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Ein gutes Jahr für den Öko-Weizen

16.09.2021

In diesem Jahr wurde fast kein Gelbrost mehr in den Öko-Landessortenversuchen beobachtet. Viele anfällige Sorten wurden aus den Versuchen herausgenommen. Dennoch dürfte das Thema nicht vom Tisch sein. Vermutet werden neue Gelbrostrassen, die Resistenzgene in den Sorten durchbrechen können. Expertenmeinungen zufolge wird sich dieser Gelbrosttrend fortsetzen und es ist auch in den kommenden Jahren mit Gelbrost zu rechnen. Wichtigste Gegenmaßnahmen sind die Beseitigung des Ausfallgetreides, eine intensive Stoppelbearbeitung und die richtige Sortenwahl inklusive des Anbaus von mindestens zwei als gelbrostgesund eingestufte Sorten zur Risikostreuung im Betrieb.

Erträge der Standorte und Sorten

In NRW erzielte der Weizen am Standort Warstein-Belecke 2021 im Mittel aller Sorten mit 52,3 dt/ha einen wieder sehr guten Weizenertrag annähernd so hoch wie im vergangenen Jahr, siehe Tabelle 1. In Wendlinghausen lag der Weizenertrag mit im Mittel 54,3 dt/ha deutlich höher als im Vorjahr, genauso wie in Lichtenau mit im Mittel 55,0 dt/ha.

Auf den guten Standorten in Hessen und Niedersachsen wurden zwischen 36,9 dt/ha (Gladbacherhof) und 67,8 dt/ha (Frankenhausen) im Mittel aller Sorten ebenso mittlere bis gute Weizenerträge geerntet. Im Mittel aller Standorte (49,7 dt/ha) war das Jahr 2021 schlechter als die Jahre davor, das dreijährige Mittel liegt bei 52,7 dt/ha.

Bei den Sorten überzeugten in diesem Jahr hinsichtlich des Ertrags die E-Weizensorten Moschus (102 %) und Wendelin (101 %), keine der A-Weizensorten, alle B-Weizensorten außer Rubisko (nur 94 %): Argument (108 %), Campesino (114 %), Chevingnon (113 %) und Informer (112 %) sowie alle C-Weizensorten Elixer (104 %), Safari (116 %, nur ein Standort) und KWS Keitum (120 %).


 

Mehrjährig geprüfte E-Weizen-Sorten

Trebelir E: Treblier steht seit fünf Jahren in der Prüfung der Kammer, kommt aber aus der Öko-WP. Diese Sorte ist als bundesweite Verrechnungssorte hierfür aufgestiegen. Im Mittel kommt sie auf 94 % Relativertrag mit guten 10,8 % Proteingehalt und guten 21,6 % Feuchtgluten. Auch die Fallzahl kann mal abfallen. Im Bestand ist diese Sorte mittellang, teilweise länger, mit mittlerer bis dichter Bestandesdichte, etwas Unkraut. Überdies mit planophiler Blatthaltung schafft sie eine mittlere bis gute Unkrautunterdrückung. Sie ist recht blattgesund, etwas Blattseptoria und Braunrost war zu beobachten. Diese Sorte ist in der Anbauempfehlung.

Aristaro E: steht ebenfalls im fünften Jahr im Sortiment, stand aber davor die Jahre auf den bundesweiten Standorten in der WP aus der Ökozüchtung. Diese Sorte ist laut Züchter steinbrand- und zwergsteinbrandresistent, hat eine geringe Flugbrand-Anfälligkeit und ist winterhart. Aristaro erreichte im Mittel 91 % Relativertrag. Die Proteingehalte lagen bei guten 11,0 % und auch die Feuchtglutengehalte sind mit 22,3 % vergleichsweise hoch. Aristaro ist begrannt und daher auch zur Wildabwehr (Wildschweine) interessant. Im Bestand zeigte sie sich lang bis sehr lang bei mittlerer bis dichter Bestandesdichte und planophiler Blatthaltung. Daher war die Unkrautunterdrückung gut, 2021 stand sie auf allen Standorten in NRW ganz ausgezeichnet. Sie wird bundesweit geschätzt und als Vergleichsorte geführt, daher ist sie für einen Anbau im Ökolandbau zu empfehlen.

