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Die Aktuelle Lage am Bio-Schweinemarkt

09.06.2026

„Günstige Importe drücken deutschen Bio-Schweinepreis.“ So lautet die Überschrift des AMI-Marktberichts vom 21. Mai. In den vergangenen Jahren setzten viele Lebensmittelketten vermehrt auf eine Zusammenarbeit mit Anbauverbänden. 

Dem haben sich auch die Discounter angeschlossen - Lidl mit Bioland, Aldi, Penny und Netto mit Naturland. Beim Fleisch bestehen jedoch offensichtlich aus Sicht des Handels zu große Preisunterschiede zwischen EU-Bioware und Verbandsware. In Deutschland sind dabei die Preisunterschiede nicht so groß und vor allem auf höhere Futterkosten bei Erzeugung nach Verbandsrichtlinien zurückzuführen. 

11 € Unterschied

Die AMI weist für ein Vormast (VM)-Verbandwarefutter knapp 69 €/dt aus und für reine EU-Bioware nur 62,50 €, bei der EM sind es nur 2 €/dt. Unterstellt man vereinfacht 3 dt je Mastschwein und dabei 1 dt VM- und 2 dt Endmast-Futter, entspräche das einem Kostenunterschied von etwa 11 €. Verbandsferkelfutter für Sauen und Ferkel ist ebenfalls teurer, so dass sich in der Summe ein Preisunterschied von mindestens 15 € je Mastschwein ergeben würde. 

Bei der Haltung hingegen gibt es keine Unterschiede. Mehrkosten entstehen ferner durch den Mitgliedsbeitrag beim Anbauverband und bei Erzeugung nach Verbandsrichtlinien wird insbesondere bei der Mast mehr Fläche benötigt, um den Dünger richtliniengemäß ausbringen zu können. Ein Preisunterschied im Bereich von 20 oder 25 Cent je kg Schlachtgewicht erklärt die Strategie des Handels aber nicht. 

Die  hiesige Erzeugung steht  in starker Konkurrenz zu Bioschweinen aus Dänemark, Spanien und den Niederlanden. Foto: Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW

EU-weit günstigere Kosten

Wesentlich sind die günstigeren Erzeugungskosten in anderen EU-Ländern. Dabei sind die Baukosten in Deutschland deutlich höher als beispielsweise in den Niederlanden. Die Niederlande profitierte in der Ferkelerzeugung davon, dass es bis Inkrafttreten der neuen EU-Bio-VO dort zulässig war, den Auslauf komplett mit Spalten zu verlegen, während in Deutschland nur ein planbefestigter Auslauf zulässig war. Jetzt gilt: Bis zu 50 % Spalten sind im Auslauf zulässig. Die in den Niederlanden und Dänemark besseren Ergebnisse in der Ferkelerzeugung sollen jedoch auch nicht unerwähnt bleiben, wenngleich Deutschland hier aufgeholt hat. 

Bioschweine aus Spanien

Spanische Bioschweine können unter anderem kostengünstiger erzeugt werden, weil die Witterung im Winter milder ist und die Ausläufe einer geringeren oder keiner Überdachung bedürfen, weil es weniger regnet. Zudem wird gegenwärtig diskutiert, ob die Erzeugung der Bioschweine in Spanien durchweg mit der EU-Bio-VO vereinbar ist. Für E-Schweine ist der Preis laut AMI im April gegenüber März um 12 Cent auf 4,62 €/kg SG gesunken. Da mehrere Unternehmen auch im Mai ihre Erzeugerpreise gesenkt haben, wird die AMI sicherlich auch für diesen Monat Preissenkungen ausweisen. 

Solange im Handel für Bio-(Schweine-)Fleisch kein 5 D gilt, steht die hiesige Erzeugung in starker Konkurrenz. Von einer Vermarktung mit Verbandslabel erhofft sich der Handel zusätzliches Profil. Höhere Erzeugungskosten muss der Handel weitergeben können. Entsprechend muss der Kunde/die Kundin von diesem Mehr wert auch überzeugt sein. Andernfalls kaufen es die Kunden da, wo es am günstigsten ist.


Christian Wucherpfennig,
Landwirtschaftskammer NRW