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Biokompost für den Bioackerbau

02.02.2026

Die in Deutschland anfallenden Mengen an Bio- und Grüngutkompost könnten im ökologischen Ackerbau einen wichtigen Beitrag zur Nährstoffversorgung, zum Humusaufbau und zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit leisten. Aktuell wird dieses Potenzial jedoch nicht ausreichend von Biobetrieben genutzt. Dabei haben sich die Kompost-Qualitäten in den letzten Jahren erheblich verbessert. 

Bio-Kompost
Bio- und Grüngutkompost können wertvoller Dünger für viehlose Biobetriebe sein. 

Das sind die Ergebnisse des fünfjährigen Verbundprojektes ProBio, das unter anderem von der Technischen Universität München (TUM), der Gütegemeinschaft Kompost Region Bayern e.V. und dem Ingenieurbüro für Sekundärrohstoffe und Abfallwirtschaft (ISA) umgesetzt wurde. Beteiligt waren zudem Komposthersteller Praxisbetriebe und Beratungsteams von Ökoverbänden. Die Finanzierung erfolgte über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) mit Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). In mehrjährigen Praxisversuchen an unterschiedlichen Standorten deckte eine Kompostdüngung ohne zusätzliche Dünger den Phosphorbedarf der Bestände und führte bei Kalium sogar zu einer leichten Anreicherung im Boden. Das galt besonders für Biogutkompost, der überwiegend aus organischen Reststoffen privater Haushalte (Biotonne) hergestellt wird. Zudem führte der Komposteinsatz zu höheren Gehalten an mineralisiertem Stickstoff (Nmin) und verbesserte die N-Verfügbarkeit. 

Gesteigerte biologische Aktivität

Auch die biologische Aktivität wurde durch eine mehrjährige Ausbringung von Biogut- und Grüngutkompost nachweislich gesteigert. Dabei wirkten Grüngutkomposte langsamer, aber langfristiger. Versuche in einem Dauerfeldexperiment über vier Jahre zeigten zudem ein hohes Potenzial für eine Humusanreicherung im Boden und eine damit verbundene günstige Klimawirkung. Durch den Aufbau von Humus wurden pro Hektar und Jahr bis zu 3 300 kg CO2-Äquivalente gebunden.

Eine Auswertung von über 36 000 Datensätzen zu Biogut- und Grüngutkomposten aus der RAL-Gütesicherung der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V.  ergab für die Jahre 2015 bis 2024 eine stetige Verbesserung der Kompostqualitäten, insbesondere bezüglich der Belastung mit Schwermetallen und Fremdstoffen. Im Mittel erwiesen sich etwa 70 % der untersuchten Komposte als geeignet für den Ökolandbau. Das schließt auch Verbandsbetriebe ein, die bezüglich des Komposteinsatzes deutlich strengere Vorgaben erfüllen müssen als Betriebe, die nach der EU-Öko-Verordnung arbeiten.

Ungenutztes Potenzial

Pro Jahr sind zurzeit etwa 2,5 Mio. t Frischmasse an Kompost verfügbar, die im Ökolandbau eingesetzt werden könnten. Bei einer durchschnittlichen Ausbringungsmenge von 2,5 t/ha könnten viehlose Bio-Ackerbaubetriebe damit bei mittlerer Bewirtschaftungsintensität etwa 1 Mio. ha Ackerfläche düngen und so etwa die Hälfte ihres Phosphatbedarfs abdecken. Trotz des großen Potenzials nutzen Biobetriebe derzeit jedoch weniger als zehn % der verfügbaren Kompostmengen. Als Gründe sieht das Forscherteam vor allem mangelnde Information der Betriebe bezüglich der Qualität der Komposte, der Verfügbarkeit, Beschaffung und der praktischen Anwendung. Zudem sehen die Fachleute eine unzureichende Vernetzung von Ökolandbau und Kompostwirtschaft. Das ergab eine Umfrage unter Landwirtinnen und Landwirten im Rahmen des Projekts. Mit einem neu entwickelten Kompost-Informationssystem  sollen diese Wissenslücken geschlossen werden. Schon jetzt gaben knapp 80 % der befragten Betriebe an, dass sie sich zukünftig die Nutzung von Kompost vorstellen könnten.

Wirtschaftlicher Einsatz

Darüber hinaus wurden im Projekt betriebswirtschaftliche Berechnungen zum Einsatz von Kompost bei unterschiedlichen betrieblichen Voraussetzungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass der Komposteinsatz für viele Betriebe wirtschaftlich sein kann. Allerdings hängt der wirtschaftliche Nutzen von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Fruchtfolge, vom Kompostpreis und dem jeweiligen Nährstoffgehalt des eingesetzten Kompostes.

Die Nährstoffgehalte können je nach Kompostart und Charge sehr unterschiedlich ausfallen. Deshalb empfiehlt das Forscherteam mit den jeweils aktuellen Chargenzeugnissen der RAL-Gütesicherung zu arbeiten, statt mit allgemeinen Tabellenwerten. Denn sie liefern genaue Angaben zu den Nährstoffgehalten der eingesetzten Komposte. Zudem müssten die Transportentfernung und der Ausbringungsaufwand sowie der Mechanisierungsgrad eines Betriebs bei der Kalkulation berücksichtigt werden.


Jürgen Beckhoff/BÖL