Angebot an Bioschlachtkühen steigt
Ähnlich wie am konventionellen Markt stellt sich aktuell auch die Lage am Markt für ökologisch erzeugtes Rindfleisch unterschiedlich dar.
Während Jungbullen nur in sehr begrenzter Stückzahl verfügbar sind und dadurch die Preise gestützt werden, ist das Angebot an Schlachtkühen derzeit erhöht. Grund dafür ist die angespannte Grundfutterversorgung nach der Hitzeperiode.
Besonders im Süden des Landes ist die Lage äußerst angespannt. Die Niederschläge der vergangenen Woche in vielen Regionen Deutschlands geben jedoch Anlass zur Hoffnung, dass sich die Grünlandbestände wieder erholen und noch ein weiterer Schnitt möglich sein wird. Nichtsdestotrotz werden in einigen Regionen Deutschlands Tiere aufgrund des unzureichenden Grundfutteraufwuchses früher eingestallt oder selektiert als üblich. Sie werden bereits jetzt zur Schlachtung angemeldet, anstatt wie üblich erst im Herbst.
Die lange Zeit der stabilen Biomilchauszahlungspreise auf einem vergleichsweise hohen Niveau verstärkt diesen Effekt. Da einige Kühe länger als üblich gemolken wurden, führt dies zusätzlich zu einem erhöhten Angebot an Schlachtkühen. Dadurch stehen aktuell mehr Schlachtkühe zur Verfügung.
Die unterschiedlichen Entwicklungen beim Angebot von Jungbullen und Schlachtkühen spiegeln sich auch in der jeweiligen Preisentwicklung wider. Während sich die Preise für Biojungbullen stabil entwickeln, geraten die Preise für Bio-Schlachtkühe zunehmend unter Druck.
Auch bei den Verbraucherpreisen wurden Preisanpassungen vorgenommen. Während die Preise im Preiseinstiegssegment des Lebensmitteleinzelhandels für hochwertige Biorindfleischartikel vom Jungbullen stabil blieben, wurden die Preise für Biorinderhackfleisch zuletzt um 0,20 € je 400g-Packung reduziert. Insgesamt bleibt das Preisniveau jedoch hoch und liegt weiterhin über dem Vorjahresniveau. Zudem könnte die Preissenkung in Verbindung mit dem Ende der Ferienzeit, moderateren Temperaturen und zurückkehrenden Urlaubern für eine steigende Nachfrage sorgen.
Carina Lutz, Landwirtschaftskammer NRW
Milch: Kleinere Preisanpassungen
Die Auszahlungspreise für ökologisch erzeugte Milch zeigten sich im Juli größtenteils weiter stabil. Drei der in NRW relevanten Molkereien veränderten ihren Auszahlungspreis im Vergleich zum Vormonat nicht und zahlten unveränderte Auszahlungspreise an ihre Erzeuger aus. Zwei Molkereien reduzierten aufgrund des Mehrangebots an Milch im Juli ihren Auszahlungspreis allerdings leicht um 0,3 bis 1 Cent/kg ökologisch erzeugter Milch.
Bio-Milchpreisvergleich Juli 2026
Schweine: Konkurrenz EU-Bioware und Bioverbandsware
Am Biomarkt zeigt sich eine leichte Preisberuhigung, auch wenn vereinzelt weiterhin Preissenkungen vorgenommen werden. Ursache ist das hohe Angebot sowie der verstärkte Rückgriff des Lebensmitteleinzelhandels auf günstigere Frischfleischimporte aus dem Ausland. Zudem ist der Preisabstand zwischen EU-Bio- und Verbands-Bio-Ware im Handel häufig deutlich höher als es die Unterschiede in den Erzeugungskosten erwarten lassen. Das wiederum veranlasst Kunden, im direkten Vergleich das preisgünstigere Produkt zu wählen.
Eier: Bio-Eiermarkt bleibt knapp versorgt
Der Bio-Eiermarkt zeigt sich weiterhin knapp versorgt. Die Nachfrage nach Bio-Eiern bleibt auf einem hohen Niveau, während das verfügbare Angebot begrenzt ist. Das saisonale Sommerloch fällt in diesem Jahr zwar etwas ausgeprägter aus als 2025, bleibt jedoch deutlich schwächer als beispielsweise 2024. Insgesamt bleibt die Marktlage damit angespannt und Bio-Ware weiterhin gefragt.
Kartoffeln: Hitze und Trockenheit zeigen Wirkung
In den vergangenen Wochen dominierten Biofrühkartoffeln aus der Pfalz das Angebot. Mittlerweile nimmt das Angebot in allen deutschen Anbaugebieten – so auch in NRW - stetig zu. Vergleichbar dem konventionellen Anbau, wird auch vom Biokartoffelmarkt berichtet, dass Angebot und Nachfrage weiterhin gut zusammenpassen. Dabei wird die Nachfrage nach Biokartoffeln als verhalten beschrieben. Begründet wird dies mit der Ferienzeit und den bislang hochsommerlichen Temperaturen.
Mit dem gegenwärtigen Übergang zu moderateren Temperaturen werden jedoch positive Nachfrageimpulse erwartet. Die Erzeugerpreise bewegten sich in der vergangenen Woche auf einem Niveau von 57,00 bis 60,00 €/dt (netto, lose franko Packbetrieb). Sie lagen damit über dem Vorjahresniveau von 44 €/dt. Wie der konventionelle Anbau, bleibt auch der Biokartoffelmarkt geprägt von den Auswirkungen der diesjährigen Hitzewellen und der langanhaltenden Trockenheit auf Erträge und Qualitäten. Immer deutlicher zeichnen sich unterdurchschnittliche Erträge und eher kleinfallende Sortierungen ab.
Getreide: Mais regional unterschiedlich
Die Biogetreideernte wurde vielerorts mit durchschnittlichen bis guten Ergebnissen eingefahren. Die Erzeugerpreise haben zur Ernte nachgelassen, sich zuletzt aber gefestigt. Beim Weizen waren die Qualitäten vielerorts gut, auch weil bei der Sortenwahl der Fokus auf hohen Qualitäten liegt. Das Futterweizenangebot ist entsprechend überschaubar. Bei der anstehenden Maisernte ist die Situation zweigeteilt. Während sich einige Maisbestände in Ostwestfalen-Lippe gut präsentieren, ist die Lage im Westen und Süden extrem kritisch. Teilweise sind die Bestände kolbenlos. Die Preise für Bio-Mais steigen stellenweise an.
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Fachbereich 54 – Markt, Qualitätsmanagement