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Hanf: Anbau und vielseitige Nutzung

30.08.2023

Einkommensalternative, Verzicht auf Pflanzenschutzmittel sowie umweltschonender und heimischer Rohstoff: Hanf ist hervorragend geeignet, zu einer Lösung von Problemen, wie der Versorgungskrise mit importierten Rohstoffen, oder der Umsetzung agrarpolitischer Ziele beizutragen und dabei landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich sowie fachlich einzubinden. Einige Besonderheiten in Anbau und Vermarktung werden im Folgenden vorgestellt.

Versuche der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen werden im Zentrum für nachwachsende Rohstoffe auf Haus Düsse und an einigen weiteren Standorten in NRW durchgeführt. Bei neuen Hanfsorten, die in den letzten Jahren zugelassen wurden und gerne von Landwirten angebaut werden, stehen Sorteneigenschaften sowie die Düngung im Fokus. Über Stickstoffsteigerungsversuche wurde unter anderem eine für heimische Ackerböden optimale Stickstoffdüngung von 160 kg N/ha ermittelt. Damit konnten Kornerträge - botanisch korrekt werden kleine Nüsse geerntet - von 1,4 bis 2,4 t/ha erzielt werden. Das Ertragsniveau liegt damit über dem europäischen Mittel. Geerntet wurde die kurzstrohige Sorte Finola mit normalen Mähdreschern.

Hoch- und niedrigwachsende Sorten

Schwieriger wird die Ernte bei hochwachsenden Sorten von über 2,5 m. Diese lassen sich selten ohne Umbaumaßnahmen am Drescher ernten. Umso wichtiger ist die Planbarkeit der Wuchshöhe der Kultur. Aufgrund der überdurchschnittlichen Erträge in NRW ist auch von einem überdurchschnittlichen Höhenwachstum im Vergleich zu den Züchterangaben aus anderen Boden-Klima-Räumen ausgehen, was ebenfalls an Standorten in NRW untersucht wurde. Trotz höherer Durchschnittserträge befinden sich die in NRW ermittelten Wuchshöhen im Bereich der Züchterangaben, wodurch eine Planung der Erntetechnik bereits mit Aussaat ermöglicht wird.


Hanföl vermarkten

Die Vermarktung der Ernte ist der nächste Schritt. Einige Betriebe verkaufen Hanföl aus ihrem eigenen Anbau. Lina Tiemann, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, hat Sensorik-Tests von Hanföl durchgeführt. Dabei wurden nicht einzelne Ölmarken verglichen, sondern unter standardisierten Bedingungen angebauter Hanf. Durch die Standardisierung sollten die Einflussfaktoren auf unterschiedliche Geschmacksausprägungen ermittelt werden, um somit dem Anbauer einen Leitfaden für die Herstellung geschmackvoller Öle anbieten zu können. Die komplexen Testverfahren mit Blind-Verkostung, bei der die Herkunft der Öle den Testern unbekannt war, zeigten eine Präferenz für Öl aus geschälten Hanfnüssen. Diese schmeckten nussiger und kräftiger als Öl ungeschälter Hanfnüsse und waren harmonischer im Geschmack. Auch Sortenunterschiede und der Standort hatten Einflüsse auf den Geschmack, die aber in weiteren Untersuchungen stärker herausgearbeitet werden müssen.

Hanf in Lebensmitteln

Die Vermarktung von Hanfprodukten für Lebensmittel und Kosmetika erfordert einen hohen Aufwand an Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Julius Erdt und Christian Palz sind mit ihrem Unternehmen „Die Naturburschen“ am Markt für Öle, CBD und Kosmetika etabliert. Ihren eigenen Youtube-Kanal und weitere Social Media Auftritte nutzen Sie zur Erklärung ihrer angebotenen Produkte. In den zurückliegenden Jahren konnten sie einen großen Kundenstamm aufbauen und waren in Radio und Fernsehen präsent. Der große Hype ist aus ihrer Sicht für Unternehmen hinsichtlich CBD aber vorbei. Aufgrund unklarer gesetzlicher Regelungen wandern Unternehmen ins Ausland ab. Kunden bemerken diesen Umstand nur an dem verringerten Angebot von CBD-Produkten im Einzelhandel, nicht aber am Internet-Angebot diverser Anbieter.

Bauen mit Hanffasern

Von einem positiven Trend ist aus der Baubranche zu hören. Martin Kamperschroer entwickelt und vertreibt mit seinem Unternehmen Naturwerk eine breite Palette an Bau- und Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Klimaschutzziele stellen für die Baubranche, die einer der Hauptverursacher von CO2 und Müllberge ist, eine große Herausforderung dar. Kamperschroer rechnet vor, dass die Nutzung nachhaltiger Baustoffe 90 % CO2 in der Herstellung von Gebäuden reduziert, ohne qualitative Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Nach Nutzungsende des Gebäudes lassen sich diese Baustoffe einfach rückstandslos verbrennen und somit noch energetisch nutzen, ohne Sondermüll anzuhäufen.

Wie geht es weiter?

Künftig müssen die diversen industriellen Verarbeiter noch enger mit den Anbauern von Hanf zusammengebracht werden, um durch optimale Nutzung der gesamten Pflanze die Wertschöpfung für alle Beteiligten zu erhöhen und Kosten der Endprodukte zu reduzieren. Durch geringere Preise und Aufklärung soll die Akzeptanz im Gewerbe und auch bei den Endkunden steigen.

Dr. Michael Dickeduisberg, Landwirtschaftskammer NRW

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