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Bio-Züchtung als gentechnikfreie Alternative

12.04.2024

Die Debatte um die Deregulierung der Neuen Gentechniken (NGT) führt schmerzhaft vor Augen, wie abhängig der Biolandbau bei der Auswahl von Sorten und Saatgut von der konventionellen Züchtung ist. Bisher waren mindestens 99 % des Anbaus in Europa gentechnikfrei. Was, wenn sich das in den nächsten Jahren massiv ändert?

Die Realität ist: Im Biolandbau werden heute hauptsächlich Sorten aus konventioneller Züchtung angebaut. Denn nach Definition der EU-Ökoverordnung muss für den Biolandbau zwar sogenanntes biologisches Saatgut verwendet werden. Meist stammt dieses Saatgut aber von Sorten aus konventioneller Züchtung und wurde lediglich für eine Generation unter Biobedingungen vermehrt. Zur Realität gehört auch, dass die Biolandwirte durch ihre Saatgutkäufe bei konventionellen Herstellern Jahr für Jahr die konventionelle Züchtung mitfinanzieren. Allein für Getreide dürfen es mindestens 8 Mio. € im Jahr sein, wenn man davon ausgeht, dass etwa 10 % der Erlöse in die Züchtung zurückfließen. Nicht selten geht das Geld in die Taschen der großen Chemie- und Saatgutkonzerne, die den Einsatz Neuer Gentechniken vorantreiben.

Bio-Züchtung muss gefördert werden

DieUnabhängigkeit von diesen Strukturen ist seit Jahrzehnten ein Hauptanliegen der biologischen Züchter und Züchterinnen. In einer bisher massiv unterfinanzierten Nische züchten sie neue samenfeste, also nachbaufähige Sorten für den Erwerbsanbau. Eine solidarische Finanzierung der Bio-Züchtung durch alle Beteiligten der Bio-Lebensmittelwirtschaft ist leider gescheitert. Nach wie vor ist die Bio-Züchtung damit abhängig von Spenden und vom leidenschaftlichen Einsatz Einzelner. Die aktuelle Entwicklung rund um die Neuen Gentechniken beweist, dass die biologische Züchtung als gentechnikfreie Alternative massiv gefördert werden muss.

Bio-Züchtung arbeitet anders

Anders als punktuelle Veränderungen der Genetik kümmert sich die Bio-Züchtung um die gesamte Pflanze mit all ihren Eigenschaften im Zusammenspiel mit der Umwelt. Gentechnik-Befürworter verkennen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Pflanzengenetik, Boden und Umwelteinflüssen. Sie argumentieren, der Einsatz von NGT sei notwendig für eine schnelle Entwicklung von zum Beispiel hitzeresistenten Pflanzen, die die Menschheit angesichts der raschen Klimaveränderungen brauche. Doch die Veränderung einzelner Gene oder Genabschnitte in der Pflanzen-DNA greift zu kurz, um eine umfassende und kurzfristige Anpassung der Pflanzen zu ermöglichen. Besonders anpassungsfähig ist eine Pflanze dann, wenn sie Zeit hatte, sich genetisch an Umweltbedingungen und standortspezifische Anforderungen einzustellen. Das dauert ohne Laboreinsatz natürlich viele Jahre. Aber ganzheitliche Ansätze sind angesichts der klimatischen Herausforderungen wesentlich vielversprechender als gentechnische Manipulation.

Bio-Züchtung versteht sich als Teil der notwendigen Umgestaltung der Landwirtschaft, die den Schutz der Lebensgrundlagen im Fokus hat. Zum Selbstverständnis des Biolandbaus gehört es, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Die Entwicklung von Sorten, die von Anfang auf Bioflächen und unter natürlichen Feldbedingungen wachsen, sollte selbstverständlicher Teil davon sein.

Ein Label für Sorten aus Bio-Züchtung

Der Schweizer Verein bioverita versammelt viele verschiedene Bio-Züchtungsinitiativen für Gemüse, Getreide und Obst unter seinem Dach und setzt sich für die Bekanntmachung der Bio-Züchtung ein. Mittels eines Expertengremiums zertifiziert der Verein neue Sorten nach strengen Richtlinien. Viele konventionelle Züchtungsmethoden, nicht nur Methoden der Alten und Neuen Gentechnik, sind dabei ausgeschlossen. Auf den bioverita-Sortenlisten zur Bio-Züchtung finden sich ausschließlich zertifizierte Sorten, 175 Gemüse- und 43 Getreidesorten sind es bereits, es kommen laufend neue hinzu. In naher Zukunft soll auch die erste Apfelsorte zertifiziert werden.

Der Verein arbeitet mit Anbauern und Anbauerinnen, Verarbeitern und Verarbeiterinnen sowie Bio-Großhändlern zusammen, um die Sorten vermehrt in den Anbau und die Vermarktung zu bringen. Das bioverita-Label kennzeichnet die Sorten auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, ob Saatgut, Gemüse oder verarbeitete Produkte.


Justine Lipke, bioverita

Weitere Informationen

Über bioverita

Mehr über die Arbeit von bioverita und den Bio-Züchterinnen erfahren Sie auf www.bioverita.ch. Ein kurzer Erklärfilm erläutert in verständlicher Sprache die Vorteile der Bio-Züchtung: https://www.youtube.com/watch?v=et3XeyW4NSo.

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