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Die Bio-Märkte im Juli 2025

29.08.2025

Kommentar: Bio-Geflügelfleisch - Kleine Nische mit Potenzial

Der Markt für Bio-Geflügelfleisch bleibt in Deutschland klein, aber zukunftsweisend. 

Während Bioeier mit einem stabilen Marktanteil von rund 14 % längst eine feste Größe im Einzelhandel sind, spielt Bio-Geflügelfleisch bisher nur eine Nebenrolle. 2024 lag der Marktanteil am gesamten Geflügelfleisch bei gerade einmal 1,7 %.

Besonders auffällig ist die gegenläufige Entwicklung im vergangenen Jahr: Während der Umsatz mit Biofleisch insgesamt um 5,8 % zulegte, verzeichnete Bio-Geflügel ein Minus von 4,7 %. Das zeigt, wie sensibel die Sparte auf Preissteigerungen und veränderte Kaufkraft reagiert. Zugleich macht die geringe Ausgangsbasis deutlich, wie viel Raum für Wachstum noch besteht.

Mehr Putenfleisch

In der ökologischen Landwirtschaft wurden 2023 rund 380 000 Puten gehalten – eine Steigerung um 100 000 Tiere seit 2018, wobei im Corona-Jahr 2020 sogar 405 000 Puten in ökologischer Haltung gemästet wurden. Auch bei Masthühnern und Legehennen legten die Bestände zu. Insgesamt wirtschafteten im Jahr 2024 knapp 36 000 Betriebe nach ökologischen Kriterien, was einem Anteil von 14,3 % aller landwirtschaftlichen Betriebe entspricht.

Grafik: Geflügelfleisch in der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland

Noch deutlicher wird der strukturelle Aufwärtstrend beim Blick auf die gesamte Branche: Der Umsatzanteil der ökologischen Landwirtschaft an der deutschen Agrarwirtschaft hat sich seit 2013 fast verdoppelt - von 3,4 % auf 6,2 % (BMEL).

Wachsender Markt

Kurzfristig zeigt sich der Bio-Geflügelmarkt noch schwankend und stark abhängig von Kaufkraft und Preisumfeld. Doch im Hintergrund wächst eine stabile Basis: Immer mehr Betriebe steigen in die ökologische Geflügelhaltung ein, und die Verbraucherinnen und Verbraucher achten zunehmend auf Herkunft, Tierwohl und Transparenz. Bio-Geflügelfleisch ist damit zwar noch eine kleine Nische, entwickelt sich aber Schritt für Schritt zu einem spannenden Zukunftsfeld und könnte in den kommenden Jahren deutlich stärker ins Bewusstsein rücken.


Charlotte Wilmes,
Landwirtschaftskammer NRW


Milch: Stabile Erzeugerpreise

Die Erzeugerpreise für ökologisch erzeugte Milch blieben auch im Juli größtenteils stabil auf dem Niveau des Vormonats oder erhöhten sich bis zu einem Cent/kg Milch. Insgesamt ist die Lage am Öko-Milchmarkt weiter positiv, denn die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Milchprodukten ist weiterhin gut.

Bio-Milchpreisvergleich Juli 2025

Rinder: Weiterer Preisanstieg

Am Rindermarkt sorgte das unverändert knappe Angebot bei einer regen Nachfrage der Verbraucher für einen weiteren Preisanstieg im Juli im Vergleich zum Vormonat. Gleichzeitig sorgt aber auch das trotz letzten Preisrücknahmen dennoch hohe Preisniveau für konventionell erzeugtes Rindfleisch für Druck bei den Bio-Vermarktern. 

Schweine: Sehr stabiler Markt

Der Biomarkt läuft in gewohnten Bahnen. Die Nachfrage ist gut. Das Angebot ist nicht bedarfsdeckend. Zusätzliche Schweine aus dem Förderprogramm des Bundes zur Transformation der Tierhaltung kommen aber erst im Verlauf der nächsten Monate. Eine leicht positive Preistendenz war noch festzustellen. Gleiches gilt für die Ferkel.

Kartoffeln: Weiterhin verhaltene Nachfrage nach Biokartoffeln

Bei den Biokartoffeln wird die Nachfrage auch im August als verhalten beschrieben. Begründet wird dies mit der Ferienzeit und den teils hochsommerlichen Temperaturen. 

Belüftung Kartoffellager

Aber auch für das erste Halbjahr 2025 weist eine aktuelle AMI-Analyse einen deutlichen Rückgang der Biokartoffeleinkäufe privater Haushalte um 20 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. 

Die Erzeugerpreise bewegten sich in der vergangenen Woche auf einem Niveau von 45,00 €/dt (netto, lose franko Packbetrieb). Sie lagen damit deutlich unter dem Vorjahresniveau von 90 €/dt. Ein Vergleich mit dem Vorjahr ist aber wenig aussagekräftig, da der Markt 2024, anders als in diesem Jahr, geprägt war von einem knappen Angebot und einer enormen Nachfrage. 

Das Biokartoffelangebot übersteigt die Nachfrage- und dies auch, weil die Anschlusssorten infolge der in diesem Jahr insgesamt zügigeren Bestandsentwicklung früher als üblich vermarktungsfähig sind und das Angebot ergänzen.

Getreide: Gesunkene Preise bei guter Ernte

Die Getreideernte ist abgeschlossen und war für die Biobetriebe durchaus zufriedenstellend. Vielfach konnten gute Erträge und Qualitäten eingefahren werden. Einzig die Eiweißgehalte haben stellenweise etwas gelitten, was aber vorwiegend an den guten Erträgen liegen dürfte. 

Die Preise sind deutlich gesunken, allerdings beim Futtergetreide stärker als im Brot- und Qualitätsgetreide. Dabei war der Futtergetreidemarkt zuvor deutlich knapper versorgt und nun hat sich das Blatt vorerst wieder gewendet. Der Getreidemarkt zeigt sich insgesamt belebt, da die Verarbeiter den Bedarf bis Anfang Februar decken. 


Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen,
Fachbereich 54 – Markt, Qualitätsmanagement