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Zweimal Agroforst bei Gütersloh

11.08.2025

Am 23. Juli lud der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL NRW) im Rahmen des Projekts „Bäuerliche Agroforste“ zu einer Exkursion nach Rheda-Wiedenbrück und Gütersloh ein. 28 Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich zwei ganz unterschiedliche Agroforstsysteme in der Praxis anzusehen.

Die Exkursion bot dabei praxisnahe Einblicke in zwei unterschiedliche Agroforstsysteme: Einmal Walnussbäume auf dem Acker und dann Pappeln in der Geflügelhaltung. Beide Betriebe zeigten, wie Gehölze mit vielfältigen Potenzialen in bäuerliche Strukturen integriert werden können.

Walnussanbau auf dem Hof Sandhäger

Agroforst Besichtigung

Den Auftakt bildete der Besuch des Hofs Sandhäger in Rheda-Wiedenbrück. Der Betrieb hält Sauen mit Fokus auf Tierwohl und setzt verstärkt auf Direktvermarktung, unter anderem über einen kleinen Hofladen. Im Winter 2022 wurden rund 70 Walnussbäume in dem leichten Sandboden gepflanzt. Die Bäume stehen noch ganz am Anfang – „siebeneinhalb Jahre noch“, sagte Christoph Sandhäger mit Blick auf den ersten Ertrag, der nach etwa zehn Jahren erwartet wird. Bis dahin werden die Nüsse entfernt, damit die Bäume sich gut entwickeln.

Die Entscheidung für Walnüsse fiel bewusst: Die Selbstversorgung in Deutschland sei hier besonders gering, eine Marktlücke, die Sandhäger erkannt hat. Die Investitionskosten seien überschaubar. Bei der Pflanzung wurden unterirdisch Bewässerungsschläuche und Weidelitzen mitverlegt, um später flexibel reagieren zu können. Der monatliche Pflegeaufwand der Bäume liegt aktuell bei etwa acht bis zehn Stunden. „Eine Herausforderung zeigte sich erst im Nachhinein: Die Ackerstreifen müssen noch einmal angepasst werden, da sie nicht optimal auf die Maschinenbreiten abgestimmt sind“, schränkte der Landwirt ein. 

Christoph Sandhäger sprach mit spürbarer Leidenschaft über Bodenproben, Knöllchenbakterien und pflanzenbauliche Details. Für ihn geht Landwirtschaft über das Tagesgeschäft hinaus: „Wir denken in der Landwirtschaft in Generationen.“ Geplant ist auch die Entwicklung einer Walnusssalami in Kooperation mit seinem Metzger. Abgerundet wurde der Hofbesuch durch eine Kostprobe hofeigener Schweinefleischprodukte.

Schatten unter Pappeln auf dem Meierhof Rassfeld

Puten im Agroforst

Anschließend ging es weiter zum Meierhof Rassfeld in Gütersloh. Der traditionsreiche Betrieb ist bekannt für seine besonders artgerechte Putenhaltung. Um den Tieren im Sommer mehr Schatten zu bieten, wurden 2018 und 2019 Pappeln auf den Auslaufflächen gepflanzt. Die Bäume bieten Schutz vor Sonne, Wind und Regen und liefern zugleich Hackschnitzel für die hofeigene Heizung, die jährlich rund 800 m³ benötigt.

Auch einige Hähnchen leben unter den Bäumen, die zusätzlich Schutz vor Raubvögeln bieten. Das Geflügel wiederum trägt zur Nährstoffversorgung der Gehölze bei. Auf dem Hof werden alle Altersgruppen von Puten gehalten; geschlachtet wird direkt vor Ort. Die Tiere wachsen langsam mit energieärmerem, hofeigenem Futter. Das sorgt für ein besonders qualitatives Fleisch, was bei der Verkostung des hofeigenen Putenfleischs deutlich wurde. 


Eva Horrion,
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft NRW e.V.