Am 3. September lud das Netzwerk Leitbetreibe Pflanzenbau zum letzten Mal in diesem Jahr zu einem Online-Seminar der Reihe „Praxis-Talks“ ein. Auch diesmal wurden wieder praxisnahe und innovative Ansätze vorgestellt.
Welche neuen Ansätze prägen die Landwirtschaft? Und wo liegen Herausforderungen bei der Umsetzung? Acht Betriebe aus dem Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau stellten ihre Innovationen zu den zentralen Handlungsfeldern der Ackerbaustrategie 2035 in kurzen Impulsvorträgen vor. Dr. Dorothee Schulze Schwering, Innovationsmanagerin bei der Landwirtschaftskammer NRW, begleitete die Veranstaltung als Expertin.
Bodenbearbeitung neu gedacht mit ActiCut
Stefan Vogelsang vom Hof Vogelsang in Ostwestfalen testet den Schneidgrubber ActiCut. Dieser ermöglicht ein flächendeckendes und ultraflaches Schneiden: Die aktiv rotierenden Scheiben durchtrennen Beikräuter und Gräser direkt am Wurzelhals. Selbst starken Aufwuchs und große Strohmengen bewältigt der ActiCut problemlos – ohne Stauungen. Bei zwei bis drei Anwendungen kann im Frühjahr vor der Sommerung oder nach Zwischenfrüchten auf den Einsatz von Totalherbiziden verzichtet werden.
Vielfältige Fruchtfolge und Abweidung der Zwischenfrüchte durch Schafe/Rinder
Benedikt Ley vom Mühlenhof Zepelin bei Rostock setzt auf individuell abgestimmte Zwischenfrucht- und Untersaatenmischungen und lässt rund 70 % davon mit Schafen, Kühen und Gänsen beweiden. Durch den gezielten Einsatz von Mob Grazing kann auf das Mulchen verzichtet werden. Das verbessert die Bodenfruchtbarkeit und spart Arbeit, erfordert aber ein flexibles und gut organisiertes Beweidungsmanagement.
Mischkulturanbau und Gülleausbringung im Dammsystem
Georg Schwienhorst aus dem Kreis Warendorf in NRW hat durch das Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau die Dammkultur entdeckt. Er sät Winterackerbohnen und im Frühjahr Nackthafer in Doppelreihen auf Dämmen mit einem Abstand von 75 cm nach. Untersaaten und Zweitfrüchte gehören auch zu seinem System. Zukünftig will er Dünger und Pflanzenhilfsstoffe gezielt auf dem Damm platzieren, für eine noch bessere Wirkung. Auch die direkte Applikation von Gülle auf dem Damm ist geplant, die Technik dafür aber noch nicht vollständig ausgereift.
Vielfältige Ansätze für Pflanzenschutz auf einem Biobetrieb
Die vielfältige, siebengliedrige Fruchtfolge ist für Rico Platzdasch vom Quellwiesenhof in Hessen die Basis für seinen Pflanzenschutz. Außerdem setzt er auf seinem ökologisch bewirtschafteten Betrieb auf mechanische Beikrautregulierung mit Hacke und Striegel, auch schon vor der Aussaat. Krankheiten begegnet er mit gezielter Sortenwahl und der Förderung des Bodenmikrobioms. Dieses trägt zur Resilienz der Pflanzen bei und macht sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge.
PIWI-Weinbau auf einem Ackerbaubetrieb in Niedersachsen
Elise Köhler vom gleichnamigen Betrieb in Niedersachsen hat auf 1 ha pilzwiderstandsfähige PIWI-Reben gepflanzt. Schon im zweiten Jahr tragen sie gute Erträge, bislang ohne Pflanzenschutz. Die Fläche, ein zuvor lange brachliegender Südhang, bietet gute Voraussetzungen. Der Anbau ist möglich, aber arbeitsintensiv. Das Interesse von außen ist groß. Köhler betont, wie wichtig es ist, sich im Vorfeld gezielte Expertise einzuholen. Im Herbst wird zum ersten Mal Wein produziert.
Innovatives Güllemanagement mittels NIRS
Johannes Steinfort vom Hofgut Neumühle in Rheinland-Pfalz erprobt derzeit ein innovatives Güllemanagement: Er nutzt Nahinfrarot-Spektroskopie, um Nährstoffe in der Gülle exakt zu bestimmen und teilflächenspezifisch auszubringen. Die Technik ist präzise, aber auch kostenintensiv. Ein Sensor steuert die Ausbringmenge und Geschwindigkeit, sodass Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor exakt dosiert werden können. Die Qualität der Messungen hängt stark von der Kalibrierung und den hinterlegten Daten ab.
Bunter Maßnahmenstrauß für mehr Biodiversität
Stefanie Peters von der Agro-Farm Nauen in Brandenburg zeigte, wie sie auf ihrem Betrieb Biodiversität fördert. Seit 2017 nimmt der Betrieb am Projekt Bayer ForwardFarming teil. Nisthügel oder auch „Bee Banks" und mehrjährige Blühflächen sowie Ackerbrachen erhöhen die Biodiversität am Betrieb. Die Flächen werden gut von Insekten und auch seltenen Wildbienenarten, die auf der Roten Liste stehen, angenommen. Schon ab dem zweiten Jahr sind die Populationen sichtbar gestiegen.
Strip-Till als Werkzeug für klimaresiliente Böden
Wilhelm Zahn vom Betrieb LBG Bagemühl in Brandenburg setzt auf Strip-Till: In der sogenannten One-Pass-Technik werden in einem Arbeitsgang nur Streifen gelockert, eingesät und gedüngt, während der übrige Boden unberührt bleibt. Die Vorsommertrockenheit und Trockenperioden im Spätsommer und Herbst motivierten zu den angepassten Anbaustrategien auf seinem Betrieb. Mit Zwischenfrüchten stärkt er zusätzlich die Klimaresilienz seiner Böden.
Theorien auf Praxistauglichkeit testen
Die Expertin Dorothee Schulze Schwering betonte, wie wichtig es sei, Innovationen in der Praxis zu testen und weiterzuentwickeln. Nur so könne der Mehrwert einer Technologie sichtbar werden. „Für Innovationen spielen Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie Netzwerke eine unverzichtbare Rolle“, so Schulze Schwering. „Wichtig ist es, über den Tellerrand zu blicken, Bewährtes zu hinterfragen und bei Bedarf anzupassen.“
Die Vielfalt der vortragenden Leitbetriebe, die sowohl aus dem konventionellen als auch dem ökologischen Blickwinkel berichteten, spiegelt das große Innovationspotenzial im Netzwerk wider. Sie präsentierten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein breites Spektrum an Ideen und Ansätzen von Düngung und Pflanzenschutz über Biodiversität, Boden und Klimaanpassung bis hin zu Digitalisierung und damit ein Innovationsfeuerwerk, das zum Mitdenken und Weiterentwickeln einlud und angeregt diskutiert wurde.
Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau