Logo der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Agroforst in der Praxis erproben: Leitbetriebe in NRW gesucht

29.10.2026

Wie passen Bäume und Sträucher in einen modernen Landwirtschaftsbetrieb? Ein neues EIP-Agri-Projekt will das gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben in NRW erproben. Für die Anlage neuer Agroforstsysteme im Frühjahr 2027 werden noch Betriebe gesucht.

Agroforstpappelreihe als Windschutz

Gehölzstreifen auf dem Acker, Bäume auf der Weide oder Gehölze in der Geflügelhaltung: Agroforstwirtschaft kann ganz unterschiedlich aussehen. Doch wie lassen sich solche Systeme in den Betriebsalltag integrieren? Welche Auswirkungen haben sie auf die Bewirtschaftung, und welche wirtschaftlichen Perspektiven bieten sie? Genau diesen Fragen möchte das EIP-Agri-Projekt „Leitbetriebe Agroforst NRW“ gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten nachgehen.

Dafür entsteht in Nordrhein-Westfalen ein Netzwerk von mindestens sieben Leitbetrieben, die neue Agroforstsysteme auf ihren Flächen anlegen und dabei fachlich und wissenschaftlich begleitet werden. Gemeinsam soll untersucht werden, welche Agroforstsysteme sich unter unterschiedlichen betrieblichen Bedingungen bewähren, welche Herausforderungen bei der Umsetzung auftreten und welche Erfahrungen sich auf andere Betriebe übertragen lassen.

Leitbetriebe aus verschiedenen Betriebsrichtungen gesucht

Um möglichst unterschiedliche und für Nordrhein-Westfalen charakteristische Betriebsstrukturen abzubilden, sucht das Projekt derzeit insbesondere noch Milchviehbetriebe, Kartoffel- und Hackfruchtbetriebe, Grünland- und Mutterkuhbetriebe, Geflügelbetriebe sowie Sonderkulturbetriebe. Sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Betriebe können teilnehmen.

Dabei gibt es keine feste Vorgabe, wie ein Agroforstsystem aussehen muss. Entscheidend ist, dass die Gehölze zum Betrieb und zu dessen Bewirtschaftung passen. Gemeinsam mit Fachleuten aus der Beratung und Wissenschaft sollen Lösungen entwickelt werden, die sich unter den jeweiligen Standortbedingungen praktisch umsetzen lassen und auch betriebswirtschaftlich sinnvoll sein können.

Unterstützung bei Anlage und Bewirtschaftung

Für die aktive Mitwirkung im Projektteam und die Anlage eines neuen Agroforstsystems ist eine finanzielle Unterstützung mit einem Richtwert von rund 10.000 Euro je Leitbetrieb vorgesehen. Hinzu kommen eine kostenfreie fachliche Beratung durch die Landwirtschaftskammer sowie ein freies Beratungsteam um Burkhard Kayser bei der Planung und Umsetzung sowie eine wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Münster und die Hochschule Rhein-Waal. Auch bei der Etablierungspflege der neu angelegten Gehölze werden die Betriebe durch eine im Projekt koordinierte Fachkraft unterstützt.

Gesucht werden Betriebe, die bereit sind, im Frühjahr 2027 mit der Anlage eines Agroforstsystems zu beginnen. Bevorzugt werden dafür Flächen ab etwa fünf Hektar. Ein bereits bestehendes Agroforstsystem am Betrieb ist nicht erforderlich.

Im Jahr 2028 werden die Leitbetriebe zudem bei der Durchführung von jeweils einem Feldtag unterstützt. Andere Landwirtinnen und Landwirte können sich dann vor Ort ein Bild von den Anlagen machen und mit den beteiligten Betrieben über Planung, Umsetzung und erste Erfahrungen ins Gespräch kommen.

Betriebe können sich bis zum 15. November melden

Wer sich vorstellen kann, Teil des Netzwerks zu werden, kann sich bis zum 15. November 2026 mit einer formlosen Interessensbekundung beim Projektteam melden. Dafür reichen zunächst eine kurze Betriebsbeschreibung und erste Überlegungen zu einem möglichen Agroforstsystem. Eine fertige Planung ist nicht notwendig.

Auch Betriebe, die nicht als Leitbetrieb teilnehmen möchten, sich aber mit der Anlage eines Agroforstsystems beschäftigen, können Kontakt aufnehmen. Im Rahmen des Projekts besteht auch für sie die Möglichkeit, fachliche Beratung und Unterstützung bei der Planung zu erhalten.

Kontakt:
Eva Horrion, AbL: horrion[at]abl-ev.de
Thomas Middelanis, Universität Münster: thomasmid[at]posteo.de


AbL NRW