Moschus E: Eine weiterhin fünfjährig geprüfte Sorte in unserem Sortiment ist Moschus. Sie kommt auf gute 102 % Relativertrag, mittlere Proteingehalte (10,5 %) und mittlere Kleberwerte (20,5 %). Moschus erscheint im Bestand zunächst etwas dünner und ist auch kleiner im Wuchs, daher kommt sie auf Problemstandorten mit starkem Unkrautbesatz, zum Beispiel Fuchsschwanz, nicht so zurecht. Die Blattstellung ist auch aufrecht. Auf anderen Standorten kann sie mit mittlerer bis dichter Bestandesdichte gut aussehen. Auffällig war, dass das Blatt lange grün und gesund war. Auch 2021 zeigte sie ein ähnliches Bild: geringe bis mittlere Länge und Bestandesdichte mit teilweise mehr Unkraut. Bundesweit ist sie als kürzere Sorte gar nicht so schlecht und kann bei genug Stickstoff und wenig Unkrautdruck angebaut werden.

Wendelin E: Eine neuere Sorte aus der Öko-WP ist Wendelin. Sie kommt in drei Jahren auf 101 % Relativertrag. Die Proteingehalte sind mit 11,1 % vielversprechend. Der Feuchtglutengehalt liegt mit 23,5 % sehr hoch. Im Bestand sah Wendelin sehr schön aus: dicht und gleichmäßig mit geringem Unkrautbesatz, länger im Bestand, lange grün, also blattgesund und planophile Blattstellung. Bundesweit macht sie einen guten Eindruck und ist als Verrechnungssorte aufgestiegen. Diese Sorte ist in der Abbauempfehlung.

Thomaro E ist ebenfalls recht neu im Sortiment und stammt aus der Öko-Züchtung und hat die Wertprüfung im Ökolandbau durchlaufen. Thomaro liegt bei 95 % Relativertrag im dreijährigen Mittel. Der Proteingehaltswert liegt bei mittlere 10,6 %. Die Feuchtgutengehalte sind knapp über dem Mittel bei 21,9 %. Im Bestand überzeugte Thomaro noch nicht so: eher etwas kürzer bis mittellang bei mittlerer Bestandesdichte und mittlerem Unkrautaufkommen dünner sowie etwas ungleich im Bestand. Auch 2021 war teilweise mehr Unkraut zu verzeichnen. Daher ist diese Sorte nicht erste Wahl.

Purino E: Noch eine neuere Sorte aus der Öko-WP ist Purino. Diese Sorte liegt bei 96 % Relativertrag im dreijährigen Mittel bei stärkeren Schwankungen an den Standorten und in den Jahren. Die Proteingehalte sind mit 11,1 % gut und auch der Feuchtglutengehalt liegt mit 22,7 % über dem Durchschnitt. Im Bestand präsentiert sich Purino kürzer, gleichmäßig und aufrecht bei mittlerer bis dünnerer Bestandesdichte und relativ viel Unkraut. Auch 2021 waren die Bestände dünner mit vermehrt Unkraut. Daher ist auch diese Sorte nicht erste Wahl.


 


 

Neuere ein- bis zweijährig geprüfte E-Weizen-Sorte

Adamus E: Diese begrannte Sorte ist seit zwei Jahren im Sortiment der Kammr. Sie startet mit 93 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen bei sehr guten 11,8 %. Auch der Feuchtklebergehalt ist mit 24,3 % sehr hoch. Die Fallzahl scheint mit 259 sec. recht niedrig. Im Bestand sah Adamus schön aus: mittlere bis höhere Pflanzenlänge, mittlere bis höhere Bestandesdichte, geringer bis mittlerer Unkrautbesatz. Auch 2021 stand sie gut mittellang, dicht, teilweise dünner mit etwas Unkraut. Diese Sorte könnte ausprobiert werden.

