Agroforstsysteme sind zunehmend Thema, das beweist auch das Agroforst Reallabor der Hochschule Rhein-Waal, das Anfang November bereits zu seinem 10. Agroforst-Praxisstammtisch Niederrhein eingeladen hatte. Angesprochen waren Praktiker aus Landwirtschaft, Gartenbau, Baumschulwesen, Forstwirtschaft und Landschaftspflege.
Gastgebender Betrieb war der Rouenhof in Kevelaer. Anne und Bernd Verhoeven bewirtschaften ihren Biobetrieb mit Tierhaltung, eigener Verarbeitung und Direktvermarktung. Beim Hofrundgang ging es vornehmlich um das Thema „Wasser im Boden halten“. An den Ausläufern der Sonsbecker Schweiz gelegen, findet sich am Rouenhof eine Braunerde mit sandigem Lehm. Angebaut wird alle drei bis vier Jahre Getreide, ansonsten Klee, Luzerne und andere Grasmischungen.
Boden verbessern mit Dauerhumus
Bernd Verhoeven erläuterte sein Konzept, wie er mit Dauerhumus aus kompostierten Holzhackschnitzeln den Boden feucht hält. Wesentlich ist dabei, dass die Holzhackschnitzel, die er von einem benachbarten Baumpfleger erhält, zunächst als Einstreu für die Kühe dienen. Die Holzhackschnitzel binden Ammoniak, weshalb Geruchsbelästigungen nicht auftreten. Der Mist beziehungsweise Kompost aus den Hackschnitzeln, Stroh, Kot und Urin wird aufgesetzt und je nach Außentemperatur drei oder viermal umgesetzt, bevor er auf die Felder ausgebracht wird. Auf dem Acker ist er nach rund vier Wochen kaum noch sichtbar, da vom Bodenleben eingearbeitet beziehungsweise zersetzt. Dank des Mists hat dieser Kompost ein enges C:N-Verhältnis; die Ausbringung von Holzhackschnitzeln allein würde den Boden versauern.
Das mehrfache Umsetzen des Komposts ist natürlich Extraarbeit. Aber für Bernd Verhoeven zahlt sie sich aus, denn seine Böden sind locker, krümelig, humos, gut durchlüftet und warm. Außerdem sind sie im Vergleich zu benachbarten Flächen rund vier Wochen länger grün.
Finanzierung und Förderoptionen
Über den aktuellen Stand zu Fördermöglichkeiten und Finanzierungsoptionen für Agroforstsysteme informierte Agroforstberaterin Andrea Sausmikat von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Ganz wichtig: Agroforstsysteme, die durch Holz- oder Nahrungsmittelgewinnung genutzt werden, sind nicht mit Hecken gleichzusetzen, die einmal gepflanzt zum Landschaftselement werden und damit Bestandsschutz nach dem Naturschutzgesetz genießen. Agroforstsysteme auf landwirtschaftlichen Flächen bieten neben ihrem direkten Nutzen - Holz, Obst, Nüsse – Vorteile, wie unter anderem die Förderung der Biodiversität, den Schutz gegen Winderosion, Dürre oder Überschwemmung und dürfen jederzeit wieder entfernt werden.
Seit 2023 sind Agroforstflächen mit Holz- oder Nahrungsmittelproduktion im GAP Strategieplan Deutschland als Landnutzungsflächen aufgenommen und können über den ELAN-Antrag (Nutzungscode 081) mit der Einkommensgrundstützung (ehemalige Basisprämie) gefördert werden. Außerdem bietet die Öko-Regelung 3 seit 2023 die Förderung von Agroforstflächen auf Acker oder Dauergrünland mit Holz- oder Nahrungsmittelgewinnung (Obst, Nüsse). Dafür müssen die Gehölzstreifen bestimmte Abmessungen und Flächenanteile erfüllen. Mehr dazu auf der Webseite der Landwirtschaftskammer NRW.
Eine andere Finanzierungsmöglichkeit ist die Kombination von Agroforstsystemen mit Agrarumweltmaßnahmen der GAP. Des Weiteren bieten Naturschutzorganisationen regionale Förderprogramme für Hecken, Bäume oder Blühstreifen. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt bei der Akquise weiterer Geldquellen: Crowdfunding über Plattformen wie Ackercrowd oder AgoraNatura, Stiftungen wie Umwelt und Entwicklung NRW, Myclimate oder Vivo Carbon oder das Angebot von Baumpatenschaften.
Über verbesserte Bodenfunktionen durch Humusmehrung und Bodenleben im Acker informierte Dr. Konrad Egenolf (r.), Bodenreferent der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Projekt Grenzenlose Landschaft
Verena Busch vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve stellte das Interreg-Projekt „Grenzenlose Landschaft“ vor, das das Naturschutzzentrum gemeinsam mit der Vereniging Nederlands Cultuurlandschap (VNC) durchführt. Ziel des über vier Jahre bis Juni 2027 laufenden Projekts ist eine klimawandelresiliente, struktur- und artenreiche, gesunde und erlebbare Landschaft grenzüberschreitend auf Flächen der Gemeinden Goch, Kalkar, Uedem und Weeze sowie Mook en Middelaar, Land van Cuijk, Gennep und Berg auf niederländischer Seite. Dafür werden unter anderem auf beiden Seiten der Grenze jeweils 5 km Heckenpflanzungen - Pflanzmaterial und Pflanzung - finanziert.
Förderfähig sind Hecken in der Kulturlandschaft, wobei diese Bestandsschutz genießen, Agroforstsysteme, die mindestens zehn Jahre bestehen bleiben, und Blühstreifen/-flächen. Finanziert werden das Pflanzgut und die Pflanzung beziehungsweise das Saatgut, entweder teilweise oder voll. Entwicklungs- und Unterhaltungspflege der Hecken beziehungsweise Aussaat und Pflege der mehrjährigen Blühflächen muss der Eigentümer selbst übernehmen. Interessierte Landwirte aus den genannten Gemeinden können sich gerne bei Verena Busch unter Telefon: 0 28 51/96 33 35, oder Email an busch[at]nz-kleve.de (busch[at]nz-kleve[dot]de) melden.
Streuobstwiesen finanzieren
Verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten für Streuobstwiesen stellte Hubert Lemken vom Verein Landschaftspflege im Kreis Kleve (LiKK) vor. Neben Eigenmitteln gibt es die Möglichkeit, auf Sponsoren oder Stiftungen zuzugehen. Auch Programme und Maßnahmen des Klimapakets können Fördermittel für Streuobstwiesen enthalten wie beispielsweise Bundesförderungen für nachhaltige Landwirtschaft, Initiativen zur Förderung der Biodiversität oder regionale Förderprogramme, die auf kommunale Klimaschutzprojekte abzielen. Des Weiteren bietet der Landschaftsverband Rheinland (LVR) auf Antrag eine Förderung für Pflanzgut sowohl für Hochstamm-Obstwiesen als auch für Hecken oder Baumreihen. Außerdem nannte der Referent noch den Vertragsnaturschutz, Ausgleichsflächen (Ökopunkte) sowie eines Tages vielleicht auch CO2-Zertifikate als Finanzierungsoptionen für Streuobstwiesen.
Sabine Aldenhoff, LZ Rheinland