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Direktvermarktung on Tour

18.09.2025

Am 9. September trafen sich rund 20 Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter aus Nordrhein-Westfalen zur Veranstaltung „Direktvermarktung on Tour - Drei Betriebe, drei Konzepte“ im Raum Bielefeld. Ziel war es, praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Vermarktungsstrategien zu gewinnen und sich über aktuelle Herausforderungen und Chancen in der Direktvermarktung auszutauschen.

Viele Betriebe- viele Fragen

Die Landservice-Beratung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen führt dieses Weiterbildungsangebot seit zwei Jahren erfolgreich durch. Die hohe Nachfrage zeigt: Direktvermarktung ist längst mehr als ein zusätzlicher Absatzweg – sie ist Ausdruck unternehmerischer Individualität und bietet vielfältige Möglichkeiten, landwirtschaftliche Produkte erfolgreich und kundenorientiert zu vermarkten. Dabei stehen viele Betriebe vor ähnlichen Fragen: Wie gelingt die Abgrenzung zwischen Landwirtschaft und Vermarktung? Welche Rolle spielt digitale Kommunikation? Und wie lässt sich ein funktionierendes Warenwirtschaftssystem etablieren?

Diese Tagestour zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich Direktvermarktung gelebt werden kann – und wie wichtig der Austausch untereinander ist.

Vielfalt

Der Auftakt fand auf dem Hof Große Wächter statt, einem Familienbetrieb mit einem breit gefächerten Direktvermarktungsangebot. Die Geschwister Verena Hollenberg und Steffen Große Wächter führten die Teilnehmenden durch den Betrieb.

Lieferwagen
Kreative Kundenwerbung: Mit dem Erdbeermobil ist Verena Hollenberg regelmäßig auf Veranstaltungen unterwegs und verkauft dort Erdbeerbowle.

Besonders die Vielfalt der Produkte beeindruckte: Neben Eiern – inklusive eines innovativen Hühnerpatenschaftsmodells zur Kundenbindung – bietet der Betrieb Selbstpflücke für Himbeeren und Erdbeeren an, offeriert Rindfleisch aus eigener Haltung und betreibt eine hofeigene Verarbeitungsküche. Dort entstehen beliebte Convenience-Produkte wie Rouladen im Glas und Rinderbrühe aus den Knochen der eigenen Tiere. Hier stand Anna Eicker, Landwirtschaftskammer LWK, den Besuchern Rede und Antwort. 

Ein weiteres Highlight ist das Erdbeermobil, mit dem Verena Hollenberg regelmäßig auf Veranstaltungen unterwegs ist und dort Erdbeerbowle verkauft – ein kreativer Weg, um neue Zielgruppen zu erreichen. Diskutiert wurden unter anderem Herausforderungen in der Selbstpflücke, etwa der Umgang mit Diebstahl und die Festlegung von Mindestmengen. Auch die Rolle von Social Media – insbesondere Instagram – wurde als effektives Kommunikationsmittel hervorgehoben. Verena Hollenberg betonte zudem die Bedeutung eines gut strukturierten Warenwirtschaftssystems für die organisatorische Trennung von Landwirtschaft und Vermarktung.

Dorfmilch 

Brockhagen
In der Hofmolkerei des Betriebs Brockhagen wird Milch zu einer großen Palette an verschiedenen Milchprodukten und zu Käse verarbeitet.

Der Betrieb „Dorfmilch aus Brockhagen“, geführt von Dennis Speckmann und Reinhard Wortmann, verarbeitet einen Teil der Milch von rund 300 Kühen in der eigenen Hofmolkerei. Die Produkte werden über den Lebensmitteleinzelhandel, Cafés, Gastronomie und Eisdielen in der Region sowie über Plattformen wie „Wochenmarkt 24“ vermarktet. Alina Bewekenhorn, Leiterin der Molkerei, erläuterte die Produktionsprozesse: Die Milch wird pasteurisiert und teilhomogenisiert – letzteres bewusst unter geringem Druck, um Geschmack und Struktur möglichst natürlich zu erhalten. Die Vermarktung erfolgt in Glasflaschen sowie in praktischen Bags mit bis zu 10 Litern. Zusätzlich wird Rohmilch in einer mobilen Käserei zu Käse verarbeitet – sowohl für Selbstbedienung als auch für Bedientheken.

Die Produktpalette umfasst sechs Joghurtsorten, darunter Naturjoghurt und beliebte Varianten wie Stracciatella. Dazu kommt eine saisonal wechselnde Sorte, zurzeit Zitronenjoghurt, die regelmäßig für neue Impulse sorgt. Der Joghurt wird in der Molkerei fermentiert und abgefüllt. Auch hier wurde deutlich: Ein funktionierendes Warenwirtschaftssystem ist entscheidend für die Effizienz, insbesondere bei der Kommissionierung für digitale Absatzkanäle wie „Wochenmarkt 24“.

Pute und Party

Meierhof-Rassfeld
Der Meierhof Rassfeld vermarktet Putenfleisch nach Neuland-Richtlinien, betreibt eine Partydeele und vermietet Gewerbe- und Wohnflächen.

Den Abschluss bildete der Meierhof Rassfeld in Gütersloh, geführt von Familie Haver Rassfeld. Friedrich Haver Rassfeld gab einen persönlichen Einblick in die Hofübernahme in jungen Jahren und den bevorstehenden Generationenwechsel nach 45 Jahren. Der Betrieb vermarktet Putenfleisch nach Neuland-Richtlinien, betreibt eine Partydeele und vermietet Gewerbe- und Wohnflächen. Im Hofladen wird ein breites Angebot an Landspezialitäten aus eigener Herstellung angeboten. Die Freiland-Pute ist dabei das Leittier des Betriebs – sie begegnet den Kunden bereits bei der Hofeinfahrt, ist Teil des Logos und wird in vielfältiger Form angeboten. 

Besonders zur Weihnachtszeit stellt die Logistik eine Herausforderung dar. Haver Rassfeld zeigte, wie sich die Abläufe über die Jahre professionalisiert haben. Ein gut funktionierendes Warenwirtschaftssystem und optimierte Arbeitsabläufe steigern nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit in arbeitsintensiven Phasen und ermöglicht einen höheren Absatz der Produkte zu Stoßzeiten.

Austausch auf Augenhöhe

Die Veranstaltung bot nicht nur spannende Einblicke in drei höchst unterschiedliche Betriebe, sondern eröffnete auch Raum für offene Diskussionen und praxisnahe Impulse. Die Vielfalt der Konzepte zeigt: Direktvermarktung hat viele Gesichter – entscheidend ist, dass die jeweiligen Konzepte authentisch gelebt werden.

Für 2026 ist das Veranstaltungsformat „Drei Betriebe, drei Konzepte“ fest eingeplant. Die Termine werden rechtzeitig über den kostenlosen Newsletter bekannt gegeben, für den Sie sich auf der Webseite der Landwirtschaftskammer NRW unter www.landwirtschaftskammer.de, Rubrik Landwirtschaft, dann Landservice, weiter unter Fachinfos, anmelden können.


Lea Mußenbrock, Landwirtschaftskammer NRW