Curier E: Diese Sorte ist ebenfalls recht neu im Sortiment und stammt aus der Ökozüchtung, sodass sie bereits die Öko-WP bei uns durchlaufen hat. Als neuere Sorte kommt sie im Mittel zweier Jahre auf 96 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen mit 10,1 % im Mittelfeld. Auch bei den Feuchtklebergehalten überzeigt Curier mit 20,4 % noch nicht. Im Bestand zeigt Curier sich sehr schön dicht und gleichmäßig mit mittlerer bis hoher Pflanzenlänge und geringem Unkrautaufkommen Auch 2021 war der Bestand lang und dicht mit nur teilweise etwas Unkraut. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Effendi E: Effendi – auch aus der Öko-P – startet im Mittel zweier Jahre mit guten 98 % Relativertrag. Der Proteingehalt liegt bei mittleren 10,6 %. Der Feuchtglutengehalt ist etwas besser bei 22,3 %. Effendi steht auch mittel bis lang im Wuchs und mittel bis dicht im Bestand bei geringen bis mittlerem Unkrautdruck, teileweise etwas ungleich im Bestand, überwiegend aber sehr schön. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Grannosos E: Neu im Sortiment aus der Öko-WP ist Grannosos, eine begrannte Sorte. Diese Sorte startet bei uns im ersten Jahr mit 100 % Relativertrag. Die ersten Proteingehalte liegen bei mittlere 10,6 %, der Feuchtklebergehalt bei besseren 22,3 % (erste Werte). Bundesweit wird diese Sorte als sehr gut eingeschätzt und ist als Vergleichssorte für die Öko-Wertprüfung das Bundessortenamt ausgewählt worden. Im Bestand sah Grannosos auf allen Standorten 2021 schön lang, dicht und gleichmäßig aus mit geringem Unkrautaufkommen bei planophiler Blatthaltung. Diese Sorte kann ausprobiert werden.

Wital E: Eine neue Sorte aus der Schweiz ist Wital. Sie kommt im ersten Jahr bei uns im Sortiment auf 93 % Relativertrag. Die ersten Proteinwert liegen bei guten 11,7 % und auch beim Feuchtkleber starte sie mit sehr guten 25,2 % (erst ein Wert). Im Bestand sieht Wital ganz gut aus: mittellang bei mittlerer Bestandesdichte und geringem bis mittlerem Unkrautaufkommen auch durch die planophile Blatthaltung. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.


 

Mehrjährig geprüfte A-, B- und  C-Weizen-Sorten

Senaturo A: ist im vierten Jahr in der Prüfung der Kammer. Diese Sorte kommt auf gute 105 % Relativertrag und liegt auf sieben Standorte jeweils über 100 %. 2021 fällt sie allerdings deutlicher ab (92 %). Der Proteingehalt liegt nur bei 9,6 % und auch der Feuchtkleber ist sehr gering mit nur 17,8 % im Mittel. Im Bestand war sie anfänglich durchwachsen, gerade in Lichtenau mit etwas mehr Unkraut. Aber später stand sie sehr gut, vor allem in Belecke. Sie ist mittellang bis lang, bei mittlere bis guter Bestandesdichte und wenig bis mittel viel Unkraut und bleibt offenbar länger grün im Bestand. In den Jahren 2020 und 2021 stand sie anfänglich eher nicht so gut im Bestand: kurz, dünn und ungleicher, später wieder sehr gut im Bestand: gleichmäßig und dicht. Diese Sorte kann angebaut werden, dann eher auf Standorten mit wenig Unkrautdruck.

