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Der Smart Store – Ein neuer Weg für den Hofladen?

27.02.2026
Hofladen Gut Kaiserhof

Ist der digitalisierte Smart Store eine innovative Lösung für die steigenden Lohnkosten und knappen personellen Ressourcen in der Direktvermarktung? Zu dieser Frage veranstaltete die Landwirtschaftskammer NRW im vergangenen Herbst ein Webinar. 

Ein Smart Store ist ein digitalisierter Hofladen, der rund um die Uhr geöffnet sein kann. Hier kaufen Kunden ohne Anwesenheit von Personal ein. „Smart Stores können ganz verschiedene Formen annehmen“, so Lea Mußenbrock, bei der Landwirtschaftskammer Beraterin für Direktvermarktung im Münsterland. Ein Smart Store in Containerbauweise ermögliche eine zügige Installation und eine flexible Wahl des Standorts. 

„Integriert in ein Gebäude, kann der Smart Store große Verkaufsflächen annehmen. Je nach Standort, Sortiment und Kundenzielgruppe bieten sich unterschiedliche Kassensysteme an“, erläuterte die Referentin. „Insbesondere für kleine Sortimente und geringere Kundenfrequenz ist eine reine Softwarelösung interessant.“ 

Dabei scannen die Kunden die Produkte über eine App mit dem eigenen Handy und zahlen online. Ein Kassensystem mit Self-Check-Out Kasse erfordere dagegen insgesamt eine höhere Investitionssumme. Das Kassenterminal sei für Kunden leicht zu bedienen und ermögliche einen größeren Einkauf. Self-Check-Out-Systeme könnten mit einem Kartenleseterminal und einem Bargeldwechsler verbunden werden. 

Digitale Infrastruktur als Erfolgsfaktor

Als Gastreferentin berichtete Jana Sonnen von ihrem Betrieb. Sie und Jens Sonnen vom Gut Kaiserhof haben 2024 einen Smart Store eröffnet. Vorher hätten sie sich viele Gedanken gemacht: „Welches Kassensystem funktioniert für uns am besten? Brauchen wir Barzahlung? Und wie werden die Kunden mit dem System zurechtkommen?“, fasste sie die Überlegungen zusammen. 

Kassenautomat
Bei der Einrichtung des Kassenbereichs haben Jana und Jens Sonnen auf ausreichend Ablagemöglichkeiten geachtet, damit der Kassiervorgang bequem erfolgen kann. 

Heute seien sie zufrieden mit dem System von Ackerpay, welches als All-in-One-System neben Kassenterminal und Bargeldwechsler auch die Zugangssteuerung, Warenwirtschaft und die Lichtsteuerung beinhaltet. Das gesamte System sei über die Cloud vernetzt. „Wenn bei uns das Internet ausfällt, funktioniert im Laden nichts mehr“, meinte Jana Sonnen. „Beim Aufbau eines Smart Stores muss daher unbedingt an eine stabile Internetverbindung gedacht werden!“

Selbstbedienungstaugliche Einrichtung und Sortiment 

Gewichtsware könne vom Kunden ausgewogen werden. Weniger fehleranfällig sei das, wenn alle Artikel bereits vorab ausgezeichnet sind und an der Kasse nur noch gescannt werden müssen. Altersbeschränkte Ware, wie Alkohol, dürfe nur nach Alterskontrolle zugänglich sein. „Dafür gibt es Schränke, die erst nach einer Alterskontrolle mit dem Personalausweis geöffnet werden können“, erläuterte die Inhaberin. Bezüglich der Klimageräte sei sowohl an die Kühlung, als auch an die Abwärme zu denken. Die Abwärme der Kühlgeräte könne im Raum für ein schlechtes Raumklima sorgen und sollte daher abgeführt werden. Im personalfreien Smart Store bestehe die Gefahr, dass gekühlte oder tiefgekühlte Ware durch eine offenstehende Tür nicht mehr den hygienerechtlichen Voraussetzungen entspricht. Hier sei ein Temperaturüberwachungssystem empfehlenswert. Denn, so Jana Sonnen: „Bei Störungen wird automatisch eine Fehlermeldung an das Mobiltelefon gesendet, sodass wir eingreifen können, bevor die Ware zu warm wird.“

Hofladen Gut Kaiserhof
Mittlerweile stehen auf Gut Kaiserhof etwa 500 verschiedene Artikel zur Auswahl. 

Datenerfassung als Sicherheitsmaßnahme

Um Diebstahl und Vandalismus vorzubeugen, können mit einer Zugangsbeschränkung Daten der Kunden abgefragt werden. Der Zugang kann entweder über eine Bankkarte oder mit einem QR-Code nach Registrierung in der App erfolgen. Gut Kaiserhof hat sich bewusst für den Bankkartenzugang entschieden, um Kunden die zusätzliche Hürde einer vorherigen Registrierung zu ersparen. „In den Hauptzeiten ist der Smart Store frei zu betreten, die Zugangsbeschränkung wird in den Randstunden früh morgens und spät abends automatisch vom System eingestellt. Die Zugangsdaten werden im System gespeichert und können bei Bedarf von der Polizei ausgelesen werden“, erläuterte Jana Sonnen die Vorteile. Eine Kameraüberwachung gebe außerdem Sicherheit, dass Täter bei Diebstahl oder Vandalismus überführt werden können. „Zu beachten ist hier der Datenschutz: Auf die Kameraüberwachung ist unbedingt hinzuweisen“, mahnte die Unternehmerin.

Technik ersetzt nicht alle Aufgaben

Auch im personalfreien Smart Store fällt Arbeitsaufwand an. Das Geschäft muss gereinigt werden, Ware muss sortiert und nachgeräumt und das Warenwirtschaftssystem gepflegt werden. Jana Sonnen berichtete, dass der Arbeitsaufwand für den Smart Store bei etwa 32 Wochenstunden liege. Das sei nicht zu unterschätzen. „Zur Neueröffnung ist natürlich mit vermehrten Kundenfragen zu rechnen. Insgesamt werden die Kunden jedoch immer vertrauter mit dem System des Self-Check-Out. Und da während der Öffnungszeiten jederzeit ein technischer Fehler auftreten kann, muss ohnehin stets jemand erreichbar sein“, meinte sie. 

Fazit: Smart Store als kundenfreundliche Lösung

Der Vorteil eines Smart Stores ist, dass der Hofladen auch zu gering frequentierten Zeiten geöffnet ist, ohne dass zusätzliche Personalkosten anfallen. So wird das Bedürfnis der Kunden erfüllt, den Einkauf möglichst flexibel erledigen zu können. Welche Einrichtung jeweils sinnvoll ist, muss im Einzelfall abgewogen und entschieden werden. 


Anna Eicker, Landwirtschaftskammer NRW