Für den Sommerzwischenfruchtanbau (Stoppelsaaten) mit einer Ernte im Herbst hat in der Praxis das schnellwüchsige Einjähriges Weidelgras in Reinsaat oder Mischungen mit geeigneten Kleearten sowie Welsches Weidelgras die größte Bedeutung. Die Ernte erfolgt in Abhängigkeit vom Aussaattermin mindestens sechs bis acht Wochen nach der Aussaat.
Im Sommerzwischenfruchtanbau liefert das Einjährige Weidelgras die höchsten Erträge. Bei den speziell für den Sommerzwischenfruchtanbau geprüften Sorten kann zwischen frühschossenden strukturliefernden und den spätschossenden energiereicheren Typen unterschieden werden. Von den Kleearten als Mischungspartner eignen sich besonders Alexandrinerklee und Perserklee, um den Energie- und Proteingehalt im Aufwuchs zu verbessern. Aus dem Bereich der Qualitätsstandardmischungen (QSM) können die Mischungen A 10 früh oder A 10 spät empfohlen werden (50 % Einjähriges Weidelgras, 50 % Alexandriner- oder Perserklee).
Sollen im Ansaatjahr bei Einjährigem Weidelgras in Reinsaat (links) oder in Mischung mit einjährigen Kleearten, wie dem Alexandrinerklee (rechts), hohe Erträge bringen, sollten Zwischenfrüchte möglichst nach frühräumenden Kulturen gesät werden. Erfolgen Aussaaten erst Ende August oder später können nur noch niedrige Erträge erwartet werden.
Frühe oder späte Sorten?
Grundsätzlich sollten von Ende Mai bis zum 15. Juli keine sehr frühen Sorten gesät werden, da diese zu schnell schossen und wenig Blattmasse bilden. Danach gibt es für die frühen, einschnittigen Sorten keine Einschränkung. Späte Sortentypen gehen dagegen nicht so schnell in die generative Phase und bilden weniger Halme und relativ mehr Blattmasse und sollten daher bei frühen Aussaaten bevorzugt werden. Sie sind strukturärmer und energiereicher. Bei späten Aussaatterminen ab der zweiten Augusthälfte sollten dann eher frühe Sorten verwendet werden, die gegenüber den späten Sorten in der verbleibenden Vegetationszeit schneller mehr Ertrag bilden.
Früher wurden Aussaaten von Einjährigem Weidelgras ab der dritten Augustdekade nicht empfohlen, da die Ertragsbildung mit abnehmender Tageslänge und kühleren Temperaturen deutlich zurückging und damit unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr viel Sinn machten. Vor dem Hintergrund der milder gewordenen Herbstmonate in den letzten Dekaden und der damit verbundenen längeren Vegetationsphase wurde am Versuchsstandorte am Niederrhein bei Kleve ein Versuch mit gestaffelten Aussaatterminen angelegt, um zu prüfen, bis wann Aussaaten von Einjährigem Weidelgras in Reinsaat sowie in Mischungen mit Perser- oder Alexandrinerklee empfehlenswert sein können. In Tabelle 1 sind die jeweiligen Aussaattermine und die entsprechenden TM-Erträge der Varianten angegeben. Bei dem frühen Aussaattermin erfolgte nach der ersten Beerntung am 16. Oktober 2024 noch eine weitere Beerntung am 6. November 2024. In der Tabelle wurden die Erträge der Variante mit dem frühen Aussaattermin relativ 100 gesetzt. Die Erträge der späteren Erntetermine stehen in Relation dazu.
Die Ergebnisse zeigen, dass im Jahr 2024 bei guter Wasserversorgung in den Herbstmonaten die Erträge der Varianten beim mittleren Aussaattermin am 21. August im Vergleich zum frühen Erntetermin zwar signifikant zurückgehen, aber sowohl in der Reinsaat vom Einjährigen Weidelgras also auch in der Mischung mit den Kleearten passable Erträge erzielt werden konnten. Deutlich spätere Aussaattermine sind aufgrund des sehr deutlichen Ertragsabfalls kaum mehr ertragreich und wirtschaftlich.
Wie die Kennziffern in Tabelle 2 zeigen, gehen die Ertragsanteile der Kleearten bei den beiden späteren Aussaatterminen deutlich zurück. Die niedrigen Kleegehalte erklären sich zum einen durch den relativ hohen Wärmeanspruch der Leguminosen. Zum anderen wurde in 2024 bei guter Wasser- und N-Versorgung das Wachstum des Einjährigen Weidelgrases stärker gefördert.
Um validere Aussagen zu empfehlenswerten Aussaatterminen machen zu können, wird der Versuch in nächsten Jahren weiter durchgeführt.
Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke
Landwirtschaftskammer NRW