Roderik A: Diese Sorte steht zum dritten Mal der Prüfung. Diese Sorte ist aufgrund ihrer Begrannung interessant, da diesen nachgesagt wird, dass sie Trockenheitstoleranter sein sollen und gegen Wildverbiss helfen. Sie erreichte 96 % Relativertrag. Mit 10,9 % Proteingehalt und 22,5 % Feuchtgluteingehalt zeigt Roderik eine gute Proteinqualität. Roderik sah in den Beständen in NRW sehr gut aus: lang, dicht, wenig Unkraut in Belecke und Lichtenau, allerdings in Wendlinghausen etwas dünner, kürzer, ungleicher und lückiger. Auch 2020 stand sie am Anfang gut: mittlere bis höher Pflanzenlänge und Bestandesdichte und weniger Unkraut, später eher im Mittelfeld, gleichmäßig im Bestand aber dünner. 2021 war sie wieder sehr schön dicht und gleichmäßig. Diese Sorte kann angebaut werden.

KWS Essenz A: Auch KWS Essenz steht ebenfalls seit drei Jahren im Sortiment. Sie steigt mit guten 98 % Relativertrag ein. Der erste Proteinwerte liegen bei mittleren 10,9 % mit guten Feuchtklebergehalten von 22,5 %. In Belecke sah die Sorte 2019 ganz gut aus: mittellang, dicht, mittlere Unkrautdichte; in Lichtenau leider nicht: mittellang, dünner im Bestand. 2020 sah die Sorte auf beiden Standorten besser aus und präsentierte sich im Mittelfeld, auch später in der Saison stand er dort gleichmäßig und dicht im Bestand. In diesem Jahr sahen die Bestände etwas schlechter aus, mittellang, ungleicher, mehr Unkraut. Diese Sorte ist nicht erste Wahl.

Rubisko B: Ebenfalls begrannt ist die neuere Sorte Rubisko, die im Mittel von drei Jahren mit guten 106 % Relativertrag einsteigt. Rubisko hat 9,6 % Proteingehalt und 17,0 % Feuchtklebergehalt. Die Fallzahl ist mit 290 sec. etwas geringer. Im Bestand stand sie 2019 nur in Lichtenau mittelgut, etwas kürzer bei mittlerer Bestandesdichte und mittlerem Unkrautaufkommen. Ende Juni war sie dort recht ungleichmäßig und kurz. 2020 stand sie auf allen drei Standorten in NRW und präsentierte sich am Anfang sehr schön: mittel bis hohe Pflanzenlänge und mittlere bis hohe Bestandesdichte mit wenig Unkraut. Später war sie im Vergleich zu den anderen Sorten kürzer, dünner und ungleich im Bestand mit vermehrt Unkrautdurchwuchs. Dieser Sorte wird eine Schwäche bei der Winterfestigkeit nachgesagt, die bei uns nicht auftrat. In diesem Jahr sah sie im Bestand nicht so gut aus: recht kur, viel Unkraut und ungleichmäßig. Diese Sorte ist nicht erste Wahl.

Argument B: ist eine weitere dreijährig geprüfte Sorte im Sortiment Diese Sorte liegt im Mittel bei guten 107 % Relativertrag. Der erste Proteinwert liegt bei 9,4 %, der Feuchtglutengehalt lag nur bei 15,0 %. Im Bestand war Argument anfänglich dünner und ungleich sowie kurz, später im Juni sah die Sorten dann besser aus: mittlere Pflanzenlänge, mittlere Bestandesdichte, mittleres Unkrautaufkommen. 2020 sah sie anfänglich mittelgut im Bestand aus und auch später in der Saison hatte sie eine mittlere Bestandesdichte. 2021 überzeugt sie im Bestand ebenfalls nicht: mittellang, mitteldicht, ungleich und mehr Unkraut. Diese Sorte ist nicht erste Wahl.

Elixer C: Ertragsstarke Futterweizensorten werden seitens der Praxis gesucht. Daher wurde das Sortiment um die Sorte Elixer erweitert. Im Mittel der Jahre kommt diese Sorte auf erfreulich 109 % Relativertrag. Bei den Qualitäten ist sie mit einem Rohproteinwert von 9,5 % und einem Feuchtglutenwert von 16,6 % erwartungsgemäß mit am unteren Ende des Prüfsortiments. Elixer ist kürzer und relativ standfest. 2019 sah sie in den Beständen nicht überzeugend aus: mittellang, etwas ungleich, aber dichter, mittleres Unkrautaufkommen, aber länger grün. Das gleiche Bild war 2020 und 2021 zu beobachten, aber teilweise kann sie auch gleichmäßig stehen. Es wird verstärkt Braunrost und Gelbrost bei dieser Sorte beobachtet. Auf gut versorgten Standorten kann sie angebaut werden.

