Die Änderung der Großwetterlage seit dem 13. April hat landesweit nun doch tendenziell die Niederschlagsmengen gebracht, die in den Wochen zuvor gefehlt haben. Insbesondere am 24. April gab es vielerorts Dauerregen, bei dem zwischen 30 und 50 mm pro m² Wasser niedergingen. In verschiedenen Regionen regnete es auch deutlich weniger. Seit letztem Samstag herrscht wieder Hochdruckeinfluss vor.
Für das Wachstum des Grünlands und des Ackergrases war die regenreiche Wetterphase in der zweiten Aprilhälfte, bei moderaten Tageshöchsttemperaturen von zuletzt zwischen 12 und 15 °C und inzwischen von über 20 °C ideal. Die relative Wassersättigung und die nutzbare Feldkapazität (nFK) der Böden ist relativ hoch und stellt somit eine optimale Grundlage für zunehmende Wachstumsraten auf dem Grünland für die nächsten 7 bis 10 dar.
Ideale Erntebedingungen
Wie die Reifeprüfungsergebnisse am Standort Riswick zeigen, ist beim Ackergras die optimale Schnittreife im Laufe der vergangenen Woche erreicht. Die Rohfasergehalte lagen am 22. April bei 22,4 % i. d. TM, die Energiekonzentrationen bei 6,4 MJ NEL. Bei einem Anstieg der Rohfasergehalte von 0,3 Prozentpunkte dürfen diese inzwischen bei etwa 25 % i. d. TM liegen. Bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit und Temperaturen von bis zu 24°C lagen die Wachstumsraten in der Größenordnung von mindestens 1,5 bis 1,8 dt TM/Tag. Im östlichen Münsterland und Ostwestfalen ist die Entwicklung im Vergleich zu Riswick noch einige Tage zurück, das Ackergras dürfte aber auch dort im Laufe dieser Woche die optimale Schnittreife erreicht haben (EC 45 bis 49, Ährenschwellen, Ährenspitzen). Sobald die Böden hinreichend abgetrocknet sind, sollte zügig geerntet werden. Die Erntebedingungen waren in den letzten Tagen ideal.
Abreifetabelle
Verschiedene Schnittreife beim Silieren beachten
Betriebe silieren aus arbeitswirtschaftlichen Gründen gerne das Ackergras zusammen mit dem Grünland. Allerdings ist zu bemerken, dass das Ackergras oder das Welsche Weidelgras sieben bis zehn Tage früher schnittreif ist als Grünland mit hohen Anteilen an Deutschem Weidelgras. Am Standort Riswick lag der Rohfasergehalt bei Grünland (konventionell) am 22. April mit 19,9 % i. d. TM noch 2,6 % unter dem Ackergras. Der TM-Ertrag lag bereits bei 35,9 dt/ha. Nach den Prognosen des DWD sind tägliche Rohfaserzunahmen von 0,3 % i. d. TM anzunehmen, sodass auch das Grünland am Standort Riswick inzwischen physiologisch optimale Schnittreife erreicht hat. Bleibt es die nächsten Tage trocken, wird der erste Grünlandschnitt (konventionell) in den milden Niederungslagen bereits Anfang Mai zu erwarten sein.
In der ertrags- und physiologischen Entwicklung deutlich zurück ist noch das ökologisch bewirtschaftete Grünland in Riswick.
Mittelgebirge holt auf
Auch an den Mittelgebirgsstandorten hat bei guter Wasserverfügbarkeit und gestiegenen Temperaturen nun auch das Massenwachstum eingesetzt. Derzeit sind tägliche Zuwachsraten 1,0 bis 1,5 dt TM/ha zu verzeichnen. Wie in den vergangenen Jahren wird hier und da auch in den Mittelgebirgen bereits Anfang Mai der erste Grünlandschnitt erfolgen. Der Trend zu frühen Schnitten ist in den letzten Jahren erkennbar, auch wenn oftmals Rohfasergehalte von 22 % i.d. TM noch bei weitem nicht erreicht wurden. Die optimale Schnittreife ist angesichts der aktuellen physiologischen Reife und der Prognose in den Mittelgebirgslagen aber kaum vor Ende der ersten Maidekade erreicht. Bei den meist heterogenen Standortverhältnissen in den Mittelgebirgen mit Reifeunterschieden von mitunter sieben bis zehn Tagen - je nach Pflanzenbestand, Höhenlage und Exposition - ist der vermeintlich optimale Schnitt immer ein Kompromiss.
Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke,
Landwirtschaftskamme NRW