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Agroforst im Aufbau: Walnussbäume zwischen Ackerstreifen

06.05.2026

Wie lassen sich Bäume und Ackerbau auf einer Fläche sinnvoll kombinieren und was bedeutet das für die Bewirtschaftung? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Exkursion der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Nordrhein-Westfalen am 23. April auf dem Nikolaushof in Nörvenich. Rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Praxis, Beratung und Forschung nutzten die Gelegenheit, ein Agroforstsystem im Aufbau direkt vor Ort kennenzulernen.

Agroforst Nikolaushof
Der Acker neben den Walnussbaumstreifen wurde im März gegrubbert.

Auf dem Betrieb wurde 2020 ein Agroforstsystem auf rund 12 ha angelegt. Insgesamt 180 Walnussbäume strukturieren den Standort. Zwischen den Baumstreifen liegen aktuell etwa 24 m Ackerland, die landwirtschaftlich genutzt werden und sich mit der Entwicklung der Bäume langfristig verändern werden. Je breiter die Baumkronen werden, desto schmaler werden die bewirtschaftbaren Ackerstreifen - ein sogenannter „sukzessioneller“ Agroforst. Die Baumstreifen sind in Nord-Süd-Ausrichtung gepflanzt, um die Beschattung der Ackerfläche zunächst gering zu halten.

Betriebsleiter Klaus Schmitz-Peiffer sagt dazu: „Man muss Freude daran haben, so etwas zu machen und auszuprobieren. Die Walnuss ist für mich ein Zukunftsbaum.“ Die Anlage umfasst 13 verschiedene Walnusssorten, darunter französische und ungarische Herkünfte wie „Milotai 10“, sowie passende Bestäubersorten. Ziel ist eine spätere Erntemenge von etwa 70 bis 80 kg pro Baum.

Offene Nutzungsperspektiven

Die Fläche in der Gemarkung „Ruppenbusch“ ist durch eine 60 bis 70 cm starke Lössauflage geprägt, darunter liegen kiesige Bodenhorizonte. Dieses Jahr wachsen dort Kartoffeln und Winterroggen zwischen den Reihen. Die Walnüsse können in dem Fall an Wasser gelangen, das für die Ackerbaukulturen aufgrund der geringen Wasserleitfähigkeit im kiesigen Unterboden nur eingeschränkt verfügbar ist. Durch ihre Verdunstung tragen die Bäume zur Verbesserung des Mikroklimas auf der Fläche bei. So soll die Fläche im Klimawandel, bei trockenen Perioden bewirtschaftbar bleiben.

Im fachlichen Austausch wurde deutlich, dass Agroforstsysteme stark von der laufenden Bewirtschaftung abhängen. Besonders intensiv diskutiert wurden Schnittmaßnahmen, die Entwicklung der Bäume sowie die Pflege der Baumscheiben. Diese Aspekte gelten in der Praxis oft als unterschätzt, sind aber entscheidend für die gute Entwicklung der Bäume.

Die Ackerstreifen werden derzeit von einem benachbarten Biobetrieb bewirtschaftet. Angebaut werden unter anderem Kartoffeln, Zwiebeln, Rote Beete, Möhren und Pastinaken. Perspektivisch sind auch andere Nutzungen denkbar, etwa die Beweidung durch Rinder und Hühner oder weitere Kulturen.

Kein einheitliches System

Im Verlauf der Exkursion wurde deutlich, dass Agroforst sehr unterschiedlich umgesetzt werden kann. Während auf dem Nikolaushof die Walnuss im Mittelpunkt steht, setzen andere Betriebe auf andere Baumarten. Teilnehmer berichteten zum Beispiel von ihren Pappelpflanzungen. 

Der „Agroforst-Hub“ auf Schloss Türnich stellte sich im Anschluss an die Feldführung vor und wird in den kommenden Jahren Modellflächen für verschiedene Agroforstsysteme im Rheinischen Revier aufbauen. 


Eva Horrion, AbL