichte gute 110 % Relativertrag und scheint ertragsstabil zu sein. Die Proteingehalte sind erwartungsgemäß niedrig (9,0 %), der Feuchtglutengehalt ebenso (17,3 %). Im Bestand präsentierte sie sich mittelgut, bei mittlerer Pflanzenlänge, mittlerer Bestandesdichte und mittlerem Unkrautaufkommen. Ende Juni war sie im Vergleich zu den anderen Sorten noch etwas grüner. In 2020 war sie am Anfang mit geringer bis mittlerer Pflanzenlänge und Bestandesdichte etwas höher verunkrautet und auch später erschien sie dünner und ungleicher im Bestand bei höherem Unkrautaufkommen. Aufgrund des guten Ertrags und der Ertragsstabilität kann diese Sorte angebaut werden, allerdings mit dem Wissen, dass an dieser Sorte bundesweit bereits Gelbrost beobachtet wurde.

RGT Sacramento B: Als neuere begrannte Sorte steht RGT Sacramento zum dritten Mal in der Prüfung. Sie erreichte sehr gute 109 % Relativertrag, fiel in Hessen aber etwas ab (96 %). Die Proteingehalte liegen bei 9,3 %, der Feuchtglutengehalt bei 15,3 %. Im Bestand stand sie mittelgut bei mittlerer Pflanzenlänge, mittlerer Bestandesdichte und wenig Unkraut (nur Belecke). Sie war lange grün. Auch in 2020 stand sie am Anfang gut im Bestand, später dünner und ungleicher. Die Winterfestigkeit sollte beobachtet werden. Als Futterweizen auf besseren Standorten ist sie anbauwürdig.

Elixer C: Ertragsstarke Futterweizensorten werden seitens der Praxis gesucht. Daher haben wir unser Sortiment um die Sorte Elixer erweitert. Im Mittel der Jahre kommt diese Sorte auf erfreuliche 113 % Relativertrag. Bei den Qualitäten ist sie mit einem Rohproteinwert von 9,8 % und einem Feuchtglutenwert von 17,4 % erwartungsgemäß mit am unteren Ende des Prüfsortiments. Elixer ist kürzer und relativ standfest. In 2018 stand sie in Belecke noch gut, in Wendlinghausen und Lichtenau fiel sie ab: ungleichmäßige und blattkranke Bestände. Auch in 2019 sah sie in den Beständen nicht überzeugend aus: mittellang, etwas ungleich, aber dichter, mittleres Unkrautaufkommen, aber länger grün. Gleiches war in 2020 zu beobachten, aber teilweise kann sie auch gleichmäßig stehen. Es wird verstärkt Braunrost und Gelbrost bei dieser Sorte beobachtet. Auf gut versorgten Standorten kann sie angebaut werden.

Safari C: Safari stand als neuere C-Weizen-Sorte nur in Wendlinghausen und kam dort auf gute 124 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen erwartungsgemäß niedrig bei 7,4 %, ebenso der Feuchtglutengehalt mit 16,1 %. Die Fallzahl lag nur bei 161 s, allerdings war das nur ein Wert. Im Bestand gefiel sie am Anfang Mitte Mai nicht: kurz, wenig Bestandesdichte mit sehr viel Unkraut. Später Ende Juni stand sie etwas besser: mittlere Bestandesdichte und Unkrautaufkommen, gleichmäßig und noch grün. In 2020 stand sie etwas besser, aber auch ungleich und dünner im Bestand. Diese Sorte kann ausprobiert werden.

Neue ein- zweijährig geprüfte A-/ B- & C-Weizen-Sorte (ohne Anbauempfehlung)

Roderik A: Diese Sorte steht zum zweiten Mal bei uns in der Prüfung. Diese Sorte ist aufgrund ihrer Begrannung interessant. Sie erreichte 95 % Relativertrag. Mit 10,9 % Proteingehalt und 21,2 % Feuchtgluteingehalt zeigt Roderik eine gute Proteinqualität. Roderik sah in den Beständen in NRW sehr gut aus: lang, dicht, wenig Unkraut in Belecke und Lichtenau, allerdings in Wendlinghausen etwas dünner, kürzer, ungleicher und lückiger. Auch in 2020 stand sie am Anfang gut: mittlere bis höhere Pflanzenlänge und Bestandesdichte und weniger Unkraut, später eher im Mittelfeld, gleichmäßig im Bestand, aber dünner. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