Safari C: Safari stand als neuere C-Weizen-Sorte nur in Wendlinghausen und kam dort auf gute 125 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen erwartungsgemäß niedrig bei 8,0 %, ebenso der Feuchtglutengehalt mit 10,8 %. Die Fallzahl lag nur bei 220 sec. Im Bestand gefiel sie am Anfang Mitte Mai nicht: kurz, wenig Bestandesdichte mit sehr viel Unkraut. Später Ende Juni stand sie etwas besser: mittlere Bestandesdichte und Unkrautaufkommen, gleichmäßig und noch grün. 2020 stand sie etwas besser, aber auch ungleich und dünner im Bestand. 2021 stand sie wieder sehr dünn, kurz mit viel Unkraut. Als kurze sehr ertragsstarke Sorte kann sie auf gut versorgten Standorten, zum Beispiel nach Kleegrasumbruch, bei wenig Unkrautaufkommen ihre Berechtigung haben.


 

Saatgutbezug

Die Verwendung von ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut ist grundsätzlich gemäß EU-Bioverordnung vorgeschrieben. Der Saatgutbezug kann über die Ökosaatgutvermehrer aus NRW zum Beispiel Bioland-Z-Saatgutliste erhältlich beim Bioland Landesverband NRW erfolgen. Die Verfügbarkeit einzelner Sorten finden Sie im Überblick unter www.organicXseeds.de.


 

Neue A-, B- und C-Sorten

Folgende neue, ein- und zweijährig geprüfte A-, B- und -Weizen-Sorte sind noch ohne Anbauempfehlung:

Sarasto A: Diese ganz neue Öko-Sorte wurde nur in Wendlinghausen geprüft. Sie stammt aus der Öko-WP und hat im Mittel zweier Jahre als Sorte bei uns 92 % Relativertrag. Der Proteingehalt liegt bei mittleren 10,8 % bei sehr guten Feuchtgluteingehalten von 23,7 %. Im Bestand hatte sie 2020 anfänglich eine mittlere bis hohe Pflanzenlänge und Bestandesdichte mit entsprechen wenig Unkraut. Später erschien sie lang, mitteldicht und gleichmäßig. Auch 2021 stand sie gut: lang, dicht, gleichmäßig nur etwas Unkraut. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Fritop A: Ganz neu in diesem Jahr ist Fritop, eine begrannte Öko-Sorte. Sie startet mit 92 % Relativertrag. Erste Proteinwerte liegen bei 9,6 %. Im Bestand sah diese Sorte sehr schön aus: sehr lang, dicht, gleichmäßig, kaum Unkraut auch durch die planophile Blatthaltung. Aufgrund der Länge scheint diese Sorte lageranfälliger zu sein. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Campesino B: Campesino kommt im Mittel zweier Jahre auf sehr gute 114 % Relativertrag. Der Proteingehalt liegt bei 9,1 %, der Feuchtgluteingehalt bei 15,3 %. Im Bestand präsentiert sich diese Sorte anfänglich gut mit mittlerer Pflanzenlänge und Bestandesdichte und wenig Unkraut. Später stand sie im Vergleich zu den anderen Sorten sehr dünn und ungleich im Bestand. Auch 2021 stand sie sehr kur, ungleich, dünn mit viel Unkraut. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Chevignon B: Auch seit zwei Jahren im Sortiment ist Chevignon, eine in Frankreich bereits schon weiter verbreitete Sorte. Auf die Winterfestigkeit muss geachtet werden. Diese Sorte startet bei uns mit sehr guten 114 % Relativertrag. Der Proteingehalt liegt bei 9,4 %, der Feuchtgluteingehalt bei 15,4 %. Im Anfang stand sie mittelgut im Bestand auf allen Standorten. Später erscheint sie eher sehr kurz, dünn und ungleich im Bestand. Auch 2021 gab es ein ähnliches Bild, aber diese Sorte steht etwas besser als zum Beispiel Campesino oder Informer, kurz bis mittellang bei mittlere Besandesdichte und mittlerem bis hohem Unkrautaufkommen. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Informer B: Auch diese Sorte ist seit zwei Jahren dabei und startet ebenfalls mit sehr guten 112 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen bei 9,4 %, der Feuchtglutengehalt bei 15,5 %. Im Bestand sah sie anfänglich in Belecke und Lichtenau gut aus bei mittlere Bestandesdichte und wenig Unkraut, in Wendlinghausen eher kurzer und dünner. Das zog sich bis zum Ende auch so hin: in Wendlinghausen eher geringere-mittlere Bestandesdichte und ungleicher Bestand, aber gerade in Belecke sehr lang und schön dicht. Auch 2021 stand sie sehr kurz, dünn, ungleich mit viel Unkraut. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

