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Feldgemüse braucht Beregnung

04.06.2020

Gemüsekulturen brauchen eine zuverlässige Wasserversorgung. Fehlt Feuchtigkeit droht Ertragsrückgang bis hin zu Totalausfall. Im intensiven Gemüsebau kann nur mit ausreichenden Beregnungskapazitäten der Ertrag sichergestellt werden.

Die letzten zwei Jahre waren von sehr hohen Wasserdefiziten geprägt und auch in diesem Jahr fehlen Niederschläge über den gesamten April.  Der zurückliegende Winter brachte viel Niederschlag, so dass es wichtig war, die Winterfeuchtigkeit ins Frühjahr hinein möglichst zu erhalten. Gemüsebaukulturen haben generell einen hohen Wasserbedarf und brauchen in ihrer Entwicklung eine sichere Wasserversorgung. Fehlt hier Feuchtigkeit im Boden, droht durch lückigen Feldaufgang, Pilz- und Schädlingsbefall, mangelnden Zuwachs oder Notreife Ertragsrückgang bis zu Totalausfall.

Im intensiven Gemüsebau kann nur mit ausreichenden Beregnungskapazitäten die kontinuierliche Belieferung des Marktes mit frischem Gemüse sichergestellt werden. Daher gibt es keine gärtnerischen Betriebe mit ungenügenden Beregnungskapazitäten. Im Gegensatz hierzu fehlen beim Anbau von Feldgemüse, das sind u.a. Zwiebeln, Möhren, Hülsengemüse für den Packbetrieb oder die Verarbeitung, auf vielen Standorten Beregnungsmöglichkeiten. Dieses Wagnis kann nur auf sehr gut wasserspeichernden Böden eingegangen werden und funktioniert durch die Wetterextreme der letzten Jahre zusehends auch hier schlechter. Viele Feldgemüsebauern nutzen die Möglichkeiten der wassersparenden Bewirtschaftung bis hin zum pfluglosen Arbeiten weitestgehend. Trotzdem wird zunehmend klarer, dass die Verfügbarkeit von Wasser mehr und mehr über den Kulturerfolg mitentscheidet. Mit der Folge, dass auch Betriebe, die in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen nicht daran gedacht haben, Beregnungsanlagen planen.

Wasserbedarf nicht unterschätzen

Der Wasserbedarf der meisten Gemüsekulturen ist deutlich höher als der Bedarf der Ackerkulturen. Man unterscheidet den Gesamtwasserbedarf vom Zusatzwasserbedarf. Der Gesamtwasserbedarf von Gemüsekulturen liegt im Mittel etwa zwischen 150 und 700 l/m² Wasser pro Pflanzenart während der gesamten Wachstumsperiode. Berücksichtigt man die natürlichen Niederschläge erhält man den Zusatzwasserbedarf der Kulturen. Das ist die nötige Beregnungsmenge, die je nach Region, Boden- und Gemüseart gemittelt aus verschiedenen Standorten, Gemüse- und Bodenarten bei zwischen etwa 50 (Salate) und 350 (Rosenkohl) l/m² liegt. So kommt man zu einer Faustzahl, die je nach Gemüseart etwa zwischen 150 und 200 l/m² Wasser Zusatzberegnungsbedarf der Gemüsekulturen liegt.  (Quelle: "Wasserbedarf von Freilandgemüsearten", Dr. Zinkernagel et.al. 2017) Das entspricht dann etwa vier bis sechs Beregnungsgängen, die bei ausreichender Verfügbarkeit von Wasser in der Gemüsepraxis in den letzten zwei Beregnungsjahren auch gegeben wurden. Dieser Bedarf an Zusatzberegnung ist durch die Wetterextreme der letzten Jahre sicherlich nicht geringer anzusetzen.

Kulturen mit großem Blattwerk verdunsten zwar viel Wasser, holen das Wasser aber auch aus größerer Tiefe und beschatten den Boden. Deshalb haben Kulturen wie Zwiebeln und Knollensellerie einen höheren Wasserbedarf als die blattreichen Kulturen Blumenkohl oder Chinakohl.

Beantragung beim Kreis

Jegliche Entnahme aus Grund- oder Oberflächenwasser ist genehmigungspflichtig und auch für eventuelle Altbrunnen, für die keine Genehmigung vorhanden ist, muss die Entnahme neu genehmigt werden. Die Genehmigung zur Entnahme von Grund- oder Oberflächenwasser erteilt mit Befristung die Untere Wasserbehörde beim jeweiligen Kreis. Hier sind bei einigen Kreisen Antragsunterlagen im Internet zu finden.