KWS Essenz A: Auch KWS Essenz steht ebenfalls seit zwei Jahren im Sortiment. Sie steigt mit guten 97 % Relativertrag ein. Erste Proteinwerte liegen bei 11,0 % mit guten Feuchtklebergehalten von 21,2 %. In Belecke sah die Sorte in 2019 ganz gut aus: mittellang, dicht, mittlere Unkrautdichte; in Lichtenau leider nicht: mittellang, dünner im Bestand. 2020 sah die Sorte auf beiden Standorten besser aus und präsentierte sich im Mittelfeld, auch später in der Saison stand er dort gleichmäßig und dicht im Bestand. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Sarasto A: Diese ganz neue Öko-Sorte haben wir nur in Wendlinghausen geprüft. Sie stammt aus der Öko-WP und hat im ersten Jahr als Sorte bei uns 92 % Relativertrag. Qualitäten liegen noch nicht vor. Im Bestand hatte sie anfänglich eine mittlere bis hohe Pflanzenlänge und Bestandesdichte mit entsprechend wenig Unkraut. Später erschien sie lang, mitteldicht und gleichmäßig. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Rubisko B: Ebenfalls begrannt ist die neue Sorte Rubisko, die im Mittel von zwei Jahren mit guten 110 % Relativertrag einsteigt. Rubisko hat 10,1 % Proteingehalt und 17,7 % Feuchtklebergehalt. Die Fallzahl ist mit 266 s etwas geringer. In 2019 stand sie bei uns nur in Lichtenau. Sie stand mittelgut, etwas kürzer bei mittlerer Bestandesdichte und mittlerem Unkrautaufkommen. Ende Juni war sie dort recht ungleichmäßig und kurz. In 2020 stand sie auf allen drei Standorten in NRW und präsentierte sich am Anfang sehr schön: mittel bis hohe Pflanzenlänge und mittlere bis hohe Bestandesdichte mit wenig Unkraut. Später war sie im Vergleich zu den anderen Sorten kürzer, dünner und ungleich im Bestand mit vermehrt Unkrautdurchwuchs. Dieser Sorte wird eine Schwäche bei der Winterfestigkeit nachgesagt, die bei uns nicht auftrat. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Argument B: Als eine weitere zweijährig geprüfte Sorte im Sortiment haben wir Argument aufgenommen. Diese Sorte startet mit sehr guten 109 % Relativertrag. Der erste Proteinwert liegt bei 10,9 %, der Feuchtglutengehalt lag nur bei 13,4 %. Im Bestand war Argument anfänglich dünner und ungleich sowie kurz, später im Juni sah die Sorte dann besser aus: mittlere Pflanzenlänge, mittlere Bestandesdichte, mittleres Unkrautaufkommen. In 2020 sah sie anfänglich mittelgut im Bestand aus und auch später in der Saison hatte sie eine mittlere Bestandesdichte. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Campesino B: Eine ganz neue Sorte ist Campesino, die mit guten 114 % Relativertrag einsteigt. Qualitäten liegen noch nicht vor. Im Bestand präsentiert sich diese Sorte anfänglich gut mit mittlerer Pflanzenlänge und Bestandesdichte und wenig Unkraut. Später stand sie im Vergleich zu den anderen Sorten sehr dünn und ungleich im Bestand. Weitere Ergebnisse bleiben anzuwarten.

Chevignon B: Auch ganz neu bei uns im Sortiment ist Chevignon, eine in Frankreich bereits weiter verbreitete Sorte. Auf die Winterfestigkeit muss geachtet werden. Diese Sorte startet bei uns mit guten 112 % Relativertrag. Qualitäten liegen noch nicht vor. Im Anfang stand sie mittelgut im Bestand auf allen Standorten. Später erscheint sie eher sehr kurz, dünn und ungleich im Bestand. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Informer B: Auch diese Sorte ist ganz neu im Sortiment und startet mit guten 115 % Relativertrag. Qualitätswerte liegen noch nicht vor. Im Bestand sah sie anfänglich in Belecke und Lichtenau gut aus bei mittlerer Bestandesdichte und wenig Unkraut, in Wendlinghausen eher kurzer und dünner. Das zog sich bis zum Ende auch so hin: in Wendlinghausen eher geringere mittlere Bestandesdichte und ungleicher Bestand, aber gerade in Belecke sehr lang und schön dicht. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.


Tabellen der Öko-Winterweizen-Sortenversuche 2020


Fazit 2020

Gelbrost war durch den Wegfall stark anfälliger Sorten aus dem Prüfsortiment in diesem Jahr nur teilweise zu sehen.

Langjährig geprüft und ausgewogen in Ertrag (99 %) und Qualität (10,3 % Protein, 19,4 Kleber) ist Moschus. Moschus als sehr kurzer Weizen passt auf gut versorgte Standorte. Nicht mehr in unserer Sortimentsprüfung, aber weiterhin auch empfohlen, ist die Sorte Genius (kurz für gut versorgte Standorte, ausgewogen in Ertrag und Qualität). Außerdem könnten hier auch die kurzen C-Futterweizensorten z.B. Elixer (C-Weizen, 113 % Relativertrag) oder Safari (C-Weizen, 130 % Relativertrag) angebaut werden, die noch mehr Ertrag erbringen, aber keine Qualitäten liefern. Anbauwürdig als ertragsbetonte Sorten sind auch Senaturo (A-Weizen, 111 % Relativertrag), KWS Livius (B-Weizen, 109 % Relativertrag), KWS Talent (B-Weizen, 110 % Relativertrag) und RGT Sacramento (B-Weizen, 109 % Relativertrag, auch trockenheitstolerant und begrannt).

Wer mehr Qualität haben will, kann mit den Öko-Züchtungen qualitätsbetonte Sorten anbauen: Trebelir (21,2 % Kleber), Aristaro (21,6 % Kleber) und neuer Tiliko (21,9 % Kleber) und Wendelin (22,7 % Kleber). Aristaro ist ein begrannter und trockenheitstoleranter Weizen.

Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0221 – 5340 177, Mobil: 0171 55 62 202, E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Claudia Hof-Kautz
Fachbereich 53 — Ökologischer Land- und Gartenbau
Versuchszentrum Gartenbau in Köln-Auweiler
Tel.: 0221 5340 177
Mobil: 0171 55 62 202
E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de


Saatgutbezug

Die Verwendung von ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut ist grundsätzlich gemäß EU-Bioverordnung vorgeschrieben. Der Saatgutbezug kann über die Ökosaatgutvermehrer aus NRW z.B. Bioland-Z-Saatgutliste erhältlich beim Bioland Landesverband NRW erfolgen. Die Verfügbarkeit einzelner Sorten finden Sie im Überblick unter: www.organicXseeds.de.


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