KWS Keitum C: Ganz neu ist die Sorte KWS Keitum, die mit hervorragenden 120 % Relativertrag einsteigt. Erste Proteinwerte liegen bei 8,3 %. Im Bestand sah sie mittelgut aus: recht kurz bei mittleren Bestandesdichten, ungleich und mittel bis höherem Unkrautaufkommen. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.


 

Empfehlungen und Fazit

Gelbrost war durch den Wegfall stark anfälliger Sorten aus dem Prüfsortiment in diesem Jahr nur teilweise zu sehen.

Langjährig geprüft und ausgewogen in Ertrag (102 %) und Qualität (10,5 % Protein, 20,5 % Kleber) ist Moschus. Moschus als sehr kurzer Weizen passt auf gut versorgte Standorte oder nach Kleegrasumbruch und wenig Unkrautdruck. Nicht mehr in der  Sortimentsprüfung der Kammer, aber weiterhin auch empfohlen ist die Sorte Genius - kurz für gut versorgte Standorte, ausgewogen in Ertrag und Qualität. Außerdem könnten hier auch die kurzen C-Futterweizensorten zum Beispiel Elixer (C-Weizen, 109 % Relativertrag), Safari (C-Weizen, 125 % Relativertrag) oder KWS Keitum (C-Weizen, 120 % Relativertrag) angebaut werden, die noch mehr Ertrag erbringen, aber keine Qualitäten liefern. Wenn man nur auf Qualität geht, dann eher diese Sorten als die A- oder B-Sorten, da der Ertrag niedriger ist: Anbauwürdig als ertragsbetonte Sorten sind auch Senaturo (A-Weizen, 105 % Relativertrag), Campesino (114 %), Chevignon (114 %) sowie Informer (112 %). Gerade die letztgenannten sind sehr kurz, dünn und ungleich im Bestand und eignen sich vor allem für gut versorgte Standorte nach Umstellung oder Kleegrasumbruch mit wenig Unkrautdruck.

Wer mehr Qualität haben will, kann mit den Öko-Züchtungen qualitätsbetonte Sorten anbauen. Wendelin als neuere Öko-Sorte scheint zudem ebenfalls ausgewogen in Ertrag (101 %) und etwas besser in der Qualität (11,1 % Protein und 23,5 % Kleber) zu sein. Auch Grannosos ist ausgewogen in Ertrag (100 %) und Qualität (10,6 % Protein und 22,3 % Kleber). Hoch in der Qualität sind Aristaro (21,6 % Kleber), Trebelir (21,6 % Kleber) und Adamus (24,3 % Kleber).

Aristaro, Roderik, Adamus und Grannosis sind überdies auch begrannte und trockenheitstolerantere Weizensorten.

Dr. Claudia Hof-Kautz,

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

 

 

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Claudia Hof-Kautz
Fachbereich 53 — Ökologischer Land- und Gartenbau
Versuchszentrum Gartenbau in Köln-Auweiler
Tel.: 0221 5340 177
Mobil: 0171 55 62 202
E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

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