Zu den Antragsunterlagen gehört auch eine Bestätigung des Wasserbedarfes der Kulturen über einen Wasserbedarfsplan. Dieser Wasserbedarfsplan kann von der Landwirtschaftskammer NRW für die zu beregnenden Kulturen erstellt bzw. bestätigt werden. Bei größeren Mengen geplanter Wasserentnahme wird häufig ein Gutachten gefordert, was belegt, dass die Grundwasserneubildung durch die Entnahme nicht beeinträchtigt wird. Es ist davon auszugehen, dass es durch die Wetterentwicklung nicht einfacher wird, eine Genehmigung für eine Grundwasserentnahme für die Feldberegnung zu bekommen.

In den Wasserbedarfsplänen werden mehr und mehr nur noch die wirklich beregnungswürdigen Kulturen berücksichtigt. Die voraussichtlich benötigten Mengen sollten hier auf Basis fundierter Werte berechnet werden. Eine Beschränkung auf das wirklich Nötige sichert den Betrieben den Zugang zum benötigten Wasser. Dabei darf die notwendige Menge nicht unterschätzt werden und muss dann auch selbstbewusst vertreten werden.   

Die richtige Beregnungstechnik

Die Regenkanone ist im großflächigen Feldgemüsebau das übliche Beregnungsverfahren, weil sie eine hohe Schlagkraft aufweist. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig in schwierigen Wetterphasen mit hohen Temperaturen und Trockenheit. Weil diese Wetterphasen - wie im April - aber auch regelmäßig von starkem Ostwind begleitet werden, setzen Betriebe vermehrt auf den Düsenwagen. Diese Technik ist viel weniger windanfällig. Sie arbeitet näher am Boden und mit knapp der Hälfte Druck an der Düse und spart somit Energie. Weil beim Düsenwagen die Wassermenge in wesentlich geringerer Zeit auf den Boden gebracht wird als bei der Kanone, wird hier mit mehreren feinen Düsen beregnet. So dringt auch bei hängigen Flächen das Wasser gut in den Boden ein und reduziert die Gefahr von Bodenerosion. Nur bei größeren Beregnungsmengen kann es hin und wieder vorkommen, dass in der Spur das Wasser läuft.

Verbreitet wird aktuell im Gemüsebau versucht, Tröpfchen-Bewässerung in den Kulturen zu installieren. Das Verfahren ist aus dem Erdbeer- oder Zucchinianbau bekannt und wurde zuletzt auch in Kartoffeln eingesetzt. Es ist eine recht teure Installation, als Faustzahl ist je nach Technik von etwa 2000 € /ha die Rede, aber die Vorteile sprechen für das System. Der Tropfschlauch wird an die Pflanze gelegt, was einen sehr effektiven Einsatz direkt an der Wurzel ermöglicht. Außerdem kann bei jedem Wetter Wasser zugeführt werden und einmal installiert, ist das System sehr komfortabel zu bedienen.

Bei empfindlichen Kulturen wie der Kartoffel, ist es außerdem ein großer Vorteil, dass das Blatt bei der Bewässerung nicht nass wird. Wieviel weniger Wasser tatsächlich bei der Bewässerung mit der Tropfberegnung im Vergleich zur Regenkanone gebraucht wird, ist für einzelne Gemüsearten noch nicht untersucht worden. Dass es aber weniger ist, daran besteht kein Zweifel.

Für viele Gemüsekulturen ist das Tropfberegnungssystem noch nicht praxisreif entwickelt. Es gibt bisher kaum geeignete Schlauch-Verlege- oder Berge-Maschinen. Die Haltbarkeit bzw. Reparaturbedürftigkeit der Schläuche muss noch verbessert werden, um von der Einmalnutzung wegzukommen. Insgesamt laufen aktuell viele Versuche zur Tropfbewässerung von Gemüse in Projekten und in der Praxis - mit ersten guten Erfahrungen aus dem Möhren- und Zwiebelanbau. In Österreich im Marchfeld bei Wien wollen die Zwiebelbetriebe auf ihre Tröpfchen-Beregnung nicht mehr verzichten.

Quelle und Ansprechpartner: Markus Puffert, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, 02. Juni 2020

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