Anfang Juni fand auf dem Marienhof der Familie Pott in Hückelhoven ein Feldtag zum Thema Agroforst statt. Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) NRW.
Zahlreiche interessierte Landwirtinnen und Landwirte sowie Fachleute aus Landwirtschaft und Beratung nutzten die Gelegenheit, sich über die praktische Umsetzung und die Potenziale von Agroforstsystemen zu informieren.
Familie Pott bewirtschaftet ihren landwirtschaftlichen Betrieb seit sechs Jahren nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes. Der Betrieb setzt auf eine nachhaltige und ressourcenschonende Bewirtschaftung seiner Flächen. Gleichzeitig steht er vor besonderen Herausforderungen: Die Hanglagen der Ackerflächen sind seit Jahren von Bodenerosion betroffen. Darüber hinaus führen starke Windereignisse und Windhosen regelmäßig zu Schäden an den Kulturen und zum Verlust wertvollen Oberbodens
Agroforstsysteme auf dem Biobetrieb Pott
Bei der Vorstellung des Agroforstsystems erläuterte Betriebsleiter Christoph Pott die Planung der Gehölzstreifen sowie die Auswahl der Baumarten. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf eine praxistaugliche Bewirtschaftung gelegt. Der Abstand zwischen den Gehölzstreifen beträgt 27 m. „Das System muss einfach zu bewirtschaften sein“, betonte der Landwirt. „Deshalb haben wir die Schlaggestaltung bereits bei der Planung so optimiert, dass selbst die größte auf dem Betrieb eingesetzte Maschine die Fläche problemlos bearbeiten kann.“
Auf der rund 6 ha großen Hangfläche wurden insgesamt sechs Baumreihen angelegt. In den Gehölzstreifen wachsen verschiedene Wertholzarten, darunter Baumhasel, Hybridnuss, Spitzahorn und Vogelkirsche. Ergänzt wird das System durch eine Baumreihe mit drei verschiedenen Mostbirnensorten. Neben dem Erosionsschutz und der ökologischen Aufwertung verfolgt die Familie Pott damit auch das Ziel, zukünftig Früchte zu ernten und zu vermarkten.
Ein besonderes Element des Systems ist die Wasserführung entlang der Baumstreifen. Oberhalb der Gehölzreihen wurde mit einem Schälpflug eine flache Mulde angelegt. Diese fängt bei Starkregen abfließendes Wasser auf, verteilt es entlang des Gehölzstreifens und lenkt es kontrolliert ab. Dadurch verbleibt das Wasser länger auf der Fläche, kann besser versickern und trägt gleichzeitig dazu bei, Bodenerosion wirksam zu reduzieren.
Lange Nutzungsdauer
Die angepflanzten Werthölzer sind auf eine langfristige Nutzung ausgelegt. Ihre Ernte wird voraussichtlich erst nach 50 bis 70 Jahren erfolgen. „Die Ernte werden wir wohl nicht mehr erleben, aber unsere Kinder,“ meinen Christoph Pott und seine Frau Anne Rothkranz-Pott.
In der letzten Gehölzreihe der Hangfläche wurden zudem Pappeln und Weiden in zwei Reihen angepflanzt. Mit dieser Anlage werden mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt: Zum einen sollen die Gehölze den Rindern auf der tiefer gelegenen Weide Schatten spenden und damit insbesondere in heißen Sommermonaten zum Tierwohl beitragen. Zum anderen dient der Aufwuchs der Produktion von Energieholz. Dieses kann langfristig als erneuerbare Energiequelle genutzt werden und stellt eine sinnvolle Ergänzung zu fossilen Energieträgern, wie Gas und Öl, dar.
Gehölzstreifen als Kurzumtriebsplantage
Neben dem Agroforstsystem auf der Hangfläche stellte der Landwirt Pott weitere Gehölzanlagen auf dem Betrieb vor. Auf einer anderen Fläche wurden zwei Reihen Hybridpappeln mit einem Abstand von 3 m zueinander gepflanzt. Ziel dieser Anlage ist der Schutz der angrenzenden Flächen vor Winderosion. Zum Zeitpunkt der Anlage mussten die Gehölzstreifen als Kurzumtriebsplantage deklariert werden. Nach den heute geltenden Regelungen könnten die beiden Reihen hingegen in Zukunft als Agroforstsystem eingestuft werden, da die rechtlichen Vorgaben für die praktische Umsetzung inzwischen deutlich vereinfacht wurden.
Neben den Fördermöglichkeiten, die der Betrieb dadurch hätte in Anspruch nehmen können, wäre auch die Auswahl der Baumarten wesentlich flexibler gewesen. Das Beispiel verdeutlicht, wie Agroforst Landwirtinnen und Landwirten neue Möglichkeiten eröffnet, ihre Flächen vielfältiger und multifunktionaler zu gestalten.
Fazit
Der Feldtag auf dem Marienhof hat eindrucksvoll dargestelt, wie solche Systeme standortangepasst geplant und erfolgreich umgesetzt werden können und verdeutlicht, dass Agroforstsysteme eine vielversprechende Antwort auf aktuelle Herausforderungen, wie Bodenerosion, Starkregenereignisse und Klimawandel darstellen. Durch die Kombination aus landwirtschaftlicher Nutzung, Wertholzproduktion, Energieholzgewinnung und ökologischen Leistungen entstehen langfristig widerstandsfähige und nachhaltige Bewirtschaftungssysteme.
Das Beispiel des Marienhofes in Hückelhoven zeigt anschaulich, wie Agroforst sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile miteinander verbinden kann und gleichzeitig neue Perspektiven für eine vielfältige Landwirtschaft eröffnet.
Andrea Sausmikat, Landwirtschaftskammer NRW