Weniger Mikroplastik-Eintrag in den Boden dank neuer Folienzusammensetzung, kaum Folienreste auf dem Feld, kein lästiges Anknüpfen gerissener Folien beim Aufrollen - all das verspricht der Folienroder „Tornado“ für Erdbeeren, Gurken, Zucchini und Co. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat diese Entwicklung über die Deutsche Innovationspartnerschaft Agrar (DIP) gefördert. Auf den Öko-Feldtagen 2025 im Juni bei Leipzig haben die Projektbeteiligten ihre Neuentwicklung im Einsatz vorgestellt.
Eingeladen zu der Vorführung der neuen Technologie hatte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Projektträgerin. Dr. Margareta Büning-Fesel, Präsidentin der BLE, freute sich, dass dieses Projekt beispielhaft und zumindest im Ansatz die Vielfalt ihrer Bundesanstalt darstelle. „Wir fördern nicht nur Innovationsprojekte, wie diesen Folienroder, sondern garantieren auch den Wissenstransfer und die Kommunikation der Ergebnisse in die Praxis. Das ermöglichen die Strukturen der BLE, unter anderem mit dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft“, so die Präsidentin.
Büning-Fesel begründete ihr großes Engagement für das neue Mulchfoliensystem mit dessen Vorteilen für die Bodengesundheit und in der Konsequenz für die menschliche Gesundheit. „Wir nehmen im Durchschnitt rund 5 g pro Woche an Mikroplastik auf – neben der Kosmetik vor allem über Lebensmittel. Das ist eine Kreditkarte pro Woche!“, zeigte sie sich betroffen über diese Zahl. Der Folienroder trage in besonderem Maße dazu bei, Umweltverschmutzung durch Plastik zu reduzieren.
36 t weniger Einträge
Technisch bewirkt der „Tornado“ einen verbesserten Rodeprozess, weniger Folienrückstände im Boden, weniger Handarbeit, einen geringeren Arbeitskräftebedarf und ein leichteres Folienrecycling. Diese Vorteile erläuterte Tobias Ladwig im Detail. Ladwig ist Mitbegründer der 4DISC GmbH in Dortmund und hat den Roder gemeinsam mit einem Landwirt, einem Obstbauern und einem Maschinenbauer entwickelt und den Prototyp gebaut. „Unser Fokus lag dabei auf dem Erdbeeranbau, in dem der Einsatz von Folie gesetzt ist!“, so Ladwig. PE-Folie habe sich seit Jahrzehnten bewährt: Sie unterdrücke das Unkraut effektiv, halte Wasser in den Erdbeerdämmen und mache den Anbau früher Sorten, eine frühe Ernte und damit die Konkurrenzfähigkeit deutscher Erdbeeren möglich.
Die PE-Folien verwittern in mehrjährigen Kulturen nach einiger Zeit. 900 t Mulchfolie werden alleine im Erdbeeranbau jedes Jahr erneuert. 5 % Reste bleiben zurück - das macht 45 t Folienrückstände pro Jahr! „Oft wird auch fünf Jahre nach der Nutzung als Erdbeerfeld noch Folie in anderen Ackerkulturen hochgepflügt! Über unsere Maschine können wir diese Rückstände um 36 t reduzieren“, fasste Tobias Ladwig zusammen.
Bislang werde die Folie nämlich mit groben mechanischen Lösungen, zumeist mit einem Grubber, entfernt und dann aufgesammelt. Ein Problem der PE-Folien sei aber, dass diese mit den Erdbeerpflanzen verwachsen. „Wenn die Folie dann zum Kulturende gerodet wird, reißt diese durchwurzelte und verwitterte Folie oft genug. Das macht den Rodeprozess sehr aufwändig und eine vollständige Entfernung nahezu unmöglich. Die Folienstücke werden mit der Zeit immer kleiner - und irgendwann bückt sich niemand mehr danach. So viele Fachkräfte, um alles ordentlich aufzusammeln und zu entsorgen, hat kein Betrieb.“
Das 4Disc-Team hat dazu die Idee entwickelt, eine neuartige Mulchfolie mit einem verbesserten Aufrollmechanismus zu kombinieren. Die Folienoberseite besteht aus der bewährten PE-Folie. Die Unterseite der Folie, die mit dem Boden und den Pflanzen in Kontakt kommt, besteht aus Reststoffen von Biogasanlagen und ist damit biologisch abbaubar. Dieses NaWaRo-Papier wird als ganzer Streifen zeitgleich mit der Folie ausgerollt. Die Pflanzlöcher sind dabei deutlich größer gewählt als bisher üblich. Diese Aussparungen verhindern das Verwachsen der Pflanze mit der Folie und vermeiden, dass der Roder hängenbleibt und die Folie kaputtreißt. „Die angepasste Haspel kann den Zug oder auch Druck beim Aufrollen der Folie regulieren, sodass sie weniger reißt“, ergänzte Tobias Ladwig.
Zeit und Kosten sparen
Der nächste Schritt ist laut Ladwig ein noch anwenderfreundlicherer Bau des Roders. Denn: „Mit jedem Rodevorgang kommen neue Aspekte zur Verbesserung des Systems zum Vorschein“, so Ladwig.
Die Maschine könne bald in die Serienproduktion gehen. Rund 20 000 € soll der Folienroder kosten. „Dieser Mehrpreis kann aber durch die Ersparnis von Zeit und Kosten beim Personal wettgemacht werden!“, so der Fachmann der 4Disc GmbH. Im Herbst soll der „Tornado“ auf den Markt kommen.
Innovative Ideen fördern
Das BMLEH hat die Entwicklung des Systems über die Deutsche Innovationspartnerschaft Agrar (DIP) in der BLE gefördert. Dr. Paul Martin Küpper, Referent in der BLE, stellte seine Sicht darauf vor, was das Innovative an dem Mulchfoliensystem ist und aus welchem Grund dieses Projekt die Fördersumme von 242 300 € wert war.
„Die anwendungsnahe und produktorientierte Forschung und Entwicklung steht im Mittelpunkt des Förderprogramms. Das trifft auf die 4Disc GmbH voll zu: Die vier Gründer haben aus der Idee eine Maschine gemacht. Der technische Erfolg wird einen wirtschaftlichen Erfolg in der praktischen Landwirtschaft nach sich ziehen. Und, was am wichtigsten ist: Der „Tornado“ wird dafür sorgen, dass wir künftig immer weniger und immer seltener Kreditkarten mit unserer Nahrung aufnehmen.“
Auf den Öko-Feldtagen waren insgesamt 19 Produkte aus der DIP Agrar zu sehen, fünf davon haben finanzielle Unterstützung aus dem Vorhaben erfahren. „Alle Innovationen sind anschlussfähig für den Ökolandbau!“, schloss Dr. Küpper.
Meike Siebel
Landwirtschaftskammer NRW