Am 29. August fand auf dem Jägerhof in Jüchen der 15. Leguminosentag NRW der Landwirtschaftskammer NRW und dem LeguNet statt.
Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich bei spannenden Vorträgen, verschiedenen Ausstellern und bei der Besichtigung der vielfältigen Demonstrationsflächen über den Anbau und die Vermarktungsmöglichkeiten von Sojabohnen.
Acht Jahre Soja-Erfahrung
Nach der Begrüßung und der kurzen Vorstellung des Leguminosen Netzwerks durch Sarina Hertel, Landwirtschaftskammer NRW, stellte der Betriebsleiter des Jägerhofs Elmar Steinfarz seinen landwirtschaftlichen Betrieb vor. Der Familienbetrieb wird bereits in fünfter Generation bewirtschaftet und ist sehr vielfältig aufgestellt. Neben der Bewirtschaftung von 167 ha Ackerland und der Mobilstallhaltung von 3 000 Legehennen ist auch die Pferdepensionshaltung ein Betriebszweig. Mit der Direktvermarktung von Lebensmitteln im eigenen Hofladen, der Direktvermarktung von Futtermitteln und einer eigenen Ölmühle hat Steinfarz direkt mehrere Absatzwege für seine Produkte gefunden.
Im Jahr 2017 probierte er erstmals den Sojabohnenanbau auf etwa 3,5 ha aus. Seitdem hat der Betriebsleiter vom Totalausfall bis zum Spitzenertrag von 4,6 t/ha viele Erfahrungen gesammelt. Herausfordernd waren vor allem die Verteilung des Niederschlages während der Vegetation und der Taubenfraß. Für die Taubenabwehr hat der Betriebsleiter inzwischen eine innovative Lösung gefunden. Ab der Aussaat hat Steinfarz die Fläche zweimal täglich mit einer Drohne überflogen. Über einen integrierten Lautsprecher wurden Schreie des Wanderfalken abgespielt. Dies demonstrierte er den Besuchern auf dem an den Betrieb angrenzenden Sojafeld und stieß auf reges Interesse, da Taubenfraß eine weit verbreitete Problematik im Sojabohnenanbau ist.
Für die geernteten Sojabohnen nutzt der Betrieb drei Vermarkungswege. Ein Teil wird innerbetrieblich für die Fütterung der Legehennen verwendet. Für den eigenen Hofladen werden auf dem Betrieb Sojaöl hergestellt und durch einen Lohnhersteller Produkte wie Tofu, Sojabolognese und Kuchen produziert. Die restliche Ware wird von der Raiffeisen Hohe Mark Hamaland aufgenommen.
Die richtige Sortenwahl entscheidet
Martin Miersch, Geschäftsführender Vorsitzender des Deutschen Sojaförderrings, informierte über den Anbau und die richtige Sortenwahl. „In NRW ist mit 85 % ein großer Teil der Ackerflächen für den Sojaanbau geeignet. Bei einem Anteil von 10 % in der Ackerfläche könnten durchschnittlich 280 000 t Soja in NRW erzeugt werden“, so Miersch. Beinahe 50 % der Sojabohnen in Deutschland werden innerbetrieblich in der Fütterung eingesetzt. Durch kleine Sojabehandlungsanlagen können eigene proteinreiche Futtermittel erzeugt werden. Etwa 40 % der Ernte werden in Ölmühlen und Mischfutterwerken verarbeitet. Hier entstehen bereits seit einiger Zeit immer mehr Vermarktungsoptionen für konventionell und biologisch wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe, um nachhaltige und langfristige Wertschöpfungsketten aufzubauen.
„Entscheidend für den erfolgreichen Anbau sind die standortangepasste Sortenwahl und gute Aussaatbedingungen“, hob Miersch hervor. Seit dem Jahr 2018 habe sich die Anzahl in Deutschland zugelassener Sorten von fünf auf 46 verneunfacht. „Mit sehr frühreifen Sorten sind daher auch die nördlichen Anbaugebiete für den Sojaanbau geeignet!“
Woher kommt der Stickstoff?
Als zweiter Referent veranschaulichte Fabian von Beesten, LegumiN, die biologische Stickstofffixierung bei Leguminosen. Die Symbiose zwischen der legumen Pflanze und den Rhizobien berge ein großes Potenzial, die energieaufwändige Produktion von Mineraldüngern zu reduzieren. „Im globalen Stickstoff-Haushalt sind die Leguminosen entscheidend. Soja ist die wichtigste Eiweiß-Quelle der Welt. Durch den großen Anbauumfang werden große Mengen Stickstoff durch Soja pflanzenverfügbar gemacht“ so der Referent. Die Rhizobien würden von Wurzelausscheidungen der Pflanze angelockt und bildeten an den Wurzeln Knöllchen. Der in der Luft vorhandene Stickstoff werde dann durch die Bakterien in eine pflanzenverfügbare Form umgewandelt.
„Da in unseren Böden die entsprechenden Bakterienstämme nicht natürlich vorkommen, ist die Impfung des Saatgutes notwendig“, hob von Beesten hervor. Inzwischen würden viele unterschiedliche Mittel und Anwendungsverfahren genutzt. Neben flüssigen Mitteln würden auch Torfpräparate und bereits fertig geimpftes Saatgut angeboten. Geimpft werde häufig mit der Sprühpistole oder in einem Betonmischer. „Ist bei der Impfung die mechanische Belastung auf die Samenkörner zu groß, leidet die Keimfähigkeit“ mahnte der Referent. Auch die Bakterien seien sehr empfindlich. „Nach der Impfung sollte das Saatgut sofort ausgebracht werden. UV-Licht und Erwärmung führen zum Absterben der Bakterien“.
Sechs Sorten in vier Varianten
Nachmittags wurde die vielfältige Demonstrationsanlage auf dem Sojafeld besichtigt. Insgesamt wurden sechs verschiedene Sorten sowie vier Varianten in der Aussaattechnik gezeigt. Dabei waren zum Teil deutliche Unterschiede erkennbar, die zu einem intensiven Austausch unter den Teilnehmern beitrugen.
Sarina Hertel,
Landwirtschaftskammer NRW