Bio-Getreide: Preise lassen nach
Die heiße und trockene Witterung hat zu einem sehr zügigen Erntestart geführt. Die Gerstenernte wurde mit guten Erträgen und Qualitäten abgeschlossen. Bei der angelaufenen Weizenernte können auch höhere Qualitäten wie A- und E-Weizen gedroschen werden, wobei diese im Bio-Sektor niedrigere Proteingehalte haben als im konventionellen Getreidebau. Beim Roggen weisen die Partien gute Fallzahlen auf und es gibt in diesem Jahr kaum Mutterkorn. Teilweise kommt etwas Schmachtkorn vor, was sich aber gut herausreinigen lässt. Hafer erweist sich hingegen sehr durchwachsen, sowohl in Bezug auf die Qualitäten als auch auf die Erträge.
Wie üblich, haben die Erzeugerpreise für Biogetreide mit dem Erntestart nachgelassen. Darin unterscheidet sich der Biomarkt derzeit vom konventionellen Getreidemarkt: Der Biomarkt ist für sich weniger politisch und hat keine zugrundeliegenden Börsen. Der Markt orientiert sich stärker an der regionalen Nachfrage und dem Angebot. Insofern ist der Preisnachlass mit dem Erntestart auch nicht verwunderlich, zumal Mühlen und andere Abnehmer zum Teil noch mit Lagerbeständen der alten Ernte versorgt sind, insbesondere mit EU-Bioware.
Ganz kann sich der Ökogetreidemarkt den politischen Effekten aber nicht entziehen. EU-Staaten verzeichnen mehr Nachfrage nach konventionellem Getreide. Zudem sind die Transportkosten durch den hohen Ölpreis gestiegen. Das kann dazu führen, dass in Bio-Exportstaaten, wie zum Beispiel Rumänien, Biopartien aufgrund hoher Exportpreise auch konventionell vermarktet werden. Gleichwohl rechnen Markteilnehmer auch hierzulande mit einer Belebung der Nachfrage, sobald die Lagerbestände aufgebraucht sind. Außerdem hat sich der Ökomarkt in den vergangenen Monaten positiv entwickelt. Allerdings hielt sich das Produktionswachstum des deutschen Ökosektors in den zurückliegenden Jahren in Grenzen - und bis Umsteller hinzukommen, dürfte es noch etwas dauern.
Dr. Thomas Böcker, Landwirtschaftskammer NRW
Kartoffeln: Start in die neue Biokartoffelsaison
Nach dem Auslaufen der Frühkartoffelimporte aus der Mittelmeerregion dominieren deutsche Biofrühkartoffeln das Angebot. Insgesamt spielte die Importware in dieser Lagersaison eine eher untergeordnete Rolle, da der Fokus in der Vermarktung lange auf deutschen Biokartoffeln lag. Neben der Pfalz werden nun zunehmend auch Frühkartoffeln aus Nordrhein-Westfalen abgepackt. Vergleichbar dem konventionellen Anbau, wird auch vom Biofrühkartoffelmarkt berichtet, dass Angebot und Nachfrage weiterhin gut zusammenpassen. Die Erzeugerpreise bewegten sich in der vergangenen Woche auf einem Niveau von 66 bis 68 €/dt (netto, lose franko Packbetrieb) und damit über der Marke des Vorjahres von durchschnittlich 62,33 €/dt. Die Nachfrage nach Biofrühkartoffeln wird als saisontypisch beschrieben. Werbeaktionen im Lebensmitteleinzelhandel unterstützen den Absatz. Wie im konventionellen Anbau, nehmen auch bei den Biokartoffeln mit der für diese Woche prognostizierten Hitzewelle die Sorgen um Ertrag und Qualität der Anschluss- und Lagerware zu.
Milch: Auszahlungspreise stabil
Die Auszahlungspreise für ökologisch erzeugte Milch zeigten sich im Juni stabil. Alle der in NRW relevanten Molkereien veränderten ihren Auszahlungspreis im Vergleich zum Vormonat nicht und zahlten unveränderte Auszahlungspreise an die Erzeuger aus. Am konventionellen Markt kam es vereinzelt zu leichten Preisrücknahmen im Juni, sodass sich die Differenz zu den konventionellen Preisen wieder sehr leicht erhöht hat.
Bio-Milchpreisvergleich Juni 2026
Eier: Bio-Eiermarkt wächst weiter – Angebot entspannt sich
Der deutsche Bio-Eiermarkt ist in den ersten fünf Monaten 2026 weiter gewachsen. Von Januar bis Mai wurden in meldepflichtigen Betrieben rund 886,3 Mio. Bio-Eier erzeugt und damit 7,6 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Betriebe stieg von 626 auf 646, während die durchschnittliche Betriebsgröße mit 11 931 Haltungsplätzen nahezu unverändert blieb. Mit einer Auslastung von 90,5 % lag der Biobereich deutlich über Bodenhaltung (80,1 %) und Freilandhaltung (88,7 %). Nach der knappen Versorgung vor Ostern entspannte sich die Marktlage. Hohe Temperaturen und die Ferienzeit dämpften zuletzt die Nachfrage, sodass sich wieder ein saisonales Sommerloch abzeichnet.
Rinder: Rückläufige Nachfrage
Am Biorindfleischmarkt stehen sich - ähnlich wie am konventionellen Markt - eine ruhige Nachfrage und ein knappes Angebot ausgeglichen gegenüber. Der Markt zeigt sich daher ausgeglichen und stabil. Vor allem das Angebot an Bioschlachtkühen ist knapp und es werden nur wenige Stückzahlen geschlachtet. Der vergleichsweise hohe Biomilchauszahlungspreis bei einem überwiegend guten Grundfutterangebot sorgte zuletzt für sinkende Schlachtzahlen bei Schlachtkühen. Gleichzeitig ist das Interesse nach Biorindfleisch in den Sommermonaten begrenzt. Vor allem bei hohen Temperaturen besteht wenig Kaufinteresse seitens der Verbraucher.
Schweine: Preisrückgänge auf dem Ökomarkt
Auch am Ökoschweinemarkt gingen die Preise zuletzt deutlich zurück. Die Preise für Bioschweine sind von März bis Mai bereits um rund 20 Cent gesunken. Im Juni gab es bei einzelnen Abnehmern weitere Preissenkungen, eine flächendeckende Absenkung blieb jedoch aus, sodass die Mai-Preise vielfach gehalten werden konnten. Die Vermarktung zeigt sich uneinheitlich. Während feste Lieferbeziehungen meist stabil laufen und die Abnahme pünktlich erfolgt, haben Anbieter ohne feste Bindung teils deutliche Probleme. Der Absatz von Bioschweinefleisch ist insgesamt nicht spürbar gesunken und die Nachfrage bleibt weitgehend stabil.
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Fachbereich 54 – Markt, Qualitätsmanagement